Kurse ansehenShopAusbildungBlogÜber michEmpfehlungenKontaktZum Mitgliederbereich
Nährstoffe·9 Min. Lesezeit·13.08.2025

Salz fürs Pferd: wie viel es wirklich braucht

Wie viel Salz ein Pferd am Tag braucht, was ein Liter Schweiß kostet, warum der Leckstein fast nie reicht und wozu Elektrolytpulver taugt.

Ein braunes Pferd leckt an einem Salzleckstein, der in einer Halterung an der Stallwand hängt.KI-generiert
Ein braunes Pferd leckt an einem Salzleckstein, der in einer Halterung an der Stallwand hängt.

Der Sommer bringt nicht nur Sonne und lange Ausritte mit sich, er stellt auch den Pferdekörper vor eine echte Aufgabe: Wasser- und Mineralstoffhaushalt stabil halten. An heißen Tagen oder bei starker Belastung verliert dein Pferd über den Schweiß erhebliche Mengen an Mineralstoffen.

Und hier liegt der Knackpunkt: Die meisten Pferdebesitzer denken, dafür sei ein teures Elektrolytpräparat nötig. Das ist in den allermeisten Fällen nicht so. Was fehlt, ist fast immer schlicht Salz.

Braucht dein Pferd im Sommer Elektrolytpulver?

In den allermeisten Fällen nicht. Pferdeschweiß enthält vor allem Natrium und Chlorid, zusammen also ganz normales Salz. Genau das fehlt, denn Heu und Gras enthalten kaum Natrium. Kalium dagegen liefert das Raufutter reichlich, zehn Kilo Heu bringen weit mehr, als ein Pferd an einem heißen Tag verliert. Was fehlt, ist fast immer schlicht Salz.

Pferdeschweiß enthält vor allem:

  • Natrium
  • Chlorid
  • Kalium
  • in kleineren Mengen Magnesium und Calcium

Natrium und Chlorid ergeben zusammen Natriumchlorid, also ganz normales Salz. Und genau das ist der entscheidende Punkt: Den Natriumbedarf deckt die normale Pferdefütterung nicht. Heu und Gras enthalten kaum Natrium, das war schon immer so, und deshalb suchen Pferde in freier Natur gezielt Salzquellen auf.

Kalium dagegen ist in Raufutter reichlich vorhanden. Zehn Kilo Heu liefern weit mehr Kalium, als ein Pferd an einem heißen Tag über den Schweiß verliert. Es muss deshalb nur in Ausnahmefällen ergänzt werden, etwa im Distanzsport.

Wie viel Salz verliert ein Pferd beim Schwitzen?

Ein Liter Pferdeschweiß enthält rund 5,3 Gramm Chlorid und 3,1 Gramm Natrium, zusammen also rund 8 Gramm Salz. Ein Pferd, das an einem heißen Tag zehn Liter schwitzt, verliert damit grob 80 Gramm Salz, und zwar zusätzlich zum Grundbedarf. Bei einem dreistündigen Ritt im Sommer kann es noch deutlich mehr sein.

Das ist die Rechnung, um die es geht, und sie wird selten sauber aufgeschrieben.

Ein Liter Pferdeschweiß enthält als Größenordnung:

Stoff Menge je Liter Schweiß
Chlorid rund 5,3 g
Natrium rund 3,1 g
Kalium rund 1,6 g

Natrium und Chlorid zusammengerechnet ergeben rund 8 Gramm Salz je Liter Schweiß. Das ist die Zahl, mit der du rechnen musst, nicht die Natriummenge allein: 1 Gramm Natrium steckt in 2,54 Gramm Kochsalz. Wer 3,1 Gramm Natrium für 3,1 Gramm Salz hält, rechnet sich um mehr als die Hälfte arm.

Ein Pferd, das an einem heißen Tag zehn Liter schwitzt, verliert also grob 80 Gramm Salz, zusätzlich zum Grundbedarf. Bei einem dreistündigen Ritt im Sommer kann es noch deutlich mehr sein.

Und zehn Liter sind schneller erreicht, als man denkt. Ein durchnässter Hals und schäumende Sattellage sind keine Kleinigkeit, das sind Liter.

Wie viel Salz braucht ein Pferd am Tag?

Im Erhalt, also ohne Schwitzen, ist der Bedarf klein. Die GfE 2014 nennt für ein 500-Kilo-Pferd 2,9 Gramm Natrium am Tag, für ein 600-Kilo-Pferd 3,3 Gramm, das sind gut 8 Gramm Salz. Die amerikanische Empfehlung (NRC 2007) liegt mit 10 beziehungsweise 12 Gramm Natrium deutlich höher, das sind rund 30 Gramm Salz. Ein Esslöffel fasst etwa 20 Gramm Salz. Das ist ein brauchbarer Anfang für den Ruhebedarf. Sobald dein Pferd schwitzt, verschiebt sich alles.

Situation Salz am Tag Woran du dich orientierst
Ruhe, kein Schwitzen 8 bis 30 g, praktisch ein Esslöffel Grundbedarf eines 600-Kilo-Pferdes, je nach Empfehlung (GfE 2014 oder NRC 2007)
Leichte Arbeit, warmer Tag 30 bis 50 g sichtbar feuchter Hals
Starkes Schwitzen, Sommerhitze 60 bis 100 g durchnässtes Fell, Schweiß tropft
Mehrere heiße Tage hintereinander oberes Ende, verteilt auf zwei Gaben der Verlust summiert sich

Die Zahlen in dieser Tabelle sind keine Vorsichtsaufschläge, sie folgen direkt aus der Rechnung oben. Wer bei Sommerhitze bei einem Esslöffel bleibt, deckt den Grundbedarf und sonst nichts.

Der Leckstein reicht meistens nicht

Das ist der Punkt, an dem die meisten Rationen scheitern. Ein Pferd nimmt am Leckstein oft nur einen Bruchteil dessen auf, was es braucht, besonders wenn der Stein hart, glatt oder ungünstig aufgehängt ist. Manche Pferde lecken viel zu wenig, andere aus Langeweile zu viel.

Rechne einmal nach, was ein Pferd am Stein leisten müsste, um 80 Gramm zu holen. Es ist eine Menge Lecken.

Verlass dich deshalb nicht auf den Stein, sondern gib die Menge ins Futter. Der Stein darf trotzdem hängen bleiben, als Angebot, nicht als Versorgung.

Zwei Regeln, ohne die Salz schadet

Immer Wasser dazu, rund um die Uhr. Salz ohne freien Zugang zu Wasser ist gefährlich, nicht hilfreich. Prüf im Winter zusätzlich, ob die Tränke wirklich läuft, viele Pferde trinken bei kaltem Wasser deutlich weniger.

Langsam einschleichen. Wer von null auf 60 Gramm geht, erlebt oft, dass das Pferd das Futter stehen lässt. Über eine Woche steigern, dann frisst es mit.

Was ist das Problem an fertigen Elektrolytmischungen?

Viele Elektrolytprodukte enthalten Zucker, Aromen, Farbstoffe und Füllstoffe, dazu Mineralstoffe wie Kalium, die ohnehin ausreichend vorhanden sind. Du bezahlst also für ein bunt verpacktes Pulver, das deinem Pferd kaum mehr bringt als reines Salz, nur um ein Vielfaches teurer. Für den echten Hochleistungsbereich gibt es sinnvolle Präparate, für das Freizeitpferd im Sommer brauchst du sie nicht.

Viele Elektrolytprodukte enthalten:

  • Zucker, oft als Dextrose oder Melasse
  • Aromen und Farbstoffe, für das Pferd ohne Nutzen
  • Füllstoffe, die das Gewicht machen, aber nichts beitragen
  • Mineralstoffe, die ohnehin ausreichend vorhanden sind, allen voran Kalium

Das Resultat: Du bezahlst für ein bunt verpacktes Pulver, das deinem Pferd kaum mehr bringt als reines Salz, nur um ein Vielfaches teurer.

Fairerweise gehört dazu: Für den echten Hochleistungsbereich, also Distanz, Vielseitigkeit, mehrtägige Belastung bei Hitze, gibt es sinnvolle Präparate, und dort spielt auch Kalium eine Rolle. Für das Freizeitpferd im Sommer brauchst du sie nicht.

Wie ergänzt du Salz im Sommer am einfachsten?

An heißen Tagen oder bei starkem Schwitzen reicht es in aller Regel, Steinsalz oder Meersalz ohne Zusätze gezielt ins Futter zu geben. Magnesium kommt nur dazu, wenn die Rationsberechnung eine Lücke zeigt, etwa 5 bis 10 Gramm Magnesiumcitrat. Ganz ehrlich: Der Engpass ist das Salz, nicht das Magnesium.

An heißen Tagen oder bei starkem Schwitzen reicht es in aller Regel, Salz gezielt zu ergänzen:

  • Steinsalz oder Meersalz ohne Zusätze, für Natrium und Chlorid
  • Magnesium nur, wenn die Rationsberechnung eine Lücke zeigt, etwa 5 bis 10 Gramm Magnesiumcitrat

Magnesium ist dabei ausdrücklich nicht der Engpass. Der Engpass ist das Salz. Ob bei euch überhaupt Magnesium fehlt, zeigt die Rationsberechnung, nicht das Bauchgefühl. Wie das mit den übrigen Mineralstoffen zusammenhängt, steht im Beitrag über Mineralfutter nach Heu wählen.

Wann solltest du bei Hitze den Tierarzt rufen?

Ein Pferd, das zu wenig Flüssigkeit und Salz hat, kann ernsthaft krank werden. Ruf den Tierarzt, wenn dein Pferd nach starker Belastung oder an heißen Tagen:

  • teilnahmslos wirkt, den Kopf hängen lässt und nicht mehr fressen mag
  • deutlich weniger oder gar keinen Urin absetzt
  • Anzeichen einer Kolik zeigt
  • muskulär verkrampft, steif geht oder zittert
  • auffällig wenig trinkt, obwohl es stark geschwitzt hat

Einen groben Anhaltspunkt gibt der Hautfaltentest: Eine angehobene Hautfalte am Hals sollte sofort zurückgehen. Bleibt sie stehen, spricht das für einen Flüssigkeitsmangel. Das ist ein Hinweis und kein Beweis, aber es ist ein Anlass, den Tierarzt zu rufen und nicht selbst herumzuprobieren.

Und ganz klar: Ein festgehendes Pferd nach der Arbeit ist ein Notfall. Bei Verdacht auf einen Kreuzverschlag nicht weiterlaufen lassen, sondern stehen lassen und anrufen.

Häufige Fragen

Kann ein Pferd zu viel Salz bekommen?

Bei freiem Zugang zu Wasser reguliert ein gesundes Pferd Überschüsse über die Nieren, und die genannten Mengen sind unproblematisch. Gefährlich wird Salz dann, wenn Wasser fehlt, etwa bei eingefrorener Tränke oder auf langem Transport. Bei Pferden mit Nierenerkrankungen gehört die Salzmenge in tierärztliche Hand.

Reicht ein Salzleckstein aus?

Als alleinige Versorgung meistens nicht, besonders nicht im Sommer. Die Aufnahme ist von Pferd zu Pferd völlig verschieden und nicht steuerbar. Gib die Menge ins Futter und lass den Stein zusätzlich hängen.

Welches Salz soll ich nehmen?

Reines Steinsalz oder Meersalz ohne Zusätze. Ob rosa, grau oder weiß, spielt für die Versorgung keine Rolle, entscheidend ist Natriumchlorid. Für die angeblichen Zusatznutzen bestimmter Salzsorten gibt es beim Pferd keine belastbaren Belege. Nimm das günstige, aber nimm genug davon.

Braucht mein Pferd im Winter auch Salz?

Ja, den Grundbedarf braucht es das ganze Jahr. Für ein 600-Kilo-Pferd sind das je nach Empfehlung 8 bis 30 Gramm Salz, praktisch also etwa ein Esslöffel. Im Winter kommt sogar ein besonderes Problem dazu: Pferde trinken bei sehr kaltem Wasser oft zu wenig, und zu wenig Trinken erhöht das Kolikrisiko.

Muss ich Elektrolyte vor dem Turnier geben?

Sinnvoller ist, den Bedarf laufend zu decken, statt vorher etwas aufzuladen. Ein Pferd kann Natrium nicht auf Vorrat speichern. Wichtiger als jedes Pulver ist, dass unterwegs jederzeit Wasser verfügbar ist und dass das Pferd das Wasser auch annimmt.

Mein Pferd frisst das Salz nicht. Was nun?

Meistens war der Sprung zu groß. Fang mit einem Teelöffel an und steigere über ein bis zwei Wochen. Anfeuchten des Futters hilft, damit sich das Salz verteilt und nicht unten im Trog liegen bleibt.

Zum Nachlesen

Salz ist eines der Themen, bei denen ein paar Gramm mehr oder weniger einen spürbaren Unterschied machen, und gleichzeitig eines der am meisten unterschätzten. Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du das im Salzratgeber.

Und wenn du wissen willst, wie es bei euch insgesamt um die Versorgung steht, fang mit dem Futter-Check an.

Woher die Zahlen kommen: Der Natriumbedarf im Erhalt folgt den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE), Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, Ausgabe 2014 (2,9 Gramm für 500 Kilo, 3,3 Gramm für 600 Kilo), und dem National Research Council, Nutrient Requirements of Horses, 2007 (10 beziehungsweise 12 Gramm). Die Zusammensetzung des Schweißes folgt den Messungen von Meyer und Kollegen (1990). Umgerechnet wird mit 1 Gramm Natrium gleich 2,54 Gramm Kochsalz.

Wie viel dein Pferd trinkt, hängt eng damit zusammen, wie viel es frisst und wie lange die Pausen dazwischen sind. Genau diese Zahlen stehen auch im Beitrag über Kotwasser, denn sie entscheiden dort über dasselbe. Und wie Salz in die übrige Mineralversorgung passt, steht im Beitrag Mineralfutter nach Heu wählen.

Zuletzt fachlich überarbeitet am 26.09.2026.

Weiterlesen