Kurse ansehenShopAusbildungBlogÜber michEmpfehlungenKontaktZum Mitgliederbereich
Heu und Grundfutter·11 Min. Lesezeit·11.10.2026

Heuanalyse lesen: dein Prüfbericht Wert für Wert

Welche Spalte gilt, warum Zucker und Fruktan zusammengehören und wo dein Heu fast immer Lücken hat: So liest du deine Heuanalyse Zeile für Zeile.

Tabelle mit acht Werten einer Heuanalyse: Durchschnitt der LUFA Nord-West neben dem Zielwert. Calcium, Phosphor, Natrium, Kupfer und Zink liegen darunter, Mangan darüber.
Tabelle mit acht Werten einer Heuanalyse: Durchschnitt der LUFA Nord-West neben dem Zielwert. Calcium, Phosphor, Natrium, Kupfer und Zink liegen darunter, Mangan darüber.

Bei einer Heuanalyse liest du jeden Wert in der Spalte Trockenmasse. Zucker und Fruktan zählst du zusammen, beim Eiweiß zählt pcv XP, Energie und Rohfaser liest du als Paar. Bei den Spurenelementen schaust du zuerst auf Kupfer und Zink, denn da liegt fast jedes Heu unter dem Zielwert.

Ich habe in den letzten Wochen rund 30 Heuanalysen aus der Ernte 2026 ausgewertet, die mir Pferdebesitzerinnen geschickt haben. Fast jede kam mit derselben Frage: „Ich hab den Bericht, aber was heißt das jetzt?“ Das ist auch kein Wunder. Auf den zwei bis vier Seiten stehen dreißig Zahlen in drei verschiedenen Einheiten, und welche davon wichtig ist, steht nirgends.

In diesem Beitrag gehe ich den Bericht mit dir so durch, wie ich es selbst mache. Die Zahlen zum Vergleich stammen von der LUFA Nord-West, die ihre Durchschnittswerte frei veröffentlicht, und aus der Bedarfsempfehlung der GfE von 2014. Gerechnet ist alles für ein 500-kg-Pferd im Erhalt, also ohne Arbeit.

Welche Spalte im Prüfbericht gilt?

Rechne immer mit der Spalte Trockenmasse, abgekürzt TS oder T. Die Spalte Frischmasse, oft Originalsubstanz genannt, enthält das Wasser im Heu mit. Alle Zielwerte und der Bedarf deines Pferdes beziehen sich auf die Trockenmasse, und nur so kannst du zwei Heus mit unterschiedlich viel Wasser überhaupt vergleichen.

Die Zeile „Trockensubstanz“ sagt dir, wie viel vom Heu kein Wasser ist. Bei Heu liegt sie in der Regel bei 85 bis 87 Prozent. Damit rechnest du aus, wie viel Trockenmasse dein Pferd am Tag frisst:

  • 8,7 kg Heu × 86 % = 7,5 kg Trockenmasse

Die LfL Bayern nennt als Mindestmenge 1,5 kg Trockenmasse aus Raufutter je 100 kg Körpergewicht, für 500 kg also genau diese 7,5 kg.

Zwei Dinge bringen beim Lesen oft durcheinander. Erstens die Einheit: 1 Prozent sind 10 g je kg. Steht bei dir „Zucker 137 g/kg TS“, sind das 13,7 Prozent. Zweitens haben manche Labore, zum Beispiel die LUFA NRW, eine dritte Spalte „88 % TS“. Das ist auf einen festen Wassergehalt umgerechnet. Nimm trotzdem die Spalte mit 100 % TS.

Was bedeuten Zucker und Fruktan in der Heuanalyse?

Zucker und Fruktan stehen meist in zwei Zeilen, du liest sie aber zusammen. Die Summe ist der Wert, auf den es ankommt, wenn Zucker in der Ration niedrig bleiben soll. Die LUFA nennt als Zielwert für Zucker unter 10 und für Fruktan unter 5 Prozent der Trockenmasse, zusammen also unter 15 Prozent.

Im Durchschnitt der LUFA-Proben 2021 lag Zucker bei 9,0 und Fruktan bei 5,3 Prozent. Bei den Heus aus 2026, die ich gesammelt habe, lag die Summe bei 25 Proben im Median bei 17,1 Prozent, die Spanne reichte von 6,1 bis 21,3. Es gab also Heu, das beim Zucker mehr als dreimal so hoch lag wie ein anderes aus demselben Jahr.

Manche Labore, etwa die LKS Sachsen, schreiben statt Fruktan „wasserlösliche Kohlenhydrate“. Darin stecken Zucker und Fruktan zusammen. Halte dich dann an den Richtwert, den das Labor daneben angibt.

Wichtig zu wissen: Wie viel Zucker in einem Heu steckt, kannst du weder sehen noch riechen. In meiner Sammlung hing der Zucker kaum mit dem Reifegrad zusammen. Ein spät geschnittenes, grobes Heu kann trotzdem viel Zucker haben. Das zeigt nur die Analyse.

Warum zählt pcv XP mehr als Rohprotein?

Rohprotein ist das gesamte Eiweiß im Heu, gerechnet aus dem Stickstoff. pcv XP ist der Teil davon, den dein Pferd schon im Dünndarm verdaut. Seit der GfE-Empfehlung von 2014 wird der Eiweißbedarf in pcv XP angegeben, also vergleichst du auch nur diesen Wert mit dem Bedarf.

Ein 500-kg-Pferd braucht im Erhalt rund 317 g pcv XP am Tag. Bei 7,5 kg Trockenmasse sind das 42 g je kg, also 4,2 Prozent im Heu. Liegt dein Wert darüber, deckt das Heu allein den Eiweißbedarf im Erhalt.

Im Durchschnitt der LUFA-Proben 2021 lag pcv XP bei 5,1 Prozent. Die Spanne reichte aber von 2,3 bis 8,8. Mein eigenes Heu von 2026 hat 3,5 Prozent und deckt den Bedarf damit nicht. Das hätte ich ohne Analyse nicht gewusst.

Steht in deinem Bericht zusätzlich „verdauliches Rohprotein“, ist das die ältere Kennzahl. Fehlt pcv XP ganz, frag beim Labor nach, statt es aus dem Rohprotein zu schätzen.

Was sagen Energie und Rohfaser über das Heu?

Die Energie steht als ME Pferd in MJ je kg Trockenmasse. Ein 500-kg-Pferd braucht im Erhalt rund 55 MJ am Tag. Die Rohfaser zeigt, wie alt das Gras beim Schnitt war. Viel Rohfaser heißt wenig Energie, deshalb liest du beide Werte zusammen.

Die LUFA nennt für die Rohfaser einen Zielwert von 25 bis 32 Prozent. Laut LfL Bayern steigt sie beim Wiesenheu 1. Schnitt vom frühen bis zum späten Schnitt von rund 25 auf 35 Prozent, und die Energie fällt dabei von 8,3 auf 6,6 MJ je kg. Zum Vergleich: Stroh liegt bei 4,4 bis 5,1 MJ.

Bei den Heus aus 2026 hing die Energie sehr eng an der Rohfaser. Je mehr Rohfaser, desto weniger Energie, fast ohne Ausreißer. Ob ein Heu energiearm ist, kannst du am Halm also ganz gut abschätzen. Beim Zucker klappt das leider nicht.

Was davon gut ist, hängt von deinem Pferd ab. Für ein Pferd, das abnehmen soll, kann ein faserreiches Heu mit 6,5 MJ genau richtig sein. Für einen alten Wallach, der jeden Winter Gewicht verliert, eher nicht. Steht bei dir nur DE statt ME, ist das die verdauliche Energie. Die kannst du nicht direkt mit dem ME-Bedarf vergleichen.

Wie lese ich Calcium, Phosphor und Natrium?

Die Mengenelemente stehen in Prozent der Trockenmasse. Calcium und Phosphor liest du als Verhältnis zueinander, und beim Natrium liegt fast jedes Heu weit unter dem Zielwert. Magnesium passt meistens, Kalium ist fast immer reichlich da. Für ein 500-kg-Pferd im Erhalt gelten diese Werte:

Wert Zielwert LUFA Bedarf am Tag
Calcium 0,5 bis 0,7 % 17,4 g
Phosphor 0,3 bis 0,4 % 12,0 g
Natrium über 0,2 % 2,9 g nach GfE
Magnesium über 0,15 % 5,2 g
Kalium unter 3,0 % meist reichlich gedeckt

Calcium und Phosphor liest du als Verhältnis: Calcium geteilt durch Phosphor. Die LfL Bayern empfiehlt für erwachsene Pferde 1,5 zu 1 bis 2 zu

  1. Durchschnittliches Heu liegt mit rund 2 zu 1 gerade noch im Rahmen, es gibt aber Ausreißer. Eine Einsendung aus diesem Jahr hatte 0,7 zu 1, also mehr Phosphor als Calcium.

Beim Natrium liegt fast jedes Heu weit unter dem Zielwert. Im Mittel der LUFA-Ernte 2025 waren es 0,08 Prozent. Die GfE rechnet mit 2,9 g Natrium am Tag, ich rechne im Alltag eher mit 6 g, weil kaum ein Pferd gar nicht schwitzt. Steht bei dir „< 0,02“, liegt der Wert unter der Bestimmungsgrenze, dann rechnest du mit null. Wie du Salz dann sinnvoll fütterst, steht im Beitrag zur Salzfütterung.

Welche Spurenelemente fehlen im Heu am häufigsten?

Kupfer und Zink. Im Mittel der LUFA-Proben lagen beide von 2016 bis 2021 in jedem einzelnen Jahr unter dem Zielwert, und bei meinen Heus aus 2026 war es genauso. Mangan und Eisen liegen dagegen meist darüber. Genau diese Lücke soll ein Mineralfutter schließen.

Wert Zielwert LUFA Mittel LUFA 2021 Median meine Heus 2026 Bedarf am Tag
Kupfer 6 bis 10 mg/kg 4,7 mg/kg 4 mg/kg 105 mg
Zink 40 bis 100 mg/kg 27 mg/kg 22 mg/kg 425 mg
Mangan über 50 mg/kg 135 mg/kg 119 mg/kg 425 mg

Ausrechnen, wie viel das Heu allein deckt, geht ganz einfach: Wert in mg je kg mal kg Trockenmasse am Tag.

  • Zink: 27 mg × 7,5 kg = 203 mg, also knapp die Hälfte von 425 mg
  • Kupfer: 4,7 mg × 7,5 kg = 35 mg, also ein Drittel von 105 mg

Dazu schaust du auf das Verhältnis Zink zu Kupfer. In der ganzen Ration achte ich auf rund 3 zu 1 bis 4 zu 1. Im Heu allein ist das nur der Ausgangspunkt, weil das Mineralfutter es verschiebt. Bei Mangan hatte ich dieses Jahr eine Spanne von 15 bis 426 mg je kg. Auch das entscheidet mit, welches Mineralfutter passt. Warum ich bei der Auswahl so genau hinschaue, steht im Beitrag zum natürlichen Mineralfutter.

Was steht nicht in der Heuanalyse?

Selen wird oft nicht gemessen, Jod und Vitamine stehen in keiner Standardanalyse. Was nicht gemessen ist, ist unbekannt, mit null rechnest du deshalb nicht. Für diese Werte rechnest du mit Durchschnittszahlen oder planst sie über das Mineralfutter ein.

Beim Selen hatten in der LUFA-Auswertung der Ernte 2025 nur 90 von 473 Proben überhaupt einen Wert, im Mittel 0,05 mg je kg Trockenmasse. Bei 7,5 kg Trockenmasse deckt das gut ein Drittel der 1,05 mg, die ein 500-kg-Pferd braucht. Wenn dein Bericht einen eigenen Selenwert hat, nimm den, weil Selen je nach Region stark schwankt.

Jod liegt beim Bedarf bei rund 1,6 mg am Tag für 500 kg. Die LfL Bayern schreibt dazu, dass über das Mineralfutter keine zusätzliche Versorgung nötig ist. Das Jod im Mineral sehe ich deshalb als Reserve.

Vitamin E, A und D brauchen eigene Untersuchungen. Gerade Vitamin E nimmt bei der Lagerung ab, deshalb sagt ein Wert vom Sommer im Februar wenig.

Welche Lesefehler passieren am häufigsten?

Drei Fehler sehe ich immer wieder, und zwei davon sind mir am Anfang selbst passiert. Bei der LUFA steht eine Durchschnittszeile auf dem Bericht, bei Heulage zeigen die Pfeile fast immer nach unten, und die Berichtsnummer wird für das Erntejahr gehalten.

Die Durchschnittszeile. Auf Seite 2 der Berichte der LUFA Nord-West steht unter der Mineralstofftabelle eine Zeile „Durchschnittswerte Heu Ernte 2025“. Das ist der Jahresdurchschnitt des Labors. Deine Werte stehen in der Tabelle „Berechnet auf Trockensubstanz“. Wer nur Seite 2 hat, kennt Zucker, Eiweiß und Energie seines Heus also gar nicht.

Die Pfeile bei Heulage. Das Labor bewertet die Menge mit 1,5 kg Frischmasse je 100 kg Körpergewicht. Bei Heulage mit 60 Prozent Trockenmasse sind das nur 0,9 kg Trockenmasse statt 1,3 kg wie bei Heu. Die Pfeile nach unten sind dann ein Rechenartefakt. Rechne selbst über die Trockenmasse, das Labor schreibt den Hinweis auf Seite 3 sogar dazu.

Die Nummer. Bei „26FG012345“ stehen die ersten zwei Ziffern für das Jahr des Berichts. Ein Heu von 2025, das im Frühjahr 2026 untersucht wurde, trägt also eine 26.

Wie geht es nach der Heuanalyse weiter?

Die Heuanalyse zeigt dir das Heu allein. Was dein Pferd wirklich bekommt, entscheidet die ganze Ration mit Mineralfutter, Zusatzfutter, Weide und Salz. Der nächste Schritt ist deshalb, die Heuwerte in eine Rationsrechnung einzutragen und das Mineralfutter danach auszusuchen.

Wie so eine Rechnung Schritt für Schritt aussieht, zeige ich im Beitrag zur Rationsberechnung. Da siehst du auch, warum ich nicht einfach das Mineral nehme, das „für Heu“ draufsteht. Es kommt eben darauf an, was in deinem Heu steckt und was nicht.

Wenn das Heu sehr viel Zucker hat und du ein anderes nicht bekommst, kannst du es wässern. Das senkt den Zucker, beim Fruktan bringt es deutlich weniger, und dabei gehen auch Mineralstoffe verloren. Was die Studien dazu zeigen, steht im Beitrag Heu wässern oder bedampfen.

Und ganz wichtig: Die Analyse beurteilt nur dein Heu. Frisst dein Pferd schlecht, lahmt es, hat es Durchfall oder verliert es Gewicht, ohne dass du weißt warum, dann gehört es zuerst zur Tierärztin.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich mein Heu analysieren lassen?

Bei jeder neuen Charge, also bei jedem neuen Schnitt oder Lieferanten. Auch Chargen vom selben Lieferanten können sich stark unterscheiden. Bei einer Einsenderin lagen zwei Lieferungen beim verdaulichen Eiweiß 40 Prozent und beim Eisen um das Fünffache auseinander.

Wie nehme ich eine Heuprobe richtig?

Nimm eine Mischprobe aus mehreren Ballen, und wenn das Heu von mehreren Wiesen kommt, aus allen davon. Zupf aus verschiedenen Stellen der Ballen, misch alles gut durch und schick etwa 200 g in einer beschrifteten Papiertüte ein. Das Heu sollte für die Nährstoffe mindestens acht Wochen gelagert sein.

Kann ich am Heu sehen, ob es zuckerarm ist?

Nein. Wie reif ein Heu ist und wie viel Energie es hat, kannst du am Halm ganz gut abschätzen. Beim Zucker klappt das nicht, in meiner Sammlung hatte auch grobes, spätes Heu teils viel Zucker und Fruktan. Das zeigt nur die Analyse.

Was mache ich, wenn ein Wert fehlt?

Was nicht gemessen ist, setzt du nie mit null an. Fehlen nur Selen oder Jod, ist das normal. Fehlen die Mineralstoffe ganz, hat das Labor meist nur das Paket für Inhaltsstoffe untersucht. Dann frag nach, ob die Probe nachträglich auf Mineralstoffe untersucht werden kann.

Gilt der Bedarf auch für mein Pony oder mein Großpferd?

Die Zahlen hier gelten für 500 kg im Erhalt. Für andere Gewichte wird der Bedarf über das metabolische Körpergewicht umgerechnet und nicht einfach geteilt oder verdoppelt. Ein Pony mit 250 kg braucht also mehr als die Hälfte. Die Rechnung macht RatioPro für dich.

Weiterlesen