
Mauke sieht aus wie ein Hautproblem, und deshalb wird sie meistens auch so behandelt: waschen, trocknen, Salbe drauf. Bei vielen Pferden kommt sie trotzdem immer wieder.
Mauke ist eine Entzündung der Haut in der Fesselbeuge, und sie hat viele mögliche Ursachen: Bakterien, Milben, Pilze, Lichtempfindlichkeit, Haltung im Nassen. Die Fütterung ist einer der Bausteine, nicht der einzige.
Was hat die Haut mit dem Rest des Pferdes zu tun?
Die Haut ist das größte Organ des Pferdes. Haut und Horn erneuern sich ständig und brauchen dafür laufend Nährstoffe, deshalb fällt eine knappe Ration dort oft auf.
Und es gibt einen zweiten, gut belegten Weg von innen nach außen: Arbeitet die Leber nicht richtig, reichern sich Abbauprodukte des Blattgrüns im Körper an, die unter Sonnenlicht in der Haut reagieren. Betroffen sind dann genau die Stellen ohne Pigment, also weiße Beine und Nüstern. Darauf komme ich weiter unten zurück, denn dieses Muster wird am häufigsten verkannt.
Dazu kommt die Barriere selbst. Damit die Haut in der Fessel dicht bleibt, braucht sie Bausteine, allen voran Zink. Zink steckt in über dreihundert Enzymen und ist unter anderem für die Zellteilung und die Wundheilung zuständig. Fehlt es, heilen kleine Verletzungen schlechter, und Bakterien haben es leichter.
Und dann ist da noch die Frage nach dem Darm. Kotwasser und Mauke beim selben Pferd können eine gemeinsame Ursache in Haltung oder Ration haben. Sie müssen es aber nicht.
Was passiert bei Mauke in der Fesselbeuge?
Die Fesselbeuge ist die undankbarste Stelle am ganzen Pferd. Sie knickt bei jedem Schritt, sie steht am tiefsten Punkt, sie bekommt Matsch, Urin und Einstreu ab, und sie trocknet als Letztes ab.
Wenn die Hautbarriere dort intakt ist, macht ihr das wenig aus. Ist sie es nicht, läuft immer dieselbe Kette ab:
- Die Hornschicht weicht auf, kleine Risse entstehen.
- Bakterien, die auf jeder Pferdehaut sitzen, kommen in die Tiefe. Am häufigsten sind Staphylokokken und Dermatophilus congolensis, der die typischen festhaftenden Krusten macht.
- Der Körper reagiert mit Entzündung, die Stelle nässt, es bilden sich neue Krusten.
- Unter den Krusten ist es feucht und sauerstoffarm, also genau das Milieu, in dem es weitergeht.
Deshalb bringt eine Salbe allein so wenig: Sie liegt oben auf der Kruste, während darunter der Kreislauf weiterläuft. Und deshalb hilft Trockenheit so viel: Sie nimmt dem Kreislauf die Grundlage.
Welche Rolle spielt Zink bei Mauke?
Zink ist in deutschem Heu fast immer knapp. Das ist keine Nachlässigkeit irgendeines Landwirts, sondern eine Folge der Böden und der Bewirtschaftung. Wer nur Heu und ein bisschen Karotte füttert, hat mit ziemlicher Sicherheit eine Unterversorgung.
Jetzt kommt der Teil, der in den meisten Ratgebern fehlt: Die Zahl auf dem Sack sagt dir nicht, was im Pferd ankommt. Zwei Punkte entscheiden darüber.
Erstens die Menge, die tatsächlich gefüttert wird. Auf der Packung steht eine Tagesdosis, oft achtzig oder hundert Gramm. Gefüttert wird häufig die halbe Menge, weil das Pferd es sonst nicht frisst. Dann ist auch nur die halbe Zinkmenge drin.
Zweitens das Verhältnis zu Kupfer. Zink und Kupfer nutzen im Darm dieselben Aufnahmewege und behindern sich gegenseitig. Zur Orientierung liegen drei bis vier Teile Zink auf einen Teil Kupfer, ein fester Grenzwert ist das nicht. Es gibt Mineralfutter am Markt, die deutlich darüber liegen, teils bei neun zu eins. Wer so etwas über Monate füttert, kann das Kupfer ins Hintertreffen bringen, deshalb rechne es mit. Und Kupfer braucht die Haut auch, unter anderem für die Pigmentbildung und für stabiles Bindegewebe.
So rechnest du es durch
Ein 600-Kilo-Pferd nimmt am Tag rund 9 bis 10 Kilo Trockensubstanz auf, fast alles davon Heu. Der Zinkbedarf liegt bei etwa 50 Milligramm je Kilo Trockensubstanz, also grob 500 Milligramm am Tag.
| Woher | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Heu | 9 kg Trockensubstanz, im Schnitt 25 mg Zink je kg | rund 225 mg |
| Lücke | 500 mg Bedarf minus 225 mg aus dem Heu | rund 275 mg fehlen |
| Mineralfutter | 80 g von einem Futter mit 2.000 mg Zink je kg | 160 mg, zu wenig |
| Mineralfutter | 80 g von einem Futter mit 4.000 mg Zink je kg | 320 mg, passt |
Die Zahlen sind Richtwerte, dein Heu kann darüber oder darunter liegen. Aber die Rechnung zeigt, worauf es ankommt: Nicht ob ein Mineralfutter Zink enthält, sondern wie viel davon bei der Menge ankommt, die du wirklich fütterst. Zwei Produkte mit demselben Preis können sich hier um den Faktor zwei unterscheiden.
Rechne dein Mineralfutter also einmal durch: Zinkgehalt geteilt durch Kupfergehalt, und die Tagesdosis mal Zinkgehalt. Liegt die Menge unter dem, was fehlt, reicht das Mineralfutter für deine Ration nicht. Liegt das Verhältnis weit über der Orientierung, rechne Kupfer mit.
Welche Nährstoffe braucht die Haut außer Zink?
Neben Zink vor allem Kupfer, im Verhältnis zum Zink, dazu die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein als Bausteine von Keratin, Omega-3-Fettsäuren als Teil der Zellmembran und Biotin für Horn und Oberhaut. Selen fehlt in dieser Liste mit Absicht: Das Pferd braucht es, aber es gehört erst nach einer Blutuntersuchung in die Ration.
Zink ist der bekannteste Baustein, aber nicht der einzige. Wenn die Haut nicht zur Ruhe kommt, lohnt der Blick auf diese fünf:
| Baustein | Wofür die Haut ihn braucht |
|---|---|
| Zink | Zellteilung, Wundheilung, dichte Hautbarriere |
| Kupfer | Pigment und stabiles Bindegewebe, im Verhältnis zum Zink |
| Schwefelhaltige Aminosäuren | Methionin und Cystein sind die Bausteine von Keratin, also von Haut und Horn |
| Omega-3-Fettsäuren | Teil der Zellmembran, im Alltag über den Weidegang, gezielt EPA und DHA aus Algen- oder Dorschöl |
| Biotin | Horn und Oberhaut, wirkt langsam und nur über Monate |
Was auf dieser Liste fehlt, ist Selen. Das ist Absicht. Selen braucht das Pferd, aber der Abstand zwischen zu wenig und zu viel ist klein, und beides schadet. Selen gehört nicht ins Blaue hinein gefüttert, sondern erst nach einer Blutuntersuchung, am besten aus Vollblut.
Woran erkenne ich, woher die Mauke kommt?
Am Muster. Kommt die Mauke im Herbst und geht im Frühjahr, steckt meist Dauernässe dahinter. Bleibt sie, egal wie trocken es ist, denke ich an Milben, eine bakterielle Infektion oder die Versorgung. Sitzt sie nur an den weißen Beinen, oft mit Krusten an der Nase, kann eine Lichtempfindlichkeit dahinterstecken, die häufig mit der Leber verbunden ist.
Mauke ist nicht gleich Mauke. Diese drei Muster sehe ich am häufigsten:
| Muster | Was meist dahintersteckt | Wo ich zuerst ansetze |
|---|---|---|
| Kommt im Herbst, geht im Frühjahr | Dauernässe, Matsch, keine trockene Stelle zum Stehen | Haltung: trockener Platz, Auslauf befestigen |
| Bleibt, egal wie trocken es ist | Milben, bakterielle Infektion, Versorgung | Tierarzt mit Hautgeschabsel, dann Ration durchrechnen |
| Nur an den weißen Beinen, oft mit Krusten an der Nase | unpigmentierte Haut, Lichtempfindlichkeit, häufig mit der Leber verbunden | Leberwerte, Weidegang und Futterpflanzen prüfen |
Das dritte Muster ist das, das am häufigsten übersehen wird. Wenn ein Pferd nur an den unpigmentierten Stellen Probleme hat und zusätzlich an der Nase, ist das kein Zufall der Hautfarbe, sondern ein Hinweis auf eine Photosensibilisierung. Dahinter kann eine Leberbelastung stecken, und die gehört abgeklärt, bevor man weiter cremt.
Wie pflege ich die Fessel bei Mauke richtig?
Vor allem trocken. Krusten aufweichen und vorsichtig ablösen statt abreißen, nach dem Waschen bis in die Beuge trocken tupfen und Kötenbehang kurz halten. Schaden tun dagegen tägliches Waschen mit Shampoo, Blauspray und andere farbige Sprays auf offenen Stellen und dicke, luftdichte Salbenschichten auf nässenden Stellen. Pflegemittel stehen bei alldem am Ende der Reihe.
Was hilft:
- Trocken halten. Das ist die halbe Behandlung und kostet nichts.
- Krusten aufweichen und vorsichtig ablösen, nicht abreißen. Darunter sitzt die Entzündung, und offene, blutende Stellen machen sie schlimmer.
- Nach dem Waschen wirklich trocken tupfen, bis in die Beuge hinein.
- Behaarung kurz halten, wenn das Pferd Kötenbehang hat. Was nicht trocknet, bleibt feucht.
Was schadet:
- Tägliches Waschen mit Shampoo. Es weicht die Hornschicht auf und entfernt den Fettfilm, also genau die Barriere, um die es geht.
- Blauspray und andere farbige Sprays auf offenen Stellen. Sie trocknen die Wundfläche aus und verdecken, wie die Wunde darunter aussieht. Mehr dazu im Beitrag über die moderne Wundversorgung.
- Dicke, luftdichte Salbenschichten auf nässenden Stellen. Darunter wird es warm und feucht.
Zum Krustenlösen, ohne zu waschen. Das ist der Punkt, an dem die meisten hängenbleiben: Abreißen tut weh und reißt die Haut wieder auf, Einweichen macht die Fessel nass, und nass ist genau das, was du hier nicht willst. Es gibt dafür Schäume, die ohne Wasser arbeiten. Aufsprühen, sanft einmassieren, kurz warten und den gelösten Schmutz mit einer sterilen Kompresse abnehmen. Das ist Hautpflege und kein Ersatz für die Abklärung beim Tierarzt.
Pflegemittel stehen bei alldem am Ende der Reihe, nicht am Anfang. Sie sind Pflege, keine Behandlung. Was die Haut tatsächlich als Baustein braucht, steht in der Tabelle weiter oben.
Was sollte ich bei Mauke zuerst ändern?
- Trocken stellen. Nicht waschen, sondern trocken halten. Wo Krusten sind, gehören sie vorsichtig abgelöst, nicht abgerissen.
- Abklären lassen. Wenn es trotz Trockenheit nicht besser wird, gehören Milben und Bakterien beim Tierarzt abgeklärt.
- Das Mineralfutter nachrechnen. Menge und Zink-Kupfer-Verhältnis, wie oben beschrieben.
- Zeit einplanen. Haut erneuert sich langsam.
Wie lange dauert es, bis sich die Haut erholt?
In den ersten ein bis zwei Wochen lösen sich die Krusten, und die Haut darunter sieht schlechter aus als vorher. Das ist der richtige Weg. Ab Woche drei bis sechs schließt sich die Haut und nässt nicht mehr, ab Woche acht wächst neues Haar nach. Ist bis dahin nichts passiert, obwohl es trocken steht und die Ration sitzt, gehört mehr dazu als Fütterung.
- Woche 1 bis 2: Trockenheit und Ruhe. Die Krusten lösen sich, die Haut darunter ist noch gerötet. Das sieht schlechter aus als vorher, ist aber der richtige Weg.
- Woche 3 bis 6: Die Haut schließt sich, es nässt nicht mehr. Jetzt zeigt sich, ob die Fütterung stimmt.
- Ab Woche 8: Neues Haar wächst nach. Ist bis hierhin nichts passiert, obwohl es trocken steht und die Ration sitzt, gehört mehr dazu als Fütterung.
Fotografier die Fessel einmal in der Woche, immer von derselben Seite und bei gleichem Licht. Nach sechs Wochen siehst du auf den Bildern, was dein Auge im Alltag nicht bemerkt, weil die Veränderung zu langsam kommt.
Wann muss der Tierarzt bei Mauke kommen?
Wenn die Fessel dick wird, das Pferd lahmt, die Stellen nässen und riechen, oder wenn sich die Mauke trotz trockener Haltung ausbreitet. Dann steckt oft eine bakterielle Infektion oder ein Milbenbefall dahinter, und beides braucht eine gezielte Behandlung. Die Fütterung ist die Grundlage, aber sie ersetzt keine Diagnose.
Bei Kötenbehang lohnt sich der Milbenverdacht früher, als man denkt. Gemeint sind Chorioptesmilben, die sogenannte Fußräude. Sie sitzen tief in der Behaarung, sind von außen nicht zu sehen, und der Nachweis gelingt nur über ein Hautgeschabsel beim Tierarzt. Solange sie unbehandelt bleiben, kommt keine Fütterung dagegen an.
Passt mein Mineralfutter zu meinem Heu?
Ob dein Mineralfutter zu deinem Heu passt, siehst du nur, wenn du es einmal durchrechnest: was das Heu liefert, was fehlt und was bei der Menge ankommt, die du wirklich fütterst.
Häufige Fragen
Warum kommt die Mauke bei meinem Pferd immer wieder?
Weil Mauke viele Ursachen hat und oft nur eine davon angegangen wird. Nässe, Milben, Bakterien und Lichtempfindlichkeit gehören abgeklärt. Von der Fütterungsseite lohnt es sich, Zink und Kupfer nachzurechnen, weil beide in vielen Rationen knapp sind.
Wie viel Zink braucht ein Pferd bei Mauke?
Mehr, als der Sack vermuten lässt. Ein 600-Kilo-Pferd braucht rund 500 Milligramm Zink am Tag, aus dem Heu kommen im Schnitt etwa 225. Es fehlen also rund 275 Milligramm. Ein Mineralfutter mit 2.000 Milligramm Zink je Kilo liefert bei 80 Gramm Tagesdosis nur 160 Milligramm und reicht damit nicht. Und schau aufs Verhältnis zu Kupfer, zur Orientierung drei bis vier zu eins.
Was hilft äußerlich bei Mauke?
Trocken halten, vorsichtig reinigen, Krusten nicht abreißen. Alles, was die Stelle luftdicht abschließt oder die Haut zusätzlich austrocknet, verzögert die Heilung. Und Vorsicht bei den Hausmitteln aus dem Netz: Was scharf desinfiziert, schädigt in der Regel auch die neuen Zellen, die die Wunde schließen sollen.
Kann Mauke von Milben kommen?
Ja, und das wird regelmäßig übersehen. Chorioptesmilben sitzen tief im Kötenbehang, sind von außen nicht zu sehen, und nachweisen lässt sich der Befall nur über ein Hautgeschabsel beim Tierarzt. Solange sie unbehandelt bleiben, kommt keine Fütterung und keine Pflege dagegen an. Bei Pferden mit viel Behang lohnt der Verdacht früher, als man denkt.
Wie lange dauert es, bis Mauke abheilt?
In den ersten ein bis zwei Wochen lösen sich die Krusten und die Haut darunter sieht schlechter aus als vorher, das gehört dazu. Ab Woche drei bis sechs schließt sich die Haut, ab Woche acht wächst neues Haar nach. Ist bis dahin nichts passiert, obwohl es trocken steht und die Ration sitzt, gehört mehr dazu als Fütterung. Fotografier die Fessel wöchentlich von derselben Seite, sonst siehst du den Fortschritt nicht.
Darf ein Pferd mit Mauke auf die nasse Weide?
Dauerhaft im Matsch stehen ist der sicherste Weg, dass nichts abheilt. Wegsperren muss man das Pferd deswegen aber nicht, denn Bewegung ist für die Durchblutung der Fessel wichtig. Der Kompromiss ist, dass die Beine danach trocknen können, also trockener Untergrund im Stall oder auf dem Paddock, und Abtrocknen statt Abspritzen.
Was bei mir im Stallschrank steht
Werbung: Mit Bäralis arbeite ich zusammen. Kaufst du über meinen Link oder mit meinem Code, erhalte ich eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht. Zum Krustenlösen ohne Wasser nehme ich den Fessel-Schaum Nr. 3 von Bäralis. Er enthält Panthenol und ist ein Pflegeprodukt.
Woher die Zahlen kommen: Der Zink- und Kupferbedarf folgt den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE), Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, Ausgabe 2014. Das Verhältnis von Zink zu Kupfer ist eine in der Fütterungspraxis übliche Orientierung, kein Grenzwert. Die 25 Milligramm Zink je Kilo Heu sind ein Durchschnittswert aus Futtermittelanalysen. Heu schwankt je nach Boden und Schnitt deutlich, sicher weißt du es erst mit einer eigenen Heuanalyse.
Zuletzt fachlich überarbeitet am 26.09.2026.


