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Grundlagen·9 Min. Lesezeit·12.09.2026

Welche Sträucher und Bäume dürfen Pferde fressen?

Hasel, Birke, Linde und Feldahorn ja, Bergahorn, Eibe und Robinie nie: welche Gehölze Pferde fressen dürfen, mit Ampel und Giftmengen.

Ein Pony streckt den Kopf in eine Hundsrose voller roter Hagebutten. Die Hundsrose gehört zu den Sträuchern, an denen Pferde knabbern dürfen.
Ein Pony streckt den Kopf in eine Hundsrose voller roter Hagebutten. Die Hundsrose gehört zu den Sträuchern, an denen Pferde knabbern dürfen.

Pferde dürfen an vielen heimischen Gehölzen knabbern. Hasel, Birke, Linde, Hainbuche, Feld- und Spitzahorn, Hundsrose, Brombeere, Himbeere und Weißdorn gelten als unbedenklich, die Weide in Maßen. Tabu sind Eibe, Thuja, Buchsbaum, Kirschlorbeer, Liguster, Robinie, Goldregen, Rhododendron, Eiche, Rosskastanie und der Bergahorn.

Ich frage wenn es sich anbietet, was am Weidezaun steht. Diese Frage hat mir schon mehr auffällige Befunde gebracht als manche Laboranalyse, und sie kostet nichts. Wie ernst das Thema ist, zeigt eine einzige Zahl: 100 bis 200 g Eibennadeln können ein Pferd töten.

Unten findest du die komplette Ampel mit Grün, Gelb und Rot, die Giftmengen aus der Giftpflanzen-Datenbank der Universität Zürich, und die Verwechslung, auf die es am meisten ankommt: Bergahorn und Spitzahorn sehen sich sehr ähnlich, aber nur einer von beiden ist giftig.

Warum knabbern Pferde an Zweigen?

Weil Gehölze zu ihrer natürlichen Nahrung gehören. In 60 Kotstudien an verwilderten Pferden in Nordamerika lag der Anteil von Gehölzen im Mittel bei 3 bis 10 Prozent, in einzelnen Gebieten mit viel Schnee im Winter bei 33 bis 43 Prozent. Knabbern ist also normales Fressverhalten und kein Zeichen von Mangel oder Langeweile.

Auch in Europa lässt sich das beobachten. In einem niederländischen Nationalpark hatten frei lebende Pferde an 38 Prozent der Buchen die Rinde abgeschält, am liebsten an dünnen Stämmen mit glatter Rinde. Koniks in Polen wählen Bäume danach aus, wie leicht sich die Rinde löst.

Im Stall sind Zweige vor allem Beschäftigung. Ein Zweig will abgezogen, geschält und zerkaut werden, das dauert länger als ein Maul voll Heu, ähnlich wie beim Haferstroh. Ersetzen können Zweige weder Heu noch Mineralfutter. Wie viel Nährstoffe Laub liefert, schwankt stark mit Art und Jahreszeit, und Untersuchungen dazu gibt es nur aus der Fütterung von Wiederkäuern.

Welche Bäume und Sträucher dürfen Pferde fressen?

Als unbedenklich gelten Hasel, Birke, Linde, Hainbuche, Feldahorn, Spitzahorn, Hundsrose (Hagebutte), Brombeere, Himbeere, Weißdorn und Birne. Für Hasel, Birke, Sommerlinde, Hundsrose und Brombeere gibt es eine ausdrückliche Einstufung als ungiftig, für die übrigen vor allem Erfahrung aus der Praxis. Frische Zweige und Laub kannst du anbieten.

Gehölz Was du gibst Worauf du achtest
Hasel Zweige, Laub als ungiftig eingestuft, wächst schnell nach
Birke Zweige, Laub als ungiftig eingestuft, feine Zweige
Linde Zweige, Laub Sommerlinde als ungiftig eingestuft, Winterlinde aus der Praxis
Hainbuche Zweige, Laub keine Gifte bekannt, nicht mit der Rotbuche verwechseln
Feldahorn Zweige, Laub kein Hypoglycin A, nur bei sicherer Bestimmung
Spitzahorn Zweige, Laub kein Hypoglycin A, leicht mit dem Bergahorn zu verwechseln
Hundsrose Zweige, Hagebutten als ungiftig eingestuft
Brombeere Ranken, Laub als ungiftig eingestuft, Laub oft bis in den Winter
Himbeere Ruten, Laub aus der Praxis, keine Gifte bekannt
Weißdorn Zweige, Laub vermutlich ungiftig, kräftige Dornen
Birne Zweige, Laub aus der Praxis, nur frisch

Die Hainbuche ist übrigens nicht mit der Rotbuche verwandt. Sie trägt keine Bucheckern, und genau die sind bei der Rotbuche das Problem.

Welche Gehölze darf mein Pferd nur mit Einschränkung fressen?

Weide, Pappel und Espe enthalten Salicin und gehören in Maßen und im Wechsel in die Ration. Apfelzweige nur frisch, weil welkende Blätter und die Kerne Blausäure bilden können. Bei Esche, Eberesche, Schlehe, Walnuss und Steinobst sind sich die Quellen nicht einig oder das Risiko ist mir zu hoch, deshalb rate ich dort ab.

Gehölz Warum Vorsicht Meine Linie
Weide, Pappel, Espe enthalten Salicin in Maßen, abwechseln, vor Turnieren weglassen
Apfel cyanogene Glykoside, vor allem beim Welken und in den Kernen nur frisch geschnittene Zweige
Rotbuche Laub und Zweige unbedenklich, Bucheckern giftig im Herbst keine Zweige mit Eckern
Schwarzer Holunder Sambunigrin in Blättern, Rinde, unreifen Beeren kein Laub, keine Rinde
Kiefer, Fichte, Tanne als schwach giftig eingestuft höchstens einzelne Zweige, nie an tragende Stuten
Kirsche, Pflaume, Zwetschge Blausäure, welkes Laub am gefährlichsten ich rate ab
Schlehe cyanogene Glykoside, Quellen uneinig ich rate ab
Esche, Eberesche Quellen uneinig ich rate ab
Walnuss Gerbstoffe, Quellen uneinig ich rate ab

Bei der Weide lohnt ein Satz für Turnierreiterinnen: Salicylsäure ist kontrolliert, die FEI hat dafür einen Grenzwert, und natürliche Quellen wie Weidenrinde zählen mit.

Welche Bäume und Sträucher sind giftig für Pferde?

Giftig sind Eibe, Robinie, Buchsbaum, Goldregen, Pfaffenhütchen, Thuja, Kirschlorbeer, Liguster, Rhododendron, Faulbaum, Eiche, Bergahorn, Eschenahorn, Rosskastanie, Roter Holunder und Efeu. Bei einigen genügen kleine Mengen: 100 bis 200 g Eibennadeln oder etwa 150 g Robinienrinde können für ein Pferd tödlich sein.

Gehölz Gift und Pflanzenteil Wie gefährlich
Eibe Taxin in Nadeln und Samen 100 bis 200 g Nadeln können tödlich sein
Robinie (Akazie) Eiweißgifte, vor allem in der Rinde etwa 150 g Rinde tödlich
Buchsbaum Alkaloide in Blättern und Zweigen 700 bis 900 g frische Blätter tödlich
Goldregen Cytisin, vor allem in den Samen 0,5 g Samen je kg Körpergewicht tödlich
Pfaffenhütchen herzwirksame Glykoside wenige Zweigspitzen können tödlich sein
Thuja Thujon in Zweigen und Zapfen Vergiftungen durch Abfressen von Zweigen
Kirschlorbeer Blausäure, ganze Pflanze stark giftig
Liguster Bitterstoffe, ganze Pflanze Kolik, Tod in 4 bis 48 Stunden möglich
Rhododendron Grayanotoxine in den Blättern stark giftig
Faulbaum Anthracen-Derivate stark giftig
Eiche Gerbstoffe, vor allem Knospen, junges Laub, grüne Eicheln Kolik, Nierenschäden
Bergahorn, Eschenahorn Hypoglycin A in Samen, Keimlingen, Blättern atypische Weidemyopathie
Rosskastanie Saponine in Samen, Rinde, Trieben ab etwa 20 Samen giftig
Roter Holunder, Efeu, Götterbaum Sambunigrin, Saponine, Bitterstoffe giftig, meiden

Der häufigste Weg in den Pferdemagen ist gut gemeinter Gartenschnitt, der über den Zaun geworfen wird. Thuja, Kirschlorbeer, Liguster und Buchsbaum stehen in fast jeder Siedlungshecke. Giftpflanzen können auch schleichend schaden, bei Jakobskreuzkraut etwa über die Leber. Worauf du dort achtest, steht im Beitrag über Frühmarker für Leberprobleme.

Wie unterscheide ich Bergahorn von Spitzahorn und Feldahorn?

Am schnellsten mit dem Milchsaft-Test: Brich einen Blattstiel ab. Ein weißer Tropfen spricht für Spitz- oder Feldahorn, klarer Saft für den Bergahorn. Dazu kommen die Blattform und die Flügelfrüchte. Weil kein Merkmal allein sicher ist, gilt: Passen zwei Merkmale nicht zusammen, kommt der Zweig nicht in den Paddock.

Warum sich die Mühe lohnt, zeigt eine Untersuchung aus den Niederlanden an 143 Proben. In Feld- und Spitzahorn fand sie kein Hypoglycin A. Der Bergahorn enthielt in den Samen 456 bis 856 mg je kg, in den Keimlingen über 1.000 mg und selbst in den Blättern etwa 31 bis 37 mg. Hypoglycin A löst die atypische Weidemyopathie aus.

Merkmal Bergahorn Spitz- und Feldahorn
Blattstiel klarer Saft weißer Milchsaft
Blattrand fünf Lappen, rundum grob gesägt Spitzahorn lang ausgezogene Spitzen, Feldahorn kleine, runde Lappen
Flügelfrüchte spitzer bis rechter Winkel Spitzahorn stumpfer Winkel, Feldahorn fast waagerecht

Übersehen wird oft der Eschenahorn. Er hat gefiederte Blätter wie eine Esche und sieht gar nicht nach Ahorn aus, enthält aber ebenfalls Hypoglycin A.

Warum ist welkes Laub gefährlicher als frisches?

Bei Steinobst wie Kirsche, Pflaume und Zwetschge wird aus den Blättern Blausäure frei, wenn sie beschädigt werden, abfallen oder welken. Am gefährlichsten sind Blätter an abgebrochenen Ästen, die gerade welken. Nach einem Sturm gehört deshalb jeder Ast von Steinobst sofort von der Weide.

Die Blätter enthalten cyanogene Glykoside wie Prunasin und Amygdalin, die Rinde und die Kerne ebenfalls. Das Fruchtfleisch ist praktisch frei davon. Ganz durchgetrocknetes Laub verliert einen Teil seines Blausäurepotenzials, aber darauf verlässt man sich besser nicht.

Für alle anderen Gehölze gilt eine einfache Stallregel: Frische Zweige bietest du am selben Tag an, und was nach einem Tag liegen bleibt, räumst du weg. So liegt kein welkes Laub herum, dessen Art du am nächsten Tag vielleicht nicht mehr sicher erkennst.

Wie viele Zweige darf ein Pferd am Tag fressen?

Dazu gibt es keine Studie. Im Umlauf sind nur Faustzahlen, etwa höchstens 1 kg Rinde am Tag für ein Pferd von 500 kg. Der Grund ist das Lignin: Rinde besteht zu 20 bis 30 Prozent daraus, und in großen Mengen kann es zu einer Verstopfungskolik führen. Fang deshalb mit ein bis zwei Zweigen am Tag an.

Steigere über zwei bis drei Wochen und beobachte dabei den Kot. Wird er trocken und fest, gibst du weniger Rinde und dicke Äste und mehr Laub und dünne Zweige. Wechsle die Sorten ab, vor allem die Weide. Und das Heu bleibt, wie es ist: Zweige kommen dazu, sie ersetzen nichts.

Pferde mit schlechten Zähnen kommen mit dicken Ästen nicht zurecht, für sie sind Laub und dünne Zweige besser. Zu Zucker und Stärke in Laub und Knospen gibt es keine belastbaren Daten. Wenn die Ration deines Pferdes zucker- und stärkearm bleiben soll, fang besonders klein an.

Was tun, wenn mein Pferd etwas Giftiges gefressen hat?

Sofort die Tierärztin rufen, das Pferd von der Fläche nehmen und die verdächtige Pflanze mit Blättern sichern. Gib nichts ein, keine Kohle, keine Kräuter, kein Öl. Bei Schwäche, Muskelzittern und dunklem Urin im Herbst oder Frühjahr ist besondere Eile geboten, das ist der Verdacht auf atypische Weidemyopathie.

Bis die Tierärztin da ist, beobachtest du Allgemeinbefinden, Schleimhäute, Atmung, Urinfarbe und Kot und schreibst auf, was du siehst. Nimm alle anderen Pferde ebenfalls von der Fläche und prüfe sie mit. Ein Foto der Pflanze reicht zur Bestimmung meist nicht, besser ist ein Zweig in einer Tüte.

Wie lege ich eine Knabberecke an?

Pflanze eine kleine Hecke aus Gehölzen der grünen Liste außen an den Zaun, sodass dein Pferd darüber knabbern kann, aber nicht die ganze Pflanze erreicht. Gut geeignet sind Hasel, Korbweide, Hainbuche, Hundsrose, Feldahorn und am Rand eine Brombeere. Gepflanzt wird zwischen Oktober und März.

Innen im Paddock brauchen junge Gehölze zwei bis drei Jahre lang einen Schutz, etwa einen Elektrozaun mit gut einem Meter Abstand. Hasel und Weide vertragen es, wenn man sie alle paar Jahre fast bis zum Boden zurückschneidet, und das Schnittgut ist Futter. Korbweiden wachsen sogar aus einem Stück Zweig, das du im Winter in feuchten Boden steckst.

Wie du Zweige Schritt für Schritt einführst, welche Sorte in welchem Monat passt, wie du Laub für den Winter trocknest und woher du gute Zweige bekommst, habe ich in meinem Ratgeber Knabberecke zusammengeschrieben, mit Steckbriefen, Kalender und Checkliste zum Abhaken.

Quellen

  • CliniTox, Giftpflanzen-Datenbank des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich
  • Westermann und andere 2016: Hypoglycin A in Samen, Keimlingen und Blättern von Ahornarten in den Niederlanden
  • Novotná und andere 2023, Toxicon: Hypoglycin A in Ahornarten und atypische Weidemyopathie
  • Scasta und andere 2016: Auswertung von 60 Kotstudien zur Nahrung verwilderter Pferde
  • Kuiters und andere 2006: Schälschäden durch frei lebende Pferde an Buchen
  • Landeskontrollverband Sachsen 2024: Faustzahl zur Rinde in der Pferdefütterung

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