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Heu und Grundfutter·16 Min. Lesezeit·11.10.2026

Heu wässern oder bedampfen: Zucker, Staub und Keime

Wässern senkt den Zucker, Bedampfen die Keime. Was die Studien zeigen, wie lange du Heu wässerst und wann sich ein Dampfgerät für dein Pferd lohnt.

Tabelle mit Messwerten aus einer Studie: Zucker, Bakterien und Schimmelpilze in trockenem, gewässertem und bedampftem Heu.
Tabelle mit Messwerten aus einer Studie: Zucker, Bakterien und Schimmelpilze in trockenem, gewässertem und bedampftem Heu.

Heu wässern und Heu bedampfen machen zwei verschiedene Dinge. Wässern wäscht einen Teil des Zuckers aus, wie viel, schwankt aber stark, und dabei gehen auch Mineralstoffe verloren und die Keime im Heu nehmen zu. Bedampfen mit einem richtigen Dampfgerät tötet fast alle Keime und Schimmelpilze ab und hält den Staub unten, am Zucker ändert es aber nur wenig. Welches von beiden dein Pferd braucht, hängt also davon ab, ob du ein Zuckerproblem oder ein Staubproblem hast.

Die Frage „wässern oder bedampfen?“ bekomme ich ziemlich oft, und meistens steckt dahinter die Annahme, dass beides ungefähr dasselbe tut. Das stimmt so nicht. In diesem Beitrag gehe ich die Studien dazu durch, und zwar mit den echten Zahlen: wie viel Zucker beim Wässern rausgeht, was mit Mineralstoffen und Keimen passiert und was ein Dampfgerät kann und was nicht. Am Ende steht, wie ich Heu wässern würde, wenn es nötig ist, und woran du erkennst, ob es überhaupt nötig ist.

Was ist der Unterschied zwischen Heu wässern und Heu bedampfen?

Beim Wässern liegt das Heu eine Zeit lang in Wasser, dabei lösen sich Zucker, Fruktan und Mineralstoffe heraus. Beim Bedampfen strömt heißer Dampf durch das Heu, das tötet Bakterien und Schimmelpilze ab. Wässern ist also das Mittel, wenn der Zucker runter soll, Bedampfen das Mittel, wenn es um Staub, Keime und die Atemwege geht.

Am besten sieht man das in einer Studie von Moore-Colyer und Kollegen aus dem Jahr 2014. Dort wurden fünf Heus auf verschiedene Arten behandelt und danach gemessen: einmal trocken, einmal 9 Stunden bei 16 Grad gewässert, einmal 50 Minuten im Haygain-Dampfgerät bedampft und zweimal in Kombination.

Messwert im Heu trocken 9 Stunden gewässert 50 Minuten bedampft
Zucker (WSC), g je kg Trockensubstanz 126 79 bis 83 122
Bakterien, KbE je g Trockensubstanz 60.000 bis 350.000 1.040
Schimmelpilze, KbE je g Trockensubstanz 1.148 692 2

KbE heißt koloniebildende Einheiten, also wie viele lebende Keime im Labor angewachsen sind. Das Wässern hat den Zucker um gut ein Drittel gesenkt, die Bakterien aber fast versechsfacht. Das Bedampfen hat am Zucker kaum etwas geändert, dafür waren Bakterien und Schimmel fast weg. Eiweiß und Asche blieben bei allen Verfahren gleich.

Wie viel Zucker wäscht Wässern aus dem Heu?

Im Schnitt ungefähr ein Viertel bis knapp die Hälfte, aber mit riesigen Unterschieden von Heu zu Heu. In einer Studie mit kaltem Wasser lag der Verlust zwischen 6 und 54 Prozent. Wie viel bei deinem Heu rausgeht, kannst du vorher nicht wissen, und ein sehr zuckerreiches Heu kann auch nach dem Wässern noch zu viel Zucker haben.

Die genauesten Zahlen dazu kommen von Annette Longland und Kolleginnen. 2011 haben sie neun Heus aus England bis zu 16 Stunden in Wasser mit rund 8 Grad eingeweicht. Die Heus hatten vorher zwischen 123 und 230 g Zucker je kg Trockensubstanz. Im Mittel gingen 27 Prozent raus, beim einen Heu nur 6 Prozent, beim anderen 54 Prozent. Das Fruktan sank im Mittel nur um 24 Prozent, Traubenzucker und Haushaltszucker deutlich stärker. Und das ist der Punkt, der mir wichtig ist: Sieben der neun Heus lagen nach dem Wässern immer noch über 100 g Zucker je kg Trockensubstanz, also über dem Wert, der für zuckerempfindliche Pferde als Obergrenze gilt.

2014 hat dieselbe Gruppe die Wassertemperatur verglichen. Nach 16 Stunden gingen bei 8 Grad 28 Prozent des Zuckers raus, bei 16 Grad 46 Prozent, mit Umrühren 49 Prozent, und mit heißem Leitungswasser (am Anfang 49 Grad) 44 Prozent. Kaltes Wasser im Winter wäscht also deutlich weniger aus als Wasser mit Zimmertemperatur.

Wie lange sollte man Heu wässern?

In der Praxis reicht eine halbe bis eine Stunde in reichlich Wasser. Ein großer Teil dessen, was sich überhaupt auswaschen lässt, geht schon in der ersten Viertelstunde raus. Längeres Wässern bringt etwas mehr Zuckerverlust, aber auch mehr Keime und mehr Nährstoffverlust. Im Sommer würde ich eher kürzer wässern.

Bochnia und Kollegen von der Universität Halle haben 2021 Wiesenheu 15, 30 und 60 Minuten und 12 Stunden in Wasser mit 20 Grad gelegt. Schon nach 15 Minuten waren fast alle gemessenen Nährstoffe deutlich gesunken, Zucker und Fruktan genauso wie Mengen- und Spurenelemente. Längeres Wässern hat den Effekt in dieser Studie nicht mehr verstärkt. Martinson und Kollegen von der Universität Minnesota kamen 2012 zu einer ähnlichen Empfehlung: Grasheu 15 bis 30 Minuten wässern, das senkt den Zucker ausreichend und hält den Verlust an Trockensubstanz klein.

Die Longland-Studien sehen bei sehr langem Wässern noch mehr Zuckerverlust. Das passt zusammen, wenn man bedenkt, dass dort mit kaltem Wasser gearbeitet wurde, und kaltes Wasser braucht länger. Ich halte mich an die halbe bis ganze Stunde, weil die Keime mit jeder Stunde mehr werden und der Nutzen danach klein ist. Wenn du im Winter mit sehr kaltem Wasser wässerst, darf es eher die ganze Stunde sein.

Welche Nährstoffe gehen beim Wässern verloren?

Mit dem Zucker gehen auch Mineralstoffe raus, vor allem Kalium, Natrium, Phosphor und Magnesium, dazu ein Teil der Spurenelemente wie Kupfer und Zink. Außerdem sinken Energie und das Eiweiß, das im Dünndarm verdaut wird. Wer dauerhaft wässert, muss das in der Ration ausgleichen.

Blackman und Moore-Colyer haben schon 1998 gezeigt, dass 10 und 30 Minuten Wässern Phosphor, Kalium, Magnesium, Natrium und Kupfer im Heu deutlich senken. Im bedampften Heu derselben Studie fand sich dieser Verlust nicht. Bochnia und Kollegen haben 2021 noch genauer hingeschaut: Die umsetzbare Energie sank je nach Heu um 5 bis 15 Prozent, und das im Dünndarm verdauliche Eiweiß und die Aminosäuren um 35 Prozent. Das Rohprotein im Laborbericht bleibt dagegen meist gleich, deshalb fällt der Verlust beim Eiweiß in vielen Studien gar nicht auf.

Für die Ration heißt das zwei Dinge. Erstens: Zink und Kupfer liegen im Heu ohnehin oft unter dem Bedarf, nach dem Wässern noch etwas weiter. Das Mineralfutter muss dann umso besser passen. Zweitens: Natrium ist im Heu meist so knapp, dass es nach dem Wässern kaum noch messbar ist. Salz gehört also in jede Ration mit gewässertem Heu, mehr dazu im Beitrag über die Salzfütterung.

Wenn du rechnest, nimm die Werte deiner Heuanalyse und zieh bei gewässertem Heu einen Teil ab, die Analyse misst ja das trockene Heu. Eine genaue Zahl dafür gibt es nicht, weil der Verlust von Heu zu Heu schwankt. Ich rechne lieber etwas vorsichtiger und lege beim Mineralfutter nicht auf Kante.

Warum vermehren sich im gewässerten Heu Keime?

Nasses Heu ist für Bakterien ideal: Wasser, Wärme und gelöster Zucker. Je länger und wärmer das Heu im Wasser liegt und je länger es danach noch herumsteht, desto mehr Keime wachsen. Gewässertes Heu solltest du deshalb bald füttern und nicht über Stunden in der Box oder auf dem Paddock liegen lassen.

In der Studie von 2014 stiegen die Bakterien nach 9 Stunden Wässern von 60.000 auf bis zu 350.000 KbE je Gramm Trockensubstanz. Die Schimmelpilze gingen etwas zurück, aber nur, weil ein Teil abgespült wurde, abgetötet wurde nichts. Glatter und Kollegen haben 2021 untersucht, was passiert, wenn gewässertes Heu danach liegen bleibt. Sie haben es nur 15 Minuten bei 10 bis 15 Grad gewässert und dann 6, 12 und 24 Stunden bei 10 und bei 25 Grad gelagert. Bakterien, Schimmelpilze und Hefen nahmen beim Lagern zu. Die Forscherinnen schreiben, gewässertes Heu sei beim Lagern nicht stabil.

Ganz praktisch heißt das:

  • Heu für eine Mahlzeit wässern, nicht für den ganzen Tag.
  • Im Sommer kürzer wässern und schneller füttern.
  • Reste aus dem Vortag wegwerfen.
  • Die Wanne oder den Kübel nach jedem Durchgang ausspülen, sonst bleibt ein Bakterienfilm, der die nächste Ladung gleich mit beimpft.

Was macht das Bedampfen mit dem Heu?

Ein richtiges Dampfgerät erhitzt das Heu durch und durch, in einer der Studien auf 100 Grad. Dabei sterben fast alle Bakterien und Schimmelpilze ab, und der Staub wird gebunden. In einer Studie sanken Keime und lungengängiger Staub um 99 Prozent. Mineralstoffe und Eiweiß bleiben dabei weitgehend erhalten.

Moore-Colyer und Kollegen haben 2016 Heu vor und nach dem Bedampfen im Haygain-Gerät verglichen. Die lungengängigen Teilchen in der Luft und die Keime gingen jeweils um 99 Prozent zurück. Bei dreißig verschiedenen Heus haben sie außerdem die Nährstoffe gemessen: Mineralstoffe und Eiweiß blieben erhalten. In der Studie von Glatter und Kollegen 2021 (100 Grad, 60 Minuten) war im bedampften Heu kein typischer Schimmelpilz mehr nachweisbar, im kurz gewässerten Heu dagegen schon. Die Pferde haben das bedampfte Heu außerdem langsamer gefressen und deutlich gründlicher gekaut, 3.537 Kauschläge je kg Trockensubstanz gegenüber 2.622 beim trockenen und 2.521 beim gewässerten Heu. Gewässertes Heu wurde in dieser Studie schlechter angenommen.

Für Pferde mit empfindlichen Atemwegen ist das interessant. In einer Studie mit 43 Rennpferden (Olave und Kollegen 2023) hatten die Pferde mit bedampftem Heu deutlich weniger Staub an der Nase als die mit trockenem Heu. Mehr dazu steht im Beitrag über Husten beim Antraben.

Senkt Bedampfen den Zucker im Heu?

Kaum. In der Studie von 2014 ging der Zucker beim Bedampfen von 126 auf 122 g je kg Trockensubstanz zurück, das sind etwa 3 Prozent. In einer zweiten Studie mit dreißig Heus waren es im Mittel 18 Prozent. Wenn der Zucker in der Ration niedrig bleiben muss, reicht Bedampfen allein also nicht.

Der Grund ist einfach: Beim Bedampfen läuft kaum Wasser durch das Heu, das den Zucker mitnehmen könnte. Der Dampf kondensiert zwar im Heu, aber das bisschen Wasser tropft unten ab, ohne viel auszuwaschen. Die 18 Prozent aus der Studie von 2016 sind trotzdem nicht nichts. Wenn dein Heu knapp an der Grenze liegt, kann das reichen. Bei einem Heu, das deutlich zu viel Zucker hat, hilft es nicht.

Taugt ein selbstgebautes Dampfgerät?

Für den Staub schon, für die Keime nicht. Mit Mülltonne und Dampferzeuger oder mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher ging der Staub in einer Studie um 88 Prozent runter, die Keime blieben aber gleich. Die Selbstbauten werden nicht im ganzen Heu heiß genug, und warmes, feuchtes Heu ist für Bakterien eher noch angenehmer.

Moore-Colyer und Kollegen haben 2016 genau das verglichen: Heu in einer Mülltonne mit Dampf, Heu mit einem Kessel kochendem Wasser übergossen und Heu im Haygain. Die beiden Selbstbauten senkten den Staub um 88 Prozent, das ist ordentlich. Bei den Keimen gab es aber keinen Rückgang, gemessen bei Außentemperaturen von 0 bis 7 Grad. Gerade im Winter erreicht der Dampf in der Mitte des Ballens nicht die Temperatur, die Bakterien und Pilze abtötet.

Wenn es dir nur um den Staub geht, ist ein Selbstbau also besser als nichts. Wenn du Schimmelsporen und Keime loswerden willst, brauchst du ein Gerät, das das Heu auch in der Mitte richtig heiß bekommt. Solche Geräte sind nicht billig. Für einen einzelnen Einsteller ist das viel Geld, für einen Stall, in dem mehrere Pferde bedampftes Heu brauchen, kann es sich lohnen.

Kann man Heu erst wässern und dann bedampfen?

Ja, und das ist die einzige Variante, die beides schafft. In der Studie von 2014 senkte erst 9 Stunden Wässern und dann 50 Minuten Bedampfen den Zucker genauso wie das Wässern allein, und die Bakterien lagen danach sogar unter denen im bedampften Heu. Andersherum, erst bedampfen und dann wässern, kamen die Keime zurück.

Die Zahlen: Erst gewässert, dann bedampft hatte das Heu 490 Bakterien und 1,9 Schimmelpilze (KbE je g Trockensubstanz), beim nur bedampften Heu waren es 1.040 Bakterien und 2 Schimmelpilze. Erst bedampft und dann gewässert lagen die Schimmelpilze bei 501, also fast so hoch wie im trockenen Heu. Die Reihenfolge ist also wichtig: Bedampfen kommt immer zuletzt.

Das ist natürlich Aufwand und nur sinnvoll für ein Pferd, bei dem beides zusammenkommt, also wenig Zucker in der Ration und empfindliche Atemwege. Den Mineralverlust vom Wässern hast du dann trotzdem, den musst du weiter über die Ration ausgleichen.

Woran erkenne ich, ob mein Heu gewässert werden muss?

An der Heuanalyse. Liegen Zucker und Fruktan zusammen unter etwa 10 Prozent der Trockensubstanz, musst du in der Regel nicht wässern. Liegen sie deutlich darüber und soll die Ration zuckerarm bleiben, ist Wässern eine Möglichkeit. Ohne Analyse wässerst du auf Verdacht, mit allen Nachteilen.

Der Wert ist kein fester Grenzwert, manche Fachleute setzen ihn bei 12 Prozent, bei sehr empfindlichen Pferden geht man tiefer. Wichtig ist, was im Bericht steht. Bei Zucker steht dort oft „Zucker“ oder „WSC“, Fruktan steht manchmal extra, manchmal ist es schon im WSC enthalten. Das musst du beim Lesen auseinanderhalten.

Wie unterschiedlich Heu sein kann, sehe ich an den Analysen, die mir 2026 geschickt wurden: Zucker und Fruktan zusammen lagen zwischen knapp 12 und fast 26 Prozent. Bei 12 Prozent würde ich meistens gar nicht wässern und eher schauen, was sonst noch in der Ration Zucker bringt. Bei 26 Prozent würde ich lieber nach einem anderen Heu suchen, weil auch gutes Wässern dann wahrscheinlich nicht unter 10 Prozent kommt.

Wenn du die Wahl hast, such lieber nach einem Heu mit wenig Zucker. Das ist mehr Arbeit beim Einkauf, spart dir aber jeden Tag die Wanne, den Mineralverlust und die Keime. Wie du deine Analyse liest und welche Zeilen dafür zählen, zeige ich in der Lesehilfe.

Wie wässere ich Heu richtig?

Eine Mahlzeit Heu ganz unter Wasser drücken, eine halbe bis eine Stunde liegen lassen, gut abtropfen lassen und direkt füttern. Reichlich Wasser nehmen, das Wasser jedes Mal wegkippen und den Behälter ausspülen. Im Winter darauf achten, dass das nasse Heu nicht gefriert.

So mache ich es Schritt für Schritt:

  1. Heu locker in ein Heunetz oder einen Korb packen. Dicht gepresste Flocken lösen sich schlechter, also kurz aufschütteln.
  2. Ganz untertauchen. Ein Mörtelkübel, eine Regentonne oder eine große Wanne reicht. Das Heu muss komplett unter Wasser sein, notfalls mit einem Stein beschweren.
  3. Eine halbe bis eine Stunde. Im Sommer eher die halbe, im Winter mit kaltem Wasser eher die ganze Stunde.
  4. Abtropfen lassen. Zehn bis zwanzig Minuten aufhängen, damit das Zuckerwasser rausläuft und nicht im Heu bleibt.
  5. Direkt füttern. Nicht für den ganzen Tag vorbereiten.
  6. Das Wasser weggießen. Es ist braun, riecht und enthält den ausgewaschenen Zucker. Am besten auf den Misthaufen, auf keinen Fall in Gully, Graben oder Bach. Und natürlich auch nicht in den Trog.
  7. Behälter ausspülen.

Wenn du Heu nach Gewicht fütterst, wieg es trocken ab, bevor es ins Wasser kommt. Gewässertes Heu ist schwerer, und die Menge in Trockensubstanz wäre sonst zu klein. Wie viel Heu dein Pferd braucht, steht im Beitrag zur Rationsberechnung.

Wenn dein Pferd das nasse Heu nicht frisst, hilft es manchmal, mit kurzen Zeiten anzufangen und sie langsam zu verlängern. Manche Pferde mögen es auch lieber, wenn es nach dem Abtropfen noch etwas antrocknet. Länger als eine Stunde würde ich es aber nicht liegen lassen.

Wann gehört die Tierärztin dazu?

Wenn dein Pferd hustet, Nasenausfluss hat, schneller atmet oder bei der Arbeit schlechter Luft bekommt, gehört zuerst die Tierärztin dazu. Dasselbe gilt bei Hufrehe, Verdacht auf EMS oder Cushing. Heu wässern oder bedampfen ist dann ein Teil der Fütterung, ersetzt aber keine Untersuchung.

Bei Pferden mit Hufrehe oder Stoffwechselproblemen ist Wässern oft Teil des Plans, gerade wenn kein zuckerarmes Heu zu bekommen ist. Wie die Fütterung dann insgesamt aussieht, steht im Beitrag über Hufrehe beim Pferd. Bei chronischem Husten oder Equinem Asthma ist staubarmes Raufutter einer der wichtigsten Punkte, den Rest klärt die Tierärztin.

Und noch ein Punkt: Wenn ein Pferd mit gewässertem Heu dauerhaft abnimmt, obwohl es das nicht soll, oder wenn es Durchfall oder Kotwasser bekommt, schau dir auch die Hygiene an. Zu lange gewässertes oder liegen gebliebenes Heu kann einer der Gründe sein. Und bei Gewichtsverlust daran denken, dass gewässertes Heu weniger Energie hat.

Häufige Fragen

Wie lange muss Heu gewässert werden?

Eine halbe bis eine Stunde reicht in der Regel. Schon nach 15 Minuten geht ein großer Teil der löslichen Nährstoffe raus. In kaltem Wasser dauert es länger als in Wasser mit Zimmertemperatur. Länger als ein paar Stunden würde ich Heu nicht wässern, weil sich im nassen Heu schnell Bakterien vermehren.

Wird Heu durch Wässern zuckerfrei?

Nein. Im Mittel geht ein Viertel bis knapp die Hälfte des Zuckers raus, bei manchen Heus deutlich weniger. In einer Studie lag die Spanne zwischen 6 und 54 Prozent. Ein sehr zuckerreiches Heu kann auch nach dem Wässern noch zu viel Zucker haben.

Ist bedampftes Heu zuckerärmer?

Nur wenig. Je nach Studie sank der Zucker beim Bedampfen um 3 bis 18 Prozent. Wenn die Ration zuckerarm sein soll, musst du wässern oder ein Heu mit wenig Zucker kaufen.

Kann ich Heu über Nacht einweichen?

Das würde ich nicht machen. Über viele Stunden nehmen die Bakterien im Heu stark zu, in einer Studie nach 9 Stunden fast um das Sechsfache. Wenn du morgens früh füttern musst, ist es besser, die Wässerzeit kürzer zu halten und das Heu gleich nach dem Abtropfen zu geben.

Muss ich bei gewässertem Heu mehr Mineralfutter geben?

Nicht automatisch mehr, aber genauer. Beim Wässern gehen Mineralstoffe wie Kalium, Natrium, Phosphor, Magnesium, Kupfer und Zink zum Teil verloren. Das Mineralfutter sollte deshalb zur Heuanalyse passen, und Salz gehört auf jeden Fall dazu.

Ist gewässertes Heu gut bei Husten?

Wässern bindet den Staub, solange das Heu nass ist, tötet aber keine Keime ab. Bei empfindlichen Atemwegen ist Bedampfen mit einem richtigen Gerät oder gute Heulage meistens die bessere Wahl. Welche Fütterung passt, besprichst du bei Husten zuerst mit der Tierärztin.

Kann ich Heucobs statt gewässertem Heu füttern?

Zum Teil. Eingeweichte Heucobs sind praktisch staubfrei, und es gibt Cobs mit wenig Zucker. Sie ersetzen Heu aber nur zum Teil, weil das lange Kauen fehlt. Worauf du achten solltest, steht im Beitrag über Heucobs.

Quellen

  • Blackman M, Moore-Colyer MJS (1998): Hay for horses: the effects of three different wetting treatments on dust and nutrient content. Animal Science 66, 745 bis 750.
  • Bochnia M, Pietsch C, Wensch-Dorendorf M, Greef JM, Zeyner A (2021): Effect of hay soaking duration on metabolizable energy, total and prececal digestible crude protein and amino acids, non-starch carbohydrates, macronutrients and trace elements. Journal of Equine Veterinary Science 101,
  • Glatter M, Bochnia M, Wensch-Dorendorf M, Greef JM, Zeyner A (2021): Feed intake parameters of horses fed soaked or steamed hay and hygienic quality of hay stored following treatment. Animals 11, 2729.
  • Longland AC, Barfoot C, Harris PA (2011): Effects of soaking on the water-soluble carbohydrate and crude protein content of hay. Veterinary Record 168, 618.
  • Longland AC, Barfoot C, Harris PA (2014): Effect of period, water temperature and agitation on loss of water-soluble carbohydrates and protein from grass hay: implications for equine feeding management. Veterinary Record 174, 68.
  • Martinson K, Jung H, Hathaway M, Sheaffer C (2012): The effect of soaking on carbohydrate removal and dry matter loss in orchardgrass and alfalfa hays. Journal of Equine Veterinary Science 32, 332 bis 338.
  • Moore-Colyer MJS, Lumbis K, Longland A, Harris P (2014): The effect of five different wetting treatments on the nutrient content and microbial concentration in hay for horses. PLoS ONE 9, e114079.
  • Moore-Colyer MJS, Taylor JLE, James R (2016): The effect of steaming and soaking on the respirable particle, bacteria, mould, and nutrient content in hay for horses. Journal of Equine Veterinary Science 39, 62 bis 68.
  • Olave CJ und Kollegen (2023): Journal of Veterinary Internal Medicine 37, 338 bis 348.

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