KI-generiertKotwasser ist keine eigene Krankheit. Es ist ein Zeichen dafür, dass im Dickdarm etwas nicht rundläuft, und deshalb hilft es auch selten, wenn man nur das Symptom bekämpft.
Kurz vorweg, was Kotwasser eigentlich ist: Der Pferdedarm trennt Flüssigkeit und Feststoff nicht so sauber, wie er sollte. Statt geformter Äpfel kommt zusätzlich freies Wasser, das an Schweif und Hinterbeinen herunterläuft. Die Äpfel selbst können dabei völlig normal aussehen. Genau das verwirrt viele.
Was sind die Ursachen von Kotwasser beim Pferd?
In fast jedem Stall gibt es dieselben Erklärungen: Stress, das Wetter, die Rangordnung, ein bisschen Sand. Das kann alles eine Rolle spielen. Untersuchungen fanden Zusammenhänge mit Rangordnung und Haltung.
Was genau Kotwasser auslöst, ist nicht abschließend geklärt. Viel spricht dafür, dass das Milieu im Dickdarm eine Rolle spielt, und auf das hat die Fütterung Einfluss. Gemeint ist das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Bakterien, die den Dickdarm besiedeln. Diese Bakterien machen die eigentliche Verdauungsarbeit: Sie zersetzen die Rohfaser aus dem Heu und gewinnen daraus Energie. Gerät ihre Zusammensetzung aus dem Gleichgewicht, verändert sich das Milieu im Darm, und das kann die Wasserbindung beeinflussen.
Was das Gleichgewicht kippt, ist meistens eine dieser vier Sachen:
- Zu wenig oder zu schlechtes Raufutter. Die Darmflora lebt von der Rohfaser. Fehlt sie, fehlt ihr die Grundlage.
- Zu viel Zucker und Stärke. Getreide, Müslis und junges Gras liefern Energie, die im Dünndarm nicht vollständig verdaut wird. Was im Dickdarm ankommt, füttert dort die falschen Bakterien.
- Ein Eingriff von außen. Antibiotika, Wurmkuren, eine Narkose. Danach braucht das Mikrobiom Wochen, um sich zu ordnen.
- Ein abrupter Wechsel. Neues Heu, Anweiden, ein Stallwechsel. Nicht die Umstellung an sich ist das Problem, sondern ihr Tempo.
Welche Zahlen muss ich bei Kotwasser kennen?
Bevor du irgendetwas fütterst, brauchst du vier Zahlen. Sie kosten nichts außer einer Woche Aufmerksamkeit, und in den meisten Fällen, die bei mir landen, steckt in einer davon schon die halbe Antwort.
| Was | Richtwert | Für ein 600-Kilo-Pferd |
|---|---|---|
| Heu am Tag | mindestens 1,5 kg je 100 kg Körpergewicht, besser 1,8 bis 2 kg | 9 kg als Untergrenze, 11 bis 12 kg als Ziel |
| Längste Fresspause | höchstens 4 Stunden | auch nachts, nicht nur tagsüber |
| Wasser am Tag | rund 5 Liter je 100 kg Körpergewicht in Ruhe | etwa 30 Liter, bei Hitze und Arbeit deutlich mehr |
| Stärke je Mahlzeit | höchstens 1 g je kg Körpergewicht, bei empfindlichen Pferden 0,5 g | 600 g, empfindlich 300 g |
Die letzte Zeile ist die, die am meisten überrascht, deshalb einmal durchgerechnet.
Ein Rechenbeispiel, das viele erschreckt
Getreidereiche Müslis kommen auf 30 Prozent Stärke und mehr. Ein Kilo davon sind also rund 300 Gramm Stärke.
Für ein 600-Kilo-Pferd mit empfindlicher Verdauung ist das genau die Obergrenze für eine Mahlzeit. Wer morgens und abends je ein Kilo füttert, liegt bei 600 Gramm am Tag. Kommen Leckerlis, Mash und ein Zusatzfutter mit Melasse als Träger dazu, sind es schnell 800 Gramm.
Was der Dünndarm nicht schafft, wandert weiter in den Dickdarm. Dort wird Stärke von Bakterien vergoren, die eigentlich in der Minderheit sein sollten. Sie vermehren sich, das Milieu wird saurer, und die Bakterien, die aus Rohfaser Energie gewinnen, verlieren ihren Lebensraum. Genau an dieser Stelle entsteht der Kreislauf, aus dem Kotwasser kommt.
Deshalb ist die Frage nie „welches Mittel hilft gegen Kotwasser", sondern immer zuerst: Wie viel Stärke kommt bei euch am Tag zusammen, und in wie vielen Mahlzeiten?
Was sollte ich bei Kotwasser zuerst prüfen?
Vier Dinge: die Heumenge, und zwar gewogen statt geschätzt, die längste Fresspause, vor allem nachts, alles, was außer Heu noch im Trog landet, und zum Schluss Zähne, Wurmstatus und Sand. Das meiste davon kannst du selbst prüfen. Eine Kotprobe kostet wenig, und die Zahnkontrolle steht ohnehin einmal im Jahr an.
1. Die Heumenge, gewogen
Nicht geschätzt, gewogen. Eine Heuscheibe wiegt zwischen anderthalb und über vier Kilo, je nach Ballen, Pressung und Feuchtigkeit. „Zwei Scheiben" können also drei Kilo sein oder acht.
Kauf dir eine digitale Hängewaage, die gibt es für gut zehn Euro, und wieg eine Woche lang jede Portion, bevor sie ins Netz oder auf den Boden geht. Danach weißt du es, und musst nie wieder schätzen.
2. Die Fresspausen
Die zweite Zahl, die kaum jemand kennt: wie lange dein Pferd nachts ohne Heu steht. Über vier Stunden wird es kritisch. Bei sechs Stunden und mehr steht ein leerer Magen einer weiterlaufenden Säureproduktion gegenüber, und auch der Dickdarm bekommt in dieser Zeit keinen Nachschub an Faser.
Wenn die Menge stimmt, die Pausen aber zu lang sind, kann ein Netz mit kleineren Maschen die Fresszeit strecken. Ich setze das vorsichtig ein und schaue, ob dein Pferd damit entspannt frisst oder frustriert zupft. Bei einem Pferd, das ohnehin zu viel auf den Rippen hat, ist Haferstroh der zweite Weg: Es füllt das Netz und verlängert die Fresszeit, ohne die Kalorien mitzubringen, die mehr Heu bedeuten würde.
3. Was außer Heu noch im Trog landet
Rechne einmal zusammen, wie viel Zucker und Stärke am Tag zusammenkommen, nach der Tabelle oben. Müsli, Mash, Leckerlis, das Zusatzfutter mit Melasse als Träger. Einzeln sieht das alles harmlos aus. In Summe ist es oft der Grund.
4. Zähne, Wurmstatus und Sand
Drei Sachen, die man nicht schmecken und nicht sehen kann, die aber alle direkt auf die Verdauung schlagen. Eine Kotprobe kostet wenig, eine Zahnkontrolle steht ohnehin einmal im Jahr an.
Sand kannst du selbst prüfen: Nimm fünf bis sechs frische Äpfel, löse sie in einem durchsichtigen Gefäß mit reichlich Wasser auf und lass das Ganze zwanzig Minuten stehen. Sand ist schwerer als alles andere und setzt sich unten als körnige Schicht ab. Ein paar Körnchen sind normal, ein Esslöffel voll ist es nicht.
Wichtig dabei: Ein negativer Test schließt Sand nicht sicher aus, weil Sand schubweise ausgeschieden wird. Bei Verdacht ist eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung beim Tierarzt der verlässliche Weg.
Warum kommt das Kotwasser, sobald die Weide zu ist?
Weil sich mit dem Aufstallen nicht eine Sache ändert, sondern fünf auf einmal. Das Futter wechselt von Gras auf Heu, und meist auf ein frisches, das erst ein paar Wochen im Stall liegt. Die Fläche wird kleiner und die Fressplätze werden weniger. Es wird weniger getrunken, weil das Wasser kalt ist. Und gelaufen wird auch weniger. Jede dieser fünf Änderungen kann das Milieu im Dickdarm verschieben. Zusammen tun sie es fast immer.
Das Muster kennen viele: den ganzen Sommer über nichts, drei Wochen nach dem Aufstallen läuft es wieder am Schweif herunter, und im Frühjahr verschwindet es von allein. Daraus wird im Stall schnell die Erklärung, Heu sei das Problem und Gras die Lösung. Beides ist zu kurz gesprungen. Ich gehe die fünf Punkte in der Reihenfolge durch, in der sie sich lohnen.
Das neue Heu ist ein anderes Futter
Heuwechsel und Aufstallung fallen auf denselben Termin, und das ist der unterschätzte Teil. Das neue Heu hat einen anderen Schnittzeitpunkt, andere Faser, andere Energie und anderen Zucker als das vom Vorjahr. Die Bakterien im Dickdarm haben sich monatelang auf Gras eingestellt und bekommen von einem Tag auf den anderen ein Futter, das sie nicht kennen.
Was in 22 Heuanalysen aus 2026 steht
Wie weit zwei Heupartien auseinanderliegen können, sieht man dem Ballen nicht an. Ich sammle deshalb die Analysen, die mir Kundinnen schicken. Aus der Ernte 2026 liegen mir 22 Prüfberichte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor, alle anonym und mit Zustimmung der Einsenderinnen. Das steht darin, gerechnet je Kilogramm Trockensubstanz, also Heu ohne sein Wasser:
| Wert | Mittlerer Wert | Spanne | Auffällig |
|---|---|---|---|
| Rohfaser | 34,0 % | 29,4 bis 37,9 % | 13 von 20 über 32 % |
| Energie (ME Pferd) | 6,9 MJ | 5,9 bis 7,7 MJ | 11 von 21 unter 7,0 MJ |
| Zucker plus Fruktan | 17,0 % | 7,2 bis 21,3 % | 19 von 20 über 10 % |
Angegeben ist der Median, also der mittlere Wert, wenn man alle Proben der Größe nach ordnet. Die Probenzahl schwankt, weil nicht jedes Labor alles untersucht. Zum Vergleich der Durchschnitt aller Heuproben der Ernte 2025 bei der LUFA Nord-West: Rohfaser 33,0 Prozent, Energie 7,0 MJ, Zucker plus Fruktan 17,3 Prozent. Der Jahrgang 2026 ist also kein Ausreißer, er ist normal. Genau das ist der Punkt.
Rohfaser über 32 Prozent heißt, das Gras war beim Schnitt überständig. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern zunächst das, was ein Pferd braucht: viel Struktur, wenig Energie, lange Kauzeit. Nur sinkt mit der Reife auch die Verdaulichkeit. Was der Dickdarm schlechter aufschließen kann, liefert weniger Energie, und faseriges Heu wird häufig in geringerer Menge gefressen, als das Pferd bräuchte.
Was energiearmes Heu für die Heumenge bedeutet
Ein Pferd mit 600 Kilogramm braucht im reinen Erhalt, also ohne Arbeit, rund 63 Megajoule umsetzbare Energie am Tag. Wie viel Heu das ist, hängt vollständig am Heu. Gerechnet bei üblichen 88 Prozent Trockensubstanz:
- bei 7,7 MJ je kg Trockensubstanz, dem besten Heu der Sammlung: 9,3 kg Heu
- beim mittleren Heu mit 6,9 MJ: 10,4 kg Heu
- bei 5,9 MJ, dem schwächsten Heu: 12,1 kg Heu
Dasselbe Pferd, derselbe Bedarf, fast drei Kilo Unterschied. Wer ohne Analyse zehn Kilo abwiegt, liegt beim einen Heu richtig und beim anderen einen Monat lang im Minus. Das Pferd versucht das auszugleichen und frisst den Trog leer, oder es nimmt ab und der Dickdarm bekommt trotzdem zu wenig Material. Beides kann sich im Kot zeigen, lange bevor man es an den Rippen sieht.
Deshalb wechselt Heu bei mir immer über ein bis zwei Wochen und niemals von einem Tag auf den anderen. Und deshalb ist die Analyse des neuen Jahrgangs das sinnvollste Geld, das man im Herbst ausgeben kann.
Wie viele Fressplätze der Auslauf hat
Auf der Weide steht überall Futter und die Gruppe kann sich verteilen. Auf dem Winterauslauf stehen zwei Raufen drei Meter nebeneinander, und davor dreizehn Pferde. Für das ranghohe Pferd ändert sich damit nichts. Für das rangniedrige, das alte und das unsichere ändert sich alles: Es frisst schneller, es frisst in Etappen, und es hört auf, sobald jemand kommt.
Als Richtwert nehme ich einen Fressplatz mehr als Pferde, und mindestens zwei getrennte Stationen mit so viel Abstand, dass ein Pferd das andere nicht im Weg hat. Über den Auslauf verteilt, nicht in einer Reihe. Untersuchungen fanden bei Kotwasser Zusammenhänge mit der Rangordnung und mit der Haltung, und unter den Haltungsfaktoren ist das Platzangebot der, an dem sich am meisten drehen lässt, ohne dass der Stall umgebaut werden muss.
Kritisch sehe ich Abrufautomaten, die jedem Pferd nur eine halbe Stunde geben. Wer weiß, dass die Zeit abläuft, frisst schneller, und danach steht er wieder in der Schlange. Die Fresspause, die dabei entsteht, ist dieselbe wie oben: die Zahl, die kaum jemand kennt.
Wo der Magen ins Spiel kommt, und wo die Vermutung anfängt
Hier wird viel behauptet, deshalb sortiere ich es. Belegt ist, dass lange Fresspausen und stärkereiche Mahlzeiten das Risiko für Magengeschwüre erhöhen, und dass Stroh als einziges Raufutter ungünstig ist. Belegt ist auch, dass Schmerz Stress macht und Stress auf die Verdauung wirkt.
Nicht belegt ist die Kette, die man oft liest: dass grobes, stängeliges Heu ein Magengeschwür mechanisch reizt und dadurch Kotwasser auslöst. Das ist eine Beobachtung aus der Praxis, die ich kenne und ernst nehme, aber es ist keine nachgewiesene Ursache. Fachlich spricht eher das Gegenteil dafür, denn strukturreiches Heu bedeutet lange Kauzeit, viel Speichel und ein Faserpolster im Magen.
Und noch etwas ist wichtig: Ob ein Magengeschwür vorliegt, erkennt man nicht am Kot, nicht am Heu und nicht daran, wie das Pferd frisst, sondern in der Magenspiegelung. Behandelt wird es von der Tierärztin. Wer stattdessen monatelang die Heusorte wechselt, verliert die Zeit, in der sich etwas hätte ändern können.
Im Winter wird weniger getrunken
Ein Pferd mit 600 Kilogramm braucht in Ruhe rund 30 Liter Wasser am Tag. Im Sommer nimmt es einen großen Teil davon über das Gras auf, weil frisches Gras zu etwa vier Fünfteln aus Wasser besteht. Heu hat nur rund zehn bis fünfzehn Prozent. Der Bedarf über die Tränke steigt also genau in dem Moment, in dem das Wasser eiskalt wird und deutlich weniger getrunken wird.
Zwei Dinge lohnen sich deshalb im Winter: nachsehen, ob die Tränke wirklich funktioniert und nicht vereist, und das Salz nicht vergessen. Natrium ist im Heu so wenig enthalten, dass es den Bedarf nie deckt. Wie viel Salz ein Pferd braucht und warum ein Leckstein dafür meist nicht reicht, steht in einem eigenen Beitrag.
Dazu kommt die Bewegung. Auf der Weide legt ein Pferd am Tag mehrere Kilometer zurück, auf einem matschigen Auslauf steht es. Darmbewegung hängt an Körperbewegung, und das ist der Punkt, an dem ein verteilter Auslauf mehr bringt als jede Tüte.
Stroh und Heulage, kurz eingeordnet
Zwei Futtermittel, über die im Zusammenhang mit Kotwasser viel Widersprüchliches geschrieben wird.
Stroh ersetzt kein Heu, aber nicht, weil ihm Faser fehlt. Es hat mehr Rohfaser als Heu, nur ist sie stärker verholzt, schlechter verdaulich und energiearm. Als Ergänzung und bei leichtfuttrigen Pferden als kleiner Teil der Raufutterration ist Haferstroh gut brauchbar, als Ersatz für das Heu nicht.
Heulage lehne ich nicht pauschal ab, auch wenn das an vielen Stellen anders zu lesen ist. Entscheidend sind Hygiene und Trockenmasse, und die sollte zwischen 50 und 70 Prozent liegen. Eine schlecht vergorene oder angeschimmelte Heulage ist ein Problem, eine saubere mit passender Trockenmasse ist ein Futtermittel wie andere auch. Bei Pferden mit Atemwegsproblemen sind sich die Standardwerke uneins: Meyer und Coenen sehen sie dort im Vorteil, Fritz und Maleh raten ab. Was zu deinem Pferd passt, entscheidet die Ration und nicht die Überzeugung.
Wann lohnen sich Laborwerte bei Kotwasser?
Blutbilder werden bei Kotwasser oft zu früh gemacht und dann falsch gelesen. Ein unauffälliges Blutbild heißt nicht, dass alles in Ordnung ist, es heißt nur, dass es dort nichts zu sehen gibt. Sinnvoll wird das Labor, wenn die Fütterung steht und sich trotzdem nichts bewegt, oder wenn zusätzlich etwas anderes nicht stimmt.
| Untersuchung | Wonach geschaut wird | Wann sie sich lohnt |
|---|---|---|
| Kotprobe auf Wurmeier | Strongyliden, Bandwurm, Spulwurm | vor jeder Wurmkur, und bei Kotwasser ohnehin |
| Kotprobe auf Sand | körniger Bodensatz | Sandboden, abgefressene Weide, Heu vom Boden |
| Blutbild und Eiweiß | Entzündungszeichen, Gesamteiweiß, Albumin | wenn das Pferd abnimmt oder matt wirkt |
| Leberwerte | GGT, GLDH, AST | wenn das Pferd zusätzlich abbaut oder das Blutbild auffällt |
Bevor du ins Labor gehst, lohnt ein Blick auf den zeitlichen Verlauf: Tritt das Kotwasser nur im Winter auf und im Sommer nicht, ist meist das Futter der Grund.
Die Referenzbereiche stehen auf dem Laborbogen und unterscheiden sich je nach Labor. Wichtiger als der einzelne Wert ist ohnehin die Richtung: Ein Wert am oberen Rand, der vor einem halben Jahr in der Mitte lag, sagt mehr als ein einzelner Ausreißer.
Was bringen Kräuter und Ergänzungen bei Kotwasser?
Vorweg, damit es keine Missverständnisse gibt: Kräuter sind Futtermittel und keine Arzneimittel. Sie behandeln kein Kotwasser, und so setze ich sie auch nicht ein. Sie kommen bei mir immer erst dann, wenn Heumenge, Fresspausen und Stärke sitzen und Zähne und Wurmstatus geklärt sind. Wer die Reihenfolge umdreht, gibt viel Geld für Tüten aus und ändert nichts.
Wenn ich danach etwas begleitend dazunehme, dann aus diesen Gruppen:
- Kräuter mit Gerbstoffen, etwa Brombeerblätter, Eichenrinde und Schafgarbe. Sie werden bei Kotwasser traditionell eingesetzt. Ich gebe sie als Kur über vier bis sechs Wochen, langsam angefüttert und in der Menge, die der Hersteller angibt.
- Bitterkräuter wie Löwenzahnwurzel, eher niedrig dosiert dazu.
- Flohsamenschalen als lösliche Faser, immer in reichlich Wasser eingeweicht. Üblich sind 30 bis 60 g am Tag, angefangen wird mit 20 bis 30 g.
- Butyrat. Das ist ein Stoffwechselprodukt, das die Darmbakterien selbst bilden, und keine lebenden Bakterien.
Ehrlich dazu: Für keines davon gibt es beim Pferd belastbare Studien, die eine Wirkung bei Kotwasser zeigen. Es ist Begleitung, keine Behandlung. Kräuter ändern an den vier Zahlen oben nichts, und ob eine Kur überhaupt in eine Ration passt, gehört in die Rationsberechnung.
Zwei Dinge sind mir dabei wichtig:
Kurweise heißt kurweise. Eine Kräuterkur hat einen Anfang und ein Ende, sie ist keine Dauergabe. Und fang nicht alles gleichzeitig an, sondern eins nach dem anderen. Sonst weißt du am Ende nicht, was den Unterschied gemacht hat.
Und Geduld gehört dazu. Ein Mikrobiom ordnet sich nicht in einer Woche. Es braucht Wochen bis Monate. Wer alle zehn Tage das Mittel wechselt, weil noch nichts passiert ist, verhindert genau das, was er erreichen will.
Wie lange dauert die Umstellung bei Kotwasser?
Rechne mit acht bis zwölf Wochen. In den ersten zwei Wochen wiegst, notierst und stellst du um, und am Kotwasser ändert sich noch nichts. Ab Woche drei wird es meist seltener und weniger, nicht schlagartig besser. Ist bis Woche zwölf gar nichts passiert, obwohl Heumenge, Pausen und Stärke sitzen, gehört mehr dazu als Fütterung.
Damit du weißt, wann du dir Sorgen machen solltest und wann nicht:
- Woche 1 bis 2: Du wiegst, notierst und stellst um. Am Kotwasser ändert sich noch nichts. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass es nicht funktioniert.
- Woche 3 bis 6: Die ersten Veränderungen. Meist wird es nicht schlagartig besser, sondern seltener und weniger.
- Woche 8 bis 12: Jetzt lässt sich beurteilen, ob die Richtung stimmt. Ist bis hierhin gar nichts passiert, obwohl Heumenge, Pausen und Stärke sitzen, gehört mehr dazu als Fütterung.
Führ in dieser Zeit ein kurzes Protokoll, drei Zeilen am Tag reichen: Menge, längste Pause, wie stark das Kotwasser war. Ohne Aufschrieb verlässt du dich nach acht Wochen auf dein Gefühl, und das Gefühl täuscht in beide Richtungen.
Wann muss der Tierarzt bei Kotwasser kommen?
Kotwasser allein ist unangenehm, aber kein Notfall. Anders sieht es aus, wenn dazu Fieber kommt, dein Pferd abnimmt, im Allgemeinzustand nachlässt, weniger frisst oder Kolikanzeichen zeigt. Dann gehört das abgeklärt, und zwar zügig.
Auch wenn das Kotwasser über Monate bleibt, obwohl Fütterung und Haltung stimmen, lohnt sich die Abklärung. Dahinter können eine chronische Darmentzündung, ein Sandbefund oder eine Zahnerkrankung stecken, und keines davon lässt sich mit Kräutern lösen.
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Kotwasser beim Pferd?
Ehrlich beantwortet: nichts. Kotwasser ist das Ergebnis eines verschobenen Milieus im Dickdarm, und dieses Milieu baut sich über Wochen um, nicht über Tage. Was du sofort tun kannst, ist die Ursache abstellen: Heumenge auf mindestens 1,5 Kilo je 100 Kilo Körpergewicht bringen, die längste Fresspause unter vier Stunden drücken und die Stärke je Mahlzeit begrenzen. Wer stattdessen ein Mittel sucht, verliert genau die Wochen, in denen sich etwas hätte ändern können.
Ist Kotwasser gefährlich?
Für sich genommen nicht. Es ist unangenehm und macht die Haut an den Hinterbeinen wund, aber es ist kein Notfall. Ernst wird die Lage, wenn Fieber, Gewichtsverlust, Fressunlust oder Kolikanzeichen dazukommen, oder wenn das Kotwasser über Monate bleibt, obwohl Fütterung und Haltung stimmen. Dann gehört es abgeklärt.
Bei welcher Heumenge hört Kotwasser auf?
Eine Grenze, ab der es aufhört, gibt es nicht. Aber unter 1,5 Kilo Heu je 100 Kilo Körpergewicht fehlt dem Dickdarm die Rohfaser, aus der er lebt, und dann hat jede andere Maßnahme es schwer. Für ein 600-Kilo-Pferd sind das 9 Kilo als Untergrenze und 11 bis 12 Kilo als Ziel. Gewogen, nicht geschätzt: Die Schätzung liegt in der Praxis fast immer zu hoch.
Können Kräuter Kotwasser beheben?
Sie können begleiten, die Ursache beheben sie nicht. Kräuter mit Gerbstoffen werden traditionell kurweise gefüttert, Flohsamenschalen und Butyrat kommen manchmal begleitend dazu. Belastbare Studien beim Pferd gibt es dazu nicht, und sie ersetzen weder Heu noch kürzere Fresspausen. Ein Kraut in einer Ration mit zu wenig Rohfaser und zu viel Stärke arbeitet gegen die Fütterung an, und dieses Rennen gewinnt es nicht.
Wie lange dauert es, bis Kotwasser besser wird?
Rechne mit acht bis zwölf Wochen. In den ersten zwei Wochen passiert nichts Sichtbares, ab Woche drei wird es meist seltener und weniger statt schlagartig besser. Wer nach zehn Tagen aufgibt und wieder umstellt, fängt jedes Mal von vorn an. Ein kurzes Protokoll mit drei Zeilen am Tag hilft, weil das Gefühl nach acht Wochen in beide Richtungen täuscht.
Kommt Kotwasser vom Heuwechsel?
Ein Wechsel auf einen anderen Schnitt oder eine andere Charge kann Kotwasser auslösen, weil sich die Bakterien im Dickdarm auf das gewohnte Futter eingestellt haben. Deshalb Heu immer über ein bis zwei Wochen anmischen statt von einem Tag auf den anderen umzustellen. Hält das Kotwasser länger als vier Wochen nach dem Wechsel an, liegt es meist nicht mehr am Wechsel selbst, sondern an der Menge oder an der Qualität des neuen Heus.
Warum hat mein Pferd nur im Winter Kotwasser?
Weil mit dem Aufstallen fünf Dinge gleichzeitig wechseln: das Futter, der Platz, die Zahl der Fressplätze, die Wasseraufnahme und die Bewegung. Am größten ist meist der Futterwechsel, weil das neue Heu andere Faser, andere Energie und anderen Zucker hat als das Gras davor und als das Heu vom Vorjahr. Deshalb lohnt im Herbst zuerst eine Heuanalyse und ein Blick darauf, wie viele Fressplätze der Auslauf für wie viele Pferde hat. Verschwindet das Kotwasser im Frühjahr von allein, ist das kein Beweis dafür, dass Gras gesünder ist als Heu, sondern ein Hinweis darauf, wo im Winter etwas fehlt.
Wo ich anfangen würde
Wieg eine Woche lang dein Heu und notier die längste Fresspause. Diese zwei Zahlen sind die Grundlage für alles Weitere. In den allermeisten Fällen, die bei mir landen, liegt dort schon der halbe Grund.
Woher die Zahlen kommen: Heumenge und Wasserbedarf orientieren sich an der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE), Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, Ausgabe 2014, sowie an Meyer und Coenen, Pferdefütterung. Die Obergrenze für Stärke je Mahlzeit ist ein in der Fütterungsliteratur verbreiteter Richtwert. Die vier Stunden als längste Fresspause sind ein in der Fütterungspraxis eingeführter Richtwert, keine feste Grenze. Alle Werte beziehen sich auf ein erwachsenes Pferd ohne Vorerkrankungen. Der Erhaltungsbedarf von rund 63 Megajoule für 600 Kilogramm folgt dem GfE-Ansatz von 0,52 MJ je Kilogramm metabolischem Körpergewicht. Die Trockenmasse für Heulage von 50 bis 70 Prozent nach der Gruber Tabelle zur Pferdefütterung der LfL Bayern, 9. Auflage 2024.
Die Heuzahlen in der Tabelle stammen aus 22 Prüfberichten der Ernte 2026, die mir Kundinnen und Leserinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Verfügung gestellt haben, ausgewertet im September 2026. Die Berichte kommen von der LUFA Nord-West, der LUFA NRW und der LKS Sachsen, eine Probe ohne Laborangabe. Sie sind anonym ausgewertet, es steht keine Zuordnung zu Ställen oder Personen darin, und alle Einsenderinnen haben der Verwendung zugestimmt. Der Vergleichswert der Ernte 2025 ist der von der LUFA Nord-West veröffentlichte Durchschnitt aller dort untersuchten Heuproben.
Zuletzt fachlich überarbeitet am 26.09.2026.


