Kurse ansehenShopAusbildungBlogÜber michEmpfehlungenKontaktZum Mitgliederbereich
Stoffwechsel·10 Min. Lesezeit·15.10.2026

EMS beim Pferd: Fütterung, Heu, Weide und Abnehmen

Wie fütterst du ein Pferd mit EMS? Zucker und Stärke unter 10 Prozent, welches Heu passt, wie viel Heu beim Abnehmen und was Zimt, Chrom und Weide bringen.

Sechs Pferde grasen auf einer üppigen grünen Weide hinter einem Holzzaun, im Hintergrund Bäume.
Sechs Pferde grasen auf einer üppigen grünen Weide hinter einem Holzzaun, im Hintergrund Bäume.

Bei EMS, dem Equinen Metabolischen Syndrom, steht die Fütterung an erster Stelle. Zucker und Stärke sollen zusammen unter 10 Prozent der Trockenmasse der ganzen Ration bleiben. Das Pferd bekommt Heu, mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht, kein Getreide, kein Müsli, und die Weide wird begrenzt. Ist es zu dick, soll es langsam abnehmen.

EMS ist einer der häufigsten Gründe, warum mir Pferdebesitzerinnen schreiben. Meistens ist die Diagnose schon da, und dann kommt die Frage: Was darf mein Pferd jetzt noch fressen? Die ehrliche Antwort: Am meisten entscheidet das Heu. Das zeigen auch die Heuanalysen aus diesem Jahr, die bei mir gelandet sind. In diesem Beitrag steht, was EMS ist, wie es festgestellt wird, welche Zahlen in der Ration zählen, wie du ans Abnehmen gehst und was du dir an Zusätzen sparen kannst.

Was ist EMS beim Pferd?

EMS ist eine Stoffwechselstörung, bei der das Pferd zu stark mit Insulin auf Zucker und Stärke reagiert. Fachleute nennen das Insulindysregulation. Dazu kommen oft Übergewicht und Fettpolster an Mähnenkamm, Schweifansatz oder hinter der Schulter. Die größte Gefahr ist die Hufrehe, die durch hohe Insulinwerte ausgelöst werden kann.

Nicht jedes Pferd mit EMS ist dick. Es gibt auch normalgewichtige Pferde mit einer Insulindysregulation, das wird gern übersehen. Umgekehrt hat nicht jedes dicke Pferd EMS. Robuste Rassen wie Ponys, Isländer, Haflinger, Araber oder Spanier sind häufiger betroffen als Warmblüter.

EMS wird oft mit Cushing verwechselt. Cushing, heute PPID genannt, ist eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse und tritt vor allem bei älteren Pferden auf. Beides kann zusammen vorkommen. Den Unterschied und was das für die Fütterung heißt, erkläre ich im Beitrag zu Cushing beim Pferd.

Wie wird EMS festgestellt?

Über einen Bluttest bei der Tierärztin. Am aussagekräftigsten ist ein oraler Zuckertest: Das Pferd bekommt eine abgemessene Menge Zuckersirup, und danach wird das Insulin im Blut gemessen. Ein einzelner Insulinwert in Ruhe ist einfacher, übersieht aber einen Teil der Pferde. Dazu kommen Gewicht, Körperform und die Vorgeschichte.

Wichtig für den Test: Er muss nach den Vorgaben des Labors gemacht werden, also mit der richtigen Futterpause und nicht direkt nach einem Reheschub oder bei starken Schmerzen. Stress und Schmerz verfälschen die Werte. Was genau vorher gilt, sagt dir die Tierärztin.

Ohne Test bleibt es eine Vermutung. Wenn dein Pferd typische Fettpolster hat oder schon einmal Rehe hatte, würde ich die Fütterung trotzdem gleich so umstellen, als wäre EMS bestätigt. Das schadet keinem Pferd.

Wie viel Zucker und Stärke darf ein Pferd mit EMS bekommen?

Als Richtwert sollen Zucker und Stärke zusammen unter 10 Prozent der Trockenmasse der ganzen Ration bleiben. Gemeint ist alles, was das Pferd am Tag frisst, also Heu, Mineralfutter, Leckerli und Weide. Bei sehr empfindlichen Pferden geht man tiefer. Das ist ein Richtwert aus der Fachliteratur und keine gesetzliche Grenze.

Weil Heu den größten Teil der Ration ausmacht, entscheidet fast immer das Heu, ob du unter 10 Prozent bleibst. Ein Mineralfutter mit 5 Prozent Zucker fällt bei 50 g am Tag kaum ins Gewicht. Ein Heu mit 15 Prozent Zucker bei 9 kg dagegen sehr.

Auf dem Laborbericht findest du Zucker, Fruktan und Stärke meistens getrennt. Zucker und Fruktan zusammen sind das, was im Heu hauptsächlich zählt, Stärke ist im Heu wenig drin. Welche Zeile was bedeutet, steht im Beitrag Heuanalyse lesen.

Welches Heu passt bei EMS?

Ein Heu mit wenig Zucker und Fruktan, und das lässt sich nur mit einer Analyse feststellen. In meiner Sammlung von Heuanalysen aus dem Jahr 2026 lagen Zucker und Fruktan im Median bei 17,1 Prozent der Trockenmasse, die Spanne reichte von 6,1 bis 21,3 Prozent. Der Median lag also weit über der 10-Prozent-Grenze.

Was die Auswertung deutlich zeigt: Ob ein Heu viel Energie hat, kann man an der Rohfaser recht gut ablesen. Der Zusammenhang war sehr eng. Beim Zucker war er schwach. Grobes, stängeliges Heu kann also trotzdem viel Zucker haben, und feines Heu kann wenig haben. Riechen, fühlen oder anschauen reicht nicht.

Wenn dein Heu zu viel Zucker hat, hast du zwei Möglichkeiten:

  • anderes Heu suchen, mit Analyse, gern auch spät geschnittenes Heu von einer extensiven Wiese, aber nur mit Zahlen
  • Heu wässern, das senkt den Zucker, allerdings je nach Heu sehr unterschiedlich stark, und es spült auch Mineralien aus

Wie lange du wässerst und was es wirklich bringt, steht im Beitrag Heu wässern oder bedampfen.

Wie viel Heu bekommt ein Pferd mit EMS, das abnehmen soll?

Mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht am Tag, bei 500 kg also gut 8,5 kg Heu. Darunter würde ich nicht gehen, auch wenn das Pferd schneller abnehmen soll. Ein leerer Magen macht Probleme, und lange Fresspausen bringen den Stoffwechsel zusätzlich durcheinander.

Ein gutes Tempo beim Abnehmen liegt bei 0,5 bis 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche, bei einem Pferd mit 500 kg also 2,5 bis 5 kg. Das klingt wenig, über drei Monate sind es aber 30 bis 60 kg.

Was dabei hilft:

  • Heu wiegen, jeden Tag dieselbe Menge, auf mehrere Mahlzeiten verteilt
  • bis zu einem Drittel sauberes Futterstroh als Teil der Heumenge, langsam eingeschlichen und immer mit genug Wasser
  • Heunetze mit Vorsicht: Sie können die Fresszeit strecken, das Pferd braucht aber Zeit zum Gewöhnen, und Frust und Zähne gehören im Blick
  • Decke nur, wenn nötig, damit das Pferd im Winter selbst Energie verbraucht

Ganz wichtig: Nie hungern lassen. Ponys, Esel und Minis können bei Futterentzug eine Hyperlipämie entwickeln, eine lebensgefährliche Fettstoffwechselstörung. Wie Stroh als Teil der Ration funktioniert, steht im Beitrag zu Haferstroh und Grünhaferstroh.

Darf ein Pferd mit EMS auf die Weide?

Das hängt davon ab, wie hoch das Insulin ist und ob das Pferd gerade Rehe hat oder hatte. Während eines Reheschubs und bei sehr hohen Insulinwerten gar nicht. Ist der Stoffwechsel stabil, ist begrenzte Weide oft möglich, mit Fressbremse, kurzen Zeiten und auf abgefressener, aber nicht kahlgefressener Fläche.

Gras ist für ein Pferd mit EMS schwer zu berechnen, weil Zucker und Fruktan im Laufe des Tages und mit dem Wetter stark schwanken. Nach kalten, sonnigen Nächten und im Frühjahr und Herbst ist besonders viel drin. Morgens ist der Zuckergehalt meistens niedriger als am Nachmittag, außer nach Frost.

Was du tun kannst:

  • Fressbremse auf der Weide, gut angepasst und täglich kontrolliert
  • kurze Weidezeiten, die langsam gesteigert werden, mit Blick auf das Gewicht
  • Paddock oder Trail mit Heu als Hauptaufenthalt

Was im Herbst im Gras passiert, steht ausführlich im Beitrag zur Herbstweide.

Was darf ein EMS-Pferd zusätzlich fressen?

Ein Mineralfutter ohne Getreide und Melasse, Salz und Wasser. Mehr braucht ein Pferd mit EMS, das genug Heu bekommt, meistens nicht. Getreide, Müsli, Brot und Äpfel in größeren Mengen fallen weg. Als Leckerli eignen sich zuckerarme Heucobs oder ein paar Stücke Gemüse wie Gurke.

Das Mineralfutter ist bei EMS wichtiger als bei anderen Pferden, weil die Heumenge begrenzt ist. Weniger Heu heißt weniger Zink, Kupfer und Selen, und die sind im Heu 2026 ohnehin knapp. Achte darauf, dass das Mineralfutter pelletiert oder als Pulver ohne Melasse und Getreide als Träger kommt.

Bei Pferden, die arbeiten oder trotz EMS zu dünn sind, kann zusätzliche Energie nötig sein. Dann eignen sich faserreiche Cobs, deren Zucker und Stärke du kennst, gut eingeweicht. Das gehört aber gerechnet, weil es schnell zu viel wird.

Helfen Zimt, Chrom oder Magnesium bei EMS?

Eine sichere Wirkung auf den Insulinwert ist beim Pferd für keins davon belegt. Eine Studie mit Chrom und Magnesium bei übergewichtigen Pferden mit Rehe in der Vorgeschichte fand keinen Unterschied bei der Insulinwirkung. Für Zimt gibt es beim Pferd keine Studien, die eine Wirkung zeigen. Das Geld ist beim Heu und beim Mineralfutter besser angelegt.

Ich versteh total, warum man so etwas ausprobiert. Es gibt viele Produkte „für Stoffwechselpferde“, oft mit Kräutern, Zimt, Chrom, Magnesium oder Mariendistel. Wenn du eins fütterst, rechne den Zucker im Träger mit und achte darauf, ob sich am Gewicht und am Fettpolster etwas tut. Das ist der ehrliche Maßstab.

Bei Magnesium ist der Bedarf mit Heu meistens schon gedeckt, mehr dazu im Beitrag zu Magnesium beim Pferd. Flohsamen senken den Blutzucker nach dem Fressen bei gesunden Pferden etwas, für Pferde mit EMS ist das nicht untersucht.

Wie wichtig ist Bewegung bei EMS?

Sehr wichtig, neben der Fütterung der zweite große Punkt. Arbeitende Muskeln nehmen Zucker auch unabhängig vom Insulin auf, und Bewegung verbraucht zusätzlich Energie. Das gilt aber nur für Pferde ohne akute Rehe. Nach einem Schub entscheidet die Tierärztin zusammen mit dem Hufbearbeiter, ab wann und wie viel.

Für ein Pferd ohne Hufprobleme reicht am Anfang schon regelmäßiges Schritt- und Trabtraining an fünf Tagen in der Woche. Am wichtigsten ist, dass es regelmäßig passiert. Ein Offenstall oder Trail bringt zusätzlich Bewegung über den Tag.

Wie messe ich, ob mein Pferd abnimmt?

Mit Maßband und Augen, regelmäßig und immer gleich. Miss alle zwei Wochen den Bauchumfang an derselben Stelle, schreib das Gewicht nach Maßbandformel auf und bewerte den Mähnenkamm. Fotos von der Seite, immer am gleichen Platz, zeigen dir nach ein paar Wochen mehr als jedes Bauchgefühl.

Eine Waage hat kaum jemand im Stall. Für den Verlauf reicht das Maßband. Schreib die Werte auf, sonst vergisst du, wo du angefangen hast.

Ich habe dafür eine Checkliste gemacht, mit der Maßbandformel, einer Skala für den Mähnenkamm von 0 bis 5, der Heumenge als Tabelle und einem Messbogen für zwölf Wochen zum Ausdrucken.

Wann gehört die Tierärztin dazu?

Sofort bei jedem Verdacht auf Hufrehe: Das Pferd geht klamm, trippelt, verlagert das Gewicht nach hinten, will nicht laufen, die Hufe sind warm oder die Zehenarterie pocht deutlich. Das ist ein Notfall. Auch zur Diagnose von EMS und zur Kontrolle der Insulinwerte gehört sie dazu.

Weitere Gründe für einen Termin:

  • dein Pferd nimmt trotz gerechneter Ration und Bewegung nicht ab
  • es trinkt und uriniert auffällig viel, verliert Muskeln oder bekommt ein lockiges, langes Fell, das nicht wechselt, dann kann Cushing dahinterstecken
  • ein Pony oder Esel frisst plötzlich schlecht und wirkt matt
  • die Fütterung allein reicht nicht, dann gibt es Medikamente, über die die Tierärztin entscheidet

Was bei einem Reheschub aus dem Trog muss, steht im Beitrag zur Hufrehe.

Häufige Fragen zu EMS beim Pferd

Was darf ein Pferd mit EMS nicht fressen?

Getreide, Müsli, Melasse, Brot, größere Mengen Obst und Karotten und zuckerreiches Heu. Auch freie Weide ist bei hohem Insulin tabu. Leckerlis lieber aus zuckerarmen Heucobs.

Wie viel Heu braucht ein EMS-Pferd?

Mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht am Tag, bei 500 kg also gut 8,5 kg Heu. Weniger sollte es auch beim Abnehmen nicht sein.

Muss ich bei EMS das Heu wässern?

Nur, wenn die Analyse zeigt, dass Zucker und Fruktan zu hoch sind. Ohne Analyse weißt du es nicht. Wässern senkt den Zucker sehr unterschiedlich stark und spült Mineralien mit aus.

Kann ein Pferd mit EMS wieder gesund werden?

Die Insulindysregulation bleibt meistens bestehen, aber sie lässt sich mit Fütterung, Gewicht und Bewegung oft gut im Griff halten. Viele Pferde mit EMS leben so über Jahre ohne neuen Reheschub. Kontrollen bei der Tierärztin gehören dazu.

Wie schnell soll ein Pferd mit EMS abnehmen?

Etwa 0,5 bis 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche. Schneller geht nur über Hungern, und das ist gefährlich, besonders für Ponys und Esel.

Was ist der Unterschied zwischen EMS und Cushing?

Bei EMS reagiert das Pferd zu stark mit Insulin, es betrifft oft jüngere und leichtfuttrige Pferde. Cushing ist eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse bei meist älteren Pferden. Beides kann gleichzeitig vorkommen.

Quellen

  • Durham AE, Frank N, McGowan CM et al.: ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine 33 (2), 2019, S. 335 bis 349.
  • Equine Endocrinology Group: Recommendations for the Diagnosis and Management of Equine Metabolic Syndrome (EMS) and Insulin Dysregulation,
  • Chameroy KA, Frank N, Elliott SB, Boston RC: Effects of a supplement containing chromium and magnesium on morphometric measurements, resting glucose, insulin concentrations and insulin sensitivity in laminitic obese horses. Equine Veterinary Journal 43 (4), 2011, S. 494 bis 499.
  • Eigene Sammlung von Heuanalysen, Ernte 2026, Zucker und Fruktan bei 25 Proben, ausgewertet im September 2026.
  • Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020.

Weiterlesen