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Haut, Fell und Hufe·8 Min. Lesezeit·15.10.2026

Allergietest beim Pferd: was Blut- und Hauttest zeigen

Bluttest, Hauttest, Futterallergie: Was ein Allergietest beim Pferd wirklich zeigt, wo seine Grenzen liegen und wie eine Ausschlussdiät abläuft.

Grafik zu einer Studie mit 17 gesunden Ponys: Beim zweimaligen Bluttest auf Futterallergie waren 7 beide Male unauffällig, bei 9 waren die Befunde nicht gleich, nur eines hatte zweimal denselben Befund. Beim Füttern der angeblichen Allergene reagierte keines.
Grafik zu einer Studie mit 17 gesunden Ponys: Beim zweimaligen Bluttest auf Futterallergie waren 7 beide Male unauffällig, bei 9 waren die Befunde nicht gleich, nur eines hatte zweimal denselben Befund. Beim Füttern der angeblichen Allergene reagierte keines.

Ein Allergietest beim Pferd zeigt, ob das Immunsystem auf einen Stoff reagiert. Ob das Pferd deshalb auch Beschwerden hat, zeigt er nicht, denn viele gesunde Pferde reagieren im Test ebenfalls. Die Diagnose stellt die Tierärztin über die Beschwerden und den Ausschluss anderer Ursachen. Bei Verdacht auf Futter geht das nur über eine Ausschlussdiät. Bluttests auf Futterallergien empfiehlt die Leitlinie der Tierdermatologen nicht.

Wenn sich ein Pferd wochenlang scheuert, Quaddeln hat oder hustet, wünscht man sich nichts mehr als eine klare Liste: Das verträgt es nicht, das lasse ich weg. Ich verstehe das sehr gut. Bei mir landen regelmäßig solche Befunde, oft mit Hafer, Getreide oder sogar Heu weit oben auf der Liste. In diesem Beitrag steht, welche Allergietests es beim Pferd gibt, was sie in Studien gezeigt haben, wie eine Ausschlussdiät abläuft und wie du verhinderst, dass durch gestrichenes Futter eine Lücke in der Ration entsteht.

Welche Allergietests gibt es beim Pferd?

Es gibt zwei Tests aus der Tiermedizin: den Bluttest, der Antikörper vom Typ IgE gegen bestimmte Stoffe misst, und den Hauttest, bei dem die Tierärztin kleine Mengen möglicher Allergene in die Haut spritzt und die Reaktion abliest. Dazu kommen Austestungen über Haarproben oder Bioresonanz, die mit Labormedizin nichts zu tun haben.

Den Bluttest gibt es für Pollen, Milben, Schimmelpilze, Insekten und für Futtermittel. Die Tierärztin nimmt Blut ab und schickt es ins Labor. Er ist einfach und schnell gemacht, deshalb wird er häufig angeboten.

Der Hauttest heißt in der Tiermedizin Intrakutantest. Dabei wird am Hals ein Stück Fell geschoren, und die Tierärztin spritzt eine Reihe von Allergenen in kleinen Mengen in die Haut. Nach einer festgelegten Zeit wird abgelesen, wo sich eine Quaddel gebildet hat. Der Test ist aufwendiger und wird vor allem in Kliniken gemacht.

Austestungen über Haare, Speichel oder Bioresonanz liefern oft lange Listen mit Futtermitteln. In Studien bekamen dabei sogar Kunstfell und Wasser Befunde. Mehr dazu steht im Beitrag über Bioresonanz, Bemer und Magnete.

Wie zuverlässig ist ein Bluttest auf Futterallergie beim Pferd?

Nicht zuverlässig. In einer belgischen Studie von 2016 wurde das Blut von 17 gesunden Ponys zweimal getestet. Nur sieben waren beide Male unauffällig, nur eines hatte zweimal denselben Befund. Danach bekamen die Ponys ihre angeblichen Allergene je 14 Tage zu fressen. Keines reagierte darauf.

Das zeigt die Grafik oben. Die Ponys waren gesund, sie hatten keine Beschwerden, und trotzdem kamen bei zehn von ihnen Futtermittel auf die Liste. Wer nach so einem Befund Futter streicht, streicht Futter, das das Pferd verträgt.

Dazu kommt: Futterallergien, die mit Ausschlussdiät und erneuter Fütterung sauber bestätigt wurden, sind beim Pferd bisher nicht beschrieben. Das heißt nicht, dass es sie nicht gibt. Es heißt, dass sie sehr selten sind, viel seltener, als die vielen Testbefunde vermuten lassen.

Die Leitlinie der Weltvereinigung der Tierdermatologen von 2023 empfiehlt Bluttests auf Futterallergien deshalb nicht.

Was zeigt ein Allergietest bei Sommerekzem, Pollen und Milben?

Bei Allergien gegen Insekten, Pollen oder Milben sind die Tests besser untersucht, eine Diagnose ersetzen sie aber auch dort nicht. Viele gesunde Pferde reagieren im Hauttest, und Bluttest und Hauttest stimmen oft nicht überein. Ihren Platz haben die Tests, wenn die Diagnose schon steht und die Tierärztin Allergene für eine Desensibilisierung auswählen will.

In einer Studie mit 38 gesunden Islandpferden zeigten 28 nach vier Stunden positive Reaktionen im Hauttest. In einer älteren Studie erkannte keiner von drei Bluttests zuverlässig, was der Hauttest zeigte. Neuere Studien fanden laut Leitlinie eine bessere Übereinstimmung. Bei zehn allergischen Pferden passte der Hauttest auf der linken und rechten Halsseite nur bei wenigen Allergenen zusammen, und zwei Labore stimmten nur bei 2 von 13 überein.

Das Sommerekzem, eine der häufigsten Allergien beim Pferd, wird nach der Leitlinie ganz anders erkannt: über die Vorgeschichte, das typische Bild mit Juckreiz an Mähne, Schweif und Bauch, den Ausschluss anderer Ursachen und die Besserung, wenn das Pferd vor den Mücken geschützt wird. Einen Test braucht es dafür nicht.

Allergische Pferde reagieren im Test auf mehr Allergene als gesunde. Für das einzelne Pferd sagt ein positiver Befund aber wenig, solange die passenden Beschwerden fehlen.

Wie läuft eine Ausschlussdiät beim Pferd ab?

Mehrere Wochen, oft bis zu drei Monate, bekommt das Pferd nur ein einwandfreies, neues Heu, das es vorher nicht kannte. Kein Kraftfutter, keine Leckerli, keine Kräuter. Dazu ein passendes Mineralfutter, das du mit der Tierärztin aussuchst. Werden die Beschwerden besser, kommen die anderen Futtermittel einzeln zurück, jedes mit genug Abstand.

Das klingt einfach und ist im Alltag oft das Schwierigste. Jedes Leckerli, jede Handvoll vom Nachbarn und jeder Apfel verfälscht das Ergebnis. Sag also allen im Stall Bescheid, häng einen Zettel an die Box und halt dich auch selbst dran.

Das Mineralfutter ist dabei wichtig. Heu allein deckt Zink, Kupfer und Selen in Deutschland fast nie. Ein Pferd, das drei Monate nur Heu bekommt, hat sonst am Ende eine Lücke, die mit der Allergie nichts zu tun hat. Am besten nimmst du ein Mineralfutter mit möglichst wenigen Zutaten, damit du es später nicht selbst verdächtigen musst.

Wichtig zu wissen: Werden die Beschwerden in dieser Zeit nicht besser, war es vermutlich nicht das Futter. Dann ist das auch ein Ergebnis, und du sparst dir jahrelanges Weglassen.

Was kann ich tun, wenn ich schon Futter gestrichen habe?

Die Ration einmal durchrechnen. Wenn nach einem Befund Hafer, Luzerne, Soja, Kräuter und das Mineralfutter gleichzeitig weggefallen sind, fehlt dem Pferd oft Eiweiß, Zink, Kupfer oder Vitamin E. Das kann selbst Haut- und Fellprobleme machen. Erst wenn die Ration stimmt, lässt sich beurteilen, was noch übrig bleibt.

Bei Eiweiß wird es schnell knapp, wenn Luzerne und Soja wegfallen. Lysin ist die Aminosäure, die im Heu am ehesten fehlt, und Haut und Fell bestehen zu einem großen Teil aus Eiweiß. Mehr dazu steht im Beitrag über Aminosäuren.

Bei den Mineralstoffen ist es ähnlich. Wer das Mineralfutter wegen einer Zutat weglässt, sollte ein anderes suchen, nicht gar keins. Wie du das zum Heu passend auswählst, steht im Beitrag über Mineralfutter.

Und dann würde ich die gestrichenen Futtermittel nicht alle auf einmal zurückbringen, sondern eins nach dem anderen, mit ein paar Wochen Abstand und einem Tagebuch. So siehst du selbst, ob eines davon wirklich Probleme macht.

Wann gehört ein Pferd mit Juckreiz oder Quaddeln zur Tierärztin?

Immer, bevor du Futter streichst. Hinter Juckreiz stecken beim Pferd oft Insekten, Milben, Läuse oder Hautpilz, hinter Quaddeln auch Medikamente oder Kontakt mit etwas Neuem. Das klärt die Tierärztin. Sofort anrufen solltest du, wenn das Pferd plötzlich große Schwellungen am Kopf hat, schwer atmet oder sehr unruhig ist.

Bei Quaddeln, die plötzlich am ganzen Körper auftauchen, lohnt der Blick auf alles, was sich in den letzten Tagen geändert hat: neues Shampoo, neue Einstreu, ein Medikament, eine neue Decke, ein neues Futter. Oft ist der Auslöser schneller gefunden als mit jedem Test.

Bei Husten im Stall, der draußen besser wird, steckt meistens Staub dahinter und nicht das Futter selbst. Was dann hilft, steht im Beitrag über Heu wässern oder bedampfen.

Führ für die Tierärztin ein Tagebuch: Wann juckt es, wo, bei welchem Wetter, auf der Weide oder im Stall, was hat das Pferd gefressen? Das hilft oft mehr als ein Test.

Häufige Fragen

Wie zuverlässig ist ein Allergietest beim Pferd?

Ein Allergietest zeigt, ob das Immunsystem auf einen Stoff reagiert, nicht ob das Pferd deshalb Beschwerden hat. Viele gesunde Pferde reagieren auch. Beim Bluttest auf Futterallergien hatte in einer Studie nur eins von 17 gesunden Ponys zweimal denselben Befund.

Was kostet ein Allergietest beim Pferd?

Das hängt vom Labor, der Zahl der getesteten Allergene und davon ab, ob ein Blut- oder Hauttest gemacht wird. Frag deine Tierärztin vorher, was genau getestet wird. Bei Verdacht auf eine Futterallergie ist eine Ausschlussdiät aussagekräftiger als jeder Test.

Gibt es Futterallergien beim Pferd?

Sie sind sehr selten. Futterallergien, die mit Ausschlussdiät und erneuter Fütterung sauber bestätigt wurden, sind beim Pferd bisher nicht beschrieben. Viel häufiger stecken hinter Juckreiz Insekten, Milben oder Hautpilz.

Wie lange dauert eine Ausschlussdiät beim Pferd?

Mehrere Wochen, oft bis zu drei Monate. In dieser Zeit bekommt das Pferd nur ein neues, einwandfreies Heu und ein passendes Mineralfutter, sonst nichts. Danach kommen die Futtermittel einzeln zurück.

Kann ich ein Sommerekzem mit einem Allergietest nachweisen?

Nein, dafür braucht es keinen Test. Das Sommerekzem wird über Vorgeschichte, das typische Bild, den Ausschluss anderer Ursachen und die Besserung ohne Mücken erkannt. Ein Test hilft erst, wenn eine Desensibilisierung geplant ist.

Ist eine Haaranalyse auf Allergien beim Pferd sinnvoll?

Nein. Austestungen über Haare, Speichel oder Bioresonanz haben in Studien Allergien nicht erkannt, bei Hunden bekamen sogar Kunstfell und Wasser Befunde. Die deutsche Allergie-Leitlinie rät davon ab.

Quellen

  • Marsella R., White S., Fadok V. A. u. a. (2023): Equine allergic skin diseases: clinical consensus guidelines of the World Association for Veterinary Dermatology. Veterinary Dermatology 34:175.
  • Dupont S. u. a. (2016): A commercially available immunoglobulin E-based test for food allergy gives inconsistent results in healthy ponies. Equine Vet J 48:109.
  • Lorch G. u. a. (2001): Journal of the American Veterinary Medical Association 218:1314.
  • Lorch G. u. a. (2001): American Journal of Veterinary Research 62:1051.
  • Kolm-Stark G., Wagner R. (2002): Equine Veterinary Journal 34:405.
  • van Damme C. M. M. u. a. (2020): Veterinary Dermatology 31:390.
  • Frey R., Bergvall K., Egenvall A. (2008): Veterinary Immunology and Immunopathology 126:102.
  • Worm M. u. a. (2021): Update Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien, S2k-Leitlinie der DGAKI. Allergologie 44:488.

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