
Nach Antibiotika oder einer Wurmkur braucht die Darmflora deines Pferdes vor allem Ruhe: genug gutes Heu, kurze Fresspausen und keine neuen Futtermittel in den ersten zwei Wochen. Antibiotika verändern die Flora deutlich und für mehrere Wochen, eine Wurmkur meist nur kurz. Eine Kur mit lebenden Bakterien braucht es in beiden Fällen nicht.
Die Frage, was man nach der Wurmkur oder nach der Antibiose füttern soll, bekomme ich in der Beratung ständig. Meistens steht dahinter die Sorge, dass jetzt irgendwas im Darm kaputt ist und schnell repariert werden muss. Genau das führt dann dazu, dass am dritten Tag drei neue Produkte im Trog landen. In diesem Beitrag steht, was Studien beim Pferd tatsächlich gemessen haben, wie lange die Erholung dauert und wie du die Wochen danach so fütterst, dass die Flora sich in Ruhe wieder einpendeln kann. Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Das Heu macht die Arbeit, nicht die Dose.
Was machen Antibiotika mit der Darmflora des Pferdes?
Antibiotika wirken nicht nur auf die Keime, gegen die sie eingesetzt werden, sondern auch auf die Bakterien im Dickdarm. In einer Studie mit 24 Stuten veränderten alle drei untersuchten Wirkstoffe die Zusammensetzung der Kotflora. Am stärksten war der Effekt beim Antibiotikum, das über das Maul gegeben wurde.
Die Forschenden der Universität Guelph haben die Stuten fünf Tage lang mit Penicillin, Ceftiofur oder Trimethoprim-Sulfadiazin behandelt und eine Gruppe ohne Medikament daneben gestellt. Kotproben gab es vor der Behandlung, am Ende der fünf Tage und danach noch zweimal bis Tag 30. Trimethoprim-Sulfadiazin, das als Pulver oder Paste ins Maul kommt, senkte die Vielfalt der Bakterien am deutlichsten.
Für dich heißt das: Ein Antibiotikum ist für den Darm deines Pferdes kein kleiner Eingriff. Das ist aber kein Grund, eine nötige Behandlung abzulehnen. Eine bakterielle Infektion ohne Antibiotikum ist für dein Pferd das größere Problem. Es ist ein Grund, die Fütterung während und nach der Behandlung bewusst ruhig zu halten.
Wie lange braucht die Darmflora nach Antibiotika?
Rechne nach einer Antibiose mit vier bis sechs Wochen, bis sich die Flora weitgehend erholt hat. In der Studie mit den 24 Stuten war das Bakterienbild 25 Tage nach Behandlungsende dem Ausgangszustand wieder ähnlicher, aber noch nicht gleich. Einzelne Bakteriengruppen fehlten weiterhin oder waren neu dazu gekommen.
Das ist ein wichtiger Punkt, weil viele Pferde nach einer Woche wieder völlig normal wirken. Der Kot ist geformt, das Pferd frisst, alles scheint gut. Im Darm ist die Umstellung zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht abgeschlossen. Wer jetzt anfängt, das Futter umzustellen, ein neues Mineralfutter einzuführen oder auf die Wiese zu wechseln, verlangt von einer Flora, die sich gerade sortiert, die nächste Anpassung.
Wie lange es bei deinem Pferd dauert, hängt vom Wirkstoff ab, von der Dauer der Behandlung und davon, wie stabil die Fütterung vorher war. Ein Pferd mit viel Heu, wenig Zucker und Stärke und festen Fresszeiten hat eine robustere Ausgangslage als eins, bei dem schon vorher Kotwasser oder weicher Kot ein Thema war.
Was macht eine Wurmkur mit der Darmflora?
Eine Wurmkur verändert die Darmflora beim Pferd meist nur kurz. In einer irischen Studie sank die Vielfalt der Bakterien eine Woche nach der Wurmkur und war nach zwei Wochen wieder auf dem Ausgangsniveau. Die Forschenden führen das vor allem auf das Absterben der Würmer im Darm zurück.
Untersucht wurden Pferde mit kleinen Strongyliden, die entweder Fenbendazol oder Moxidectin bekamen. Wenn viele Würmer auf einmal absterben, reagiert die Darmschleimhaut darauf, und die Bakteriengemeinschaft verschiebt sich für ein paar Tage. Bei einem Pferd mit wenig Wurmbefall ist dieser Effekt entsprechend kleiner.
Daraus ergibt sich etwas, das mit Fütterung gar nichts zu tun hat: Eine Wurmkur, die nur gegeben wird, wenn eine Kotprobe das auch begründet, belastet den Darm seltener. Wie das geht und warum die Kotprobe vor der Wurmkur kommt, steht im Beitrag über selektive Entwurmung.
Ist weicher Kot nach der Wurmkur normal?
Etwas weicherer Kot für ein bis drei Tage nach der Wurmkur ist häufig und legt sich meist von selbst. Hält Durchfall länger als zwei bis drei Tage an, frisst dein Pferd schlecht, hat es Fieber oder zeigt es Kolikanzeichen, gehört es zum Tierarzt. Das gilt nach einer Antibiose noch mehr.
Nach Antibiotika ist Durchfall ernster zu nehmen als nach einer Wurmkur. Wenn die gewohnte Flora geschwächt ist, können sich krankmachende Keime leichter ausbreiten. Ein Pferd verliert bei Durchfall schnell viel Flüssigkeit und Elektrolyte, und das kann innerhalb von Stunden gefährlich werden. Warte in dem Fall nicht ab und probier kein Hausmittel aus, sondern ruf an.
Was dir bei der Einschätzung hilft, ist ein klarer Blick auf den Kot. Wer jeden Tag kurz notiert, wie die Äppel aussehen, erkennt eine Veränderung am zweiten Tag und nicht erst, wenn das Pferd schon Wasser verliert. Genau dafür habe ich die Äppel-Skala gebaut.
Wie fütterst du dein Pferd nach Antibiotika oder Wurmkur?
Füttere in den ersten zwei Wochen genau so weiter wie vorher, nur mit genug Heu und ohne lange Fresspausen. Kein neues Futter, kein neues Mineralfutter, kein Wechsel auf die Weide. Ergänzungen kommen frühestens danach dazu, und zwar einzeln, nicht alle auf einmal.
Rohfaser ist das Futter der Darmflora. Die Bakterien im Dickdarm leben von dem, was im Dünndarm nicht verdaut wurde, und das ist beim Pferd vor allem die Faser aus dem Heu. Als Untergrenze gelten 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht, für ein 550-Kilo-Pferd also rund neun bis zehn Kilo Heu am Tag.
Ich gehe nach einer Antibiose oder Wurmkur in drei Schritten vor:
| Zeitraum | Was du machst | Was du lässt |
|---|---|---|
| Tag 1 bis 14 | gleiches Heu, gleiche Menge, Fresspausen unter vier Stunden, frisches Wasser, Salz | neue Futtermittel, Mineralfutterwechsel, Getreide, Weide neu anfangen |
| Woche 3 bis 4 | eine Ergänzung einschleichen, wenn du eine geben möchtest, und den Kot beobachten | zwei Dinge gleichzeitig starten |
| ab Woche 5 | geplante Futterumstellungen nachholen, jede einzeln über zehn bis vierzehn Tage | alles nachholen, was in den Wochen davor liegen geblieben ist |
Wenn dein Pferd während der Antibiose Kraftfutter bekommt, nimm Getreide in dieser Zeit lieber raus. Stärke, die im Dünndarm nicht vollständig verdaut wird, landet im Dickdarm und verschiebt dort das Gleichgewicht zusätzlich. Eingeweichte Heucobs sind als Träger für Medikamente oder Mineralfutter die ruhigere Wahl, mehr dazu im Beitrag über Heucobs.
Braucht dein Pferd nach Antibiotika Probiotika?
Nein, lebende Bakterien braucht dein Pferd nach Antibiotika nicht. Zugeführte Stämme siedeln sich im Pferdedarm nicht dauerhaft an, ihre Wirkung endet mit der Gabe. Und eine Übersichtsarbeit zu Probiotika beim Pferd fand keine belastbaren Belege, dass sie Durchfall nach Antibiotika verhindern.
Ich empfehle deshalb keine Probiotika mit lebenden Keimen, auch keine Lebendhefe. Mein Weg ist ein anderer: die Bakterien füttern, die schon da sind. Die Flora deines Pferdes ist eine gewachsene, sehr individuelle Gemeinschaft. Sie baut sich aus den Resten wieder auf, die die Antibiose übrig gelassen hat, und dafür braucht sie Rohfaser und Zeit, keine fremden Keime aus der Dose.
Warum das so ist und was in den typischen Kuren steckt, steht ausführlich im Beitrag über Darmsanierung beim Pferd.
Welche Ergänzungen setze ich nach der Antibiose ein?
Ab der dritten Woche setze ich manchmal begleitend Butyrat ein oder kurweise ein Kraut wie Oregano. Das ist eine Ergänzung zur Fütterung, kein Ersatz. Eine Wirkung dieser Produkte ist beim Pferd nicht belegt, und keins davon ist nötig, wenn Heu und Fresspausen stimmen.
Butyrat ist ein Stoffwechselprodukt der Darmflora selbst, also keine Bakterienkultur. Die Bakterien im Dickdarm bilden es aus Faser, und die Zellen der Darmschleimhaut nutzen es als Energiequelle. Ich nehme dafür BiomeSupport, in dem das Butyrat als Tributyrin steckt.
Oregano gebe ich mit 10 bis 20 g am Tag für höchstens drei Wochen, danach kommt eine Pause. Wer möchte, wechselt danach auf einjährigen Beifuß (Artemisia annua) in derselben Menge, ebenfalls nur kurweise. Als Pellets lassen sich beide gut abmessen.
Bekommt dein Pferd noch Medikamente, sprich jede Ergänzung vorher mit deiner Tierärztin ab. Und auch hier gilt: eins nach dem anderen. Wer Butyrat, Oregano und Flohsamen in derselben Woche startet, weiß hinterher nicht, was dem Pferd gutgetan hat und was nicht.
Woran erkennst du, dass sich die Darmflora erholt?
Das zuverlässigste Zeichen ist ein gleichmäßiger Kot über mehrere Wochen: geformte Äppel, kein freies Wasser, keine wechselnde Konsistenz von Tag zu Tag. Dazu ein Pferd, das gut frisst, ruhig im Bauch ist und kein Gewicht verliert.
Schreib dir in den vier Wochen nach der Behandlung jeden Tag drei Dinge auf: die Heumenge, die längste Fresspause und wie der Kot aussieht. Das dauert eine Minute und bringt dir mehr als jedes Gefühl. Wenn die Notizen nach zwei Wochen stabil sind, kannst du mit der nächsten Änderung anfangen. Wenn sie schwanken, wartest du noch.
Kommt nach einer Antibiose Kotwasser auf, das vorher nicht da war, hat es oft mit genau dieser Umstellung zu tun. Was dann sinnvoll ist und was nicht, steht im Beitrag über Kotwasser beim Pferd.
Häufige Fragen
Wie lange nach der Wurmkur sollte ich nichts am Futter ändern?
Zwei Wochen sind ein guter Richtwert. In dieser Zeit pendelt sich die Flora nach der Wurmkur in der Regel wieder ein. Änderst du vorher etwas, kannst du eine Reaktion nicht mehr sicher der Wurmkur oder dem neuen Futter zuordnen.
Darf mein Pferd während der Antibiose auf die Weide?
Wenn es die Weide gewohnt ist und täglich in gleicher Menge dort steht, spricht nichts dagegen. Neu anweiden würde ich während und in den vier Wochen nach einer Antibiose nicht. Gras ist ein Futterwechsel, und den soll der Darm in dieser Zeit nicht zusätzlich verkraften.
Soll ich das Antibiotikum ins Futter mischen?
Das entscheidet deine Tierärztin, je nach Wirkstoff und Darreichung. Wenn es ins Futter darf, misch es in eine kleine Portion eingeweichter Heucobs, damit das Pferd alles aufnimmt. Getreide oder Müsli als Lockmittel lässt du in dieser Zeit lieber weg.
Braucht mein Pferd nach der Wurmkur eine Darmkur?
Nein. Eine Wurmkur verändert die Flora meist nur für ein bis zwei Wochen, und die meisten Pferde kommen ohne jede Ergänzung gut damit zurecht. Wichtiger als jede Kur ist, dass die Fütterung in dieser Zeit gleich bleibt und genug Heu da ist.
Hilft Flohsamen nach Antibiotika?
Flohsamenschalen liefern lösliche Faser, die die Darmflora verwerten kann. Ich setze sie bei Kotwasser ein, nach einer Antibiose aber nur, wenn der Kot tatsächlich auffällig ist, und frühestens ab der dritten Woche. Für jedes Pferd nach Antibiotika braucht es sie nicht.
Wann sollte ich nach Antibiotika zum Tierarzt?
Sofort, wenn dein Pferd Durchfall bekommt, Fieber hat, schlecht frisst, matt wirkt oder Kolikanzeichen zeigt. Ein Pferd kann bei Durchfall innerhalb weniger Stunden viel Flüssigkeit verlieren. Ruf lieber einmal zu früh an als zu spät.
Quellen
- Costa MC, Stämpfli HR, Arroyo LG, Allen-Vercoe E, Gomes RG, Weese JS (2015): Changes in the equine fecal microbiota associated with the use of systemic antimicrobial drugs. BMC Veterinary Research 11, 19.
- Walshe N, Duggan V, Cabrera-Rubio R, Crispie F, Cotter P, Feehan O, Mulcahy G (2019): Removal of adult cyathostomins alters faecal microbiota and promotes an inflammatory phenotype in horses. International Journal for Parasitology 49, 489 bis 500.
- Schoster A, Weese JS, Guardabassi L (2014): Probiotic use in horses, what is the evidence for their clinical efficacy? Journal of Veterinary Internal Medicine 28, 1640 bis 1652.


