
Wie du ein Pferd mit Cushing (PPID) fütterst, hängt von zwei Dingen ab: vom Insulin und vom Gewicht. Hat dein Pferd zusätzlich eine Insulindysregulation, muss die Ration zuckerarm sein. Ist sein Insulin nachweislich normal, braucht es keine Zuckerdiät. Und ist es zu dünn, was bei Cushing oft vorkommt, braucht es mehr Energie und mehr Eiweiß.
Das klingt einfacher, als es im Stall oft gelebt wird. Viele Besitzerinnen hören „Cushing“ und streichen sofort alles, was nach Zucker aussieht, auch bei einem Pferd, das ohnehin schon abbaut. Meine eigene Stute Helena ist 28 und hat PPID, und bei ihr ist das Problem eher, dass sie zu dünn ist. Ich kenne das Thema also auch aus dem eigenen Stall.
Was ich hier schreibe, stützt sich auf die Empfehlungen der Equine Endocrinology Group (EEG), einer internationalen Gruppe von Tierärztinnen und Forschern. Sie hat ihre Empfehlungen zu PPID im Oktober 2025 neu herausgegeben. Die Diagnose und die Behandlung gehören zur Tierärztin. Hier geht es um das, was du selbst in der Hand hast: den Trog.
Was ist Cushing beim Pferd?
Cushing beim Pferd heißt fachlich PPID, ausgeschrieben Pituitary Pars Intermedia Dysfunction. Ein Teil der Hirnanhangdrüse arbeitet nicht mehr richtig und schüttet zu viele Hormone aus, darunter ACTH. Früher sagte man auch Equines Cushing Syndrom oder ECS. Es betrifft vor allem ältere Pferde und ist nicht heilbar.
Laut EEG hat rund jedes fünfte Pferd über 15 Jahre PPID, bei Pferden über 30 Jahre etwa jedes dritte. Eine Studie von 2013 kam bei Pferden ab 15 Jahren auf 21,2 Prozent. Bei alten Pferden ist PPID also keine Seltenheit.
Wichtig für die Fütterung ist der Unterschied zum Equinen Metabolischen Syndrom (EMS). Beim EMS steht das Insulin im Mittelpunkt, die Pferde sind meist zu dick. Bei PPID sind viele Pferde eher dünn und bauen Muskeln ab. Beides kann aber zusammen vorkommen, und genau dann wird es für die Fütterung knifflig.
Woran erkennst du Cushing beim Pferd?
Das bekannteste Zeichen ist langes, lockiges Fell, das im Frühjahr nicht richtig ausfällt. Die EEG nennt als frühe Zeichen außerdem Fell, das an einzelnen Stellen länger bleibt, etwas Muskelabbau an der Oberlinie, weniger Leistung und ungewöhnliches Schwitzen. Später kommen mehr Trinken, mehr Harn und ein runder Bauch dazu.
Manche Pferde wirken am Anfang auch nur träger oder irgendwie anders als früher. Viele Besitzerinnen schieben das aufs Alter, deshalb wird PPID oft erst spät erkannt.
In fortgeschrittenen Fällen nennt die EEG Fell am ganzen Körper, deutlichen Muskelabbau an der Oberlinie, einen Hängebauch, viel Trinken und viel Harn und immer wiederkehrende Infekte. Dazu kommen Begleitprobleme wie schlecht heilende Wunden, Hornhautgeschwüre am Auge, viele Wurmeier im Kot und Rehe.
Wenn du mehrere dieser Zeichen siehst, lass dein Pferd untersuchen. Getestet wird laut EEG nur, wenn ein Pferd auch Anzeichen zeigt.
Wie wird Cushing beim Pferd festgestellt?
Die Tierärztin misst das ACTH im Blut, entweder einmal in Ruhe oder nach einer Spritze mit dem Hormon TRH. Weil ACTH bei allen Pferden im Herbst von selbst steigt, gelten je nach Monat andere Grenzen. Ein Wert, der im September normal ist, wäre im März schon auffällig.
Die EEG hat 2025 diese Grenzwerte für den Ruhewert genannt (in pg/ml, Messgerät Immulite, Nordhalbkugel):
| Monat | PPID unwahrscheinlich | Graubereich | PPID wahrscheinlich |
|---|---|---|---|
| Dezember bis Juni | unter 15 | 15 bis 40 | über 40 |
| Juli und November | unter 15 | 15 bis 50 | über 50 |
| August | unter 20 | 20 bis 75 | über 75 |
| September und Oktober | unter 30 | 30 bis 90 | über 90 |
Im Graubereich entscheidet die Tierärztin zusammen mit den Anzeichen und dem Alter. Bei Arabern und Eseln liegt das ACTH laut EEG oft das ganze Jahr höher, bei Welsh- und Shetlandponys oft nur im Herbst. Für die Kontrolle gilt: Wenn möglich jedes Jahr in derselben Jahreszeit messen, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
Für die Fütterung ist ein zweiter Test genauso wichtig: der Insulintest. Ob dein Pferd eine Insulindysregulation hat, zeigt nur er, und davon hängt ab, wie streng der Zucker begrenzt werden muss. Vor dem ACTH-Test darf dein Pferd Heu fressen, aber vier Stunden lang kein Getreide.
Muss ein Cushing-Pferd zuckerarm gefüttert werden?
Nicht jedes. Laut EEG hat etwa jedes dritte Pferd mit PPID zusätzlich eine Insulindysregulation. Diese Pferde brauchen eine zuckerarme Ration und begrenzte Weide. Pferde mit PPID, deren Insulin im Test nachweislich normal ist, brauchen laut EEG ausdrücklich keine Begrenzung von Zucker und Stärke.
Der Grund ist die Rehe. Eine kleine Studie von 2016 fand bei allen Pferden mit PPID und Rehe ein erhöhtes Nüchterninsulin, bei den Pferden mit PPID ohne Rehe nicht. Die EEG spricht deshalb von einer Rehe, die mit zu viel Insulin zusammenhängt. Mehr dazu, wie Rehe und Fütterung zusammenhängen, steht im Beitrag zur Hufrehe.
Für Pferde mit Insulindysregulation nennt die EEG als Grenze unter 10 Prozent NSC im Heu. NSC ist die Summe aus wasserlöslichen Kohlenhydraten und Stärke. Ist das Heu nicht analysiert oder liegt es darüber, empfiehlt die EEG, es mindestens 60 Minuten zu wässern. Was Wässern bringt und was nicht, steht im Beitrag Heu wässern oder bedampfen.
Ist das Insulin noch nicht gemessen, rechne ich vorsichtshalber zuckerarm, bis das Ergebnis da ist. Ein Pferd, das ohnehin zu dünn ist, sollte deswegen aber nicht monatelang auf Diät stehen.
Was braucht ein Cushing-Pferd, das zu dünn ist?
Mehr Energie, mehr Eiweiß und mehr Futter insgesamt. Laut EEG sind viele Pferde mit PPID mager oder bauen Muskeln ab. Sie profitieren von mehr Fett, Eiweiß und Kalorien, zum Beispiel über gute Seniorfutter, Weide oder Luzerne. Wie viel davon geht, hängt wieder am Insulin.
Der Muskelabbau ist bei PPID gut belegt. In einer Untersuchung an Pferden mit PPID waren vor allem die schnellen Muskelfasern geschrumpft. Deshalb schaue ich bei diesen Pferden immer zuerst aufs Eiweiß, und zwar aufs verdauliche Eiweiß (pcv XP) und die Aminosäuren, nicht nur auf das Rohprotein auf dem Sack. Warum Lysin dabei der Engpass ist, steht im Beitrag zu den Aminosäuren.
Bei einem dünnen Pferd mit normalem Insulin gehe ich so vor:
- Heu zur freien Verfügung, wenn die Zähne es zulassen
- Luzerne als Eiweiß- und Energiequelle, zum Beispiel als Cobs
- melassefreie Rübenschnitzel für Energie aus Faser
- ein Seniorfutter mit ausgewiesenem Zucker- und Stärkegehalt, wenn das nicht reicht
Hat das Pferd zusätzlich Insulindysregulation, wird es schwieriger, weil Getreide und zuckerreiche Futter dann wegfallen. Die Energie muss dann vor allem aus Faser und Eiweiß kommen.
Warum ist das richtige Gewicht so wichtig?
Weil es mitentscheidet, wie es dem Pferd nach der Diagnose geht. In einer Studie von 2026 an 213 Pferden und Ponys mit PPID hatten die Tiere mit einer mittleren Körperkondition bei der Diagnose deutlich häufiger eine Besserung der Anzeichen. Zu dick und zu dünn schnitten beide schlechter ab.
Gemessen wurde die Körperkondition auf einer Skala von 1 bis 9. Die Pferde, die bei der Diagnose bei 4 bis 6 lagen, also weder Rippen sichtbar noch Fettpolster am Mähnenkamm, hatten etwa 15-mal so häufig eine Besserung. Die Zahl ist wegen der kleinen Gruppen ziemlich unsicher, die Richtung ist aber klar.
Die EEG empfiehlt deshalb, das Gewicht regelmäßig selbst zu kontrollieren. Ich rate dazu, alle vier Wochen mit dem Maßband zu messen und das Ergebnis aufzuschreiben. So siehst du früh, ob ein dünnes Pferd zunimmt oder ein dickes abnimmt, bevor man es mit dem Auge erkennt.
Wenn du nicht sicher bist, ob die Ration dazu passt, rechne sie einmal sauber durch, mit deinem Heu, allen Zusätzen und dem Gewicht deines Pferdes. Bei mir läuft das als Ration-Check, ich rechne deinen Plan gegen und sag dir, wo es hakt.
Helfen Kräuter oder Zusätze bei Cushing?
Dafür gibt es keinen Beleg. Die EEG schreibt in ihren Empfehlungen von 2025, dass für Ergänzungsfutter bei PPID der wissenschaftliche Wirkungsnachweis fehlt. Das gilt auch für Mönchspfeffer, der oft als natürliche Alternative genannt wird.
Behandelt wird PPID mit Pergolid, einem Medikament, das die Tierärztin verschreibt. Laut EEG ist das die Grundlage der Behandlung, und ob es wirkt, sieht man vor allem daran, dass die Anzeichen zurückgehen. Ob und wie dein Pferd behandelt wird, besprichst du mit deiner Tierärztin.
Was ich bei Zusätzen immer prüfe: Passt das Mineralfutter zum Heu? Bei alten Pferden mit PPID steht oft seit Jahren dasselbe Mineral im Schrank, obwohl das Heu jedes Jahr anders ist. Kupfer und Zink fehlen im Heu fast immer, Mangan und Eisen sind meist reichlich da. Ein Mineral ohne Mangan und Eisen passt deshalb oft besser. Wie du das an deinem Heu siehst, steht im Beitrag Heuanalyse lesen.
Worauf musst du im Herbst besonders achten?
Im Herbst steigt das ACTH bei allen Pferden, bei Pferden mit PPID oft stärker. Gleichzeitig kann das Gras an kalten, sonnigen Tagen viel Zucker und Fruktan bilden. Für Pferde mit Insulindysregulation ist der Herbst deshalb eine Zeit, in der du die Weide genau im Blick haben solltest.
Viele Tierärztinnen messen das ACTH gern im Herbst, weil Unterschiede dann deutlicher werden. Achte dann darauf, dass der Wert mit der Grenze für genau diesen Monat verglichen wird.
Was die Herbstweide für Stoffwechselpferde bedeutet und wann es kritisch wird, steht im Beitrag zur Herbstweide.
Und ganz wichtig: Rufe die Tierärztin sofort, wenn dein Pferd klamm geht, die Hufe warm sind, es sich viel hinlegt oder vorne entlastet. Das können Zeichen einer Rehe sein, und dann zählt jede Stunde.
Häufige Fragen
Darf ein Cushing-Pferd auf die Weide?
Wenn sein Insulin normal ist, ja. Laut EEG brauchen PPID-Pferde ohne Insulindysregulation keine Zuckerbegrenzung, und die EEG nennt Weide sogar als Weg zu mehr Energie für dünne Pferde. Mit Insulindysregulation sollte die Weide begrenzt werden, im Frühjahr und Herbst besonders.
Darf ein Cushing-Pferd Müsli oder Hafer bekommen?
Mit normalem Insulin ist Getreide nicht verboten. Mit Insulindysregulation fällt es weg, weil es viel Stärke liefert. Bei Fertigfutter schau auf den Zucker- und Stärkegehalt, der auf dem Etikett stehen sollte. Steht er nicht drauf, frag beim Hersteller nach.
Wie oft sollte das ACTH kontrolliert werden?
Das legt die Tierärztin fest, je nachdem, ob und wie dein Pferd behandelt wird. Für den Vergleich über die Jahre rät die EEG, möglichst in derselben Jahreszeit zu messen. Lass bei der Gelegenheit auch das Insulin bestimmen, wenn es noch nie gemessen wurde.
Ist Cushing beim Pferd heilbar?
Nein. PPID ist eine Alterserkrankung der Hirnanhangdrüse, die bleibt und meist langsam fortschreitet. Laut EEG berichten aber die allermeisten Besitzerinnen von Pferden mit PPID, dass ihr Pferd eine gute Lebensqualität hat.
Was ist der Unterschied zwischen EMS und Cushing?
EMS betrifft oft jüngere, leichtfuttrige Pferde mit zu viel Gewicht, im Mittelpunkt steht das Insulin. Cushing betrifft ältere Pferde, im Mittelpunkt steht die Hirnanhangdrüse, und viele sind eher dünn. Beides kann gleichzeitig vorliegen, deshalb gehört bei PPID immer auch der Insulintest dazu.
Quellen
- Equine Endocrinology Group: Recommendations for the Diagnosis and Management of Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID), überarbeitet Oktober 2025
- Equine Endocrinology Group: Recommendations for the Diagnosis and Management of Equine Metabolic Syndrome (EMS) and Insulin Dysregulation, 2024
- McGowan, Pinchbeck, McGowan, Equine Veterinary Journal 2013, 45: 74 bis 79, doi 10.1111/j.2042-3306.2012.00578.x
- Karikoski et al., Equine Veterinary Journal 2016, doi 10.1111/evj.12450
- Aleman et al., Neuromuscular Disorders 2006, doi 10.1016/j.nmd.2006.07.019
- Stapley et al., Journal of Veterinary Internal Medicine 2026, doi 10.1093/jvimsj/aalag166


