Mauke beim Pferd ist kein Hautproblem
Salben helfen bei Mauke oft nur kurz, weil die Ursache nicht in der Fessel sitzt. Was Darm, Leber und die Spurenelemente damit zu tun haben und woran du erkennst, wo es bei euch klemmt.
Mauke sieht aus wie ein Hautproblem, und deshalb wird sie meistens auch so behandelt: waschen, trocknen, Salbe drauf. Das lindert, solange man es macht. Und wenn man aufhört, ist sie wieder da.
Das liegt daran, dass die Haut selten der Ausgangspunkt ist. Sie ist das Ausgabefenster.
Warum die Haut zeigt, was woanders passiert
Die Haut ist das größte Ausscheidungsorgan des Pferdes und gleichzeitig das, was am ehesten aufgibt, wenn die anderen überlastet sind. Leber und Nieren arbeiten daran, Stoffwechselprodukte loszuwerden. Kommen sie nicht hinterher, weicht der Körper aus, und zwar über Haut und Fell.
Dazu kommt die Barriere selbst. Damit die Haut in der Fessel dicht bleibt, braucht sie Bausteine, allen voran Zink. Zink steckt in über dreihundert Enzymen und ist unter anderem für die Zellteilung und die Wundheilung zuständig. Fehlt es, wird jede kleine Verletzung zur Eintrittspforte, und genau dort setzen sich Bakterien und Milben fest, die auf gesunder Haut nichts ausrichten könnten.
Und der dritte Strang ist der Darm. Ein Mikrobiom aus dem Gleichgewicht zeigt sich nicht nur unten am Kot, sondern eben auch oben an der Haut. Kotwasser und Mauke beim selben Pferd sind kein Zufall, sondern zweimal dasselbe Problem an zwei verschiedenen Enden.
Die Zinklücke, die kaum jemand auf dem Schirm hat
Zink ist in deutschem Heu fast immer knapp. Das ist keine Nachlässigkeit irgendeines Landwirts, sondern eine Folge der Böden und der Bewirtschaftung. Wer nur Heu und ein bisschen Karotte füttert, hat mit ziemlicher Sicherheit eine Unterversorgung.
Jetzt kommt der Teil, der in den meisten Ratgebern fehlt: Die Zahl auf dem Sack sagt dir nicht, was im Pferd ankommt. Zwei Punkte entscheiden darüber.
Erstens die Menge, die tatsächlich gefüttert wird. Auf der Packung steht eine Tagesdosis, oft achtzig oder hundert Gramm. Gefüttert wird häufig die halbe Menge, weil das Pferd es sonst nicht frisst. Dann ist auch nur die halbe Zinkmenge drin.
Zweitens das Verhältnis zu Kupfer. Zink und Kupfer nutzen im Darm dieselben Aufnahmewege und behindern sich gegenseitig. Als Richtwert gilt ein Verhältnis von etwa vier bis fünf Teilen Zink auf einen Teil Kupfer. Es gibt Mineralfutter am Markt, die deutlich darüber liegen, teils bei neun zu eins. Wer so etwas über Monate füttert, kann rechnerisch genug Zink geben und dem Pferd trotzdem einen Kupfermangel machen. Und Kupfer braucht die Haut auch, unter anderem für die Pigmentbildung und für stabiles Bindegewebe.
Rechne dein Mineralfutter also einmal durch: Zinkgehalt geteilt durch Kupfergehalt. Liegt das Ergebnis deutlich über fünf, ist es die falsche Mischung für ein Pferd mit Hautproblemen.
Woran du erkennst, wo es bei euch klemmt
Mauke ist nicht gleich Mauke. Diese drei Muster sehe ich am häufigsten:
Die nasse Mauke, die im Herbst kommt und im Frühjahr geht. Hier steht meistens die Haltung im Vordergrund: Dauernässe, Matsch, keine trockene Stelle zum Stehen. Trockenheit ist hier die halbe Behandlung.
Die Mauke, die bleibt, egal wie trocken es ist. Das ist der Fall für die Fütterung. Hier lohnt es sich, Spurenelemente und Darm anzusehen, nicht die nächste Salbe.
Die Mauke, die nur an den weißen Beinen sitzt. Unpigmentierte Haut ist empfindlicher, und oft spielt Lichtempfindlichkeit hinein. Wenn dazu noch Krusten an der Nase auftreten, gehört die Leber angeschaut.
Was ich zuerst ändern würde
- Trocken stellen. Nicht waschen, sondern trocken halten. Jedes Waschen weicht die Haut weiter auf. Wo Krusten sind, gehören sie vorsichtig abgelöst, nicht abgerissen.
- Zucker und Stärke herunterfahren. Getreide raus, Müsli raus, gutes Heu als Basis. Das entlastet Darm und Leber gleichzeitig.
- Das Mineralfutter nachrechnen. Menge und Zink-Kupfer-Verhältnis, wie oben beschrieben.
- Zeit einplanen. Haut erneuert sich langsam. Vor vier bis sechs Wochen siehst du keine ehrliche Veränderung, und das ist normal.
Wann der Tierarzt drangehört
Wenn die Fessel dick wird, das Pferd lahmt, die Stellen nässen und riechen, oder wenn sich die Mauke trotz trockener Haltung ausbreitet. Dann steckt oft eine bakterielle Infektion oder ein Milbenbefall dahinter, und beides braucht eine gezielte Behandlung. Die Fütterung ist die Grundlage, aber sie ersetzt keine Diagnose.