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Nährstoffe·11 Min. Lesezeit·13.10.2026

Magnesium fürs Pferd: Bedarf, Wirkung und Überdosierung

Braucht dein Pferd Magnesium? Wie viel es braucht, wie viel im Heu steckt, ob Magnesium und Tryptophan beruhigen und wann es zu viel wird.

Balkenvergleich: 10 kg durchschnittliches Heu liefern 13,6 g Magnesium, ein Pferd mit 500 kg braucht im Erhalt 5,6 g am Tag.
Balkenvergleich: 10 kg durchschnittliches Heu liefern 13,6 g Magnesium, ein Pferd mit 500 kg braucht im Erhalt 5,6 g am Tag.

Ein Pferd mit 500 kg braucht im Erhalt rund 5,6 g Magnesium am Tag. Schon 10 kg durchschnittliches Heu liefern davon gut das Doppelte, etwa 13,6 g. Ein echter Magnesiummangel ist bei Heufütterung deshalb selten. Dass Magnesium nervöse Pferde beruhigt, ist nicht sicher belegt. Für Tryptophan zeigen zwei Studien sogar ausdrücklich keine beruhigende Wirkung.

Magnesium ist eins der meistverkauften Zusatzfutter überhaupt. Es soll gegen Schreckhaftigkeit helfen, gegen Verspannungen, gegen Zittern, bei EMS und im Winter, oft zusammen mit Tryptophan oder Vitamin E. Ich versteh total, warum man das ausprobiert, wenn das Pferd im Gelände ständig scheut. In diesem Beitrag rechne ich dir vor, wie viel Magnesium in einer ganz normalen Ration schon steckt, was die Studien zur Beruhigung wirklich zeigen, wann ein Zusatz sinnvoll sein kann und woran du merkst, dass es zu viel wird.

Wie viel Magnesium braucht ein Pferd am Tag?

Ein Pferd mit 500 kg braucht im Erhalt rund 5,6 g Magnesium am Tag, so steht es in den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie von 2014. Arbeit, Schwitzen, Trächtigkeit und Laktation erhöhen den Bedarf, weil über Schweiß und Milch Magnesium verloren geht. Bei Sportpferden mit viel Schweiß kann er deutlich höher liegen.

Magnesium wird im Darm nur zum Teil aufgenommen, ein großer Teil geht mit dem Kot wieder raus. Die Bedarfszahlen rechnen das schon mit ein. Was zu viel aufgenommen wird, scheidet die Niere über den Harn aus.

Pferd Bedarf ungefähr Warum mehr
500 kg, Erhalt 5,6 g
500 kg, leichte bis mittlere Arbeit etwas mehr Verluste über den Schweiß
500 kg, schwere Arbeit, viel Schweiß deutlich mehr Schweiß enthält Magnesium
Stute in der Laktation deutlich mehr Magnesium geht in die Milch

Wie viel Magnesium dein Pferd genau braucht, hängt also an Gewicht, Arbeit und Schweiß. Die Grundrechnung ist aber immer dieselbe: Bedarf auf der einen Seite, das, was Heu und Futter liefern, auf der anderen.

Wie viel Magnesium steckt im Heu?

Durchschnittliches Heu enthält laut LUFA rund 0,15 Prozent Magnesium in der Trockenmasse, also etwa 1,5 g je Kilo. Ein Pferd mit 500 kg, das 10 kg Heu frisst, bekommt damit rund 13,6 g Magnesium am Tag. Das ist mehr als das Doppelte seines Bedarfs, ganz ohne Zusatz.

Das ist kein Sonderfall. In meiner Beispielrechnung im Beitrag zur Rationsberechnung deckt das reine Durchschnittsheu den Magnesiumbedarf zu 243 Prozent. Magnesium gehört damit zu den Mineralien, die im Heu meistens reichlich vorhanden sind, ganz anders als Kupfer, Zink oder Natrium.

Mineral 10 kg Durchschnittsheu liefern Bedarf 500 kg Deckung
Magnesium 13,6 g 5,6 g 243 %
Natrium 7,7 g im Mittel 3,0 g Mittelwert täuscht, die meisten Heus liegen weit darunter
Zink 230 mg 425 mg 54 %
Kupfer 40 mg 105 mg 38 %

Natürlich gibt es Heu mit weniger Magnesium, und auch das Mineralfutter bringt oft noch einmal welches mit. Aber wenn du einem Pferd mit Durchschnittsheu zusätzlich ein Magnesiumprodukt gibst, liegt es meistens schon weit über dem Bedarf. Welche Zeilen in deinem Prüfbericht dazu wichtig sind, steht im Beitrag Heuanalyse lesen.

Beruhigt Magnesium ein nervöses Pferd?

Sicher belegt ist das nicht. Eine kleine Studie mit sechs Trabern fand 2015 nur bei der hohen Dosis von 10 g zusätzlichem Magnesium eine langsamere Schreckreaktion. Eine spätere Arbeit derselben Gruppe mit Pferden verschiedener Rassen fand bei der üblichen Dosis keinen Effekt und rät davon ab, Magnesium als Beruhigungsmittel zu empfehlen.

Die erste Untersuchung stammt von Dodd und Kollegen und wurde 2015 als Kongressbeitrag veröffentlicht. Gemessen wurde, wie schnell ein Pferd nach einem Schreckreiz zwei Meter durch einen Gang zurücklegt. Für die Gabe insgesamt gab es nur einen Trend, einen klaren Unterschied nur zwischen Kontrolle und der höchsten Dosis. Die Presse hat daraus „Magnesium beruhigt“ gemacht.

Die Folgearbeit an der Charles Sturt University von 2021 ist genauer. Bei 0,02 g Magnesiumaspartat je Kilo Körpergewicht zeigten Pferde aus drei Rassegruppen keinen Unterschied in der Fluchtreaktion. Nur bei einer kleinen, einheitlichen Gruppe von Trabern mit höherer Dosis sank die Reaktivität. Die Autorin schließt, dass Magnesium in diesen Dosen nicht als Beruhigungsmittel für Pferde empfohlen werden sollte.

Ein nervöses Pferd hat meistens andere Gründe: Magenschmerzen, lange Fresspausen, zu viel Stärke, zu wenig Bewegung, Schmerzen, Stress in der Gruppe oder schlicht fehlende Gewöhnung. Da würde ich zuerst suchen. Mehr dazu, was Unruhe auslösen kann, steht im Beitrag über Silvesterstress.

Hilft Tryptophan oder Magnesium mit Tryptophan?

Für Tryptophan ist beim Pferd keine beruhigende Wirkung belegt. Zwei randomisierte Studien mit 12 und mit 60 Pferden fanden nach der Gabe zwar mehr Tryptophan im Blut, aber keine ruhigere Reaktion auf Schreckreize oder fremde Menschen. Eine Übersichtsarbeit warnt außerdem, dass sehr hohe Dosen beim Pferd schaden können.

In der ersten Studie bekamen zwölf Vollblüter eine handelsübliche Dosis von 6,3 g Tryptophan (Noble und Kollegen, 2008). Ihr Herz schlug bei einem fremden Menschen oder einem neuen Gegenstand schneller, mit Tryptophan genauso wie ohne. In der zweiten Studie mit 60 Pferden und drei Dosierungen änderte Tryptophan die Reaktionsgeschwindigkeit nach einem Schreck ebenfalls nicht (Noble und Kollegen, 2016). Immerhin: Schäden am Blut gab es bei diesen Dosen keine.

Schon 2005 hatten Grimmett und Sillence in einer Übersicht festgehalten, dass es keine Studie gibt, die Tryptophan als Beruhigung beim Pferd bestätigt. Bei anderen Tierarten wirkt es teilweise, aber die Reaktion hängt stark von der Tierart ab. Sehr hohe Dosen können beim Pferd über ein Abbauprodukt im Dickdarm die roten Blutkörperchen schädigen.

Die Kombination aus Magnesium und Tryptophan ist damit eine Kombination aus zwei Stoffen, für die beim Pferd jeweils keine sichere beruhigende Wirkung belegt ist.

Wann kann ein Magnesiumzusatz sinnvoll sein?

Wenn die Rationsberechnung eine Lücke zeigt. Das kommt vor bei sehr magnesiumarmem Heu, bei Pferden, die viel schwitzen, bei laktierenden Stuten und bei Rationen, die stark gekürzt sind, etwa beim Abnehmen. Dann reichen meist 5 bis 10 g Magnesiumcitrat am Tag. Auf Verdacht würde ich kein Magnesium geben.

Bevor du ein Magnesiumprodukt kaufst, lohnen sich drei Fragen:

  • Was liefert dein Heu? Steht in der Heuanalyse, sonst mit dem LUFA-Durchschnitt rechnen.
  • Was bringt dein Mineralfutter schon mit? Viele Mineralfutter enthalten bereits Magnesium, oft nicht wenig.
  • Wie viel schwitzt dein Pferd? Bei viel Schweiß fehlt eher Salz als Magnesium. Mehr dazu im Beitrag über Salz fürs Pferd.

Ein Punkt, den viele nicht kennen: Sehr viel Calcium in der Ration hemmt die Aufnahme von Magnesium. Wer viel Luzerne füttert, hat also nicht automatisch mehr Magnesium im Pferd, auch wenn auf dem Papier viel drin ist. Genau deshalb lohnt es sich, die Ration einmal ganz durchzurechnen, bevor du einzelne Werte nachzufüttern.

Wenn du lernen willst, wie du eine Mineralfutter-Deklaration liest und selbst nachrechnest, ob dein Pferd mit Magnesium und allen anderen Mineralien gut versorgt ist, gibt es dafür meinen Kurs mit Rechner.

Woran erkenne ich einen Magnesiummangel?

Ein echter Magnesiummangel ist bei Heufütterung selten, und seine Zeichen sind unspezifisch: Muskelzittern, Verspannungen, Krämpfe, Nervosität und Schreckhaftigkeit. Genau diese Zeichen haben aber sehr viele andere Ursachen. Und der Blutwert sagt wenig, weil nur ein sehr kleiner Teil des Magnesiums im Blut ist.

Der größte Teil des Magnesiums sitzt in Knochen und Muskeln. Der Körper hält den Blutspiegel lange konstant, auch wenn die Versorgung schlechter wird. Ein normaler Blutwert schließt einen Mangel deshalb nicht aus, und ein knapper Blutwert beweist ihn nicht. Verlässlicher ist der Blick auf die Ration.

Eine sehr akute Form, die Weidetetanie, kennt man vor allem von Rindern auf jungem, kaliumreichem Gras. Beim Pferd ist sie selten. Wenn ein Pferd plötzlich stark zittert, schwankt oder krampft, ist das ein Notfall für die Tierärztin und kein Fall für Magnesiumpulver aus dem Stallschrank.

Kann man Magnesium überdosieren?

Beim gesunden Pferd ist eine Überdosierung über das Futter selten gefährlich, weil die Niere Überschüsse ausscheidet. Sehr hohe Mengen können aber Durchfall machen, Magnesiumsulfat wird beim Pferd sogar als Abführmittel eingesetzt. Bei Pferden mit Nierenproblemen ist Vorsicht geboten. Und sehr viel Magnesium kann die Aufnahme anderer Mineralien wie Calcium stören.

Wie viel genau zu viel ist, hängt vom Pferd ab. Häufiger als eine gefährliche Überdosierung ist eine unnötige Überversorgung: Heu, Mineralfutter, ein Müsli mit Magnesium und dazu noch ein Magnesiumprodukt. Jedes für sich ist harmlos, zusammen ist es ein Vielfaches des Bedarfs, und das Geld wäre bei Kupfer und Zink besser angelegt.

Wenn dein Pferd nach Beginn eines Magnesiumzusatzes weichen Kot oder Durchfall bekommt, setz ihn ab und sprich mit deiner Tierärztin.

Welche Magnesiumform ist die beste?

Wenn überhaupt, dann eine gut lösliche Form wie Magnesiumcitrat. Organische Verbindungen wie Citrat oder Aspartat werden im Allgemeinen besser aufgenommen als Magnesiumoxid. Beim Pferd gibt es dazu aber nur wenige direkte Vergleiche. Wichtiger als die Form ist die Frage, ob dein Pferd überhaupt zusätzliches Magnesium braucht.

Achte bei Fertigprodukten auf die Menge reines Magnesium je Tagesration. Auf vielen Säcken steht die Menge der Verbindung, also zum Beispiel 20 g Magnesiumcitrat. Darin stecken aber nur rund 3 g Magnesium. Und schau, was sonst noch drin ist: Zucker als Trägerstoff, Kräuter, Tryptophan oder Vitamine.

Hilft Magnesium bei EMS oder Verspannungen?

Für EMS ist ein Nutzen von Magnesium allein beim Pferd nicht belegt. Es gibt Studien mit Mischungen aus mehreren Stoffen, bei denen man nicht sagen kann, welcher Bestandteil gewirkt hat. Bei Verspannungen und Muskelproblemen sind Training, Sattel, Zähne und Hufe meist die bessere Spur.

Bei EMS bringt die Fütterung am meisten, wenn Zucker und Stärke runtergehen und das Pferd abnimmt. Magnesium kann dazugehören, wenn die Ration eine Lücke zeigt, aber nicht als eigene Behandlung. Bei Muskelerkrankungen wie PSSM geht es vor allem um Stärke und Zucker in der Ration und um Vitamin E und Selen, und das gehört berechnet und nicht geraten.

Wann gehört die Tierärztin dazu?

Bei plötzlichem starkem Zittern, Krämpfen, Schwanken oder Festliegen, das ist ein Notfall. Ebenso, wenn ein Pferd über längere Zeit stark schreckhaft, nervös oder verspannt ist, ohne dass sich an Haltung oder Fütterung etwas geändert hat. Dahinter können Schmerzen, Magengeschwüre oder andere Erkrankungen stecken.

Bei Pferden mit Nierenerkrankungen kläre jeden Mineralzusatz, auch Magnesium, vorher mit der Tierärztin. Die Niere ist der Weg, über den der Körper zu viel Magnesium wieder loswird.

Häufige Fragen zu Magnesium beim Pferd

Soll ich Magnesium dauerhaft füttern?

Nur, wenn die Rationsberechnung dauerhaft eine Lücke zeigt. Mit durchschnittlichem Heu ist der Bedarf meistens mehrfach gedeckt. Dann bringt ein dauerhafter Zusatz keinen Vorteil und kann bei sehr hohen Mengen weichen Kot machen. Lieber einmal sauber rechnen als dauerhaft auf Verdacht füttern.

Wie viel Magnesium braucht ein Pferd am Tag?

Ein Pferd mit 500 kg braucht im Erhalt rund 5,6 g Magnesium. Mit Arbeit, Schweiß und in der Laktation steigt der Bedarf. 10 kg durchschnittliches Heu liefern schon rund 13,6 g, also mehr als das Doppelte.

Wie schnell wirkt Magnesium beim Pferd?

Eine beruhigende Wirkung ist beim Pferd nicht sicher belegt, deshalb lässt sich dazu keine verlässliche Zeit nennen. Wenn ein echter Mangel ausgeglichen wird, dauert es eher Wochen, weil die Speicher in Muskeln und Knochen erst aufgefüllt werden.

Ist Magnesium mit Vitamin E sinnvoll?

Nur, wenn beides fehlt. Vitamin E ist im Heu oft knapp, gerade bei Pferden ohne Weide im Winter, Magnesium dagegen meist reichlich. Ein Kombiprodukt bringt dann das eine, das fehlt, und das andere, das schon da ist. Lieber beide Werte getrennt anschauen.

Was passiert bei zu viel Magnesium?

Beim gesunden Pferd scheidet die Niere den Überschuss aus. Sehr hohe Mengen können Durchfall machen, und viel Magnesium kann die Aufnahme anderer Mineralien stören. Bei Pferden mit Nierenerkrankung ist Vorsicht geboten.

Beruhigt Tryptophan mein Pferd?

In Studien nicht. Zwei randomisierte Studien mit 12 und 60 Pferden fanden keine ruhigere Reaktion auf Schreckreize. Tryptophan stieg im Blut an, am Verhalten änderte sich nichts. Sehr hohe Dosen können beim Pferd sogar schaden.

Quellen

  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, 2014.
  • LUFA Nord-West: Heu, Inhaltsstoffe und Energiegehalte, Mittelwerte der Jahrgänge 2016 bis 2021.
  • Dodd JA, Doran G, Harris P, Noble GK: Magnesium aspartate supplementation and reaction speed response in horses. Journal of Equine Veterinary Science 35, 2015, S. 401 bis 402 (Kongressbeitrag).
  • Dodd J: Investigating the impact of oral magnesium aspartate on behaviour, flight reactivity and mineral metabolism in horses. Masterarbeit, Charles Sturt University, 2021.
  • Noble GK, Brockwell YM, Munn KJ et al.: Effects of a commercial dose of L-tryptophan on plasma tryptophan concentrations and behaviour in horses. Equine Vet J 40 (1), 2008, S. 51 bis 56.
  • Noble GK, Li X, Zhang D, Sillence MN: Randomised clinical trial on the effect of a single oral administration of l-tryptophan, at three dose rates, on reaction speed, plasma concentration and haemolysis in horses. The Veterinary Journal 213, 2016, S. 84 bis 86.
  • Grimmett A, Sillence MN: Calmatives for the excitable horse: a review of L-tryptophan. The Veterinary Journal 170 (1), 2005, S. 24 bis 32.
  • Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020.

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