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01.09.2026Durchs Jahr

Fellwechsel beim Pferd: was jetzt wirklich zählt

Der Fellwechsel ist die größte Stoffwechselleistung des Jahres. Warum er im September beginnt, welche Nährstoffe jetzt zählen und warum mehr Zink nicht automatisch besser ist.

Der Fellwechsel ist die größte Stoffwechselleistung, die ein Pferd im Jahr erbringt. Es baut in wenigen Wochen ein komplettes Haarkleid um, und das kostet Bausteine, Energie und Leberarbeit.

Und er beginnt früher, als die meisten denken.

Er startet im Juni, nicht im Oktober

Ausgelöst wird der Fellwechsel nicht von der Temperatur, sondern vom Licht. Kurz nach der Sommersonnenwende, wenn die Tage wieder kürzer werden, registriert das Pferd über die Zirbeldrüse die Veränderung und stellt den Hormonhaushalt um.

Sichtbar wird das erst im September und Oktober. Wer dann anfängt zu füttern, kommt also nicht zu spät, aber auch nicht besonders früh. Wer sein Pferd wirklich unterstützen will, sorgt schon im Spätsommer dafür, dass die Grundversorgung steht.

Was der Körper jetzt braucht

Fell besteht zum größten Teil aus Keratin, einem Eiweiß. Damit der Körper es bilden kann, braucht er drei Dinge:

Eiweißbausteine, vor allem schwefelhaltige. Methionin und Cystein sind die Aminosäuren, aus denen die stabilen Verbindungen im Haar entstehen. Fehlen sie, wird das Fell stumpf und wächst langsam nach, ganz gleich wie viele Mineralien du dazugibst.

Zink und Kupfer. Zink für Zellteilung und Hautbarriere, Kupfer unter anderem für die Pigmentbildung. Deshalb bleicht das Fell bei Kupfermangel aus, ein Rappe wird rostig, ein Brauner fahl.

Eine funktionierende Leber. Der Umbau produziert Stoffwechselprodukte, die weg müssen. Ist die Leber ohnehin ausgelastet, zeigt sich das zuerst an Haut und Fell.

Warum mehr Zink nicht automatisch besser ist

Im Herbst greifen viele zur Zinkkur, und das ist grundsätzlich nicht falsch, denn Zink ist in deutschem Heu fast immer knapp.

Der Haken sitzt im Verhältnis. Zink und Kupfer teilen sich im Darm dieselben Aufnahmewege. Gibst du über Wochen sehr viel Zink dazu, verdrängst du damit Kupfer. Als Richtwert gilt etwa vier bis fünf Teile Zink auf einen Teil Kupfer. Es gibt Zinkpräparate, die dieses Verhältnis stark verschieben.

Das Ergebnis sieht man dann im Frühjahr: ein Pferd, das den ganzen Herbst Zink bekommen hat und trotzdem ein stumpfes, ausgeblichenes Fell trägt.

Rechne also nicht nur, wie viel Zink dazukommt, sondern was dein Pferd am Ende insgesamt bekommt, aus Mineralfutter und Kur zusammen.

Die drei Fragen, die ich stelle

Steht die Grundversorgung überhaupt? Ein bedarfsgerechtes Mineralfutter, das auch wirklich in der angegebenen Menge gefressen wird. Eine Kur auf einer löchrigen Grundlage bringt wenig.

Reicht das Eiweiß? Bei älteren Pferden, bei magerem Heu und bei Pferden, die viel arbeiten, ist die Eiweißversorgung öfter knapp, als man denkt. Luzerne oder ein hochwertiges Eiweißfutter kann hier mehr bewirken als jede Spurenelementkur.

Wie viel muss die Leber sonst noch leisten? Wenn parallel Getreide, Melasse und drei Zusatzfutter laufen, nimmst du dem Stoffwechsel Kapazität weg, die er gerade woanders braucht.

Was du praktisch tun kannst

  • Ab September auf die Grundversorgung schauen, nicht auf Sonderfutter.
  • Zucker und Stärke reduzieren, damit die Leber Luft hat.
  • Genug trinken lassen. Bei kaltem Wetter trinken viele Pferde deutlich weniger. Angewärmtes Wasser oder eingeweichte Heucobs helfen mehr, als man vermutet.
  • Täglich putzen. Das ist kein Schönheitsprogramm, sondern regt die Durchblutung an und hilft beim Loswerden der alten Haare.
  • Und Zeit lassen. Ein Fellwechsel dauert Wochen. Was du im September fütterst, siehst du im November.

Wann es kein normaler Fellwechsel mehr ist

Ein Pferd, das im Frühjahr sein Winterfell nicht oder nur teilweise verliert, lange Haare an Beinen und Unterbauch behält oder auffällig spät wechselt, sollte auf ECS untersucht werden, das früher Cushing hieß. Das ist keine Fütterungsfrage, sondern eine Diagnose, und je früher sie gestellt wird, desto besser lässt sich damit umgehen.

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