KI-generiertJedes Jahr rund um den Jahreswechsel beginnt für viele Pferde eine besonders herausfordernde Zeit: laute Knallgeräusche, grelle Lichter, ungewohnte Gerüche und angespannte Menschen können selbst ruhige Pferde verunsichern. Damit dein Pferd entspannt und sicher ins neue Jahr kommt, kannst du mit etwas Vorbereitung und gezielter Unterstützung viel tun.
Warum ist Silvester so stressig für Pferde?
Pferde reagieren als Fluchttiere besonders sensibel auf plötzliche, laute Reize. Feuerwerkskörper, Lichtblitze oder zischende Geräusche lösen bei vielen Tieren eine Stressreaktion aus: Herzfrequenz steigt, Muskulatur spannt sich an, Adrenalin wird ausgeschüttet. Vor allem in Ställen, die in der Nähe von Wohngebieten liegen, kann die Nacht zum Jahreswechsel für die Tiere purer Stress bedeuten.
Wie reagieren Pferde nachweislich auf Feuerwerk?
Die größte Umfrage dazu stammt aus Neuseeland: Gronqvist, Rogers und Gee haben 2016 Angaben zu 6.431 Pferden ausgewertet. Vier von fünf Befragten schätzten ihre Pferde bei Feuerwerk als ängstlich oder sehr ängstlich ein, am häufigsten rannten die Pferde los. Ein Viertel berichtete von Verletzungen, meist Schnitt- und Risswunden.
Ein paar Zahlen aus dieser Arbeit (Gronqvist, Rogers und Gee 2016, Fachzeitschrift Animals), damit du einordnen kannst, worum es geht:
- 1.111 Halterinnen und Halter haben geantwortet, die Umfrage lief 2015, kurz bevor der private Feuerwerksverkauf begann.
- 82 Prozent nannten Losrennen als Reaktion, 35 Prozent hatten erlebt, dass ein Pferd durch den Zaun gegangen ist.
- 26 Prozent (289 von 1.099) berichteten von Verletzungen im Zusammenhang mit Feuerwerk. Die Bandbreite reichte von kleinen Schnitten und Zerrungen bis zu Knochenbrüchen, die tödlich endeten.
- Die häufigsten Maßnahmen waren, die Pferde auf eine weiter entfernte Koppel zu stellen oder in den Stall zu holen. Rund ein Drittel empfand genau diese Maßnahmen als wirkungslos.
Ganz ehrlich: Das ist eine Umfrage, also Selbstauskunft und keine Messung am Pferd. Für Deutschland habe ich keine vergleichbar große Erhebung gefunden. Die Richtung ist trotzdem klar, und sie deckt sich mit dem, was ich in diesem Beitrag vorschlage: Das Risiko an Silvester sind Flucht, Zaun und Tor, nicht der Trog.
Wie gestaltest du die Umgebung an Silvester ruhig und sicher?
Am meisten Sicherheit gibt deinem Pferd das Vertraute: Pferde, die es kennt, gewohnte Routinen und Heu zur freien Verfügung, denn Kauen beruhigt. Geschlossene Fenster und Türen dämpfen Lichtblitze und Lärm etwas, und ein leise laufendes Radio kann die Geräuschkulisse von draußen abschwächen. Allein lassen solltest du dein Pferd in dieser Nacht nicht.
Pferde nicht allein lassen: Ideal ist es, wenn vertraute Pferde zusammenstehen dürfen, das vermittelt Sicherheit.
Fenster und Türen schließen: So werden grelle Lichtblitze und Lärm etwas gedämpft.
Radio oder Musik leise laufen lassen: Ein gleichmäßiger Hintergrundton kann die Geräuschkulisse von draußen abschwächen.
Heu zur freien Verfügung: Kauen beruhigt und hilft, Stress abzubauen.
Vertraute Routinen beibehalten: Gewohnte Abläufe geben Sicherheit und Stabilität.
Was kann die Fütterung an Silvester beitragen?
Die Fütterung sichert die Grundversorgung, eine sichere Umgebung ersetzt sie nicht. Magnesium und B-Vitamine gehören das ganze Jahr über gedeckt, nicht nur im Dezember. Kräuter wie Melisse, Passionsblume oder Hopfen sind klassische Futterkräuter, belastbare Studien beim Pferd gibt es dazu nicht. Und für den Magen zählen kurze Fresspausen und genug Raufutter, nicht ein Zusatz.
Eine gute Nährstoffversorgung spielt auch bei Stressreaktionen eine wichtige Rolle. Der Körper benötigt Mineralstoffe, um Nerven und Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten.
Magnesium und B-Vitamine: Magnesium ist an der Reizweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln beteiligt, B-Vitamine entstehen im Dickdarm. Beides gehört gedeckt, das ganze Jahr über und nicht nur im Dezember.
Kräuter wie Melisse, Passionsblume oder Hopfen: klassische Futterkräuter, traditionell kurweise gegeben. Belastbare Studien beim Pferd gibt es dazu nicht. Wer Turniere reitet, gleicht jedes Kraut vorher mit der ADMR-Liste ab, Baldrian zum Beispiel ist dort relevant.
Der Magen: Stress schlägt beim Pferd oft auf den Magen. Die Antwort darauf sind kurze Fresspausen und genug Raufutter, nicht ein Zusatz.
Wann fängst du mit welcher Vorbereitung an?
Fang drei bis vier Wochen vorher an und plane Heumenge und Fresspausen für die Silvesternacht. Zwei Wochen vorher prüfst du die Haltung und testest das Radio an ruhigen Abenden, eine Woche vorher stimmst du den Ablauf mit dem Stall ab. Am Tag selbst heißt es: Heu satt, Routine wie immer, Radio früh an.
Das meiste wirkt nicht am selben Abend. Wer am 31. Dezember beginnt, kommt zu spät.
| Wann | Was |
|---|---|
| 3 bis 4 Wochen vorher | Heumenge und Fresspausen für die Silvesternacht planen |
| 2 Wochen vorher | Haltung prüfen: Wo steht das Pferd, wer steht dabei, wo kann es sich verletzen. Radio an ruhigen Abenden testen |
| 1 Woche vorher | Ablauf mit dem Stall abstimmen, wer ist wann da |
| Am Tag selbst | Heu satt, Routine wie immer, Radio früh anstellen, nicht erst um 23 Uhr |
| Nach Mitternacht | erst nachschauen, wenn es ruhig ist, nicht mitten hinein |
Wie schützt du dein Pferd an Silvester vor Verletzungen?
Sicherheit geht vor Beruhigung, denn ein Pferd in Panik kann sich am Zaun, am Tor oder an sich selbst verletzen. Prüf den Weidezaun, besonders Ecken und Tore, räum alles weg, was im Weg steht, binde nicht an und lass die Herde zusammen. Ist dein Pferd schon einmal in Panik geraten, sprich vorher mit deinem Tierarzt.
Ein Pferd in Panik verletzt sich am Zaun, am Tor oder an sich selbst. Deshalb vor allem anderen:
- Weidezaun prüfen, besonders Ecken und Tore. Panik geht geradeaus.
- Alles wegräumen, was im Weg steht: Schubkarren, Gerätschaften, offene Türen.
- Nicht anbinden, und nicht in engen Boxen einsperren, wenn das Pferd das nicht gewohnt ist.
- Herde zusammenlassen. Ein einzeln gestelltes Pferd hat mehr Angst, nicht weniger.
- Bei Pferden, die schon einmal in Panik geraten sind, sprich vorher mit deinem Tierarzt. Eine geplante Sedierung ist besser als ein Notfall um Mitternacht, und sie muss vorher besorgt werden.
Darf ich meinem Pferd an Silvester ein Beruhigungsmittel geben?
Nur wenn deine Tierärztin es verordnet und erklärt hat, wann und wie. Sedierende Mittel sind verschreibungspflichtig, sie machen viele Pferde wackelig auf den Beinen, und ein sediertes Pferd kann trotzdem erschrecken und ausschlagen. Für Pferde mit Panikvorgeschichte ist ein geplanter Einsatz eine echte Möglichkeit, aber kein Ersatz für eine sichere Umgebung.
In der neuseeländischen Umfrage hatten nur 19 Prozent der Befragten ihr Pferd an Feuerwerkstagen schon einmal sedieren lassen (Gronqvist, Rogers und Gee 2016). Das ist also keine Routine, sondern eine Entscheidung für einzelne Pferde.
Was du über Sedierung wissen solltest, fasst Aimi Duff in einem Fachartikel zur Sedierung über die Maulschleimhaut gut zusammen (Duff 2015, Vet Times):
- Nebenwirkungen hängen von der Dosis ab: unsicherer Gang (Ataxie), langsamer Herzschlag, eine langsamere Darmtätigkeit und flachere Atmung.
- Ein sediertes Pferd kann trotzdem auskeilen. Ein lauter Knall kann es auch unter dem Mittel erschrecken.
- Nicht anbinden, solange das Mittel wirkt, weil ein taumelndes Pferd sich am Strick den Hals verletzen kann. Besser auf eingestreutem Boden oder Gummimatten.
Heißt für uns: Kläre mit deiner Tierärztin rechtzeitig, welches Mittel es sein soll, wann du es gibst, wie lange es wirkt, wie du in dieser Zeit fütterst und was du tust, wenn dein Pferd stark schwankt. Wer Turniere reitet, fragt außerdem nach den Wartezeiten. Und probier die Gabe, wenn sie es empfiehlt, vorher an einem ruhigen Tag aus, damit du weißt, wie dein Pferd darauf reagiert.
Warum ist deine Ruhe der wichtigste Faktor?
Das beste Mittel gegen Stress bleibt immer eine ruhige, souveräne Bezugsperson. Wenn du gelassen bleibst und Sicherheit ausstrahlst, überträgt sich das auf dein Pferd. Vermeide hektisches Verhalten, lautes Rufen oder häufiges Kontrollieren, das kann Unsicherheit verstärken.
Ein paar sanfte Streicheleinheiten, beruhigende Worte und eine vertraute Umgebung wirken oft stärker als jede Ergänzung.
Mit etwas Vorbereitung, Geduld und liebevoller Begleitung kannst du deinem Pferd helfen, Silvester entspannter zu erleben. Ein sicheres Umfeld, eine gedeckte Grundversorgung und deine ruhige Präsenz sind die besten Bausteine, um gemeinsam gelassen ins neue Jahr zu starten.
Mein persönlicher Tipp für entspannte Pferde an Silvester
Ich prüfe vorher, ob Magnesium gedeckt ist, wie das ganze Jahr. Es ist ein Mengenelement, das an der Reizweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln beteiligt ist, und eine gedeckte Versorgung gehört ohnehin in jede Ration, nicht nur im Dezember. Ein Beruhigungsmittel ist es nicht, und mehr als der Bedarf bringt auch nicht mehr Ruhe.
Wichtiger als alles im Trog ist die Vorbereitung von oben: sichere Umgebung, vertraute Herde, genug Heu. Ein Pferd, das in Panik gerät, gerät auch mit jedem Zusatz in Panik.
Häufige Fragen
Sollen Pferde an Silvester in den Stall oder auf die Weide?
Es gibt keine Antwort, die für alle stimmt. Entscheidend ist, wo das Pferd normalerweise steht, denn die gewohnte Umgebung ist fast immer die sicherere. Ein Pferd, das sonst draußen lebt, gerät in der Box eher in Panik als auf seiner Koppel, und umgekehrt gilt dasselbe. Prüf stattdessen die Umzäunung, räum weg, woran sich ein durchgehendes Pferd verletzen kann, und sorg dafür, dass es nicht allein steht.
Ab wann fange ich mit der Vorbereitung an?
Drei bis vier Wochen vorher ist ein guter Zeitpunkt, um Heumenge, Fresspausen und die Haltung für die Silvesternacht zu planen. Kräuter wie Melisse, Hopfen oder Baldrian sind Futter und kein Beruhigungsmittel. Sie ersetzen keine sichere Umgebung: Ein Pferd, das in Panik gerät, gerät auch mit Melisse in Panik. Wer Turniere reitet, gleicht jedes Kraut mit der ADMR-Liste ab.
Hilft ein Beruhigungsmittel vom Tierarzt?
Bei Pferden, die in der Vergangenheit wirklich durchgegangen sind oder sich verletzt haben, ist das eine ernsthafte Möglichkeit, und dafür ist das Gespräch mit dem Tierarzt da. Es gehört rechtzeitig geführt, nicht am Nachmittag des 31. Dezember. Auf eigene Faust zu dosieren gehört nicht dazu.
Was ist mit Ohrenstöpseln oder Radio im Stall?
Beides kann helfen, beides kann auch das Gegenteil bewirken. Ein Pferd, das seine Umgebung nicht mehr hört, wird bei manchen noch unsicherer. Wenn du es ausprobieren willst, dann Wochen vorher an einem ruhigen Abend und nicht zum ersten Mal in der Silvesternacht. Es muss bereits gewohnt sein, um zu wirken.
Sollte ich in der Silvesternacht beim Pferd bleiben?
Wenn deine eigene Ruhe echt ist, ja, denn dann ist deine Anwesenheit der stärkste beruhigende Faktor, den es gibt. Wenn du selbst angespannt bist und alle fünf Minuten zum Fenster gehst, überträgt sich genau das. Ehrlich mit sich zu sein lohnt sich hier mehr als jedes Kraut.
Kann ich mein Pferd vorher an Knallgeräusche gewöhnen?
Ein Stück weit, wenn du früh anfängst und in kleinen Schritten gehst. In einer Studie mit 27 jungen Hengsten wurden die Pferde am schnellsten gelassen, die einen beängstigenden Reiz schrittweise kennenlernten, statt ihm gleich voll ausgesetzt zu werden (Christensen, Rundgren und Olsson 2006). Getestet wurde dort allerdings eine bewegte Plastiktüte, kein Feuerwerk. Eine kontrollierte Studie mit Feuerwerksaufnahmen bei Pferden habe ich nicht gefunden. Wenn du es ausprobierst, dann mit Aufnahmen, die erst kaum hörbar laufen, zum Beispiel beim Putzen oder Heufressen, und nur lauter werden, solange dein Pferd entspannt bleibt. Zeigt es Anspannung, gehst du einen Schritt zurück. Lichtblitze, Erschütterungen und Geruch fehlen auf jeder Aufnahme, deshalb ersetzt das Training keine sichere Umgebung.
Macht ein gelassenes Pferd nebenan einen Unterschied?
Dafür gibt es einen Hinweis aus der Forschung. In einer Studie mit 36 jungen Hengsten zeigten Testpferde weniger Angstreaktionen, wenn ein ruhiges, an den Reiz gewöhntes Pferd neben ihnen stand, als mit einem ungeübten Begleiter (Christensen, Malmkvist, Nielsen und Keeling 2008). Heißt für uns: Wenn du die Wahl hast, steht dein Pferd an Silvester neben seinem gelassensten Kumpel und nicht neben dem, der selbst beim Traktor schon zuckt.
Warum kommt Stress beim Pferd im Bauch an?
Stress kann sich auch auf die Verdauung auswirken. Wenn dein Pferd nach der Silvesterwoche breiigen Kot oder Kotwasser hat, kann das mit den Tagen davor zusammenhängen. Ein neues Pulver ist dann trotzdem nicht die erste Antwort.
Wie der Darm arbeitet und woran du eine Verschiebung erkennst, steht im Beitrag über Darmprobleme beim Pferd. Und wenn nach den Feiertagen mehrere Dinge gleichzeitig auffallen, hilft die Reihenfolge aus dem Beitrag wenn die Ursache unklar bleibt, statt alles auf einmal umzustellen.
Zuletzt fachlich überarbeitet am 06.10.2026.


