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Magen und Darm·10 Min. Lesezeit·15.10.2026

Sand im Darm beim Pferd: Anzeichen, Sandtest und Vorbeugen

Woran erkennst du Sand im Darm beim Pferd? Der Sandtest Schritt für Schritt, wie sicher er ist, was Flohsamen bringen und wie kein Sand mehr reinkommt.

Grafik zum Sandtest: sechs frische Äppel in einen durchsichtigen Beutel, Wasser dazu, durchkneten, aufhängen, nach 20 Minuten liegt Sand unten in der Spitze.
Grafik zum Sandtest: sechs frische Äppel in einen durchsichtigen Beutel, Wasser dazu, durchkneten, aufhängen, nach 20 Minuten liegt Sand unten in der Spitze.

Sand im Darm entsteht, wenn ein Pferd beim Fressen immer wieder Sand oder Erde mit aufnimmt. Er sammelt sich im Dickdarm und kann Kolik, Durchfall, Kotwasser oder Abmagern auslösen, oft macht er aber lange gar keine Anzeichen. Ein Sandtest mit Kot und Wasser zeigt, ob Sand ausgeschieden wird. Ob wirklich viel im Darm liegt, sieht nur die Tierärztin.

Bei Sand im Darm denken die meisten sofort an die Flohsamenkur. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben, mit allen Studien, und die sind ernüchternder, als viele denken. Hier geht es um die Fragen davor: Wie kommt der Sand überhaupt ins Pferd, woran merkst du es, wie machst du den Sandtest richtig, was er dir sagen kann und was nicht, und was du im Stall änderst, damit er gar nicht erst reinkommt. Das ist am Ende der wichtigste Teil, weil du ihn selbst in der Hand hast.

Wie kommt Sand in den Pferdedarm?

Über das Futter. Ein Pferd frisst Heu oder Kraftfutter vom sandigen Boden, rupft auf kurz abgefressener Weide Gras mit Wurzeln und Erde heraus oder sucht aus Hunger den Boden nach Resten ab. Manche Pferde lecken oder fressen auch gezielt Erde. Auf Sandböden und Sandpaddocks passiert das besonders leicht.

Sand ist schwer. Im Darm sinkt er nach unten und sammelt sich vor allem im unteren Teil des großen Dickdarms, wo der Darm danach wieder bergauf muss. Kleine Mengen werden mit dem Kot wieder ausgeschieden. Wenn mehr reinkommt, als rausgeht, bleibt eine Schicht liegen, die mit der Zeit wachsen kann.

Wie viel Sand ein Pferd aufnimmt, hängt also vor allem an der Haltung: Bodenbeschaffenheit, Futterplatz, Weidezustand und wie lange das Pferd ohne Raufutter steht. Das Gute daran ist, dass du an jedem dieser Punkte selbst etwas tun kannst.

Woran erkenne ich Sand im Darm?

Oft gar nicht, viele Pferde tragen Sand mit sich herum, ohne dass man etwas merkt. Wenn Anzeichen auftreten, sind es meistens wiederkehrende leichte Koliken, weicher Kot, Kotwasser oder Durchfall, Abmagern trotz genug Futter und manchmal Leistungsschwäche. Keins dieser Zeichen ist typisch nur für Sand.

In finnischen Untersuchungen hatten auch Pferde ohne jede Kolik eine Sandansammlung im Röntgenbild. Sand ist also kein seltener Sonderfall, gerade in Gegenden mit sandigen Böden.

Achte besonders auf diese Hinweise:

  • das Pferd steht auf Sandboden oder bekommt Heu auf dem Boden
  • die Weide ist kurz abgefressen, und das Pferd grast trotzdem viel
  • es kommt immer wieder zu kleinen Koliken, die von allein vorbeigehen
  • der Kot ist weich oder es gibt Kotwasser, ohne dass sich an der Fütterung etwas geändert hat
  • das Pferd nimmt ab, obwohl es genug frisst

Weil diese Zeichen so viele Ursachen haben können, lohnt sich bei Kotwasser auch der Blick auf Heumenge, Fresspausen, Zähne und Würmer. Mehr dazu im Beitrag Kotwasser beim Pferd.

Wie mache ich den Sandtest mit Kot und Wasser?

Du nimmst sechs frische Äppel, gibst sie in einen durchsichtigen Beutel oder ein Glas, füllst mit Wasser auf und knetest oder rührst, bis sich alles löst. Dann hängst du den Beutel auf oder lässt das Glas 15 bis 30 Minuten stehen. Sand sinkt nach unten und ist als körnige Schicht in der Spitze zu sehen.

So klappt es am besten:

  1. Äppel frisch nehmen, am besten direkt nach dem Absetzen und von oben aus dem Haufen. Was auf dem Boden lag, hat Sand von außen.
  2. Einen durchsichtigen Gefrierbeutel nehmen, einen langen Untersuchungshandschuh oder ein großes Glas.
  3. Reichlich Wasser dazu, gut durchkneten oder umrühren, bis keine Klumpen mehr da sind.
  4. Aufhängen oder stehen lassen, 15 bis 30 Minuten, dann das obere Wasser vorsichtig abgießen und unten nachschauen.

Ein paar Körnchen sind bei Pferden auf sandigem Boden normal. Liegt unten deutlich eine Schicht, etwa ein Esslöffel voll, ist das ein Hinweis, dass das Pferd mehr Sand aufnimmt als gut ist. Wiederhol den Test an mehreren Tagen, weil Sand nicht gleichmäßig ausgeschieden wird.

Wenn du die Äppel deines Pferdes über ein paar Wochen genauer beobachten willst, gibt es dafür meine Äppel-Skala mit Beobachtungsbogen.

Wie sicher ist der Sandtest?

Nicht sehr. Der Test zeigt, ob gerade Sand ausgeschieden wird. Wie viel noch im Darm liegt, sagt er nicht. Ein Pferd mit einer großen Sandschicht kann im Test fast nichts zeigen, weil der Sand liegen bleibt. Ein negativer Test schließt Sand im Darm also nicht aus.

Verlässlicher sind die Untersuchungen bei der Tierärztin. Im Röntgenbild des Bauchs ist Sand gut zu erkennen, auch die Menge lässt sich abschätzen. Mit Ultraschall lässt sich Sand ebenfalls finden. Manchmal hört die Tierärztin beim Abhören des unteren Bauchs ein Geräusch, das an Meeresrauschen erinnert, das ist aber nicht bei jedem Pferd mit Sand der Fall.

Ich sehe den Sandtest deshalb als einfachen Hinweis für zu Hause. Fällt er deutlich aus, ist das ein Grund, die Haltung zu ändern und mit der Tierärztin zu sprechen. Fällt er unauffällig aus, das Pferd hat aber Beschwerden, gehört es trotzdem untersucht.

Ist Sand im Darm gefährlich?

Er kann es werden. Eine größere Sandansammlung reizt die Darmwand, macht Durchfall oder Kotwasser und kann den Darm verstopfen. Weil Sand schwer ist, kann ein Darmabschnitt auch absinken oder sich verlagern. Das ist dann eine Kolik, die in der Klinik behandelt werden muss, manchmal mit einer Operation.

Die meisten Pferde mit etwas Sand im Darm bekommen nie eine schwere Kolik. Trotzdem ist eine Sandkolik einer der Gründe, warum man bei jeder Kolik die Tierärztin ruft, auch wenn das Pferd nach einer Stunde wieder frisst. Gerade wiederkehrende kleine Koliken können ein Hinweis auf Sand sein.

Wie Sand behandelt wird, entscheidet die Tierärztin. Am besten untersucht ist eine Kombination aus Flohsamen und Bittersalz, über eine Nasenschlundsonde gegeben, mit Röntgenkontrolle danach.

Was bringt eine Flohsamenkur gegen Sand?

Weniger, als oft erzählt wird. In einer Studie mit Pferden, die Sand im Darm hatten, war nach zehn Tagen Flohsamen im Futter zu Hause nur ein Viertel sandfrei. Nach der Behandlung in der Klinik mit Flohsamen und Bittersalz per Sonde war es gut die Hälfte. Eine vorbeugende Kur bei gesunden Pferden ist nicht untersucht.

Das heißt nicht, dass Flohsamen nutzlos sind. Aber eine Kur zweimal im Jahr ändert nichts daran, dass das Pferd jeden Tag neuen Sand aufnimmt, wenn sein Heu auf dem Sandboden liegt. Und eine Kur, nach der man sich in Sicherheit wiegt, kann eine Untersuchung verzögern, die eigentlich nötig wäre.

Flohsamen gehören immer eingeweicht ins Futter, nie trocken. Bei Kolikverdacht gar nicht, dann zuerst die Tierärztin. Alle Studien, die Mengen und den Unterschied zwischen Samen und Schalen findest du im Beitrag Flohsamen beim Pferd.

Wie verhindere ich, dass mein Pferd Sand aufnimmt?

Indem das Futter nie auf dem Sand liegt und das Pferd keinen Grund hat, den Boden abzusuchen. Heu gehört in eine Raufe, ein Netz oder auf eine feste Unterlage, Kraftfutter in einen Trog. Dazu genug Heu ohne lange Pausen und eine Weide, die nicht kahl gefressen ist. Das bringt mehr als jede Kur.

Was sich im Stall bewährt hat:

  • befestigter Futterplatz: Gummimatten, Paddockplatten oder ein gepflasterter Bereich unter Raufe und Heunetz
  • Raufen mit Auffangboden, damit herausgezogenes Heu nicht im Sand landet
  • genug Fressplätze, mindestens einer pro Pferd, besser einer mehr, damit niemand die Reste vom Boden zusammensucht
  • höchstens vier Stunden ohne Raufutter, auch nachts
  • Weide rechtzeitig wechseln oder zufüttern, bevor die Narbe so kurz ist, dass Wurzeln mitkommen
  • Heu mit viel Erde erkennen: In der Heuanalyse deutet ein hoher Rohaschegehalt auf Verschmutzung hin

Ob dein Pferd über den Tag genug Heu bekommt, siehst du am besten, wenn du es einmal wiegst und die Ration durchrechnest. Viele Pferde suchen den Boden ab, weil sie hungrig sind, und dann ist die Heumenge der eigentliche Hebel.

Warum frisst mein Pferd Sand oder Erde?

Am häufigsten aus Hunger oder Langeweile, weil zu wenig Raufutter da ist oder die Fresspausen zu lang sind. Ein zweiter wichtiger Grund ist Salz: Pferde merken einen Natriummangel und suchen dann gezielt nach Salzigem, auch in der Erde. Für Spurenelemente gibt es so einen Instinkt nicht.

Wenn dein Pferd gezielt Erde frisst oder den Boden ableckt, würde ich zuerst zwei Dinge prüfen: Bekommt es genug Heu ohne lange Pausen? Und bekommt es genug Salz? Ein Leckstein allein reicht oft nicht. Gib eine abgemessene Menge Salz ins Futter und biete zusätzlich loses Salz an. Lässt das Verhalten in zwei bis drei Wochen nach, war es wahrscheinlich das Salz. Mehr dazu im Beitrag Salz fürs Pferd.

Dass Pferde Erde fressen, weil ihnen Kupfer, Zink oder Selen fehlt, ist nicht belegt. Wichtig zu wissen: Das Erdefressen ist beim erwachsenen Pferd insgesamt wenig erforscht, vieles davon ist Erfahrungswissen.

Wann gehört die Tierärztin dazu?

Bei jeder Kolik und jedem Kolikverdacht sofort, auch wenn du an Sand denkst. Ebenso bei wiederkehrenden kleinen Koliken, anhaltendem Durchfall oder Kotwasser, Abmagern trotz genug Futter und bei einem deutlichen Sandtest. Ob und wie viel Sand im Darm liegt, klärt sie mit Röntgen oder Ultraschall.

Typische Koliksymptome, bei denen du nicht abwartest:

  • Scharren, Umschauen zum Bauch, häufiges Hinlegen und Wälzen
  • kein oder sehr wenig Kot, oder auffällig kleine, trockene Äppel
  • das Pferd frisst nicht, schwitzt oder wirkt teilnahmslos
  • Durchfall zusammen mit Fieber oder Mattigkeit

Bis die Tierärztin da ist, nimm das Futter weg, lass Wasser stehen und gib keine Kur, kein Öl und keine Hausmittel ins Maul.

Häufige Fragen zu Sand im Darm beim Pferd

Wie lange dauert es, bis Sand aus dem Darm raus ist?

Das hängt von der Menge ab und davon, ob weiter Sand nachkommt. In den Klinikstudien wurde über vier bis zehn Tage behandelt, mit Röntgenkontrolle danach. Wie lange es bei deinem Pferd dauert, kann nur die Tierärztin einschätzen.

Ist ein bisschen Sand im Kot normal?

Bei Pferden auf sandigem Boden sind ein paar Körnchen im Sandtest normal. Eine deutliche Schicht, etwa ein Esslöffel voll, ist ein Hinweis, dass zu viel aufgenommen wird.

Hilft Bittersalz gegen Sand?

Bittersalz wird in der Klinik zusammen mit Flohsamen per Sonde gegeben, und diese Kombination hat in Studien am besten abgeschnitten. Zu Hause würde ich Bittersalz nicht auf eigene Faust geben, die Menge und die Gabe gehören in die Hand der Tierärztin.

Kann man Sand im Darm hören?

Manchmal. Beim Abhören des unteren Bauchs kann ein Geräusch wie Meeresrauschen auf Sand hinweisen. Fehlt das Geräusch, ist trotzdem nicht sicher, dass kein Sand da ist. Röntgen ist verlässlicher.

Wie oft sollte ich den Sandtest machen?

Bei Pferden auf Sandboden ist ein Test alle paar Wochen sinnvoll, nach Änderungen in der Haltung öfter. Mach ihn an mehreren Tagen hintereinander, weil Sand schubweise ausgeschieden wird.

Braucht mein Pferd eine jährliche Flohsamenkur?

Für ein gesundes Pferd, das kein Futter vom Boden aufnimmt, ist eine vorbeugende Kur nicht belegt. Wichtiger ist, dass kein Sand ins Pferd kommt. Bei Verdacht klärt die Tierärztin, ob etwas zu tun ist.

Quellen

  • Niinistö K, Hewetson M, Kaikkonen R et al.: Comparison of the effects of enteral psyllium, magnesium sulphate and their combination for removal of sand from the large colon of horses. The Veterinary Journal 202 (3), 2014, S. 608 bis 611.
  • Kaikkonen R, Niinistö K, Lindholm T, Raekallio M: Comparison of psyllium feeding at home and nasogastric intubation of psyllium and magnesium sulfate in the hospital as a treatment for naturally occurring sand accumulation in horses: a retrospective study. Acta Veterinaria Scandinavica 58, 2016, S. 73.
  • Niinistö K, Ruohoniemi M, Freccero F, Raekallio M: Investigation of the treatment of sand accumulations in the equine large colon with psyllium and magnesium sulphate. The Veterinary Journal, 2018.
  • Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020.

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