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Qualität ätherischer Öle erkennen: worauf ich beim Kauf fürs Pferd achte

Von Yasemin Halac, Ernährungsberaterin für Pferde · 17.10.2026

Braunglasfläschchen mit Pipette, Mörser mit getrockneten BlütenKI-generiert

Im Regal sehen ätherische Öle alle gleich aus: kleines braunes Fläschchen, hübsches Etikett. Was drin ist, steht aber auf dem Etikett und in der Analyse, und das kannst du lernen zu lesen. In diesem Beitrag zeige ich dir, worauf ich beim Kauf achte, bevor ein Öl an ein Pferd kommt.

Die Kriterien stammen aus meinem Kurs „Aroma Horse“, in dem Qualität ein eigenes Thema ist, ganz unabhängig von einer Firma. Die wichtigste Antwort vorweg: Auf dem Etikett müssen der botanische Name, die Herkunft, der Pflanzenteil, das Gewinnungsverfahren und eine Chargennummer stehen, bei manchen Pflanzen auch der Chemotyp. Das Wort „naturrein“ beweist allein gar nichts. Der eigentliche Beleg ist die GC/MS-Analyse zu deiner Charge.

Woran erkenne ich ein gutes ätherisches Öl?

Ein gutes ätherisches Öl erkennst du an der vollständigen Deklaration: botanischer Name, Herkunftsland, Pflanzenteil, Anbauart, Gewinnungsverfahren und Chargennummer, bei Pflanzen mit Chemotypen zusätzlich der Chemotyp. Dazu gibt dir ein seriöser Hersteller auf Nachfrage die GC/MS-Analyse zu deiner Charge. Fehlen diese Angaben, kaufst du nicht.

Der botanische Name ist der wichtigste Punkt, denn nur er sagt dir eindeutig, welche Art im Fläschchen steckt. Beim Lavendel ist das Lavandula angustifolia, beim Teebaum Melaleuca alternifolia. Bei der Anbauart sind kontrolliert biologischer Anbau oder Wildsammlung ideal. Und über die Chargennummer lässt sich das Öl bis zur Produktion zurückverfolgen.

Wenn etwas fehlt, frag beim Kundendienst nach. Ein seriöser Hersteller antwortet konkret und schickt dir die GC/MS-Analyse zu einer bestimmten Charge. Weicht er aus, würde ich dort nicht kaufen. Ein dunkles Glasfläschchen gehört übrigens selbstverständlich dazu.

Was bedeuten naturrein, naturidentisch und synthetisch?

Naturrein heißt: gewonnen aus einer einzigen, benannten Pflanzenart, ohne Zusätze und ohne Streckung. Naturidentische Öle bestehen aus einzelnen Duftstoffen, die im Labor nachgebaut wurden. Duft- und Parfümöle sind überwiegend synthetisch. Am Pferd verwende ich nur naturreine Öle. Achtung: „naturrein“ ist kein geschützter Begriff, das Wort allein beweist nichts.

Ein naturidentisches Lavendelöl mag Linalool enthalten, aber eben nur die nachgebauten Einzelbausteine und nie das vollständige Gemisch der echten Pflanze mit seinen dutzenden Begleitstoffen. Für die Duftlampe im Wohnzimmer ist das egal, ans Pferd gehört so etwas nicht.

Ein guter Plausibilitätscheck ist der Preis im Verhältnis zur Pflanze. Für echtes Melissenöl braucht es mehrere Tonnen Pflanzenmaterial je Liter, zehn Milliliter kosten deshalb einen dreistelligen Betrag. Melissenöl für zwölf Euro ist fast immer Zitronengras oder Citronella. Ein Zehn-Milliliter-Fläschchen Weihrauch für unter zehn Euro ist kein reines Weihrauchöl. Umgekehrt beweist ein hoher Preis allein noch keine Qualität.

Die drei Welten im Regal
BezeichnungWas drin istAm Pferd
Naturrein (100 %)Eine benannte Pflanzenart, keine Zusätze, keine StreckungJa, wenn die Deklaration vollständig ist
NaturidentischEinzelne Duftstoffe aus dem Labor nachgebautNein
Duftöl, Parfümöl, AromaölDuftkomposition, überwiegend synthetischNein

Welches Gewinnungsverfahren ist bei ätherischen Ölen für Pferde geeignet?

Für die Arbeit am Pferd nehme ich Öle aus Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung. Absolues entstehen mit chemischen Lösungsmitteln und sind am Tier tabu. CO2-Extrakte sind hochwertig, aber anders zusammengesetzt als destillierte Öle. Bei kaltgepressten Zitrusölen achtest du zusätzlich auf Furocumarine, die die Haut lichtempfindlich machen können.

Absolues findest du typischerweise bei Blüten wie Jasmin, Tuberose oder Vanille. Sie stehen oft im selben Regal wie die ätherischen Öle und sehen genauso aus. Steht Absolue oder Absolú auf dem Etikett, bleibt das Fläschchen im Laden.

Zitrusöle werden meist aus der Schale gepresst. Dabei kommen Stoffe mit ins Öl, die bei einer Destillation im Kessel blieben, die Furocumarine. Das bekannteste ist Bergapten. Es steckt in einigen kaltgepressten Zitrusölen, z. B. in Bergamotte, Zitrone und Limette, und macht die Haut lichtempfindlich. Süße Orange und Mandarine gelten nicht als lichtsensibilisierend. Für die Haut nimmst du deshalb FCF-Qualität, also furocumarinfrei, oder hältst nach der Anwendung mindestens 12 Stunden Abstand zur Sonne.

Warum ist der Chemotyp bei ätherischen Ölen wichtig?

Der Chemotyp, auf dem Etikett CT, zeigt dir, welcher Inhaltsstoff ein Öl prägt. Dieselbe Pflanzenart kann je nach Standort und Klima ganz verschiedene Öle liefern. Beim Rosmarin entscheidet der Chemotyp, ob du ein mildes Öl oder ein ketonreiches in der Hand hast, das bei trächtigen Stuten tabu ist.

Riechen kannst du den Unterschied nicht, er steht nur auf dem Etikett und in der Analyse. Deshalb kaufe ich bei diesen Pflanzen nur mit Chemotypangabe. Bei Ölen ohne Chemotypen wie Lavendel oder Teebaum reicht der botanische Name.

Ähnlich ist es bei Eukalyptus und Kamille, da entscheidet die Art. Eucalyptus globulus hat bis zu 85 % 1,8-Cineol, Eucalyptus radiata 60 bis 70 % und ist deutlich milder. Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) und die Blaue Kamille (Matricaria recutita) haben fast nur den deutschen Namen gemeinsam.

Pflanzen, bei denen du auf den Chemotyp schaust
PflanzeChemotypenWas das bedeutet
RosmarinCT Cineol, CT Campher, CT VerbenonCT Cineol ist der mildeste, CT Campher (15 bis 25 % Campher) und CT Verbenon sind ketonreich
ThymianCT Thymol, CT Carvacrol, CT Linalool, CT ThujanolThymol und Carvacrol sind phenolreich und scharf, Linalool und Thujanol mild
SalbeiEchter Salbei, MuskatellersalbeiEchter Salbei ist thujonreich und bei trächtigen Stuten tabu, Muskatellersalbei ist esterreich und mild
BasilikumCT Linalool, CT MethylchavicolCT Linalool ist mild, CT Methylchavicol deutlich kritischer

Was ist eine GC/MS-Analyse und wie lese ich sie?

Bei der GC/MS-Analyse wird ein Öl im Labor in seine Einzelstoffe aufgetrennt und der Anteil jedes Stoffes in Prozent bestimmt. So fallen Streckung und falsche Deklaration auf. Du liest sie in vier Schritten: Kopfangaben prüfen, Leitsubstanzen prüfen, zu hohe Werte suchen und kritische Stoffklassen erkennen.

Auf so einem Blatt stehen meist 20 bis 60 Zeilen mit Bestandteil und Prozentanteil. So gehe ich vor:

  • Kopf prüfen: Stimmt die botanische Bezeichnung mit dem Fläschchen überein, und gehört die Chargennummer zu deinem Fläschchen? Die Analyse einer anderen Charge sagt über dein Öl nichts.
  • Leitsubstanzen prüfen: Die zwei bis drei größten Anteile müssen im typischen Bereich liegen. Beim Teebaum z. B. Terpinen-4-ol zwischen 35 und 45 %, beim Eucalyptus radiata 1,8-Cineol zwischen 60 und 70 %.
  • Zu hohe Werte suchen: Beim Teebaum sollte 1,8-Cineol unter 5 % liegen. Ein auffällig hoher Limonenanteil in einem Öl, das keine Zitrusfrucht ist, spricht für Streckung, z. B. beim Weihrauch.
  • Sicherheitsfrage stellen: Stehen Ketone, Phenole oder Aldehyde nennenswert in der Liste? Dann weißt du, bei welchen Pferden und in welcher Verdünnung du vorsichtig sein musst.

Wichtig: Nicht jede Abweichung ist Betrug, ein Erntejahr mit ungewöhnlichem Wetter verschiebt Werte. Ein guter Anbieter beantwortet deine Nachfrage dazu.

Wie lagere ich ätherische Öle richtig?

Ätherische Öle gehören in dunkles Glas, kühl, aufrecht und fest verschlossen, außer Reichweite von Kindern und Tieren. Licht, Wärme und Sauerstoff lassen sie oxidieren, und oxidierte Öle reizen die Haut stärker als frische. Schreib auf jedes Fläschchen das Anbruchsdatum, denn riechen kannst du das Kippen oft nicht.

Kunststoff ist tabu, weil die Konzentrate Weichmacher herauslösen können. Ein halb leeres Fläschchen altert schneller als ein volles, weil mehr Luft darin steht, deshalb kaufe ich lieber kleine Gebinde. Das Auto im Sommer, die Fensterbank und der Platz über der Heizung sind schlechte Orte, und die Sattelkammer auch, wegen Temperaturschwankungen, Licht und Feuchtigkeit.

Wenn deine Öle im Stall stehen sollen, dann in einer geschlossenen Box im kühlsten Winkel. Die empfindlichen wie Zitrusöle bleiben zu Hause. Wo Katzen mitlaufen, räumst du offene Fläschchen sofort weg, weil z. B. Teebaumöl für Katzen giftig ist.

Wie lange sind ätherische Öle haltbar?

Das hängt von den Inhaltsstoffen ab. Zitrusöle halten nach dem Anbruch 6 bis 12 Monate, aldehydreiche Öle wie Melisse oder Lemongrass 1 bis 2 Jahre, krautige Öle wie Lavendel oder Pfefferminze 2 bis 3 Jahre. Holzige und harzige Öle wie Atlaszeder oder Weihrauch halten 4 bis 8 Jahre.

Ist ein Öl ohne Datum, gilt im Zweifel: Zitrusöle entsorgen, krautige Öle nur noch für die Raumluft verwenden und nicht mehr auf der Haut. Bei holzigen und harzigen Ölen bist du meist auf der sicheren Seite, die werden mit den Jahren sogar runder im Duft.

Hydrolate sind viel empfindlicher, ungeöffnet halten sie 1 bis 2 Jahre, nach dem Anbruch nur wenige Monate im Kühlschrank. Auf der Zutatenliste steht genau eine Zutat, und alkoholversetzte Hydrolate nehme ich am Pferd nicht. Mehr dazu im Beitrag über Hydrolate beim Pferd.

Haltbarkeit nach dem Anbruch
GruppeBeispieleHaltbarkeit
ZitrusöleZitrone, Bergamotte6 bis 12 Monate
Aldehydreiche ÖleMelisse, Lemongrass, Citronella1 bis 2 Jahre
Krautige ÖleLavendel, Rosmarin, Thymian, Pfefferminze2 bis 3 Jahre
Holzige und harzige ÖleSandelholz, Atlaszeder, Weihrauch, Vetiver4 bis 8 Jahre

Häufige Fragen

Ist ein teures ätherisches Öl automatisch gut?

Nein. Ein unmöglich niedriger Preis zeigt dir ziemlich sicher, dass etwas nicht stimmt, ein hoher Preis beweist aber noch keine Qualität. Entscheidend sind die Deklaration und die Analyse zur Charge.

Woran erkenne ich ein gekipptes Öl?

Ein gekipptes Öl riecht oft stumpf, ranzig oder nach Terpentin. Verlass dich aber nicht nur auf die Nase, denn Oxidation riecht man häufig erst spät. Das Anbruchsdatum auf dem Fläschchen ist der zuverlässigere Weg.

Darf ich alte Öle noch irgendwie verwenden?

Ans Pferd gehört ein altes, oxidiertes Öl nicht mehr. Für die Duftlampe im Wohnzimmer oder als Putzzusatz taugt es oft noch.

Steht auf dem Etikett nur „Eukalyptus“, kann ich es trotzdem kaufen?

Ich würde es stehen lassen. Ohne Artangabe weißt du nicht, ob es der mildere Eucalyptus radiata oder der schärfere globulus ist. Dasselbe gilt für Lavendel, Kamille und Rosmarin.

Wie erkenne ich ein gutes Hydrolat?

Es muss aus einer Wasserdampfdestillation stammen und ohne Zusätze sein, also ohne Alkohol und ohne Konservierungsmittel. Auf dem Etikett stehen botanischer Name, Ursprungsland, Anbauart, Verfahren, Chargennummer und Haltbarkeitsdatum. Riecht es muffig oder gärig oder siehst du Flöckchen, kommt es weg.

Ätherische Öle und Hydrolate sind Begleitung, keine Behandlung. Bei Husten, Fieber, Lahmheit, Koliksymptomen, Wunden oder allem, was plötzlich kommt, gehört dein Pferd zur Tierärztin.

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