
Zur Bioresonanz gibt es beim Pferd keine einzige Studie, und bei Hunden bekamen sogar Kunstfell und Wasser Befunde. Zur Magnetfeldtherapie, also Geräten wie der Bemer-Decke oder Hofmag, gibt es ein paar kleine Studien mit 4 bis 100 Pferden. Sie zeigen teils kurze Effekte, teils keine, eine sogar ein schlechteres Ergebnis als die Scheindecke. Für Magnetgamaschen fand die einzige Pferdestudie keine Wirkung auf die Durchblutung.
Ich habe früher selbst Bioresonanz angeboten. Heute sage ich ehrlich: Das war ein Fehler. Ich verstehe aber gut, warum so viele Pferdebesitzerinnen zu solchen Methoden greifen. Meistens steckt eine lange Suche dahinter, das Pferd hat ein Problem, und keiner kann so richtig sagen, woher es kommt. Ein Test ohne Nadel oder eine Decke, die man einfach auflegt, gibt da Hoffnung. In diesem Beitrag steht, was zu den drei Methoden beim Pferd tatsächlich untersucht ist, warum sich manches trotzdem nach Wirkung anfühlt und was ich heute stattdessen mache.
Was ist Bioresonanz beim Pferd?
Bei der Bioresonanz wird eine Probe des Pferdes, meistens Haare, mit einem Gerät „ausgetestet“. Das Ergebnis ist eine Liste mit Allergenen, Belastungen, Organsystemen oder fehlenden Vitalstoffen. Die Methode geht davon aus, dass jede Zelle und jeder Stoff eine eigene Schwingung hat, die sich messen lässt. Einen Nachweis für diese Schwingungen gibt es nicht.
Die Listen sehen meistens sehr genau aus, mit Prozentwerten oder Ampelfarben, und genau das macht sie so überzeugend. In meiner Beratung sehe ich solche Befunde regelmäßig. Häufig stehen Getreide, Hafer oder sogar Heu weit oben auf der Liste der Unverträglichkeiten.
Das Problem ist weniger der Test selbst als das, was danach passiert. Wird nach so einer Liste Futter gestrichen, kann eine Lücke entstehen, zum Beispiel beim Eiweiß oder bei den Mineralstoffen, wenn gleich mehrere Futtermittel auf einmal wegfallen.
Was zeigen Studien zur Bioresonanz?
Keine kontrollierte Studie hat gezeigt, dass Bioresonanz zuverlässig erkennt, was einem Tier fehlt oder was es nicht verträgt. In zwei Studien bekamen bei Hunden auch eingeschickte Kunstfellproben und Wasser Befunde, und die Ergebnisse waren nicht besser als Zufall. Die deutsche Allergie-Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, solche Tests zur Diagnose zu verwenden.
Bei Menschen ist es schon lange untersucht. 1987 gingen Blut- und Haarproben von Fischallergikern doppelt an fünf Labore. Keines erkannte die Allergie, dafür fanden die Labore Allergien bei Gesunden. In einer doppelblinden Studie von 2001 sollten drei Anwender mit einem elektrischen Testgerät Allergiker von Nichtallergikern unterscheiden. Das gelang keinem von ihnen.
Bei Tieren sieht es genauso aus. Zwei Studien von 2019 haben Fell und Speichel von allergischen und gesunden Hunden eingeschickt, dazu Kunstfell und Wasser. Auch das Kunstfell und das Wasser bekamen Befunde. Eine große Übersichtsarbeit von 2021 zu alternativen Behandlungen bei Hund, Katze und Pferd hat 24 Methoden geprüft und zu 15 davon keine einzige auswertbare Studie gefunden.
Und das Landgericht Kiel hat 2014 eine Werbung untersagt, nach der ein Bioresonanztest Allergien, Giftstoffe und fehlende Vitamine zeigt.
Was die Allergietests beim Tierarzt zeigen und wo ihre Grenzen liegen, steht im Beitrag über den Allergietest beim Pferd.
Was ist Magnetfeldtherapie, zum Beispiel Bemer oder Hofmag?
Bei der Magnetfeldtherapie liegt eine Decke oder Gamasche auf dem Pferd, in der ein Gerät schwache, pulsierende Magnetfelder erzeugt. Bekannte Anbieter sind Bemer und Hofmag. Beworben wird die Methode meist für Durchblutung, Entspannung, Rücken und Gelenke. Anders als bei der Bioresonanz gibt es dazu beim Pferd ein paar Studien, allerdings kleine.
Wichtig zu wissen: Die Geräte erzeugen tatsächlich ein Magnetfeld, das ist messbar. Die Frage ist, ob es beim Pferd etwas bewirkt, das man spüren oder sehen kann, und wie lange. Da sind die Studien bisher dünn.
Ich schreibe hier über die Methode, nicht über ein bestimmtes Gerät. Die Studien unten wurden teils mit Bemer-Geräten gemacht, teils mit anderen. Ob sich die Ergebnisse von einem Gerät auf ein anderes übertragen lassen, ist offen.
Was zeigen Studien zur Magnetfeldtherapie beim Pferd?
Die Ergebnisse sind gemischt. In einer Studie mit sechs Stuten mit Spat war die Beugeprobe eine Stunde nach der Behandlung etwas besser, nach einem Tag nicht mehr, und die objektive Gangmessung zeigte keinen Unterschied. Bei 100 Pferden in Narkose standen die Pferde mit der Scheindecke sogar besser auf als die mit der echten Bemer-Decke.
Die Spat-Studie von 2026 ist sauber gemacht, jede Stute war ihre eigene Vergleichsgruppe, und der Tierarzt wusste nicht, welche Behandlung gerade lief. Auch ein Entzündungswert im Blut sank kurz. Ein Effekt über eine Stunde hinaus war aber nicht zu sehen, und das Messgerät für den Gang fand gar keine Veränderung.
Die größte Studie ist die mit den 100 Pferden, die für eine Augenoperation in Narkose lagen. Die Hälfte bekam 15 Minuten eine echte Bemer-Decke, die andere Hälfte eine gleich aussehende Decke ohne Funktion. Beim Aufstehen aus der Narkose schnitt die Gruppe mit der Scheindecke besser ab. Blutdruck und Laktat waren in der Bemer-Gruppe etwas niedriger, aber nicht deutlich.
Dann gibt es zwei kleine Studien mit eher positiven Ergebnissen. Bei 16 Rennpferden wurden die Blutgefäße an den Beinen nach einer Bemer-Behandlung etwas weiter, eine Arterie allerdings auch in der Gruppe mit dem ausgeschalteten Gerät. Und in einer Pilotstudie mit vier Freizeitpferden mit Rückenschmerzen wurden die Pferde nach zehn Behandlungen weniger druckempfindlich. Eine Vergleichsgruppe gab es dort nicht, das schreiben die Forschenden selbst.
Was ist mit Magnetgamaschen und Magnetdecken?
Gemeint sind Gamaschen oder Decken mit eingenähten, festen Magneten, die kein pulsierendes Feld erzeugen. Die einzige Pferdestudie dazu fand keinen Unterschied: Sechs Pferde trugen 48 Stunden lang an einem Vorderbein eine Magnetbandage und am anderen eine ohne Magnet. Die Durchblutung am Röhrbein war danach an beiden Beinen gleich.
Gemessen wurde das sehr genau, mit markierten roten Blutkörperchen und einer Szintigrafie, also einer Untersuchung, wie sie auch in der Klinik gemacht wird. Dabei kam nichts heraus. Weitere Studien zu festen Magneten beim Pferd habe ich nicht gefunden.
Gamaschen und Decken an sich können natürlich wärmen und stützen. Das tun sie aber auch ohne Magnet.
Warum fühlt es sich trotzdem an, als würde es helfen?
Weil sich viele Beschwerden von selbst ändern. Ein Pferd hat gute und schlechte Tage, und meistens greift man zu einer neuen Methode an einem schlechten Tag. Danach wird es oft von allein besser. Dazu kommt, dass man gleichzeitig mehr hinschaut, mehr bewegt und sich mehr um das Pferd kümmert. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich das nicht trennen.
Bei Pferden kommt noch etwas hinzu: Wir beurteilen sie, sie sagen uns nicht selbst, wie es ihnen geht. Wer viel Geld für eine Behandlung ausgegeben hat, sieht das Pferd danach mit anderen Augen, und das geht jedem so, auch mir. Deshalb gibt es in guten Studien eine Scheinbehandlung, und der Tierarzt weiß nicht, welches Pferd was bekommen hat.
Das heißt nicht, dass dein Pferd die Bemer-Decke nicht genießen kann. Viele Pferde entspannen sich bei Ruhe, Zuwendung und einer warmen Decke. Das ist schön, nur ist es keine Behandlung. Warum Studien so wichtig sind und was sie trotzdem nicht leisten können, steht im Beitrag über die Grenzen von Studien.
Was mache ich stattdessen?
Wenn ich wissen will, was einem Pferd fehlt, rechne ich die Ration durch, am besten mit einer Heuanalyse. Bei einem Pferd, das krank wirkt, gehört ein Blutbild bei der Tierärztin dazu. Bei Verdacht auf eine Unverträglichkeit plant die Tierärztin eine Ausschlussdiät über mehrere Wochen. Bei Rücken- und Gelenkproblemen braucht es eine Diagnose.
Wer schon Futter nach einer Austestung gestrichen hat, sollte die Ration einmal durchrechnen. Wenn Hafer, Luzerne und das Mineralfutter gleichzeitig weggefallen sind, fehlt oft mehr, als man denkt. Wie das geht, steht im Beitrag über die Rationsberechnung, und wie du deinen Prüfbericht liest, im Beitrag Heuanalyse lesen.
Bei Rücken- und Gelenkproblemen gibt es Behandlungen, die deutlich besser untersucht sind, von der Tierärztin über Physiotherapie bis zum passenden Training. Was bei Gelenkzusätzen untersucht ist, steht im Beitrag über Gelenkzusätze fürs Pferd.
Und wenn du eine Bemer-Decke schon hast und dein Pferd sich darunter entspannt, musst du sie nicht wegwerfen. Sie sollte nur nicht der Grund sein, eine Untersuchung aufzuschieben.
Häufige Fragen
Kann Bioresonanz Allergien beim Pferd erkennen?
Nein. In kontrollierten Studien hat keine Resonanz- oder Haaranalyse Allergien zuverlässig erkannt, bei Hunden bekamen sogar Kunstfell und Wasser Befunde. Die deutsche Allergie-Leitlinie rät davon ab. Bei Verdacht auf eine Futterallergie plant die Tierärztin eine Ausschlussdiät.
Hilft eine Bemer-Decke beim Pferd?
Das ist nicht belegt. Die wenigen Studien beim Pferd sind klein und zeigen gemischte Ergebnisse: kurze Effekte über eine Stunde, teils gar keine, in der größten Studie mit 100 Pferden schnitt die Scheindecke beim Aufstehen aus der Narkose sogar besser ab.
Was ist Hofmag beim Pferd?
Hofmag ist wie Bemer ein Gerät zur Magnetfeldtherapie, das über Decken oder Auflagen ein pulsierendes Magnetfeld erzeugt. Zu Hofmag selbst habe ich keine Studie am Pferd gefunden. Für die Methode insgesamt gelten die gemischten Ergebnisse aus diesem Beitrag.
Wirken Magnetgamaschen beim Pferd?
In der einzigen Pferdestudie dazu nicht. Sechs Pferde trugen 48 Stunden eine Magnetbandage, die Durchblutung war danach genauso wie am Bein ohne Magnet. Wärmen und stützen tun Gamaschen auch ohne Magnet.
Schadet Bioresonanz meinem Pferd?
Der Test selbst nicht. Schaden kann, was danach passiert: Futter wird gestrichen und es entsteht eine Lücke in der Ration, oder eine Untersuchung bei der Tierärztin wird aufgeschoben, weil man glaubt, die Ursache schon zu kennen.
Warum geht es meinem Pferd nach der Behandlung besser?
Weil sich viele Beschwerden auch von allein ändern und man in der Zeit meist mehr hinschaut, mehr bewegt und mehr pflegt. Ohne Vergleich mit einer Scheinbehandlung lässt sich nicht sagen, was den Unterschied gemacht hat.
Quellen
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- Jastrzębska E., Dobbek D., Pawłowska A. (2025): The effect of magnetotherapy on back pain sensitivity and muscle tension in recreational horses, a pilot study. Animals 16:77.
- Steyn P. F. u. a. (2000): Effect of a static magnetic field on blood flow to the metacarpus in horses. J Am Vet Med Assoc 217:874.


