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Ätherische Öle für Pferde: Welche sind gefährlich oder ungeeignet?

Von Yasemin Halac, Ernährungsberaterin für Pferde · 17.10.2026

Brauner Pferdekopf im Profil vor HerbstlaubKI-generiert

Ätherische Öle sind das Konzentrierteste, was eine Pflanze hergibt. Ob ein Öl fürs Pferd gefährlich wird, hängt an vier Dingen: welche Stoffe drinstecken, wie viel du nimmst, wie du es anwendest und welches Pferd vor dir steht. Am Pferd lasse ich phenolreiche Öle wie Oregano, Thymian CT Thymol und Gewürznelke weg, dazu Zimtrinde. Ketonreiche Öle wie Salbei, Rosmarin CT Campher oder Atlaszeder kommen nie an tragende Stuten, Fohlen oder Pferde mit Anfallsneigung. Und kaltgepresste Zitrusöle wie Bergamotte, Zitrone und Limette vertragen sich auf der Haut nicht mit Sonne.

Ich bin Yasi, Ernährungsberaterin für Pferde, und zur Aromapflege bin ich über meine Stute Helena gekommen, die PPID hat. In meinem Kurs Aroma Horse gibt es eine ganze Phase nur zu Gegenanzeigen und Grenzen, und daraus stammt dieser Beitrag. Ganz ehrlich: Wie einzelne Öle beim Pferd wirken, ist wissenschaftlich kaum untersucht. Umso wichtiger ist, dass du die Risiken kennst, die man aus der Chemie der Öle ableiten kann.

Warum können ätherische Öle für Pferde gefährlich sein?

Ätherische Öle sind hochkonzentriert, deshalb macht schon eine kleine Änderung der Menge einen spürbaren Unterschied. Über die Haut wird ein Teil aufgenommen und in der Leber abgebaut. Pur aufgetragen ist die Menge pro Fläche Haut um ein Vielfaches zu hoch. Und wer ein Öl wochenlang ohne Pause nutzt, riskiert, dass sich die Belastung aufsummiert.

Für die Arbeit am Pferd haben sich ein bis zwei Prozent im Trägeröl bewährt. Ein Prozent auf 50 ml sind rund 10 bis 15 Tropfen, für empfindliche, junge oder alte Pferde und für jeden ersten Versuch nimmst du die Hälfte, also 5 bis 7 Tropfen. Wie du das ausrechnest, steht im Beitrag ätherische Öle beim Pferd verdünnen.

Die Zeit gehört genauso zur Dosis wie die Tropfen. Milde Öle wie Lavendel nimmst du drei bis vier Wochen, danach mindestens genauso lange Pause. Bei keton-, phenol- oder aldehydreichen Ölen reden wir eher über wenige Tage. Lehnt ein Pferd ein Öl, das es bisher gern angenommen hat, plötzlich ab, ist die Pause fällig, auch wenn die drei Wochen noch nicht rum sind.

Welche ätherischen Öle sind für Pferde ungeeignet?

Kritisch sind vor allem drei Stoffklassen: Phenole wie in Oregano, Thymian CT Thymol und Gewürznelke, Ketone wie in Salbei, Rosmarin CT Campher und Atlaszeder, und Aldehyde wie im Lemongrass oder in der Zimtrinde. Dazu kommen kaltgepresste Zitrusöle mit Furocumarinen und cineolreiche Öle wie Eukalyptus globulus, die bei Fohlen tabu sind.

Phenole sind die schärfsten Stoffe in der Aromapflege. Sie reizen Haut und Schleimhäute erheblich und belasten bei längerer Anwendung die Leber. Ich habe kaum eine Situation erlebt, in der ein phenolreiches Öl am Pferd die richtige Antwort war. Meist ist die Frage dahinter eine tierärztliche.

Bei den Ketonen haben mehrere Vertreter in höherer Dosis neurotoxisches Potenzial, sie wirken also aufs Nervensystem. Wichtig zu wissen: Beim Rosmarin entscheidet der Chemotyp. Rosmarin CT Cineol ist der mildeste, CT Campher und CT Verbenon sind ketonreich. Steht kein Chemotyp auf dem Etikett, kannst du das nicht einschätzen.

Kritische Öle beim Pferd und was das für dich heißt
ÖlStoffklasse und LeitstoffRisikoWas das heißt
OreganoPhenole, Carvacroleine der schärfsten Substanzen überhauptam Pferd entbehrlich
Thymian CT ThymolPhenole, Thymolsehr scharf, reizt Haut und SchleimhautThymianhydrolat ja, Thymianöl nein
GewürznelkePhenole, Eugenoldeutlicher Hautreizstoffnicht am Pferd
ZimtrindeAldehyde, Zimtaldehydeines der hautreizendsten Ölepraktisch nicht geeignet
LemongrassAldehyde, Citral bis 80 Prozentdeutlich hautreizendnie großflächig, nicht bei Fohlen, nicht bei Ekzemern
Echter SalbeiKetone, Thujonneurotoxisches Potenzialtabu bei tragenden Stuten, Fohlen, Anfallsneigung
Rosmarin CT Campher und CT VerbenonKetone, Campher bzw. Verbenonneurotoxisches Potenzialnicht großflächig, nicht dauerhaft, für den Einstieg nicht geeignet
AtlaszederSesquiterpenole plus Keton AtlantonTrächtigkeit ist echte Gegenanzeigenicht bei tragenden Stuten, Fohlen, Anfallsneigung
PfefferminzeMenthol plus Keton Menthonstarker Kühleffekt, Ketonanteilnicht bei Fohlen, nicht trächtig, nicht an die Nüstern, sparsam
Eukalyptus globulusOxide, 1,8-Cineol bis 85 Prozentkann bei Fohlen Atemwegsreaktionen auslösennicht bei Fohlen, nie an die Nüstern, nie bei Husten oder Asthma
Bergamotte, Zitrone, Limette kaltgepresstFurocumarine, BergaptenHaut wird lichtempfindlichnach Hautanwendung mindestens 12 Stunden keine Sonne, oder FCF-Qualität
TeebaumMonoterpenole, aber Oxid 1,8-Cineol als Qualitätsfrageüber 5 Prozent Cineol reizt mehrnie pur, nicht auf offene Wunden, für Katzen giftig

Welche Zitrusöle machen die Haut lichtempfindlich?

Lichtempfindlich machen kaltgepresste Zitrusöle mit Furocumarinen, vor allem Bergapten. Dazu gehören z. B. Bergamotte, Zitrone und Limette. Süße Orange und Mandarine gelten nicht als lichtsensibilisierend. Nach der Hautanwendung eines kritischen Zitrusöls bleibt die Stelle mindestens 12 Stunden aus der direkten Sonne, oder du nimmst gleich ein Öl in FCF-Qualität.

Zitrusöle werden aus der Schale gepresst und nicht destilliert. Dabei kommen die Furocumarine mit ins Öl. Beim Pferd ist das besonders heikel, weil es nach der Pflege oft genau dahin geht, wo die Sonne steht, auf die Weide. Helle, unpigmentierte Stellen an Blesse, Nüstern und weißen Abzeichen sind am empfindlichsten.

FCF steht für furocumarinfrei, diesen Ölen wurden die Furocumarine entzogen. Für die Raumluft brauchst du das nicht, für die Haut ist es die sichere Wahl. Übrigens oxidieren alle Zitrusöle schnell, auch Orange und Mandarine, und oxidiertes Öl reizt die Haut stärker. Nach dem Öffnen kühl lagern und innerhalb eines Jahres verbrauchen.

Wenn an hellen Hautstellen etwas auffällt, schieb es nicht automatisch aufs Öl. Lichtempfindlichkeit kann auch von bestimmten Futterpflanzen oder einer Leberbelastung kommen. Das gehört tierärztlich abgeklärt.

Was darf ich mit ätherischen Ölen beim Pferd nie machen?

Es gibt 5 Regeln, die immer gelten: kein Öl pur auf Haut oder Schleimhaut, nichts innerlich, kein Öl gegen den Willen des Pferdes, Abstand zu Augen, Nüstern und offenen Wunden, und kein Öl als Ersatz für die Tierärztin. Diese fünf gelten unabhängig davon, wie erfahren du bist und welches Öl du nimmst.

Die innerliche Anwendung ist beim Pferd aus einem besonderen Grund tabu. Den größten Teil der Verdauung übernehmen Mikroorganismen im Dickdarm, der rund hundert Liter fasst. Viele ätherische Öle gelten als antimikrobiell, und solche Stoffe unterscheiden dabei nicht zwischen erwünschten und unerwünschten Keimen. Was ins Futter oder in die Tränke kommt, landet also genau da, wo du es am wenigsten haben willst. Getrocknete Kräuter sind übrigens etwas anderes, die sind um ein Vielfaches geringer konzentriert.

Der Riechtest ist kein netter Zusatz. Dreht dein Pferd deutlich ab, legst du das Öl weg. Wenn ein Pferd nach dem fünften Fläschchen nicht mehr wegdreht, hat es in der Regel einfach aufgegeben. Das ist kein Ja.

  • Nichts pur auf Haut oder Schleimhaut
  • Nichts innerlich, weder ins Futter noch ins Maul noch in die Tränke
  • Kein Öl gegen den Willen des Pferdes
  • Abstand zu Augen, Nüstern und offenen Wunden
  • Kein Ersatz für die Tierärztin bei unklaren oder akuten Beschwerden

Wichtig: Wo Stallkatzen mitlaufen, räumst du offene Fläschchen weg und deckst behandelte Stellen ab, bis sie trocken sind. Katzen können bestimmte Bestandteile, z. B. aus Teebaumöl, in der Leber nicht abbauen.

Welche Pferde sollten keine ätherischen Öle bekommen?

Besondere Zurückhaltung gilt bei tragenden und säugenden Stuten, Fohlen und Jungpferden, Pferden mit bekannter Anfallsneigung, Pferden mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion und Pferden mit Atemwegsproblemen. Bei diesen Pferden fragst du zuerst, ob überhaupt ein Öl infrage kommt. Im Zweifel lautet die Antwort nein.

Bei Husten, Asthma oder anderen Atemwegsproblemen setze ich gar keine Düfte ein und vernebele nichts. Das gehört zur Tierärztin. Bei Fohlen wird, wenn überhaupt, nur sehr zurückhaltend über den Geruch gearbeitet.

Bei alten Pferden lasse ich ketonreiche Öle ganz weg und bleibe beim halben Prozent, also 5 bis 7 Tropfen auf 50 ml. Oft sind Hydrolate hier die bessere Wahl, mehr dazu im Beitrag über Hydrolate für Pferde.

Zwei Punkte, an die kaum jemand denkt: Ist dein Pferd im Equidenpass nicht als „nicht zur Schlachtung bestimmt“ eingetragen, sprich vor jeder Anwendung auf der Haut mit deiner Tierärztin. Und bei Turnierpferden können Stoffe wie Campher oder Menthol bei Dopingkontrollen auffallen. Prüf vor jedem Turnier die aktuellen Regeln deines Verbands.

Können ätherische Öle Wechselwirkungen mit Medikamenten haben?

Ja, das ist möglich. Ätherische Öle und viele Medikamente werden in der Leber über dieselben Enzyme abgebaut, die Cytochrom-P450-Enzyme. Dadurch kann der Wirkspiegel eines Medikaments steigen oder sinken, und beides merkst du von außen nicht. Bei jedem Pferd in laufender Behandlung sprichst du deshalb vor der ersten Anwendung mit der Tierärztin.

Besonders wichtig ist das bei Dauermedikation, z. B. bei PPID oder EMS, die oft lebenslang behandelt werden und bei denen der Wirkspiegel stabil bleiben muss. Meine Helena hat selbst PPID, deshalb ist mir dieser Punkt besonders wichtig.

Schmerz- und Entzündungshemmer belasten Leber und Niere ohnehin, da bin ich während einer laufenden Therapie zurückhaltend. Düfte, die als beruhigend gelten, und sedierende Medikamente können sich überlagern, deshalb gibt es vor Behandlungen unter Sedierung keine Duftarbeit. Keton- und phenolreiche Öle fordern die Leber stärker als milde, esterreiche Öle.

Frag konkret: Welches Präparat, seit wann, in welcher Dosis, und spricht aus tierärztlicher Sicht etwas gegen eine Anwendung auf der Haut oder über den Duft? Die Antwort schreibst du dir auf.

Wann ist Aromapflege beim Pferd nicht das richtige Mittel?

Bei akuten Notfällen, starken Schmerzen, Fieber, Koliksymptomen, plötzlicher Lahmheit, angestrengter Atmung, offenen Wunden, Augenproblemen jeder Art, Verdacht auf Hufrehe, Futterverweigerung oder Apathie bleibt das Fläschchen zu. Da gehört dein Pferd sofort zur Tierärztin. Aromapflege ist Begleitung im Alltag und hat in einer Situation, in der medizinisch gehandelt werden muss, keinen Platz.

Dann gibt es Situationen, in denen zuerst abgeklärt wird und die Aromapflege vielleicht später dazukommt: wiederkehrender Husten, Hautveränderungen, Verhaltensänderungen ohne erkennbaren Anlass oder ein Leistungseinbruch. Erst die Diagnose, dann die Begleitung.

Und es gibt Pferde, die Öle grundsätzlich ablehnen. Das ist ein völlig akzeptables Ergebnis. Für manche Pferde ist Aromapflege einfach nicht der richtige Weg, und das darf man auch so stehen lassen.

Häufige Fragen

Ist Lavendelöl für Pferde gefährlich?

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) gehört zu den am besten verträglichen Ölen, weil er vor allem Ester und Linalool enthält. Trotzdem nimmst du ihn nur verdünnt und machst vorher einen Riechtest. In der Trächtigkeit setze ich auch Lavendel nur zurückhaltend und nach Rücksprache ein.

Darf ich Teebaumöl pur auf eine Hautstelle geben?

Nein. Teebaumöl kommt nie unverdünnt auf die Haut und nicht auf offene Wunden. Achte außerdem auf die Analyse: Ein gutes Teebaumöl hat 35 bis 45 Prozent Terpinen-4-ol und unter 5 Prozent 1,8-Cineol.

Sind fertige Fliegensprays mit ätherischen Ölen unbedenklich?

Nicht automatisch. Viele enthalten Lemongrass oder Citronella, und beide sind aldehydreich und können die Haut reizen. Schau in die Zutatenliste und teste das Spray erst an einer kleinen Stelle. Bei Ekzemern mit gereizter Haut würde ich es ganz lassen.

Woran erkenne ich auf dem Etikett, ob ein Öl kritisch ist?

Du brauchst den botanischen Namen, beim Rosmarin oder Thymian auch den Chemotyp, und am besten eine GC/MS-Analyse der Charge. Nur so siehst du, welche Stoffklassen dominieren. Steht weder Chemotyp noch Analyse drauf, ist Zurückhaltung die einzig richtige Entscheidung.

Sind auch Hydrolate gefährlich?

Hydrolate sind um ein Vielfaches milder, harmlos sind sie trotzdem nicht. Salbei, Rosmarin und Atlaszeder lasse ich bei tragenden Stuten auch als Hydrolat weg, Pfefferminze bei Fohlen im Gesicht. Jedes neue Hydrolat testest du 24 Stunden an einer kleinen Hautstelle.

Ätherische Öle und Hydrolate sind Begleitung, keine Behandlung. Bei Husten, Fieber, Lahmheit, Koliksymptomen, Wunden oder allem, was plötzlich kommt, gehört dein Pferd zur Tierärztin.

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