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Nährstoffe·16 Min. Lesezeit·31.01.2026

Natürliches Mineralfutter fürs Pferd selbst mischen

Natürliches Mineralfutter fürs Pferd: warum ein Grundmineral nach deinem Heu die Basis bleibt und was Kräuter, Samen und Algen beitragen.

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Vier Mischungen nebeneinander: Kräuter, Pellets, Leinsamen und Algen. Sie können eine Ration ergänzen, das Mineralfutter ersetzen sie nicht.KI-generiert
Vier Mischungen nebeneinander: Kräuter, Pellets, Leinsamen und Algen. Sie können eine Ration ergänzen, das Mineralfutter ersetzen sie nicht.

Du möchtest die Mineralversorgung deines Pferdes selbst zusammenstellen, aus Kräutern, Samen und Algen, und wissen, ob das reicht? Die Frage bekomme ich oft, und sie ist berechtigt. Auf vielen Tüten stehen lange Zutatenlisten und kaum Zahlen.

Die kurze Antwort vorweg, damit du nicht bis unten scrollen musst: Die Grundlage ist immer ein Mineralfutter mit ausgewiesenen Gehalten, passend zu deinem Heu gewählt. Kräuter, Samen und Algen können dazukommen, sie haben aber andere Aufgaben, und das Grundmineral ersetzen sie nicht. Wie du beides zusammenbringst, steht weiter unten, mit Zahlen und einer Beispielration.

Was heißt ganzheitlich füttern beim Mineralfutter?

Ganzheitlich heißt für mich nicht, möglichst viele Pflanzen in den Trog zu geben. Es heißt, die ganze Ration zu sehen: erst das Heu, dann die Lücke, dann genau das, was diese Lücke schließt. Und nicht mehr.

Viele wünschen sich dabei mehr Vielfalt in einer Ration, die sonst aus zwei oder drei Komponenten besteht. Dafür gibt es:

  • Kräuter
  • Samen und Saaten
  • Algenprodukte

Ob eine solche Mischung mehr kann als die Summe ihrer Nährstoffe, ist beim Pferd nicht untersucht. Was sich sicher sagen lässt, sind die Mineralstoffe, und die lassen sich nachrechnen.

Wichtig ist dabei nicht das „Entweder-oder“, sondern die Reihenfolge: zuerst die Grundversorgung, dann die Extras.

Was deckt das Heu, und was muss das Mineralfutter liefern?

Dein Pferd deckt einen Großteil seines Bedarfs bereits über das Grundfutter. Durchschnittliches Heu deckt bei einem 500-Kilo-Pferd im Erhalt Energie und Eiweiß, Mangan und Eisen sogar mehrfach. Zink, Kupfer und Selen dagegen nur zu etwa einem Drittel bis knapp der Hälfte.

Genau dort setzt das Mineralfutter an: Es ergänzt gezielt das, was dein Heu nicht liefert. Deshalb lohnt es sich, das Mineralfutter nach dem Heu auszuwählen und nicht nach dem schönsten Etikett.

Besonders genau hinschauen solltest du, wenn du:

  • individuelle Rationen zusammenstellst
  • möglichst getreidefrei fütterst
  • empfindliche Pferde hast
  • auf eine stoffwechsel- und darmfreundliche Fütterung achtest

Wie viel Zink, Kupfer und Selen braucht ein Pferd?

Ein 500-Kilo-Pferd braucht im Erhalt nach GfE 425 mg Zink, 105 mg Kupfer und 1,05 mg Selen am Tag, dazu 1,6 mg Jod. Durchschnittliches Heu liefert bei 9 kg am Tag davon nur 189 mg Zink, 36 mg Kupfer und 0,4 mg Selen. Das ist rund ein Drittel bis knapp die Hälfte, den Rest muss das Mineralfutter bringen.

Damit du überhaupt beurteilen kannst, ob eine Ration etwas taugt, brauchst du den Bedarf und den Gehalt deines Heus. Der Bedarf stammt aus den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE), angegeben ist der Erhaltungsbedarf, also ein erwachsenes Pferd ohne nennenswerte Arbeit.

Die Heuwerte sind die Mittelwerte der LUFA Nord-West für den Jahrgang 2025, in Klammern die Spanne, in der 96 von 100 Proben liegen. Gerechnet ist mit einem 500-Kilo-Pferd und 9 kg Heu am Tag, also 7,9 kg Trockenmasse.

Spurenelement Gehalt im Heu je kg Trockenmasse 9 kg Heu liefern Bedarf 500 kg, Erhalt gedeckt
Zink 24 mg (12 bis 56) 189 mg 425 mg rund 45 %
Kupfer 4,5 mg (2,4 bis 8,0) 36 mg 105 mg rund 34 %
Selen 0,05 mg (0,04 bis 0,20) 0,4 mg 1,05 mg rund 38 %
Mangan 134 mg (22 bis 394) 1.057 mg 425 mg rund 250 %

Beim Jod liegt der Bedarf für ein 500-Kilo-Pferd bei 1,6 mg am Tag. Im Heu wird Jod meist gar nicht untersucht.

Drei Dinge lese ich aus dieser Tabelle heraus, und alle drei sind praktisch wichtig:

Zink, Kupfer und Selen fehlen im Durchschnitt deutlich. Ein Mineralfutter muss vor allem diese drei liefern, Mangan dagegen kaum.

Zink und Kupfer gehören beide gedeckt. Die beiden nutzen im Darm ähnliche Aufnahmewege. Ein Verhältnis von etwa drei bis vier Teilen Zink auf einen Teil Kupfer ist eine Orientierung, keine Grenze. Kritisch wird es vor allem, wenn Zink extra gegeben wird, ohne dass man weiß, wie es um das Kupfer steht.

Selen und Jod sind winzig. Ein Milligramm ist ein Tausendstel Gramm. Bei diesen beiden ist der Abstand zwischen zu wenig und zu viel klein, und deshalb gehören sie nicht ins Gefühl, sondern auf die Waage.

Und dazu: Arbeit, Wachstum und Trächtigkeit heben den Bedarf an, teils deutlich. Die Tabelle ist der Boden, nicht die Decke. Und die Spanne beim Heu ist groß, dein Heu kann in jeder Zeile woanders liegen. Die LUFA Nord-West sitzt in Oldenburg, viele Proben kommen aus Norddeutschland. Das sind gute Richtwerte, aber kein Ersatz für die eigene Analyse.

Warum ersetzen Kräuter und Samen das Mineralfutter nicht?

Weil die Mengen nicht zusammenpassen. Dein Pferd braucht mit 500 Kilo am Tag 425 mg Zink, eine Kräutermischung bringt je hundert Gramm nur wenige Milligramm davon. Du müsstest kiloweise füttern und hättest lange vorher andere Inhaltsstoffe im Überschuss. Heißt für uns: Kräuter und Samen dürfen dazukommen, das Grundmineral mit ausgewiesenen Gehalten bleibt.

Hier wird es unbequem, aber ohne diesen Teil wäre der Beitrag unehrlich: Kräuter und Samen decken den Bedarf an Spurenelementen nicht.

Ein 500-Kilo-Pferd braucht am Tag 425 Milligramm Zink. In hundert Gramm Kräutermischung stecken davon wenige Milligramm. Um die Lücke zu schließen, müsstest du Kilos füttern, und lange vorher wären andere Inhaltsstoffe im Überschuss.

Baustein Was er beiträgt Was er nicht kann
Mineralfutter mit ausgewiesenen Gehalten Zink, Kupfer, Selen nach Lücke ist die Basis, ohne geht es nicht
Kräuter Vielfalt, sekundäre Pflanzenstoffe Spurenelemente in nennenswerter Menge
Leinsamen Schleimstoffe ist kein Mineralträger und kein Omega-3-Lieferant
Hanfsamen Eiweiß ist keine besonders lysinreiche Quelle
Algenkalk Calcium, wenn die Rechnung eine Lücke zeigt Zink, Kupfer, Selen
Seealgenmehl Jod lässt sich schnell überdosieren, siehe unten

Was folgt daraus? Nicht, dass ganzheitliche Fütterung sinnlos wäre. Sondern dass die Aufgaben klar verteilt sind: Das Grundmineral schließt die Lücke, die anderen Bausteine haben ihre eigenen Aufgaben. Wer das Mineralfutter weglässt, weil es „aus dem Sack“ kommt, spart am falschen Ende.

Deshalb rechne ich in der Beratung immer nach, statt zu schätzen: erst die Ration, dann die Lücke, dann die Ergänzung.

Was leisten Kräuter in der Ration?

Kräuter bringen neben kleinen Mengen Mineralstoffen die sekundären Pflanzenstoffe mit, also Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle und Farbstoffe. In der Naturheilkunde werden ihnen viele Wirkungen zugeschrieben, etwa auf die Darmflora oder die Leber.

Und hier gehört gleich die ehrliche Einordnung dazu, weil du sie sonst nirgends bekommst: Für die meisten Futterkräuter gibt es beim Pferd keine belastbaren Studien. Was wir haben, ist jahrhundertelange Erfahrung, dazu Laborwerte über die Inhaltsstoffe und Untersuchungen an anderen Tierarten. Das ist etwas wert, aber es ist kein Wirksamkeitsnachweis, und niemand sollte dir etwas anderes erzählen. Kräuter sind Futter, keine Arznei, und sie ersetzen keine tierärztliche Behandlung.

Traditionell eingesetzt werden zum Beispiel:

  • Brennnessel und Löwenzahn: traditionell in Frühjahrskuren
  • Hagebutte: reich an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen
  • Salbei und Thymian: enthalten ätherische Öle
  • Brombeerblätter: gerbstoffreich

Kräuter gehören kurweise in den Trog

Kräuter sind kein Dauerfutter. Bitterstoffe, Gerbstoffe und ätherische Öle sind starke Inhaltsstoffe, und was stark ist, gehört dosiert und zeitlich begrenzt in den Trog. Eine Kräutermischung, die seit zwei Jahren jeden Tag im Trog landet, ist keine Kur mehr, sondern ein Bestandteil der Ration, dessen Wirkung niemand mehr beurteilen kann.

Meine Regel: kurweise füttern, drei bis sechs Wochen, dann eine Pause von mindestens der gleichen Länge. Manche Kräuter brauchen einen kürzeren Rhythmus, Süßholz zum Beispiel höchstens 14 Tage am Stück und dann 14 Tage Pause. Danach schaust du hin, ob sich etwas verändert hat. Wenn nach zwei Kuren nichts anders ist, war es die falsche Mischung oder das falsche Problem.

Bei tragenden Stuten, bei Pferden unter Medikamenten und bei allem, was tierärztlich behandelt wird, gehört jede Kräutergabe vorher besprochen.

Wofür sind Leinsamen, Hanfsamen und Bierhefe gut?

Leinsamen füttere ich wegen der Schleimstoffe, geschrotet oder gekocht, Hanfsamen wegen des Eiweißes. Inaktive Bierhefe kann in kleinen Mengen B-Vitamine beisteuern. Mineralträger sind alle drei nicht, und als Omega-3-Lieferant oder Energiequelle setze ich Saaten auch nicht ein. Fehlt Energie, nehme ich strukturreiche Cobs aus Grünhafer, Grünhirse oder Luzerne.

Samen nutze ich gern, aber aus anderen Gründen als oft gedacht:

  • Leinsamen wegen der Schleimstoffe, geschrotet oder gekocht
  • Hanfsamen wegen des Eiweißes, auch wenn Hanf keine besonders lysinreiche Quelle ist. Gute Lysinlieferanten sind Luzerne und Hülsenfrüchte.

Beides sind keine Mineralträger und auch keine Omega-3-Lieferanten. Im Alltag kommt Omega-3 über den Weidegang. Wer gezielt EPA und DHA braucht, kommt an Algen- oder Dorschöl nicht vorbei, weil das Pferd aus Saaten kaum etwas davon selbst herstellt. Und als Energiequelle setze ich Saaten auch nicht ein. Wenn Energie fehlt, nehme ich strukturreiche Cobs aus Grünhafer, Grünhirse oder Luzerne.

Inaktive Bierhefe kann in kleinen Mengen B-Vitamine beisteuern. Als Mineralquelle spielt sie bei diesen Mengen keine Rolle. Lebendhefe empfehle ich nicht.

Braucht mein Pferd Algenkalk?

Algenkalk ist reich an Calcium und kann sinnvoll sein, wenn die Rechnung beim Calcium eine Lücke zeigt. Das ist seltener, als man denkt, denn Heu liefert Calcium meist gut.

Calcium wird für Knochenstoffwechsel und Muskelarbeit gebraucht, das ist unstrittig. Was Algenkalk nicht ist: ein Mittel gegen Magenprobleme. Diese Aussage liest man oft, belegt ist sie beim Pferd nicht, und ein Magengeschwür gehört ohnehin tierärztlich abgeklärt und behandelt.

Aber Vorsicht mit der Menge. Calcium und Phosphor stehen in einem Verhältnis zueinander, Calcium sollte dabei immer im Übergewicht sein. Wer Algenkalk großzügig obendrauf gibt, verschiebt dieses Verhältnis weiter, und ein Zuviel an Calcium kann die Aufnahme anderer Mineralstoffe behindern. Heureiche Rationen liegen ohnehin oft schon calciumbetont.

Ist Seealgenmehl als Mineralquelle für Pferde geeignet?

Seealgenmehl (zum Beispiel Ascophyllum nodosum) wird gern als Mineralquelle empfohlen, ist aber vor allem eine sehr ergiebige Jodquelle. Genau darin liegt das Problem, und dieser Abschnitt ist der wichtigste im ganzen Beitrag.

Rechne einmal mit. Ein 500-Kilo-Pferd braucht nach den GfE-Empfehlungen im Erhalt rund 1,6 Milligramm Jod am Tag. Seealgenmehl enthält je nach Algenart und Charge mehrere hundert Milligramm Jod je Kilogramm.

Ein Rechenbeispiel: 10 Gramm einer Alge mit 800 Milligramm Jod je Kilo liefern 8 Milligramm Jod, also das Fünffache des Bedarfs. Die Obergrenze liegt zwar ein gutes Stück über dem Bedarf, mit Algen ist sie aber schnell erreicht, vor allem wenn Mineralfutter und Kräuter auch noch Jod mitbringen.

Das ist keine theoretische Grenze. Ein dauerhaftes Zuviel an Jod kann zu einer vergrößerten Schilddrüse und zu veränderten Schilddrüsenwerten führen. Zu viel Jod macht dieselben unspezifischen Beschwerden wie zu wenig: Trägheit, Gewichtsveränderungen, Fell- und Hautveränderungen. Bei tragenden Stuten kommen Entwicklungsstörungen des Fohlens dazu.

Daraus folgt eine klare Regel: Seealgenmehl nur mit der Deklaration in der Hand und mit der Waage. Steht kein Jodgehalt auf der Packung, lass die Finger davon, denn dann kannst du die Menge nicht ausrechnen. Und rechne zusammen, was du insgesamt fütterst, viele Mineralfutter enthalten bereits Jod. Oft ist die ehrlichste Antwort, Seealgenmehl ganz wegzulassen.

Wenn du den Verdacht hast, dass es bei euch zu viel war, ist das ein Fall für den Tierarzt und nicht für eine Futterumstellung auf Verdacht.

Wie viel Salz braucht ein Pferd am Tag?

Salz ist das einzige Mineral, nach dem ein Pferd gezielt sucht. Spurenelemente holt es sich nicht selbst, auch wenn man das oft liest. Die GfE nennt für ein 500-Kilo-Pferd im Erhalt, also bei wenig Bewegung und ohne Hitze, 2,9 g Natrium, gut 7 g Salz. Coenen und Vervuert rechnen für den Alltag mit rund 6 g Natrium, etwa 15 g Salz. Mit jedem Liter Schweiß gehen zusätzlich rund 3 g Natrium verloren, also etwa 8 g Salz.

Am besten gibst du das Salz abgewogen ins Futter und bietest zusätzlich loses Salz zur freien Aufnahme an. Ein Leckstein reicht oft nicht, weil die Zunge das nicht hergibt, und ein Mineralleckstein ist keine Mineralversorgung.

Woran erkenne ich ein gutes Mineralfutter?

An vier Dingen: Auf der Packung stehen die Gehalte an Zink, Kupfer, Mangan, Selen und Jod je Kilogramm, nicht nur Namen. Die Fütterungsempfehlung bringt nachgerechnet nennenswerte Mengen. Es ist kein Zucker, keine Melasse und kein Aroma drin. Und es passt zu deinem Heu, liefert also vor allem das, was bei dir fehlt.

Bevor du selbst zusammenstellst, lohnt der Blick auf das, was du vielleicht schon im Schrank stehen hast. Vier Dinge verraten dir, ob eine Mischung hält, was die Tüte verspricht.

Es stehen Zahlen drauf, nicht nur Namen. Eine seriöse Deklaration nennt die Gehalte an Zink, Kupfer, Mangan, Selen und Jod je Kilogramm. Steht dort nur „Kräutermischung mit Brennnessel und Hagebutte“, weißt du nach dem Kauf genauso viel wie vorher.

Die Fütterungsempfehlung ist realistisch. Rechne einmal nach: Gehalt je Kilo mal Tagesmenge. Wenn dabei bei einer Tagesration von 30 Gramm nennenswerte Mengen Zink herauskommen sollen, muss der Gehalt entsprechend hoch sein, und das ist rein pflanzlich kaum machbar. Kommen nur ein paar Milligramm heraus, ist das Produkt ein Kräuterzusatz, kein Mineralfutter. Beides darf es geben, aber es sollte auch so heißen.

Kein Zucker, keine Melasse, keine Aromen. Melasse steht als Pelletierhilfe in sehr vielen Mischungen. Bei einem Pferd mit Stoffwechselthemen hat sie nichts verloren. Mehr dazu steht im Beitrag über Fütterung ohne Industriefutter.

Passend zum Heu. Ist dein Heu schon reich an Mangan oder Eisen, braucht es davon nichts extra. Ein gutes Mineralfutter liefert vor allem das, was bei dir fehlt.

Wie stelle ich die Mineralversorgung selbst zusammen?

In fünf Schritten, immer in derselben Reihenfolge: Ration wiegen, Heu analysieren lassen, die Lücke ausrechnen, ein Mineralfutter mit ausgewiesenen Gehalten passend zu dieser Lücke wählen, dazu Salz, und erst dann die Extras wie Kräuter oder Leinsamen. Am Ende rechnest du die ganze Ration noch einmal durch, und zwar auch auf Überschüsse.

Selbst zusammenstellen heißt nicht, drei Tüten aus dem Futterladen zusammenzuschütten. Es heißt, zu wissen, was rein muss und warum. Die Reihenfolge ist immer dieselbe.

Schritt 1: Wiege die Ration. Alles, was dein Pferd am Tag bekommt, mit Menge. Heu inklusive. Eine Hängewaage kostet gut zehn Euro und ist die beste Investition in diesem ganzen Thema. Geschätzte Heumengen liegen fast immer daneben, meistens zu hoch.

Schritt 2: Lass dein Heu analysieren. Das ist der Schritt, den fast alle überspringen, und der Grund, warum so viel auf Verdacht gefüttert wird. Heu schwankt je nach Boden, Schnitt und Jahr erheblich. Eine Analyse mit Spurenelementen kostet bei der LUFA Nord-West rund 114 Euro (Stand April 2026) und gilt für die ganze Charge, also oft ein ganzes Jahr. Ohne sie rechnest du gegen eine Unbekannte.

Schritt 3: Rechne die Lücke aus. Bedarf minus das, was Heu und Ration schon liefern. Was übrig bleibt, ist deine Aufgabe. Nur das gehört ergänzt, nicht mehr.

Schritt 4: Wähle das Mineralfutter. Zuerst ein Mineralfutter mit ausgewiesenen Gehalten, passend zu dieser Lücke, dazu Salz.

Schritt 5: Erst dann die Extras. Kräuter kurweise, Leinsamen, bei Bedarf Eiweiß. Und die ganze Ration noch einmal durchrechnen, und zwar auf Überschüsse, nicht nur auf Lücken. Zwei Produkte, die beide Zink enthalten, addieren sich.

Eine Beispielration, und warum sie so aussieht

So könnte die Ergänzung für ein 500-Kilo-Freizeitpferd bei durchschnittlichem Heu aussehen. Das ist ein Beispiel, kein Rezept für dein Pferd, weil dein Heu anders ist als meines.

Baustein Menge am Tag Wofür er drin ist
Mineralfutter mit ausgewiesenen Gehalten nach Lücke und Herstellerangabe Zink, Kupfer, Selen, also das, was das Heu nicht liefert
Salz abgewogen, im Alltag rund 15 g, mit Schweiß mehr Natrium
Leinsamen, geschrotet oder gekocht 30 bis 50 g Schleimstoffe
Kräutermischung kurweise, 20 bis 30 g über drei bis sechs Wochen Vielfalt, nicht dauerhaft
Inaktive Bierhefe 10 bis 20 g, wenn gewünscht B-Vitamine
Algenkalk nur nach Rechnung Calcium, wenn die Rechnung eine Lücke zeigt
Seealgenmehl nur nach Rechnung, oft gar nicht Jod, nur mit Deklaration und Waage

Die erste Zeile trägt absichtlich keine feste Zahl. Genau dort entscheidet die Rechnung, und genau dort geht das meiste schief, wenn man sie überspringt.

Die drei häufigsten Fehler

Zwei Mineralfutter nebeneinander. Das passiert öfter, als man denkt: ein Mineralfutter im Müsli, eins extra dazu. Beide enthalten Zink, Kupfer und Selen. Bei Selen ist der Abstand zwischen Bedarf und Zuviel klein.

Zink ohne Kupfer. Es gibt reine Zinkpräparate zu kaufen, und sie werden gern bei stumpfem Fell gegriffen. Wenn du dabei nicht weißt, wie es um das Kupfer steht, verschiebst du nur das Verhältnis. Wie sich die Versorgung im Fellwechsel bemerkbar macht, steht in einem eigenen Beitrag.

Nach Gefühl nachlegen. Ein Löffel mehr, weil das Fell gerade stumpf ist. Mineralstoffe wirken nicht in Tagen, und ein Zuviel verschwindet nicht von selbst. Ändere eine Sache, warte sechs bis acht Wochen, und schau dann.

Wann gehört mein Pferd zum Tierarzt statt zur Futterumstellung?

Wenn dein Pferd deutlich abnimmt, obwohl die Ration steht, immer wieder lahmt oder fühlig läuft, auffällig viel trinkt, teilnahmslos wirkt, fiebert, Koliksymptome zeigt oder trotz sauberer Fütterung ein stumpfes, struppiges Fell behält. Das gehört zuerst abgeklärt, und die Fütterung wird danach angepasst, nicht davor.

Fütterung ist stark, aber sie ist nicht alles. Geh zum Tierarzt, wenn dein Pferd:

  • deutlich abnimmt, obwohl die Ration steht
  • immer wieder lahmt oder fühlig läuft
  • auffällig viel trinkt und Wasser lässt
  • teilnahmslos wirkt, fiebert oder Koliksymptome zeigt
  • ein Fell hat, das trotz sauberer Fütterung stumpf und struppig bleibt

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein struppiges, spät wechselndes Fell gehört zu den frühen Hinweisen auf PPID, im Stall meist Cushing genannt. Das ist eine Erkrankung und kein Fütterungsfehler. Sie gehört per Bluttest abgeklärt, und die Fütterung wird danach angepasst, nicht davor.

Und für die Spurenelemente gilt: Selen gehört vor der Ergänzung ins Blutbild. Selen und Jod sind die beiden Nährstoffe, bei denen ein Zuviel schnell ernst wird.

Häufige Fragen

Reicht ein Salzleckstein als Mineralversorgung?

Nein. Ein Leckstein deckt Natrium und Chlorid, mehr nicht, und selbst das unzuverlässig, weil die Zunge oft nicht genug hergibt. Spurenelemente sind darin entweder gar nicht oder in Mengen enthalten, die keine Rolle spielen, auch ein Mineralleckstein ist keine Mineralversorgung. Loses Salz ist besser als ein Leckstein. Wie du Salz richtig fütterst, steht im Beitrag über Salzfütterung.

Kann ich einfach Kräuter statt Mineralfutter füttern?

Nein. Kräuter können eine Ration kurweise ergänzen, aber die Mengen an Zink, Kupfer und Selen, die ein Pferd am Tag braucht, bekommst du pflanzlich nicht zusammen, ohne an anderer Stelle deutlich zu überversorgen. Das Grundmineral mit ausgewiesenen Gehalten gehört in jede Ration.

Braucht mein Pferd im Sommer auf der Weide überhaupt Mineralfutter?

Meistens ja. Weidegras ist bei Spurenelementen genauso vom Boden abhängig wie Heu. Dazu kommt: Im Sommer schwitzt dein Pferd mehr und verliert Natrium. Der Bedarf verschwindet im Sommer nicht, er verschiebt sich.

Woran merke ich, dass die Mineralversorgung stimmt?

Nicht an einem einzelnen Zeichen, sondern an mehreren über Monate: glänzendes Fell, ein Fellwechsel, der zügig durchläuft, feste Hufe mit gutem Horn, ruhige Verdauung. Was du dagegen nicht tun solltest, ist alle sechs Wochen etwas zu ändern. Dann weißt du am Ende nicht, was gewirkt hat.

Ist teurer gleich besser?

Nein. Der Preis sagt vor allem etwas über Rohstoffqualität und Marge aus, nicht über die Passung zu deinem Heu. Ein günstiges Mineralfutter, das die Lücke deiner Ration trifft, ist besser als ein teures, das an ihr vorbeigeht.

Wie rechne ich die Mineralversorgung für mein Pferd durch?

Alles in diesem Beitrag läuft auf denselben Punkt zu: Erst rechnen, dann füttern. Genau das ist der Unterschied zwischen gerechneter Fütterung und Fütterung auf Verdacht, und der Grund, warum zwei Pferde im selben Stall unterschiedliche Mineralfutter brauchen können.

Wenn du wissen willst, wo bei euch tatsächlich die Lücke sitzt, fang mit dem Futter-Check an. Fünf Fragen, keine drei Minuten, kostenlos.

Zuletzt fachlich überarbeitet am 26.09.2026.

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