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Stoffwechsel·11 Min. Lesezeit·20.10.2026

Harter Mähnenkamm beim Pferd: Schlacken oder Fett?

Ein harter Mähnenkamm ist kein Schlackendepot. Was wirklich drinsteckt, wie du ihn von 0 bis 5 einschätzt und ab wann du Insulin messen lassen solltest.

Tabelle zum Mähnenkamm mit den Noten 0 bis 5, von kein Kamm zu sehen bis Kamm kippt zur Seite, darunter der Hinweis: ab Note 3 Insulin messen lassen.
Tabelle zum Mähnenkamm mit den Noten 0 bis 5, von kein Kamm zu sehen bis Kamm kippt zur Seite, darunter der Hinweis: ab Note 3 Insulin messen lassen.

Ein harter, dicker Mähnenkamm ist ein Fettpolster. Schlacken, die sich dort ablagern, gibt es nicht, weder beim Pferd noch beim Menschen. Das Fett am Kamm ist aber mehr als ein Schönheitsfehler: Pferde und Ponys mit einem dicken Kamm haben deutlich häufiger ein gestörtes Insulin, und das ist der häufigste Auslöser für Hufrehe.

Den Satz mit den Schlacken im Mähnenkamm liest du gerade wieder öfter, meist zusammen mit einer Massage oder einem Öl, mit dem man sie lösen soll. Ich verstehe, warum das gut ankommt. Schlacken klingt nach etwas, das man rausholen kann, und Massieren tut dem Pferd ja auch gut. Ich sehe in meinen Beratungen aber viele Pferde mit hartem Kamm, und bei denen lohnt sich ein ganz anderer Blick: auf das Insulin und auf das, was im Trog landet. In diesem Beitrag steht, woher der Schlacken-Gedanke kommt, was im Kamm wirklich steckt, wie du ihn selbst von 0 bis 5 einschätzt und was du tun kannst, wenn er zu dick ist. Wichtig zu wissen: Die Note am Kamm sagt oft mehr über das Stoffwechselrisiko als die Waage.

Gibt es Schlacken im Mähnenkamm?

Nein. Schlacken als Ablagerung von Stoffwechselresten im Gewebe hat man bis heute nirgends gefunden. Abbauprodukte werden beim Pferd laufend über Leber, Nieren, Darm und Lunge ausgeschieden. Was sich im Mähnenkamm hart anfühlt, ist Fettgewebe, und das lässt sich weder rausmassieren noch ausspülen.

Der Begriff stammt aus der Entschlackungs- und Detox-Idee, die seit Jahrzehnten durch die Ratgeber beim Menschen geht. Die Verbraucherzentrale schreibt dazu ganz klar, dass sich im Körper keine Schlacken ansammeln. Leber und Nieren arbeiten bei Gesunden so zuverlässig, dass kaum etwas liegen bleibt. Viele Detox-Mittel treiben vor allem Wasser, ohne irgendwas zu entgiften.

Beim Pferd ist das nicht anders. Wenn die Leber wirklich Hilfe braucht, zeigt das ein Blutbild und keine harte Stelle unter der Mähne. Was es mit Leberkuren auf sich hat, habe ich im Beitrag Leber entgiften beim Pferd aufgeschrieben.

Dass gerade der Mähnenkamm für Schlacken herhalten muss, hat einen einfachen Grund: Er ist eine der wenigen Stellen, an denen man Fett gut greifen kann. Er fühlt sich fest an, manchmal knotig, und er verändert sich über Monate. Das passt gut zu einer Ablagerung. Nur ist die Ablagerung eben Fett.

Was steckt in einem dicken Mähnenkamm?

Fettgewebe, das oben auf dem Nackenband sitzt, direkt unter dem Mähnenansatz. Ponys, Robustrassen und leichtfuttrige Pferde lagern dort besonders gern Fett ein. Dieses Fett ist hormonell aktiv und bildet Botenstoffe, in einer Studie sogar mehr Entzündungsbotenstoffe als Fettdepots an anderen Körperstellen.

Fett ist kein toter Speicher. Es bildet Hormone wie Leptin und Adiponektin, die beim Hunger und bei der Insulinwirkung mitreden, und es bildet Entzündungsbotenstoffe. In der Studie von Burns und Kollegen (2010) an elf Stuten fand man im Fett am Kamm mehr Bauanleitungen für die Entzündungsbotenstoffe IL-1β und IL-6 als im Fett am Schweifansatz oder im Bauchraum. Zwischen Stuten mit und ohne gestörtem Insulin gab es dabei keinen klaren Unterschied, die Studie war aber auch sehr klein.

Was man daraus mitnehmen kann: Der Kamm ist eine besondere Fettstelle. Ob das Fett dort selbst den Stoffwechsel verschlechtert oder nur zeigt, dass etwas nicht stimmt, ist noch offen. Für die Praxis ist das fast egal, denn in beiden Fällen ist ein dicker Kamm ein Zeichen, dass du hinschauen solltest.

Bei älteren Pferden kommt noch etwas dazu. Auch Pferde mit Cushing (PPID) bekommen Fettpolster, oft am Kamm und über den Augen. Mehr dazu steht im Beitrag Cushing beim Pferd.

Warum ist ein harter Mähnenkamm ein Warnzeichen?

Weil ein dicker Kamm sehr oft mit gestörtem Insulin zusammenhängt. In einer Studie mit 26 Ponys hatten Tiere ab Note 3 eine rund fünffach höhere Chance auf eine Insulindysregulation, auch unabhängig vom übrigen Körperfett. Zu viel Insulin im Blut ist der häufigste Auslöser für Hufrehe.

Die Ponystudie stammt von Fitzgerald und Kollegen (2019). Die Forschenden haben den Kamm benotet, das übrige Körperfett bewertet und das Insulin nach dem Fressen gemessen. Je höher die Note am Kamm, desto höher lag das Insulin. Spannend daran ist, dass der Kamm auch dann etwas aussagte, wenn man das Körperfett insgesamt herausgerechnet hat. Ein Pony kann also insgesamt gar nicht so dick wirken und trotzdem einen auffälligen Kamm haben.

Auch in anderen Studien ging ein Kamm ab Note 3 mit einem höheren Risiko für Hufrehe einher. Wie eng Insulin und Rehe zusammenhängen, hat ein Versuch von Asplin und Kollegen (2007) gezeigt: Bei gesunden Ponys hat eine Insulininfusion über zwei bis drei Tage gereicht, um eine Hufrehe auszulösen. Wie du die Fütterung bei Insulinproblemen aufbaust, steht im Beitrag EMS beim Pferd füttern.

Deshalb würde ich einen harten Kamm immer einmal sauber abklären lassen. Je früher du Bescheid weißt, desto mehr kannst du über Futter und Bewegung machen, bevor ein Huf warm wird.

Wie schätze ich den Mähnenkamm meines Pferdes ein?

Mit dem Cresty Neck Score, einer Skala von 0 bis 5. Du schaust dir den Hals von der Seite an und nimmst den Kamm in die Hand, etwa in der Mitte zwischen Ohren und Widerrist. Entscheidend ist, wie dick er ist, ob du ihn mit einer Hand umfassen kannst und ob er sich noch zur Seite biegen lässt.

Die Skala haben Carter und Kollegen (2009) entwickelt, und sie wird bis heute in Studien und in der Tierarztpraxis genutzt:

Note Was du siehst und fühlst
0 Kein Kamm zu sehen und nichts zu fühlen
1 Nicht zu sehen, unter der Mähne ist eine leichte Füllung zu fühlen
2 Kamm sichtbar, Fett gleichmäßig verteilt, mit einer Hand gut zu umfassen und zur Seite zu biegen
3 Kamm dicker, in der Mitte am stärksten, füllt die Hand und biegt sich schwerer
4 Sehr dick, mit einer Hand nicht mehr zu umfassen, kaum noch zu biegen, oft Falten quer zur Halslinie
5 So groß, dass er dauerhaft zur Seite kippt

So gehst du vor:

  • Immer am selben Platz, das Pferd steht gerade und hält den Kopf normal, nicht beim Grasen.
  • Ein Foto von der Seite machen, am besten jedes Mal aus derselben Entfernung.
  • Den Kamm greifen, kurz hinter den Ohren, in der Mitte und vor dem Widerrist, und sanft nach links und rechts schieben.
  • Die Note aufschreiben, mit Datum. Einmal im Monat reicht.

Ab Note 3 würde ich nicht länger abwarten. Dann ist es Zeit, das Insulin messen zu lassen.

Ist das Fett oder Muskel?

Muskeln liegen seitlich am Hals und werden bei Arbeit fest. Fett sitzt oben am Mähnenansatz, lässt sich greifen und hin und her schieben. Bei Ponys wackelt es oft sichtbar mit. Ein alter Kamm kann richtig hart werden, er bleibt aber an der Oberkante des Halses.

Gerade bei Hengsten, Barockpferden, Haflingern und vielen Ponys ist der Hals von Natur aus kräftiger. Ein Hengsthals hat mehr Muskulatur und auch etwas mehr Fett am Kamm, das ist normal. Trotzdem lohnt sich der Griff in den Kamm. Wenn du die Oberkante nicht mehr mit einer Hand umfassen kannst und sie sich kaum noch biegen lässt, ist das kein Muskel mehr.

Ein guter Vergleich ist der Hals unter dem Sattel. Gut bemuskelte Reitpferde haben eine kräftige Oberlinie, die sich bei Arbeit anspannt und in Ruhe weich wird. Fett bleibt fest, egal ob das Pferd gerade gearbeitet hat oder nicht, und es legt eher dann zu, wenn das Futter reichlicher wird, zum Beispiel in der Weidezeit.

Schau dir außerdem die anderen Fettstellen an: Schweifansatz, hinter der Schulter, über den Rippen und über den Augen. Wie du Fett am übrigen Körper erkennst und vom Heubauch unterscheidest, steht im Beitrag Heubauch beim Pferd.

Wie bekomme ich den Mähnenkamm kleiner?

Nur über das ganze Pferd. Gezielt an einer Stelle abnehmen geht nicht, auch nicht mit Massage, Ölen oder Kräutern. Fett schmilzt, wenn das Pferd über Wochen weniger Energie bekommt, als es verbraucht, und sich mehr bewegt. Der Kamm folgt dann mit, bei vielen Pferden aber langsam.

Was dabei wirklich zählt:

  • Heu wiegen. Mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht am Tag, bei 500 kg also gut 8,5 kg Heu. Darunter würde ich nicht gehen.
  • Zucker und Stärke runter. Zusammen unter 10 Prozent der Trockenmasse in der ganzen Ration, Heu am besten untersuchen lassen.
  • Weide begrenzen, besonders im Frühjahr und Herbst, wenn das Gras viel Zucker einlagert.
  • Bewegung, jeden Tag, so wie es die Hufe zulassen.
  • Kraftfutter und Leckerlis prüfen, oft stecken dort mehr Zucker und Stärke drin, als man denkt.

Ein gutes Tempo sind 0,5 bis 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche. Bei einem Pferd mit 500 kg sind das 2,5 bis 5 kg. Den Kamm misst du dabei am besten mit, mit Note und Foto. Bei manchen Pferden bleibt ein alter, harter Kamm auch nach dem Abnehmen sichtbar. Dazu gibt es kaum Studien, wie oft das passiert. Das Ziel ist deshalb in erster Linie ein gesundes Insulin und ein schlankes Pferd.

Massieren darfst du übrigens trotzdem. Viele Pferde genießen das, und es ist eine schöne Zeit miteinander. Es ersetzt nur nicht den Blick in den Trog.

Wann gehört die Tierärztin dazu?

Ab Note 3, bei einem Kamm, der in kurzer Zeit dicker oder härter wird, und immer, wenn dein Pferd fühlig läuft. Die Tierärztin kann das Insulin messen, am aussagekräftigsten mit einem oralen Zuckertest. Bei Pferden ab etwa 15 Jahren gehört der ACTH-Wert für Cushing mit dazu.

Beim oralen Zuckertest bekommt das Pferd eine abgemessene Menge Zuckersirup, und danach wird das Insulin im Blut bestimmt. Ein einzelner Wert in Ruhe kann ein gestörtes Insulin übersehen. Sprich das am besten vorher mit deiner Tierärztin ab, weil das Pferd dafür ein paar Stunden nüchtern bleiben muss.

Sofort anrufen solltest du, wenn dein Pferd klamm läuft, sich nicht gern dreht, warme Hufe oder eine starke Pulsation an den Fesseln hat. Das sind Zeichen einer Hufrehe, und dann wartest du nicht bis morgen. Was in diesem Fall zu tun ist, steht im Beitrag Hufrehe beim Pferd.

Woher stammen die Angaben in diesem Beitrag?

Die Skala von 0 bis 5 stammt aus der Arbeit von Carter und Kollegen (2009). Den Zusammenhang mit dem Insulin bei Ponys zeigt Fitzgerald und Kollegen (2019), die Entzündungsbotenstoffe im Fett am Kamm stammen von Burns und Kollegen (2010). Zu den Schlacken habe ich die Verbraucherzentrale herangezogen.

  • Carter RA, Geor RJ, Staniar WB, Cubitt TA, Harris PA (2009): Apparent adiposity assessed by standardised scoring systems and morphometric measurements in horses and ponies. The Veterinary Journal 179, 204 bis 210.
  • Fitzgerald DM, Anderson ST, Sillence MN, de Laat MA (2019): The cresty neck score is an independent predictor of insulin dysregulation in ponies. PLoS ONE 14, e0220203.
  • Burns TA, Geor RJ, Mudge MC, McCutcheon LJ, Hinchcliff KW, Belknap JK (2010): Proinflammatory cytokine and chemokine gene expression profiles in subcutaneous and visceral adipose tissue depots of insulin-resistant and insulin-sensitive light breed horses. Journal of Veterinary Internal Medicine 24, 932 bis 939.
  • Asplin KE, Sillence MN, Pollitt CC, McGowan CM (2007): Induction of laminitis by prolonged hyperinsulinaemia in clinically normal ponies. The Veterinary Journal 174, 530 bis 535.
  • Verbraucherzentrale NRW: Detox, überflüssig oder doch gesünder durch Entgiftung? (abgerufen am 20.10.2026)

Häufige Fragen zum Mähnenkamm beim Pferd

Kann man Schlacken aus dem Mähnenkamm massieren?

Nein, weil dort keine Schlacken sind. Der harte Kamm ist Fett, und Fett lässt sich nicht an einer Stelle wegmassieren. Massage kann dem Pferd trotzdem guttun, sie verändert nur das Fett nicht.

Ab welcher Note ist ein Mähnenkamm zu dick?

Ab Note 3 von 5. Dann ist der Kamm dicker, füllt die Hand und lässt sich schwerer biegen. In Studien hängt diese Note deutlich häufiger mit gestörtem Insulin und Hufrehe zusammen. Lass dann das Insulin messen.

Geht ein harter Mähnenkamm wieder weg?

Oft wird er kleiner, wenn das Pferd insgesamt abnimmt, das dauert aber Monate. Bei manchen Pferden bleibt ein alter, fester Kamm auch nach dem Abnehmen sichtbar. Wichtiger als der Hals ist dann, dass das Insulin wieder passt.

Haben Hengste immer einen dicken Mähnenkamm?

Hengste haben von Natur aus einen kräftigeren Hals mit mehr Muskeln und etwas mehr Fett am Kamm. Lässt sich die Oberkante aber nicht mehr mit einer Hand umfassen und kaum noch biegen, ist das auch beim Hengst zu viel.

Hilft eine Entgiftungskur bei einem dicken Mähnenkamm?

Nein. Ein dicker Kamm entsteht durch zu viel Energie und zu wenig Bewegung, oft zusammen mit gestörtem Insulin. Entgiftungskräuter ändern daran nichts. Was hilft, ist eine passende Ration, gewogenes Heu und tägliche Bewegung.

Ist ein dicker Mähnenkamm immer EMS?

Nicht immer, aber oft genug, um es abzuklären. Auch Pferde mit Cushing bekommen Fettpolster am Kamm. Ob dahinter EMS, Cushing oder einfach zu viel Futter steckt, zeigen Insulin und bei älteren Pferden der ACTH-Wert.

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