Lavendelöl beim Pferd: welcher Lavendel es sein soll und wie du ihn verdünnst
Von Yasemin Halac, Ernährungsberaterin für Pferde · 17.10.2026
Lavendel ist meistens das erste Öl, das im Stallschrank landet, und das hat auch seinen Grund. In diesem Beitrag geht es darum, welcher Lavendel es sein sollte, was chemisch drinsteckt, wie du ihn verdünnst und wann du ihn trotzdem lieber weglässt.
Ich bin Yasi, Ernährungsberaterin für Pferde, und zur Aromapflege bin ich über meine Stute Helena gekommen, die PPID hat. Alles, was hier steht, kommt aus meinem Kurs „Aroma Horse“.
Die wichtigste Antwort vorweg: Fürs Pferd nimmst du Lavendel fein, botanisch Lavandula angustifolia, und zwar verdünnt auf ein halbes bis höchstens zwei Prozent. Lavandin und Speiklavendel sind andere Pflanzen mit Campher drin. Und ganz wichtig: Wie Lavendel beim Pferd wirkt, ist wissenschaftlich kaum untersucht. Ich setze ihn als Begleitung im Alltag ein, eine Behandlung ersetzt er nicht.
Welcher Lavendel ist für Pferde geeignet?
Für die Arbeit am Pferd nehme ich Lavendel fein, auch Echter Lavendel genannt, botanisch Lavandula angustifolia. Er besteht vor allem aus Estern und dem Monoterpenol Linalool und gilt als eines der verträglichsten Öle überhaupt. Lavandin und Speiklavendel sind andere Arten und bringen Campher mit. Darum muss der botanische Name auf dem Etikett stehen.
Beim Lavendel gibt es keine Chemotypen wie beim Rosmarin, da reicht der botanische Name. Der muss dann aber auch wirklich draufstehen. Ein Fläschchen, auf dem nur „Lavendel“ steht, lass ich im Regal. Das sagt nichts Schlechtes über den Inhalt, aber du weißt einfach nicht, welche Pflanze du kaufst.
Übrigens ist auch echter Lavendel nicht immer gleich. Ein Lavendel aus 1.500 Metern Höhe riecht und analysiert sich anders als einer aus dem Tal, und trotzdem sind beide Lavandula angustifolia. Der Unterschied zu Lavandin und Speiklavendel ist aber deutlich größer, weil da eine andere Stoffklasse dazukommt.
| Name im Handel | Botanisch | Prägende Stoffe | Fürs Pferd |
|---|---|---|---|
| Lavendel fein, Echter Lavendel | Lavandula angustifolia | Ester (Linalylacetat), Monoterpenol (Linalool) | meine erste Wahl |
| Lavandin | Lavandula × intermedia | enthält zusätzlich Campher (Keton) | lass ich weg |
| Speiklavendel | Lavandula latifolia | enthält Campher (Keton) und 1,8-Cineol (Oxid) | lass ich weg |
Was steckt chemisch im Lavendelöl?
Echter Lavendel ist vor allem ein Ester-Öl. Der Hauptbestandteil ist Linalylacetat, dazu kommt der Alkohol Linalool aus der Gruppe der Monoterpenole. Beide Stoffklassen gelten als mild und gut hautverträglich. Genau diese Mischung ist der Grund, warum Lavendel als sicherer Allrounder gilt und warum ich ihn Einsteigerinnen als Erstes zeige.
Ester entstehen chemisch aus einem Alkohol und einer Säure. In der Aromapflege werden sie traditionell als ausgleichend beschrieben, beim Pferd belegt ist davon wenig. Was man sicher sagen kann: Ein hoher Esteranteil auf der Analyse bedeutet in der Regel ein sanftes Öl. Monoterpenole wie das Linalool sind hautfreundlich und gehen bei der Destillation gern ins Hydrolat über.
Ester haben aber eine Schwäche, und die betrifft dich direkt im Stall:
- Sie zerfallen bei Wärme und Feuchtigkeit wieder in ihre Bestandteile.
- Die Sattelkammer mit Sommerhitze und Winterkälte ist deshalb ein schlechter Platz.
- Ein Fläschchen, das im Sommer im Auto liegt, ist danach ein anderes Öl.
- Kühl, dunkel und fest verschlossen hält Lavendel nach dem Anbruch zwei bis drei Jahre.
Wie verdünne ich Lavendelöl für mein Pferd?
Lavendelöl kommt nie pur aufs Pferd. Für den ersten Versuch und für empfindliche, junge oder alte Pferde nimmst du ein halbes Prozent, also 5 bis 7 Tropfen auf 50 ml Trägeröl. Für gesunde, erwachsene Pferde reicht in der Regel ein Prozent. Zwei Prozent sind die Obergrenze für die regelmäßige Anwendung.
Gerechnet wird mit 20 bis 30 Tropfen je Milliliter, je nach Öl und Tropfeinsatz. Zähl die Tropfen wirklich und schreib dir auf, was du gemischt hast, mit Datum. Sonst weißt du beim nächsten Mal nicht mehr, worauf dein Pferd reagiert hat. Mehr zum Rechnen findest du in meinem Beitrag Ätherische Öle fürs Pferd verdünnen.
Bevor du eine neue Mischung großflächig aufträgst, machst du einen Test: eine kleine Menge auf eine handtellergroße Stelle am Hals und 24 Stunden warten. Keine Rötung, keine Quaddeln, kein Scheuern, dann kannst du größer werden. Gut geeignet sind Hals, Schulter, Rücken, Kruppe und Oberschenkel. Kopf, Nüstern, Augen, Innenschenkel und Bauchnaht bleiben frei.
Und denk an die Pause: Lavendel nicht länger als drei bis vier Wochen am Stück, danach mindestens genauso lange Pause.
| Verdünnung | Tropfen auf 10 ml | Tropfen auf 50 ml | Für wen |
|---|---|---|---|
| 0,5 Prozent | 1 Tropfen | 5 bis 7 Tropfen | erster Versuch, junge, alte, hautempfindliche oder vorerkrankte Pferde |
| 1 Prozent | 2 bis 3 Tropfen | 10 bis 15 Tropfen | Ausgangspunkt für gesunde, erwachsene Pferde |
| 2 Prozent | 4 bis 6 Tropfen | 20 bis 30 Tropfen | Obergrenze, regelmäßige Anwendung am gesunden Pferd |
Wie biete ich meinem Pferd Lavendel zum Riechen an?
Du hältst das geöffnete Fläschchen etwa eine Handbreit vor die Nüstern und bewegst es nicht. Dein Pferd entscheidet: Hinriechen, Kauen, Gähnen oder ein gesenkter Kopf sind ein Ja. Wegdrehen, Zurückweichen oder Kopf hoch sind ein Nein. Nur ein Öl, das angenommen wird, kommt danach überhaupt zur Anwendung.
Bei Helena hab ich gelernt, wie genau Pferde da antworten. Sie zeigt mir sehr deutlich, was sie möchte und was nicht, auch beim Lavendel, und das ist nicht jeden Tag dasselbe. Wenn sie wegdreht, stell ich das Fläschchen weg und versuch es an einem anderen Tag.
Die häufigsten Fehler sind Nachführen, zu nah halten und sechs Öle hintereinander durchprobieren. Keine Reaktion ist übrigens kein Ja, dann passt meistens einfach der Moment nicht. Wie das Schritt für Schritt geht, steht in meinem Beitrag zum Riechtest beim Pferd.
Für die Raumluft reichen ein bis zwei Tropfen auf ein Tuch, aufgehängt in Nüsternhöhe, aber außer Reichweite, für 10 bis 15 Minuten. Die Boxentür bleibt offen, damit dein Pferd weggehen kann.
Wichtig: Hat dein Pferd Husten, Asthma oder andere Atemwegsprobleme, biete ich keinen Duft an, auch keinen Lavendel, und vernebele nichts. Das gehört zur Tierärztin.
Wann sollte man Lavendelöl beim Pferd nicht verwenden?
Lavendel ist mild, aber nicht für jede Situation. Bei Husten oder Asthma bleibt er weg, ebenso bei offenen Wunden, an Augen und Nüstern und im Futter. Bei trächtigen Stuten, Pferden mit Dauermedikation und Pferden, die nicht als „nicht zur Schlachtung bestimmt“ eingetragen sind, sprichst du vorher mit deiner Tierärztin.
Ein paar Punkte, bei denen ich genauer hinschaue:
- Trächtige Stuten: auch Lavendel nur zurückhaltend und erst nach Rücksprache.
- Fohlen und alte Pferde: ein halbes Prozent oder gleich das Hydrolat.
- Dauermedikation, z. B. bei PPID oder EMS: Öl und Medikament werden über dieselben Leberenzyme abgebaut, deshalb vorher fragen und die Antwort aufschreiben. Bei Helena mache ich das genauso.
- Equidenpass: Ist dein Pferd nicht als „nicht zur Schlachtung bestimmt“ eingetragen, vor jeder Anwendung auf der Haut die Tierärztin fragen.
- Turnier: Lavandin und Speiklavendel enthalten Campher, und Campher kann bei Dopingkontrollen auffallen. Auch beim echten Lavendel prüfst du vorher die aktuellen Regeln deines Verbands und fragst deine Tierärztin.
- Nichts innerlich, also nicht ins Futter und nicht in die Tränke.
Ist Lavendelhydrolat eine Alternative zum Öl?
Ja, gerade bei jungen, alten oder sehr empfindlichen Pferden. Lavendelhydrolat ist das Destillationswasser, das bei der Gewinnung des Öls entsteht. Es ist um ein Vielfaches milder, weil nur die wasserlöslichen Anteile drin sind. Viele der hautfreundlichen Monoterpenole wie das Linalool landen genau dort.
Das Lavendelhydrolat gehört zu meinen zwölf Lieblingshydrolaten. Ich hab es als kleines Sprühfläschchen am Stall und ein zweites Set zu Hause. Verdünnen musst du es nicht, aber auch hier gilt: erst an einer kleinen Stelle testen und 24 Stunden beobachten, und dein Pferd vorher riechen lassen.
Bei Fohlen, trächtigen Stuten und alten Pferden greife ich eher zum Hydrolat als zum Öl. Bei Pferden mit Dauermedikation sprichst du aber auch das Hydrolat vorher mit deiner Tierärztin ab.
Wenn du mehr über diese milde Seite wissen willst, schau in meinen Beitrag über Hydrolate fürs Pferd.
Häufige Fragen
Darf ich Lavendelöl pur auf die Haut meines Pferdes geben?
Nein. Entscheidend ist die Menge Öl pro Fläche Haut, und pur ist die viel zu hoch. Lavendel kommt immer in ein fettes Trägeröl, für den Anfang ein halbes Prozent.
Wie oft darf ich Lavendelöl verwenden?
Drei bis vier Wochen am Stück, dann mindestens genauso lange Pause. Lehnt dein Pferd den Lavendel vorher plötzlich ab, legst du die Pause gleich ein, auch wenn die Wochen noch nicht um sind.
Woran erkenne ich, dass mein Lavendelöl zu alt ist?
Am Anbruchdatum, das du auf das Fläschchen schreibst. Riechen kannst du es in der Regel nicht zuverlässig. Krautige Öle wie Lavendel halten bei guter Lagerung zwei bis drei Jahre, ohne Datum nimmst du ein altes Fläschchen nur noch für die Raumluft und nicht mehr für die Haut.
Kann ich Lavendelöl ins Futter oder ins Wasser geben?
Nein, auf keinen Fall. Im Dickdarm deines Pferdes arbeiten Mikroorganismen, und viele Ölbestandteile sind antimikrobiell. Die unterscheiden nicht zwischen erwünschten und unerwünschten Keimen.
Mein Pferd mag keinen Lavendel. Ist das normal?
Ja, das kommt vor, auch wenn Lavendel von vielen Pferden angenommen wird. Ein Nein im Riechtest ist eine Antwort, die du ernst nimmst. Versuch es an einem anderen Tag noch mal oder biete ein anderes mildes Öl an, ohne zu drängen.
Ätherische Öle und Hydrolate sind Begleitung, keine Behandlung. Bei Husten, Fieber, Lahmheit, Koliksymptomen, Wunden oder allem, was plötzlich kommt, gehört dein Pferd zur Tierärztin.
