AngeboteShopAusbildungBlogInsiderKontaktZum Futter-CheckZum Mitgliederbereich
← Alle Beiträge
01.09.2026Magen und Darm

Kotwasser beim Pferd: woher es kommt und was wirklich hilft

Kotwasser ist keine Krankheit, sondern ein Hinweis. Was im Darm dahintersteckt, warum Kräuter allein selten reichen und welche vier Dinge du zuerst prüfen solltest.

Kotwasser ist keine eigene Krankheit. Es ist ein Zeichen dafür, dass im Dickdarm etwas nicht rundläuft, und deshalb hilft es auch selten, wenn man nur das Symptom bekämpft.

Kurz vorweg, was Kotwasser eigentlich ist: Der Pferdedarm trennt Flüssigkeit und Feststoff nicht so sauber, wie er sollte. Statt geformter Äpfel kommt zusätzlich freies Wasser, das an Schweif und Hinterbeinen herunterläuft. Die Äpfel selbst können dabei völlig normal aussehen. Genau das verwirrt viele.

Warum die üblichen Verdächtigen selten die Ursache sind

In fast jedem Stall gibt es dieselben Erklärungen: Stress, das Wetter, die Rangordnung, ein bisschen Sand. Das kann alles eine Rolle spielen, aber es ist meistens der Auslöser und nicht die Ursache.

Die Ursache sitzt fast immer im Mikrobiom, also in der Gesamtheit der Bakterien, die den Dickdarm besiedeln. Diese Bakterien machen die eigentliche Verdauungsarbeit: Sie zersetzen die Rohfaser aus dem Heu und gewinnen daraus Energie. Gerät ihre Zusammensetzung aus dem Gleichgewicht, verändert sich das Milieu im Darm, und die Wasserbindung funktioniert nicht mehr.

Was das Gleichgewicht kippt, ist meistens eine dieser vier Sachen:

  • Zu wenig oder zu schlechtes Raufutter. Die Darmflora lebt von der Rohfaser. Fehlt sie, fehlt ihr die Grundlage.
  • Zu viel Zucker und Stärke. Getreide, Müslis und junges Gras liefern Energie, die im Dünndarm nicht vollständig verdaut wird. Was im Dickdarm ankommt, füttert dort die falschen Bakterien.
  • Ein Eingriff von außen. Antibiotika, Wurmkuren, eine Narkose. Danach braucht das Mikrobiom Wochen, um sich zu ordnen.
  • Ein abrupter Wechsel. Neues Heu, Anweiden, ein Stallwechsel. Nicht die Umstellung an sich ist das Problem, sondern ihr Tempo.

Die vier Dinge, die ich zuerst prüfe

1. Die Heumenge, gewogen

Nicht geschätzt, gewogen. Als Untergrenze gelten anderthalb Kilo Heu je hundert Kilo Körpergewicht, trocken gewogen. Für ein 600-Kilo-Pferd sind das neun Kilo am Tag. Sehr viele Pferde mit Kotwasser bekommen weniger, ohne dass es jemand ahnt, weil niemand je eine Waage drangehalten hat.

2. Die Fresspausen

Die zweite Zahl, die kaum jemand kennt: wie lange dein Pferd nachts ohne Heu steht. Über vier Stunden wird es kritisch. Bei sechs Stunden und mehr steht ein leerer Verdauungstrakt einer weiterlaufenden Säureproduktion gegenüber, und das wirkt bis in den Dickdarm hinein.

3. Was außer Heu noch im Trog landet

Rechne einmal zusammen, wie viel Zucker und Stärke am Tag zusammenkommen. Müsli, Mash, Leckerlis, das Zusatzfutter mit Melasse als Träger. Einzeln sieht das alles harmlos aus. In Summe ist es oft der Grund.

4. Die Zähne und der Wurmstatus

Zwei Sachen, die man nicht schmecken und nicht sehen kann, die aber beide direkt auf die Verdauung schlagen. Eine Kotprobe kostet wenig, eine Zahnkontrolle steht ohnehin einmal im Jahr an.

Was ich von Kräutern halte

Kräuter können viel, aber sie können nicht die Grundlage ersetzen. Bitterstoffe regen die Verdauungssäfte an, Oregano wirkt regulierend auf das Darmmilieu, und beides ist sinnvoll, wenn der Rest stimmt.

Zwei Dinge sind mir dabei wichtig:

Kurweise heißt kurweise. Stark wirksame Kräuter wie Oregano gehören für drei bis vier Wochen ins Futter, nicht dauerhaft. Was das Darmmilieu regulieren kann, kann es bei Dauergabe auch aus dem Gleichgewicht bringen.

Und Geduld gehört dazu. Ein Mikrobiom ordnet sich nicht in einer Woche. Es braucht Wochen bis Monate. Wer alle zehn Tage das Mittel wechselt, weil noch nichts passiert ist, verhindert genau das, was er erreichen will.

Wann der Tierarzt drangehört

Kotwasser allein ist unangenehm, aber kein Notfall. Anders sieht es aus, wenn dazu Fieber kommt, dein Pferd abnimmt, im Allgemeinzustand nachlässt, weniger frisst oder Kolikanzeichen zeigt. Dann gehört das abgeklärt, und zwar zügig. Auch wenn das Kotwasser über Monate bleibt, obwohl Fütterung und Haltung stimmen, lohnt sich ein Blutbild und eine Kotuntersuchung.

Wo ich anfangen würde

Wieg eine Woche lang dein Heu und notier die längste Fresspause. Diese zwei Zahlen sind die Grundlage für alles Weitere. In den allermeisten Fällen, die bei mir landen, liegt dort schon der halbe Grund.

Weiterlesen