Kartoffelprotein taucht in den letzten Wochen und Monaten immer häufiger in Futtermitteln für Pferde auf, vor allem in Müslis, Pellets und sogenannten „leistungsfördernden“ Ergänzern. Oder sogar „Pur„.
Auf den ersten Blick klingt es vielversprechend: hoher Proteingehalt, pflanzliche Herkunft, scheinbar gut verwertbar.
Doch ein genauerer Blick zeigt: Kartoffelprotein ist für Pferde alles andere als ideal, und kann im schlimmsten Fall sogar Probleme verursachen.
Was ist Kartoffelprotein überhaupt?
Kartoffelprotein ist ein Nebenprodukt der industriellen Stärkeherstellung. Dabei wird der Kartoffel die Stärke entzogen, und übrig bleibt ein hochkonzentrierter Eiweißanteil. Dieser wird getrocknet und als Futtermittel vermarktet.
Das Problem: Es handelt sich nicht um ein natürliches Futtermittel, sondern um ein stark verarbeitetes Industrieprodukt.
Warum Kartoffelprotein problematisch ist
1. Unnatürlich für das Verdauungssystem des Pferdes
Pferde sind von Natur aus darauf ausgelegt, strukturreiche, faserhaltige Pflanzen zu fressen, kein hochkonzentriertes isoliertes Eiweiß.
Kartoffelprotein liefert:
sehr viel Protein auf einmal
kaum Struktur
keine natürliche Einbettung
Das kann den empfindlichen Stoffwechsel des Pferdes schnell überfordern.
2. Belastung von Leber und Nieren
Ein Zuviel an Protein muss im Körper abgebaut werden. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte wie Ammoniak, die über Leber und Nieren verarbeitet werden müssen.
Folgen können sein:
erhöhte Stoffwechselbelastung
Probleme bei empfindlichen Pferden
langfristig mögliche Organüberlastung
Gerade bei Freizeitpferden ist ein hoher Proteingehalt komplett unnötig.
3. Risiko für Stoffwechselprobleme
Ein überhöhter Proteingehalt im Futter wird oft unterschätzt. Dabei kann er indirekt zu Problemen beitragen wie:
Übersäuerung des Stoffwechsels
angelaufene Beine (Wasseransammlungen)
Hautprobleme
erhöhte Belastung bei EMS oder Cushing
Kartoffelprotein ist hier besonders kritisch, weil es extrem konzentriert ist.
4. Häufig versteckt im Futter
Ein großes Problem: Kartoffelprotein wird oft „versteckt“ deklariert, z. B. als:
„pflanzliches Eiweiß“
„pflanzliche Proteine“
„Kartoffeleiweiß“
Viele Pferdehalter merken gar nicht, dass sie es füttern.
Woran du es auf dem Sack erkennst
Das ist der schwierige Teil, denn "Kartoffelprotein" steht selten so da. Die Zusammensetzung eines Mischfutters wird in absteigender Menge aufgelistet, und darin taucht es unter verschiedenen Namen auf:
- Kartoffeleiweiß oder Kartoffelprotein
- Kartoffelfaser, Kartoffelpülpe oder Kartoffeltrester (das sind andere Bestandteile derselben Verarbeitung, nicht dasselbe)
- versteckt unter Sammelbegriffen wie pflanzliche Eiweißerzeugnisse
Der letzte Punkt ist der ärgerliche: Ein Sammelbegriff muss nicht aufschlüsseln, was genau darin steckt. Wenn auf einem eiweißreichen Futter kein einzelnes Eiweißerzeugnis benannt ist, lohnt die Nachfrage beim Hersteller.
Zwei praktische Anhaltspunkte:
Steht das Eiweißerzeugnis weit vorn in der Liste, ist reichlich davon drin. Und ein auffällig hoher Rohproteingehalt bei niedrigem Preis kommt fast nie aus Luzerne oder Leinsamen, sondern aus einem Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie.
5. Kein echter Mehrwert für die meisten Pferde
Kartoffelprotein wird oft als „hochwertige Eiweißquelle“ beworben. In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Einsatz bringt häufig mehr Nachteile als Vorteile.
Das Problem liegt nicht darin, dass Pferde grundsätzlich keinen Proteinbedarf hätten, sondern in der Form, in der dieses Protein geliefert wird.
Kartoffelprotein kann:
die empfindliche Darmflora stören
Verdauungsprobleme begünstigen
zu Kotwasser oder Blähungen führen
den Verdauungstrakt unnötig belasten
Gerade weil es sich um ein stark verarbeitetes, isoliertes Protein handelt, fehlt die natürliche Einbettung in eine strukturreiche Futterquelle. Dadurch passt es schlecht in das Verdauungssystem des Pferdes.
Statt den Bedarf sinnvoll zu decken, wird das Gleichgewicht im Darm oft eher gestört.
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