Der Riechtest beim Pferd: so zeigt dein Pferd dir, welchen Duft es möchte
Von Yasemin Halac, Ernährungsberaterin für Pferde · 17.10.2026
Bevor ein ätherisches Öl bei mir ans Pferd kommt, darf das Pferd daran riechen und entscheiden. Das ist der Riechtest. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du ihn machst, woran du Zustimmung und Ablehnung erkennst, wie oft du ihn wiederholst und was er dir nicht sagen kann.
Zur Aromapflege bin ich über meine Stute Helena gekommen, und beim Riechtest zeigt sie mir sehr genau, was sie möchte und was nicht. Deshalb ist er in meinem Kurs „Aroma Horse“ das Herzstück der sicheren Anwendung. Die Kurzfassung: Du hältst das offene Fläschchen etwa eine Handbreit vor die Nüstern, bewegst es nicht und schaust nur zu. Nimmt dein Pferd den Duft an, darfst du damit arbeiten. Lehnt es ab, stellst du das Fläschchen weg.
Was ist ein Riechtest beim Pferd?
Beim Riechtest bietest du deinem Pferd ein ätherisches Öl oder ein Hydrolat am offenen Fläschchen an und beobachtest, wie es reagiert. Kommt es näher, kaut oder senkt den Kopf, nimmt es den Duft an. Dreht es ab, lehnt es ihn ab. Nur ein angenommenes Öl kommt zur Anwendung.
Der Riechtest dauert ungefähr eine Minute. Fachlich trägt er, weil die Riechzellen ihre Meldung direkt an die Bereiche im Gehirn weitergeben, die für Gefühle und Erinnerung zuständig sind, ohne Umweg über das Blut. Dein Pferd reagiert also unmittelbar, und was du siehst, ist eine echte Information.
Dazu kommt, dass Pferde um ein Vielfaches feiner riechen als wir. Ein Pferd atmet in Ruhe rund 80 Liter Luft pro Minute, wir 6 bis 8 Liter. Deshalb reichen beim Riechtest wenige Sekunden, und deshalb hältst du Abstand.
Wie mache ich den Riechtest beim Pferd Schritt für Schritt?
Such dir einen ruhigen Moment ohne Zeitdruck. Halte das geöffnete Fläschchen etwa eine Handbreit vor die Nüstern und lass es dort. Beobachte, was dein Pferd macht. Bei Interesse darfst du länger anbieten, bei Ablehnung legst du das Öl weg und drängst nicht.
So gehe ich vor:
- Ruhe schaffen: vertraute Umgebung, kein Zeitdruck. Kein Riechtest zwischen Tür und Angel und keiner, während nebenan gefüttert wird. Deine eigene Gelassenheit überträgt sich.
- Anbieten: das offene Fläschchen etwa eine Handbreit vor die Nüstern halten. Dein Pferd muss den Kopf jederzeit wegdrehen können. Bewegt es sich auf das Fläschchen zu, ist das schon die erste Antwort.
- Beobachten: nur hinschauen und nichts tun. Die Zeichen findest du in der Tabelle weiter unten.
- Auf die Antwort eingehen: bei Zustimmung länger anbieten, bei Ablehnung das Fläschchen weglegen und eventuell später ein anderes Öl versuchen.
Wichtig: Die drei häufigsten Fehler: Nachführen, wenn das Pferd den Kopf wegdreht, das Fläschchen direkt an die Nüster halten und mehrere Öle hintereinander durchprobieren, bis eins nicht abgelehnt wird.
Woran erkenne ich, ob mein Pferd ein Öl annimmt?
Zustimmung zeigt dein Pferd durch aktives Hinriechen, Kauen und Lecken, Gähnen, langsames Blinzeln und einen gesenkten Kopf. Ablehnung erkennst du am Wegdrehen, Zurückweichen, hektischem Schnauben und angelegten Ohren. Steht dein Pferd einfach da und zeigt gar nichts, ist das kein Ja.
Am Anfang sieht man leicht das, was man sehen möchte. Ich ordne die Zeichen deshalb in drei Gruppen und entscheide erst dann.
| Antwort | Woran du sie erkennst | Was du tust |
|---|---|---|
| Zustimmung | Aktives Hinriechen mit geblähten Nüstern, Kauen und Lecken, Gähnen, langsames Blinzeln, Kopf senken, Augen halb schließen, Abschnauben mit entspanntem Hals, ruhig in der Nähe des Fläschchens stehen bleiben | Länger anbieten, das Öl darf zur Anwendung kommen |
| Ablehnung | Kopf wegdrehen, rückwärts treten, hektisches Schnauben, Ohren anlegen, angespannter Hals, Kopf hoch und weg. Auch mehrfaches kurzes Hinriechen mit sofortigem Zurückweichen | Fläschchen weglegen, nicht überreden |
| Keine Reaktion | Das Pferd steht da und tut nichts | Abbrechen und zu einem ruhigeren Zeitpunkt noch einmal versuchen |
Was mache ich, wenn mein Pferd ein Öl ablehnt?
Du nimmst das Nein ernst und stellst das Öl weg. Ein abgelehntes Öl wird nicht überredet und nicht doch aufgetragen. Du kannst es an einem anderen Tag noch einmal anbieten, denn die Antwort kann sich ändern. Manchmal ist das Hydrolat derselben Pflanze eine Möglichkeit, weil es viel milder riecht.
Die Ablehnung ist für mich das Ergebnis des Tests, und damit arbeite ich weiter. Beim Teebaum z. B. drehen viele Pferde den Kopf weg. Dann nehme ich lieber das Teebaumhydrolat, das denselben Charakter in sehr viel milderer Form mitbringt.
Wichtig zu wissen: Wenn ein Pferd nach dem fünften Fläschchen nicht mehr wegdreht, hat es meistens einfach resigniert. Und es gibt Pferde, die grundsätzlich stark ölabweisend reagieren. Für die ist Aromapflege nicht der richtige Weg, und das ist völlig in Ordnung.
Ein Sonderfall ist das Pferd, das ein Öl zwei Wochen lang gern genommen hat und es plötzlich ablehnt. Dann ist eine Pause fällig, auch wenn die drei Wochen noch nicht um sind.
Wie oft sollte man den Riechtest beim Pferd machen?
Den Riechtest machst du vor jedem neuen Öl und jeder neuen Mischung, am besten an einem ruhigen Tag vor dem eigentlichen Einsatz. Während einer Anwendung beobachtest du weiter, ob dein Pferd den Duft noch annimmt. Nach 3 bis 4 Wochen mit demselben Öl folgt eine ebenso lange Pause.
Wenn du ein Öl für eine bestimmte Situation einsetzen willst, z. B. vor dem Hufschmiedtermin, dann machst du den Riechtest nicht am Termintag selbst, wenn ohnehin alle angespannt sind. Biete das Öl vorher an einem ruhigen Tag an.
Die Pause hat zwei Gründe. Leber und Niere bekommen Zeit, alles abzubauen, und die Nase stumpft nicht ab. Ein Öl, das ein Pferd seit vier Wochen jeden Tag riecht, sagt ihm nichts mehr, und dann verliert auch der Riechtest seinen Wert. Bei kritischen Ölen mit vielen Ketonen, Phenolen oder Aldehyden sprechen wir sowieso nur von wenigen Tagen. Mehr zu Pausen und Tropfenzahlen steht im Beitrag ätherische Öle beim Pferd verdünnen.
Und kein Durchprobieren: Wer sechs Öle hintereinander anbietet, überfordert sein Pferd und bekommt kein brauchbares Ergebnis.
Was sagt der Riechtest nicht aus?
Der Riechtest zeigt dir, ob dein Pferd einen Duft gerade mag und womit du arbeiten darfst. Er sagt nichts darüber, was deinem Pferd fehlt oder ob es einen Stoff braucht. Er ersetzt keine Diagnose, und bei Husten, Asthma oder anderen Atemwegsproblemen machst du gar keinen Riechtest.
Ich lese immer wieder, ein Pferd suche sich über den Riechtest das Öl aus, das es gerade braucht. Das gibt der Riechtest nicht her. Er zeigt eine Vorliebe, und das ist schon viel, weil du damit dein Pferd mitentscheiden lässt.
Ein angenommenes Öl ist außerdem noch kein sicheres Öl. Ob es zu deinem Pferd passt, hängt von den Inhaltsstoffen, der Verdünnung und der Situation ab. Eine trächtige Stute darf z. B. kein ketonreiches Öl bekommen, auch wenn sie es im Riechtest begeistert annimmt. Welche Pferde besondere Vorsicht brauchen, steht im Beitrag über Aromatherapie beim Pferd.
Wichtig: Ätherische Öle können gereizte Atemwege zusätzlich reizen, auch beim Riechtest. Bei Husten, Asthma oder Nasenausfluss bleibt das Fläschchen zu und du rufst die Tierärztin.
Häufige Fragen
Kann ich den Riechtest auch mit Hydrolaten machen?
Ja. Du bietest das Hydrolat am offenen Fläschchen oder an einem besprühten Tuch an. Interesse, Entspannung und Flehmen zählen dabei als Ja, deutliches Abdrehen respektierst du. Hydrolate riechen oft erdig oder krautig, das ist normal.
Warum gähnt mein Pferd beim Riechtest?
Gähnen gehört zu den Zeichen, die ich als Zustimmung lese, genauso wie Kauen, Lecken und langsames Blinzeln. Achte aber immer auf das ganze Pferd. Ist der Hals dabei angespannt oder geht der Kopf hoch und weg, ist es eher ein Nein.
Darf ich das Fläschchen direkt an die Nüstern halten?
Nein, eine Handbreit Abstand reicht völlig. Direkt an der Nüster ist der Duft für ein Pferd viel zu stark, und seine Reaktion sagt dann nur etwas über den Abstand aus.
Darf ich bei einem Fohlen einen Riechtest machen?
Bei Fohlen arbeite ich, wenn überhaupt, nur sehr zurückhaltend über den Geruch. Cineolreiche Öle wie Eukalyptus und die Pfefferminze sind bei Fohlen tabu, weil sie in Gesichtsnähe die Atemwege reizen können. Mit einem milden Hydrolat bist du auf der sicheren Seite.
Brauche ich für den Riechtest ein teures Öl?
Es muss kein teures Öl sein. Wichtig ist, dass es echt ist: Auf dem Etikett sollten der botanische Name, die Herkunft und eine Chargennummer stehen. Ein Duftöl oder ein naturidentisches Öl gehört nicht an die Pferdenase.
Ätherische Öle und Hydrolate sind Begleitung, keine Behandlung. Bei Husten, Fieber, Lahmheit, Koliksymptomen, Wunden oder allem, was plötzlich kommt, gehört dein Pferd zur Tierärztin.
