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Ätherische Öle beim Pferd verdünnen: Tropfen, Prozent und Pausen

Von Yasemin Halac, Ernährungsberaterin für Pferde · 17.10.2026

Braunglasfläschchen mit Pipette, Mörser mit getrockneten BlütenKI-generiert

Die Frage, die ich zu ätherischen Ölen am häufigsten bekomme, ist: Wie viele Tropfen nehme ich? Hier bekommst du die Antwort zum Nachrechnen, mit Tropfen je 10 ml und je 50 ml Trägeröl, mit den Werten für die verschiedenen Pferde und mit den Pausen, die dazugehören.

Alle Zahlen stammen aus meinem Kurs „Aroma Horse“, in dem ich Verdünnung und Aufnahmewege ausführlich erkläre. Die kurze Antwort vorweg: Für ein gesundes, erwachsenes Pferd sind 1 % ein guter Ausgangspunkt, das sind 2 bis 3 Tropfen auf 10 ml Trägeröl. Höchstens 2 % für die regelmäßige Arbeit. Für den ersten Versuch mit einem neuen Öl und für empfindliche oder alte Pferde nimmst du die Hälfte, also ein halbes Prozent.

Warum muss man ätherische Öle für Pferde verdünnen?

Ätherische Öle sind das Konzentrierteste, was eine Pflanze hergibt. Ob die Haut gereizt wird, hängt an der Menge Öl pro Fläche Haut. Pur ist diese Menge um ein Vielfaches zu hoch. Das Trägeröl verteilt den Tropfen, bremst die Verdunstung und streckt die Aufnahme über einen längeren Zeitraum.

Ein Tropfen pur auf eine handflächengroße Stelle ist etwas völlig anderes als derselbe Tropfen in einem Teelöffel Mandelöl, obwohl es dieselbe Menge Wirkstoff ist. Dazu kommt, dass ätherische Öle hautgängig sind. Ein Teil erreicht über die Haut tiefere Gewebeschichten und das Blut, und alles, was aufgenommen wird, müssen Leber und Niere wieder abbauen.

Wichtig zu wissen: Ätherische Öle lösen sich in Fett und praktisch gar nicht in Wasser. Ein Tropfen im Wassereimer schwimmt als unverdünnter Tropfen oben und landet irgendwann pur auf Haut oder Schleimhaut. Verdünnt wird deshalb immer in fettem Öl, in einer Emulsion oder in einem Gel. In die Tränke oder ins Futter kommt nichts davon.

Wie viele Tropfen ätherisches Öl auf 10 ml Trägeröl?

Für 1 % gibst du 2 bis 3 Tropfen ätherisches Öl auf 10 ml Trägeröl, für 2 % sind es 4 bis 6 Tropfen. Ein halbes Prozent wäre rechnerisch 1 bis 1,5 Tropfen. Weil sich ein Tropfen schlecht teilen lässt, mischst du die niedrige Stufe besser in 50 ml an, mit 5 bis 7 Tropfen.

Gerechnet wird mit 20 bis 30 Tropfen je Milliliter. Ein Tropfen fasst je nach Öl und Tropfeinsatz etwa 0,03 bis 0,05 ml, deshalb stehen in der Tabelle immer Spannen. Ein Prozent von 10 ml sind 0,1 ml Öl, und das sind 2 bis 3 Tropfen.

Zähl die Tropfen und schätz sie nicht. Nur so ist eine Mischung wiederholbar, und nur so weißt du später, worauf dein Pferd reagiert hat. Schreib dir auf, was du gemischt hast, mit Datum.

Verdünnung zum Nachrechnen (20 bis 30 Tropfen je ml)
VerdünnungÖl auf 10 mlTropfen auf 10 mlTropfen auf 50 mlWofür
0,5 %0,05 ml1 bis 1,5 (besser in 50 ml mischen)5 bis 7Erster Versuch mit jedem neuen Öl, empfindliche, sehr junge, alte oder vorerkrankte Pferde
1 %0,1 ml2 bis 310 bis 15Ausgangspunkt für die meisten Anwendungen am gesunden, erwachsenen Pferd
2 %0,2 ml4 bis 620 bis 30Obergrenze für die regelmäßige Arbeit am gesunden, erwachsenen Pferd

Welche Verdünnung für Fohlen, alte und trächtige Pferde?

Für ein gesundes, erwachsenes Pferd 1 %, höchstens 2 %. Für alte Pferde ein halbes Prozent, ohne ketonreiche Öle. Bei Fohlen kommt kein ätherisches Öl auf die Haut, wenn überhaupt, arbeitest du sehr zurückhaltend über den Geruch. Bei trächtigen Stuten sind Ketonöle tabu, alles andere nur nach Rücksprache mit der Tierärztin.

Bei alten Pferden arbeiten Leber und Niere langsamer, deshalb gehst du an die untere Grenze. Bei Dauermedikation, z. B. wegen PPID oder EMS, sprichst du vorher mit der Tierärztin.

Ketone stecken z. B. im Salbei, im Rosmarin CT Campher und CT Verbenon, in der Atlaszeder, in der Immortelle und in kleinerem Anteil in der Pfefferminze.

Verdünnung nach Pferd
PferdAuf der HautWas dazu gilt
Gesundes, erwachsenes Pferd1 %, regelmäßig höchstens 2 %Jedes neue Öl zuerst mit 0,5 % und 24 Stunden Test an einer kleinen Stelle
Hautempfindlich, Ekzemer0,5 %Testfläche ist Pflicht, keine citralreichen Öle wie Lemongrass
Altes Pferd0,5 %Keine Ketonöle, bei Leber, Niere oder Dauermedikation nur Duft und vorher Tierärztin fragen
Trächtige oder säugende StuteKeine eigene Prozentzahl im KursKetonöle tabu, auch Salbeihydrolat. Alles andere nur nach Rücksprache, im Zweifel gar nicht
Fohlen und JungpferdKein ätherisches Öl auf die HautWenn überhaupt, sehr zurückhaltend über den Geruch. Keine cineolreichen Öle, keine Pfefferminze, milde Hydrolate

Wichtig: Bei Husten, Asthma oder anderen Atemwegsproblemen setze ich keine Düfte ein und vernebele nichts. Das gilt für jedes Alter. Atemwege gehören zur Tierärztin.

Welches Trägeröl eignet sich für ätherische Öle beim Pferd?

Als Trägeröl nimmst du ein fettes Pflanzenöl, im Kurs arbeite ich mit Süßmandel oder Jojoba. Es nimmt das ätherische Öl auf und verteilt es auf der Haut. Für Hydrolate brauchst du kein Trägeröl, die dürfen pur auf die Haut oder kommen in ein Gel.

Trägeröle werden aus Samen oder Kernen gepresst und sind keine ätherischen Öle. Ihre Aufgabe ist einfach: das Konzentrat aufnehmen, bevor es auf die Haut kommt.

Für Hydrolate rühre ich mir eine neutrale Gelbasis an: 50 ml Wasser und einen viertel bis dreiviertel Teelöffel Xanthan, zügig verrührt und ein bis zwei Stunden im Kühlschrank quellen lassen. Das Hydrolat gebe ich erst bei der Anwendung frisch dazu. Beim Sommerekzem kannst du auch ein reines Aloe-vera-Gel nehmen. Auf offene Wunden gehört kein Gel, da bleibt es beim puren Hydrolat aus der Sprühflasche. Mehr dazu im Beitrag über Hydrolate beim Pferd.

Wo darf ich verdünnte ätherische Öle beim Pferd auftragen?

Gut geeignet sind Hals, Schulter, Rücken, Kruppe, Oberschenkel und Brustmuskulatur, weil die Haut dort dicker ist. Nicht geeignet sind Kopf und Nüstern, die Augenpartie, Innenschenkel, Bauchnaht, Genitalbereich, offene oder gereizte Haut und bei Zitrusölen unpigmentierte Stellen. Jede neue Mischung testest du vorher 24 Stunden an einer kleinen Stelle am Hals.

Die Hautdicke schwankt am Pferd stark. Über Rücken und Kruppe ist sie am dicksten, an Innenschenkel, Bauchnaht, hinter dem Ellenbogen und rund um die Nüstern deutlich dünner. Dort reagiert ein zu hoch dosiertes Öl zuerst.

Bevor du eine neue Mischung großflächig nimmst, gibst du eine kleine Menge auf eine handtellergroße Stelle am Hals und wartest 24 Stunden. Zeigt sich keine Rötung und scheuert dein Pferd nicht, darfst du größer werden. Bei Ekzemern und hautempfindlichen Pferden lässt du diesen Test nie weg.

Wichtig: Einige kaltgepresste Zitrusöle wie Bergamotte, Zitrone oder Limette enthalten Bergapten und machen die Haut lichtempfindlich. Nach der Hautanwendung mindestens 12 Stunden keine direkte Sonne, oder du nimmst gleich FCF-Qualität. Süße Orange und Mandarine gelten nicht als lichtsensibilisierend.

Wie lange darf ich ein ätherisches Öl am Stück anwenden?

Ein mildes Öl wie Lavendel oder Palmarosa wendest du 3 bis 4 Wochen an und machst danach mindestens genauso lange Pause. Bei keton-, phenol- oder aldehydreichen Ölen sprechen wir von wenigen Tagen, punktuell und mit deutlich längerer Pause. Lehnt dein Pferd ein Öl vorher ab, ist die Pause sofort fällig.

Die Tropfenzahl ist nur die halbe Dosis, die andere Hälfte ist die Zeit. Auch niedrig dosierte Anwendungen können sich über Wochen für Leber und Niere aufsummieren. Die Pause gibt dem Körper Zeit, alles abzubauen, und sie sorgt dafür, dass die Nase deines Pferdes nicht abstumpft.

Ein Beispiel aus dem Kurs, für einen Wallach mit trockener, schuppiger Haut, tierärztlich abgeklärt: 1 % in einem fetten Trägeröl, also rund 12 Tropfen auf 50 ml, zwei Drittel Palmarosa und ein Drittel Blaue Kamille. Zweimal pro Woche auf die betroffenen Stellen, drei Wochen lang, dann drei Wochen Pause. Abbruch, wenn die Haut rot wird, er scheuert oder es nach zwei Wochen schlechter aussieht, dann geht es zurück zur Tierärztin.

Ob dein Pferd das Öl überhaupt möchte, klärst du vorher mit dem Riechtest.

Häufige Fragen

Muss ich Hydrolate auch verdünnen?

In der Regel nicht, Hydrolate dürfen pur auf die Haut. Bei sehr empfindlichen Pferden kannst du sie 1:1 mit stillem Wasser mischen. Auch hier testest du jedes neue Hydrolat zuerst an einer kleinen Stelle und schaust 24 Stunden.

Wie viel Öl nehme ich für den Duft auf einem Tuch?

Ein bis zwei Tropfen auf ein Tuch reichen. Du hängst es in Nüsternhöhe auf, aber außer Reichweite, und nimmst es nach 10 bis 15 Minuten wieder weg. Dein Pferd muss jederzeit weggehen können, also nie in der geschlossenen Box.

Was mache ich, wenn die Haut nach dem Auftragen rot wird?

Sofort aufhören. Wenn sich die Stelle ausbreitet, nässt oder dein Pferd sichtbar belastet ist, gehört das tierärztlich angeschaut. Danach würde ich mit diesem Öl nicht einfach weitermachen.

Darf ich menschliche Dosierungen fürs Pferd übernehmen?

Nein. Ein Pferd atmet in Ruhe rund 80 Liter Luft pro Minute, ein Mensch 6 bis 8 Liter, und die Riechschleimhaut ist um ein Vielfaches größer. Was für uns eine kleine Menge ist, kann für das Pferd schon eine deutliche Reizmenge sein.

Was gilt beim Turnier und beim Equidenpass?

Campher oder Menthol können bei Dopingkontrollen auffallen, prüf deshalb vor jedem Turnier die Regeln deines Verbands und frag deine Tierärztin. Ist dein Pferd im Equidenpass nicht als „nicht zur Schlachtung bestimmt“ eingetragen, sprichst du vor jeder Anwendung auf der Haut mit der Tierärztin.

Ätherische Öle und Hydrolate sind Begleitung, keine Behandlung. Bei Husten, Fieber, Lahmheit, Koliksymptomen, Wunden oder allem, was plötzlich kommt, gehört dein Pferd zur Tierärztin.

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Die ätherische Stallapotheke

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aromahorseoil ist eine Marke von Pferdeliebehealthy, Yasemin Halac, Buchen im Odenwald.