
Ein Magengeschwür beim Pferd ist eine wunde Stelle in der Magenschleimhaut. Es entsteht meistens, wenn Magensäure zu lange auf die Schleimhaut trifft, etwa bei langen Fresspausen, viel Stärke im Futter oder schneller Arbeit mit leerem Magen. Die Anzeichen sind unspezifisch: mäkeliges Fressen, Gewichtsverlust, Gurtzwang, wiederkehrende leichte Koliken. Sicher feststellen lässt es sich nur mit einer Magenspiegelung bei der Tierärztin.
Das Thema betrifft nicht nur Rennpferde. In einer Studie aus Dänemark hatte mehr als die Hälfte von 201 Freizeitpferden Magengeschwüre, obwohl ihre Besitzerinnen sie für gesund hielten. Genau diese Studie ist für die Fütterung die wichtigste, denn die stärksten Risikofaktoren darin waren keine Rätsel, sondern Dinge aus dem Stallalltag: Wasser, Stroh, Stärke und Fresspausen. In diesem Beitrag gehe ich durch, was über Magengeschwüre beim Pferd belegt ist, was die Behandlung bei der Tierärztin bringt und was du an der Fütterung selbst in der Hand hast. Mit Zahlen, die du auf dein eigenes Pferd umrechnen kannst.
Was ist ein Magengeschwür beim Pferd?
Ein Defekt in der Magenschleimhaut, der tiefer geht als eine oberflächliche Rötung. Der Pferdemagen hat zwei verschiedene Schleimhäute, und an beiden können Geschwüre entstehen. Fachleute sprechen deshalb nicht mehr nur von EGUS, sondern unterscheiden ESGD in der oberen und EGGD in der unteren Schleimhaut. Ursachen und Behandlung sind bei beiden verschieden.
Der obere Teil des Magens ist mit einer drüsenlosen Schleimhaut ausgekleidet, ähnlich wie die Speiseröhre. Sie bildet selbst keine Säure und hat kaum Schutz davor. Geschwüre dort heißen ESGD (Equine Squamous Gastric Disease). Sie entstehen, wenn saurer Mageninhalt nach oben gelangt, und sie sitzen oft an der Grenze zwischen den beiden Schleimhäuten, dem sogenannten Margo plicatus.
Der untere Teil ist die Drüsenschleimhaut. Sie bildet die Säure selbst und schützt sich normalerweise mit Schleim und Bikarbonat davor. Dort liegt der pH-Wert dauerhaft zwischen 1 und 3, und das ist richtig so. Geschwüre in diesem Bereich heißen EGGD (Equine Glandular Gastric Disease). Sie entstehen, wenn dieser Schutz versagt, und warum das passiert, ist beim Pferd noch weitgehend ungeklärt. Die meisten EGGD-Befunde liegen am Magenausgang, dem Pylorus.
Wie der Magen in den ganzen Verdauungsweg eingebettet ist, steht im Beitrag über die Verdauung beim Pferd.
Wie häufig sind Magengeschwüre bei Freizeitpferden?
Häufiger, als die meisten denken. In der dänischen Studie von Luthersson hatten 53 Prozent von 201 Pferden, die nicht im Rennsport liefen und als gesund galten, Magengeschwüre ab Grad 2. Bei Freizeitpferden liegen die Werte für die obere Schleimhaut je nach Studie zwischen 37 und 59 Prozent, für die untere in einer britischen Auswertung bei 54 Prozent.
Am höchsten ist die Zahl bei Rennpferden im Training. Von den untrainierten Vollblütern sind 37 Prozent betroffen, nach zwei bis drei Monaten Renntraining 80 bis 100 Prozent. Distanzpferde liegen außerhalb der Saison bei 48 Prozent und im Wettkampf bei 66 bis 93 Prozent. Am niedrigsten war der Wert mit 11 Prozent bei Pferden, die kaum auf Turnieren gehen und vor allem zu Hause geritten werden.
Eine neuere Studie mit 211 Islandpferden zeigt, wie unterschiedlich die zwei Schleimhäute reagieren. Geschwüre der oberen Schleimhaut ab Grad 2 hatten dort nur 27 Prozent, in der unteren Schleimhaut waren es 46,4 Prozent. Pferde, die dort Kraftfutter bekamen, erhielten wenig davon, unter 1 g Zucker und Stärke je kg Körpergewicht und Mahlzeit, und hatten seltener Geschwüre der oberen Schleimhaut. Die untere Schleimhaut war trotzdem bei fast jedem zweiten Pferd betroffen.
Wichtig für die Einordnung: Ein Befund bei der Magenspiegelung heißt nicht automatisch, dass das Pferd Beschwerden hat. Die Tierärztin bewertet ihn immer zusammen mit dem, was du am Pferd beobachtest.
Woran erkenne ich ein Magengeschwür beim Pferd?
An einzelnen Zeichen leider nicht sicher. Häufig sind nachlassender Appetit oder mäkeliges Fressen, ein schlechter Futterzustand, leichte Koliken nach dem Fressen, Gurtzwang, schlechte Laune beim Satteln und nachlassende Leistung. Alle diese Zeichen können auch andere Ursachen haben, deshalb reicht eine Liste allein nicht für eine Diagnose.
Die Zeichen, die in Studien am häufigsten mit Magengeschwüren zusammen auftreten:
- Fressen: Das Pferd lässt Kraftfutter liegen, frisst langsamer oder wählerischer, beginnt eine Mahlzeit und hört wieder auf. Viele Besitzerinnen beschreiben das als „mäkelig“ und denken gar nicht an den Magen.
- Futterzustand: Das Pferd baut ab oder nimmt trotz ausreichender Ration nicht zu. Mehr dazu, woran es sonst noch liegen kann, steht im Beitrag Pferd nimmt nicht zu.
- Kolik: besonders wiederkehrende, leichte Koliken kurz nach dem Fressen. In einer Studie hatten 83 Prozent der Pferde mit immer wiederkehrenden Koliken Magengeschwüre.
- Verhalten: Nervosität, Abwehr beim Gurten oder Putzen am Bauch, Zähneknirschen. Zwischen Koppen und Geschwüren der oberen Schleimhaut gibt es einen Zusammenhang, wie er zustande kommt, ist unklar.
- Leistung: Das Pferd geht schlechter vorwärts, wird schneller müde oder verweigert Dinge, die es vorher gern gemacht hat.
Die europäischen Fachtierärztinnen für Innere Medizin halten in ihrer gemeinsamen Empfehlung ausdrücklich fest, dass diese Zeichen zu unspezifisch sind, um ein Magengeschwür daran zu erkennen. Ein Pferd mit Gurtzwang kann genauso gut Rückenschmerzen haben, ein Pferd, das abnimmt, ein Zahnproblem.
Wie stellt die Tierärztin ein Magengeschwür fest?
Mit einer Magenspiegelung, der Gastroskopie. Sie ist die einzige verlässliche Methode am lebenden Pferd. Dabei schiebt die Tierärztin einen etwa drei Meter langen Schlauch mit Kamera durch die Nase bis in den Magen und sieht sich beide Schleimhäute und den Magenausgang direkt an. Das Pferd muss dafür vorher nüchtern sein.
Bei der Spiegelung kommt es darauf an, den ganzen Magen anzusehen, auch den Pylorus und den Anfang des Dünndarms. Gerade die Geschwüre der unteren Schleimhaut liegen oft am Magenausgang und werden leicht übersehen, wenn nur der obere Teil betrachtet wird.
Für die obere Schleimhaut gibt es eine Skala von 0 bis 4. Grad 0 ist eine intakte Schleimhaut, Grad 1 sind verdickte oder verhornte Stellen, ab Grad 2 spricht man von Geschwüren, Grad 4 sind tiefe, großflächige Defekte. Für die untere Schleimhaut empfehlen die Fachtierärztinnen keine solche Stufenleiter, weil Aussehen und Beschwerden dort noch schlechter zusammenpassen. Die Tierärztin beschreibt den Befund stattdessen nach Lage und Aussehen.
Ein Bluttest oder ein Test im Kot, der Magengeschwüre zuverlässig nachweist, existiert für das Pferd bisher nicht. Auch das probeweise Behandeln ersetzt die Spiegelung nicht, denn wenn es dem Pferd danach besser geht, weißt du immer noch nicht, welche Schleimhaut betroffen war, und genau davon hängt ab, welches Medikament passt.
Was verursacht Magengeschwüre beim Pferd?
Bei der oberen Schleimhaut ist es vor allem Säure, die dorthin gelangt, wo sie nicht hingehört. Das passiert bei langen Fresspausen, viel Stärke, schneller Arbeit mit leerem Magen und wenig Wasser. Bei der unteren Schleimhaut versagt der eigene Schutz, die Ursachen dafür sind beim Pferd noch nicht geklärt. Stress wird als ein Faktor vermutet.
Warum sind Fresspausen so schlecht für den Magen?
Das Pferd bildet ständig Magensäure, auch wenn es nicht frisst. Beim Kauen entsteht Speichel, rund 3 bis 5 kg je kg Heu, und der puffert die Säure ab. Fehlt das Futter, fehlt auch der Speichel. Außerdem bildet Heu im Magen eine Art Matte, die verhindert, dass der Magensaft nach oben schwappt.
Wie schnell das geht, zeigen Versuche, bei denen Pferde abwechselnd 24 Stunden ohne Futter und 24 Stunden mit Heu gehalten wurden. In einer solchen Studie mit acht Ponys hatten nach drei Fastentagen bis auf eines alle Ponys neue Schäden an der oberen Schleimhaut. In der dänischen Studie stieg das Risiko für Geschwüre der oberen Schleimhaut, wenn zwischen zwei Raufuttergaben mehr als sechs Stunden lagen. Eine Fresspause entsteht übrigens auch ohne Absicht, etwa nachts, wenn das Heu abends um acht kommt und um elf aufgefressen ist.
Welche Rolle spielt Stärke?
Stärke aus Getreide wird im Magen von Bakterien teilweise vergoren. Dabei entstehen Säuren, die zusammen mit der Magensäure die obere Schleimhaut angreifen. In der dänischen Studie war das Risiko etwa doppelt so hoch, wenn ein Pferd mehr als 2 g Stärke je kg Körpergewicht am Tag oder mehr als 1 g je kg und Mahlzeit bekam.
Für ein Pferd mit 500 kg sind das höchstens 1 kg Stärke am Tag und 500 g je Mahlzeit. Das ist eine Obergrenze, kein Ziel. Wie viel Stärke in Hafer steckt und warum die Verarbeitung dabei eine Rolle spielt, steht im Beitrag über gequetschten Hafer.
Was hat das Reiten damit zu tun?
In allen Gangarten schneller als Schritt steigt der Druck im Bauchraum, und der drückt sauren Mageninhalt nach oben gegen die empfindliche obere Schleimhaut. Bei Rennpferden steigen Zahl und Schwere der Geschwüre mit der Trainingsintensität, bei Distanzpferden mit der Länge des Ritts. Ist der Magen leer, fehlt die Heumatte, die das abfangen würde.
Wasser, Stroh und Stress
Pferde ohne Wasser auf dem Paddock hatten in der dänischen Studie mehr als zweieinhalbmal so oft Magengeschwüre wie Pferde mit ständigem Zugang zu Wasser. Häufiger waren Geschwüre auch, wenn Stroh das einzige Raufutter war. Und Stress spielt mit: Transporte, Stallwechsel, Turniere und Umstellungen gehören zu den klassischen Auslösern. Bei Islandpferden waren die ersten vier Wochen nach dem Wechsel von der Weide in den Trainingsstall die Zeit mit dem höchsten Risiko. Was bei einem Umzug für den Magen wichtig ist, steht im Beitrag über den Stallwechsel.
Sind Schmerzmittel schuld?
Seltener, als oft gesagt wird. Phenylbutazon, Flunixin und Ketoprofen können in Dosierungen, die 50 Prozent über der üblichen liegen, Geschwüre auslösen. In der üblichen Dosierung haben Phenylbutazon und Suxibuzon über 15 Tage in Studien keine Magengeschwüre verursacht. Für die vielen Fälle in der Allgemeinheit sind Schmerzmittel deshalb vermutlich kein Hauptgrund, im Einzelfall aber durchaus möglich, vor allem bei langer Gabe.
Wie wird ein Magengeschwür beim Pferd behandelt?
Mit Medikamenten von der Tierärztin, die die Säurebildung bremsen. Das Standardmittel ist Omeprazol. Bei Geschwüren der oberen Schleimhaut heilen damit in 28 Tagen 70 bis 77 Prozent ab. Geschwüre der unteren Schleimhaut sprechen deutlich schlechter darauf an, dort setzen Tierärztinnen häufig zusätzlich oder stattdessen andere Mittel ein.
Omeprazol ist für Pferde verschreibungspflichtig. Die Fachtierärztinnen nennen für das zugelassene Präparat 4 mg je kg Körpergewicht einmal am Tag über 28 Tage, für magensaftresistente Granulate reichen nach Studien 1 mg je kg. Welches Präparat und welche Dosis, legt deine Tierärztin fest.
Bei Geschwüren der unteren Schleimhaut wird oft Sucralfat dazugegeben, ein Mittel, das sich wie ein Film auf die wunde Stelle legt. In einer Studie mit 63 Sportpferden heilten unter Misoprostol 72 Prozent ab, unter Omeprazol mit Sucralfat nur 20 Prozent. Misoprostol ist ein Wirkstoff, der den Schutz der Schleimhaut fördert. Auch das gehört in die Hand der Tierärztin.
Mittel zum Neutralisieren der Säure, also Antazida, wirken laut den Fachtierärztinnen höchstens zwei Stunden. Als alleinige Behandlung reichen sie nicht.
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Das Medikament heilt die Schleimhaut, es ändert aber nichts daran, warum sie wund geworden ist. Bleiben Fresspausen, Stärke und Stress gleich, ist das Risiko nach dem Absetzen dasselbe wie vorher. Deshalb gehört zu jeder Behandlung eine Änderung der Fütterung.
Wie füttere ich ein Pferd mit Magengeschwür?
Mit viel Raufutter ohne lange Pausen, wenig Stärke und ständigem Zugang zu Wasser. Die Fachtierärztinnen empfehlen mindestens 1,5 kg Heu als Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht am Tag, besser zur freien Verfügung, sonst auf vier bis sechs Mahlzeiten verteilt. Kraftfutter so sparsam wie möglich und mit mindestens sechs Stunden Abstand.
Die Grundregeln, wie sie in der gemeinsamen Empfehlung der europäischen Fachtierärztinnen stehen und wie ich sie in der Beratung umsetze:
- Heu zuerst und ohne lange Pausen. Weide gilt als ideal, Heu zur freien Verfügung als guter Ersatz. Engmaschige Heunetze strecken die Fresszeit, wenn das Pferd sonst zu schnell frisst. Mehr als vier Stunden ohne Raufutter sollten es bei einem Magenpferd nicht werden.
- Bei leichtfuttrigen Pferden lieber älteres, energieärmeres Heu in ausreichender Menge als wenig gutes Heu. Stroh darf dazukommen, aber nicht als einziges Raufutter, höchstens 0,25 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht, also gut 1,4 kg Stroh bei einem Pferd mit 500 kg.
- Kraftfutter sparsam. Höchstens 1 g Stärke je kg Körpergewicht und Mahlzeit und 2 g am Tag, zwei Kraftfuttermahlzeiten mindestens sechs Stunden auseinander. Gesüßte Müslis meiden.
- Vor dem Reiten eine Portion Heu. Dann liegt die Heumatte im Magen, wenn der Bauchraum beim Traben und Galoppieren unter Druck kommt.
- Wasser jederzeit. Auch auf dem Paddock und auch im Winter, wenn die Leitung friert.
- Elektrolyte ins Futter, nicht als Paste. Konzentrierte Elektrolytpasten direkt ins Maul erhöhen das Risiko für Geschwüre der oberen Schleimhaut, im Futter oder verdünnt im Wasser gelten sie als unbedenklich.
So sieht die Stärkegrenze in Hafer umgerechnet aus. Ich rechne mit 37 Prozent Stärke, das ist der Wert aus einer Laboranalyse von ganzem Hafer. Andere Partien liegen etwas darüber oder darunter.
| Körpergewicht | Stärke je Mahlzeit höchstens | Stärke am Tag höchstens | Hafer je Mahlzeit höchstens |
|---|---|---|---|
| 300 kg | 300 g | 600 g | 0,8 kg |
| 400 kg | 400 g | 800 g | 1,1 kg |
| 500 kg | 500 g | 1.000 g | 1,35 kg |
| 600 kg | 600 g | 1.200 g | 1,6 kg |
Diese Mengen sind die Grenze, ab der das Risiko in der Studie stieg. Bei einem Pferd, das schon Geschwüre hatte, würde ich deutlich darunter bleiben und nur so viel Kraftfutter geben, wie für Leistung und Futterzustand wirklich nötig ist. Vergiss dabei nicht, dass auch Müsli, Leckerli und manche Mineralfutter Stärke und Zucker mitbringen. Die Werte stehen auf dem Etikett.
Welche Futtermittel ich für ein magenempfindliches Pferd zusammenstelle und mit welchem Rezept ich im Alltag arbeite, habe ich in einem eigenen Heft aufgeschrieben.
Welche Futtermittel passen zu einem empfindlichen Magen?
Eingeweichte Heucobs sind eine gute Ergänzung, wenn das Pferd Heu schlecht kaut oder zusätzlich Energie braucht. Sie werden 15 bis 20 Minuten eingeweicht, mehr dazu im Beitrag über Heucobs. Gekochter Leinsamen bringt Schleimstoffe mit, die Pferde fressen ihn meistens sehr gern, und er lässt sich gut über die Heucobs geben. Wie er richtig schlonzig wird, steht in meinem kostenlosen Rezept.
Hilft Luzerne bei Magengeschwüren?
Teilweise. In einem Versuch mit sechs Pferden hatten die Tiere mit Luzerneheu und Getreide weniger und leichtere Schäden in der oberen Schleimhaut als mit reinem Grasheu. Luzerne bringt viel Eiweiß und Calcium mit, beides puffert Säure. Bei Absetzfohlen brachte Luzernehäcksel dagegen keinen Vorteil, am Magenausgang waren die Befunde sogar schlechter.
Der Versuch von Nadeau aus dem Jahr 2000 wird oft zitiert, wenn es um Luzerne und den Magen geht. Es waren aber nur sechs Pferde, und die Luzernegruppe bekam zusätzlich Getreide. Die Leipziger Studie von Vondran mit Absetzfohlen hat Luzernehäcksel und Luzernepellets gegen reines Grasheu verglichen: Keine der beiden Luzerneformen hat die Schleimhaut verbessert, nach dem Absetzen hatten fast alle Fohlen Befunde. Grasheu allein oder Grasheu mit Luzernepellets halten die Autorinnen beide für vertretbar.
Für die Praxis heißt das: Luzerne kann ein sinnvoller Teil der Ration sein, wenn Eiweiß und Calcium ohnehin dazu passen. Ein Ersatz für ausreichend Heu, kurze Fresspausen und die Behandlung bei der Tierärztin ist sie nicht. Bei sehr leichtfuttrigen Pferden muss man außerdem die Energie mitrechnen.
Was ist mit Kräutern und Magenzusätzen?
Für die meisten Magenzusätze gibt es beim Pferd keine belastbaren Studien aus der Praxis. Ein Pektin-Lecithin-Präparat hat im Fastenversuch nicht geschützt, ein Sanddorn-Präparat zeigte in einem Fastenversuch Vorteile für die untere Schleimhaut. Kräuter wie Süßholz, Eibisch und Isländisch Moos werden traditionell gefüttert, ersetzen aber weder Behandlung noch Fütterung.
Die Pektin-Lecithin-Studie ist ein gutes Beispiel, warum es sich lohnt, genau hinzusehen. Pektin und Lecithin erhöhen im Versuch den Schleim im Magensaft, das klingt nach Schutz. Bei acht Ponys im Fastenversuch hatten aber mit und ohne das Präparat gleich viele Tiere neue Schäden.
Schleimstoffhaltige Kräuter wie Eibischwurzel und Isländisch Moos gibt man traditionell zwischen den Mahlzeiten. Süßholzwurzel gehört zu den klassischen Magenkräutern, sie wird aber nie dauerhaft gefüttert: höchstens 14 Tage am Stück, dann 14 Tage Pause, danach ist eine weitere Runde von 14 Tagen möglich. Das gilt auch für fertige Mischungen, in denen Süßholz steckt. Der Inhaltsstoff Glycyrrhizin kann bei längerer Gabe den Kaliumhaushalt und den Blutdruck beeinflussen.
Bei Apfelessig rate ich bei Magenpferden ab. Warum, steht im Beitrag über Apfelessig beim Pferd.
Wie verhindere ich, dass das Magengeschwür wiederkommt?
Indem die Ursachen verschwinden, nicht nur die Geschwüre. Nach der Behandlung bleibt die Fütterung mit viel Heu, kurzen Pausen und wenig Stärke bestehen. Dazu kommen die Situationen, die du kennst: Transport, Turnier, Stallwechsel, Tierarzttermin. Davor bekommt dein Pferd Heu, und in solchen Zeiten fragst du die Tierärztin, ob ein vorbeugender Magenschutz sinnvoll ist.
Ein paar Stellen, an denen ich in der Beratung am häufigsten nachsteuere:
- Die Nacht. Das Heu ist um elf weg, das nächste kommt um sieben. Ein zweites Heunetz oder eine Zeitraufe schließt diese Lücke.
- Die Turnierfahrt. Heu bis kurz vor der Abfahrt, Heu im Hänger, Heu vor der Prüfung. Kein Getreide als Belohnung kurz vor dem Start.
- Der Winter. Weniger Weide, mehr Box, eingefrorene Tränken. Genau in dieser Zeit wurde die dänische Studie gemacht.
- Das Kraftfutter am Morgen. Wird es vor dem Heu gefüttert, trifft die Stärke auf einen leeren Magen. Erst Heu, dann Kraftfutter.
Ob dein Pferd vorbeugend ein Medikament braucht und in welcher Dosis, ist eine Frage für die Tierärztin. Die Fachtierärztinnen nennen für die Vorbeugung bei der oberen Schleimhaut 1 mg Omeprazol je kg einmal am Tag, für die untere Schleimhaut ist der Nutzen einer Vorbeugung mit Omeprazol unklar.
Wann muss ich mit meinem Pferd zur Tierärztin?
Sofort bei Koliksymptomen wie Scharren, Wälzen, Umschauen zum Bauch oder Schwitzen ohne Grund, und wenn dein Pferd länger nicht frisst, Fieber hat oder matt wirkt. Bei wiederkehrenden kleinen Koliken, Gewichtsverlust oder anhaltend schlechtem Fressen klärt eine Magenspiegelung, ob der Magen dahinter steckt.
Ruf die Tierärztin auch, wenn dein Pferd Schmerzmittel über längere Zeit bekommt und sich sein Fressverhalten ändert, oder wenn nach einer Behandlung dieselben Zeichen wiederkommen. Eine Kolik lässt sich im Stall nicht sicher von einem Magenproblem unterscheiden. Probier in dieser Situation kein Zusatzfutter aus, sondern lass erst klären, was los ist.
Häufige Fragen zum Magengeschwür beim Pferd
Darf ein Pferd mit Magengeschwür Hafer bekommen?
Ja, in kleinen Mengen und nach dem Heu. Die Grenze liegt bei 1 g Stärke je kg Körpergewicht und Mahlzeit, für ein Pferd mit 500 kg also rund 1,35 kg Hafer. Bei einem Pferd mit Geschwüren würde ich deutlich darunter bleiben und Hafer nur geben, wenn das Pferd die Energie wirklich braucht.
Wie lange dauert es, bis ein Magengeschwür beim Pferd heilt?
Die Standardbehandlung mit Omeprazol dauert 28 Tage. Bei Geschwüren der oberen Schleimhaut sind danach 70 bis 77 Prozent abgeheilt, eine frühe Studie fand die Heilung meist schon nach 21 Tagen abgeschlossen. Geschwüre der unteren Schleimhaut heilen schlechter ab. Ob es geheilt ist, zeigt eine Kontrollspiegelung.
Kann ich mein Pferd mit Magengeschwür reiten?
Das entscheidet deine Tierärztin, je nach Befund und Beschwerden. Wenn sie das Reiten erlaubt, bekommt dein Pferd vorher eine Portion Heu, und du fängst mit ruhiger Arbeit an. Schnelle Gangarten mit leerem Magen setzen der oberen Schleimhaut am meisten zu.
Bekommt jedes Pferd mit Stress ein Magengeschwür?
Nein. Stress ist ein Risikofaktor unter mehreren, und viele Pferde kommen mit Transport oder Turnier gut zurecht. Wenn aber Stress, Fresspausen und viel Stärke zusammenkommen, steigt das Risiko deutlich. Gerade das lässt sich über die Fütterung oft abfangen.
Kann ich Omeprazol einfach selbst geben?
Nein. Omeprazol für Pferde ist verschreibungspflichtig, und ohne Magenspiegelung weißt du nicht, welche Schleimhaut betroffen ist. Bei Geschwüren der unteren Schleimhaut reicht Omeprazol oft nicht. Die Behandlung plant deine Tierärztin, die Fütterung kannst du selbst umstellen.
Hilft Heu vor dem Reiten wirklich?
Es ist eine der einfachsten Maßnahmen. Heu bildet im Magen eine Matte, die verhindert, dass saurer Magensaft beim Traben und Galoppieren nach oben schwappt. Eine Portion Heu kurz vor dem Reiten ist im Stallalltag leicht umzusetzen.
Quellen
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- Luthersson N, Nielsen KH, Harris P, Parkin TD: Risk factors associated with equine gastric ulceration syndrome (EGUS) in 201 horses in Denmark. Equine Vet J 41 (7), 2009, S. 625 bis 630.
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- Murray MJ, Grady TC: The effect of a pectin-lecithin complex on prevention of gastric mucosal lesions induced by feed deprivation in ponies. Equine Vet J 34 (2), 2002, S. 195 bis 198.
- Nadeau JA, Andrews FM, Mathew AG u. a.: Evaluation of diet as a cause of gastric ulcers in horses. Am J Vet Res 61 (7), 2000, S. 784 bis 790.
- Vondran S, Venner M, Vervuert I: Effects of two alfalfa preparations with different particle sizes on the gastric mucosa in weanlings. BMC Vet Res 12, 2016, 110.
- Varley G, Bowen IM, Habershon-Butcher JL, Nicholls V, Hallowell GD: Misoprostol is superior to combined omeprazole-sucralfate for the treatment of equine gastric glandular disease. Equine Vet J 51 (5), 2019, S. 575 bis 580.
- Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020.


