Kurse ansehenShopAusbildungBlogÜber michEmpfehlungenKontaktZum Mitgliederbereich
Magen und Darm·15 Min. Lesezeit·16.10.2026

Verdauung beim Pferd: vom Maul bis zum Äppel erklärt

Wie die Verdauung beim Pferd funktioniert, mit allen Zahlen: Magen, Dünndarm, Blinddarm, Passagezeiten, und was daraus für die Fütterung folgt.

Grafik zum Weg des Futters durch ein Pferd mit 500 kg: Maul, Magen, Dünndarm, Blinddarm und Grimmdarm mit Zeiten und Größen. Insgesamt dauert die Verdauung 30 bis 50 Stunden, davon rund 85 Prozent im Dickdarm.
Grafik zum Weg des Futters durch ein Pferd mit 500 kg: Maul, Magen, Dünndarm, Blinddarm und Grimmdarm mit Zeiten und Größen. Insgesamt dauert die Verdauung 30 bis 50 Stunden, davon rund 85 Prozent im Dickdarm.

Die Verdauung beim Pferd dauert 30 bis 50 Stunden. Im Maul wird das Futter zerkaut und eingespeichelt, im Magen mit Säure versetzt, im Dünndarm werden Zucker, Stärke, Eiweiß und Fett mit Enzymen zerlegt. Die Fasern aus Heu und Gras landen im Blinddarm und Grimmdarm, wo Bakterien sie vergären. Dort verbringt das Futter rund 85 Prozent der Zeit, und dort gewinnt das Pferd einen großen Teil seiner Energie.

Wer versteht, wie dieser Weg aufgebaut ist, versteht auch fast jede Fütterungsregel. Warum Heu zuerst kommt, warum Hafer nur in kleinen Portionen geht, warum lange Fresspausen dem Magen schaden und warum ein Futterwechsel Zeit braucht. In diesem Beitrag gehe ich den Weg einmal vom Maul bis zum Äppel durch, mit den Zahlen aus dem Standardwerk der Pferdefütterung von Coenen und Vervuert, und sage bei jedem Abschnitt, was das für dein Pferd im Alltag heißt.

Wie funktioniert die Verdauung beim Pferd?

In zwei Teilen. Vorne, in Magen und Dünndarm, verdaut das Pferd mit eigenen Enzymen, so wie wir. Hinten, in Blinddarm und Grimmdarm, arbeiten Bakterien und zerlegen die Fasern, die das Pferd selbst nicht verdauen kann. Der Dickdarm ist also eine große Gärkammer am Ende des Darms. Beim Rind liegt diese Gärkammer vorne, im Pansen.

Genau dieser Aufbau macht das Pferd so besonders. Was im Dünndarm nicht verdaut wird, rutscht unweigerlich in den Dickdarm und wird dort von den Bakterien verarbeitet, ob das passt oder nicht. Bei Fasern ist das gewollt. Bei zu viel Stärke auf einmal bekommen die falschen Bakterien Futter, und das merkt man dann am Darm.

So sieht der Weg bei einem Pferd mit 500 kg aus, das Heu frisst:

Abschnitt Größe Wie lange das Futter dort bleibt
Maul 25 bis 50 min Kauen je kg Heu Minuten
Magen 15 bis 20 l 1 bis 5 Stunden
Dünndarm 16 bis 24 m lang etwa 1,5 Stunden
Blinddarm rund 1 m, etwa 17 kg Inhalt 15 bis 20 Stunden
Grimmdarm 6 bis 8 m, etwa 60 kg Inhalt 18 bis 24 Stunden
Mastdarm 20 bis 30 cm 1 bis 2 Stunden

Quelle: Coenen und Vervuert, Pferdefütterung, 6. Auflage 2020, Tabelle 3.1.

Insgesamt hat ein Pferd je nach Futter 10 bis 20 Prozent seines Körpergewichts als Inhalt im Verdauungstrakt, im Mittel 15 Prozent. Bei einem Pferd mit 500 kg sind das um die 75 kg.

Warum ist das Kauen beim Pferd so wichtig?

Weil beim Kauen der Speichel entsteht, der die Magensäure abpuffert. Pferde bilden Speichel vor allem dann, wenn sie kauen. Für 1 kg Heu kaut ein Großpferd 25 bis 50 Minuten und bildet dabei 3 bis 5 Liter Speichel. Für 1 kg Hafer oder Pellets sind es nur etwa 10 bis 20 Minuten und 1 bis 1,5 Liter.

Speichel enthält beim Pferd keine Verdauungsenzyme. Er macht das Futter schluckfähig und weicht es ein, und er bringt Bikarbonat mit, das die Säure im vorderen Magen abpuffert. Über den Tag können bis zu 6 Liter je 100 kg Körpergewicht zusammenkommen, bei 500 kg also rund 30 Liter. Das klappt aber nur, wenn das Pferd lange genug kaut.

Wie lange ein Pferd für ein Kilo braucht, hängt stark am Futter:

Futter Minuten je kg (Großpferd)
Stroh 40 bis 60
Heu, lang 25 bis 50
Trockenschnitzel 20 bis 30
Pellets 15 bis 25
Hafer, ganz oder gequetscht 10 bis 20

Ponys brauchen deutlich länger, für Heu um die 80 Minuten je Kilo.

Gekaut wird übrigens immer nur auf einer Seite, mit 60 bis 80 Kieferschlägen pro Minute, und die Seite wechselt zwischendurch. Raufutter wird dabei auf Stückchen von 1 bis 4 mm zerkleinert. Das ist wichtig, weil sich die Größe der Partikel danach bis zum Ende des Dünndarms kaum noch ändert. Was das Pferd nicht ordentlich zerkaut, kommt so auch im Dickdarm an. Deshalb gehören Zähne regelmäßig kontrolliert, gerade bei älteren Pferden.

Was passiert im Magen des Pferdes?

Der Pferdemagen ist mit 15 bis 20 Litern klein und auf ständiges Fressen in kleinen Mengen eingestellt. Er hat zwei Bereiche. Vorne liegt eine drüsenlose Schleimhaut, dort vergären Bakterien Zucker und Stärke. Hinten bildet die Drüsenschleimhaut Salzsäure und Pepsin, das Eiweiß spaltet. Etwa die Hälfte des Futters hat den Magen nach rund zwei Stunden schon wieder verlassen.

Der Magen füllt sich schichtweise, und die Entleerung beginnt schon während des Fressens. Gut eingespeicheltes Raufutter geht schneller weiter als Kraftfutter. Nach einer großen Portion Kraftfutter ist der Magen deshalb eine Zeit lang deutlich voller als nach derselben Menge Heu.

Im vorderen Teil liegt der pH-Wert über 5, dort arbeiten noch viele Bakterien. Nach Heu sinkt er zum Magenausgang hin auf unter 3. Nach reinem Kraftfutter wird er dort gar nicht so sauer, weil der Brei trockener und fester ist und die Säure schlecht durchkommt. Dann gären die Bakterien länger weiter, es entstehen Gase und Milchsäure. Laut Coenen und Vervuert scheinen genau diese Gärsäuren im vorderen Magen die Entstehung von Magengeschwüren zu begünstigen.

Magensaft wird auch zwischen den Mahlzeiten gebildet, nur weniger. Fehlt dann das Futter und damit der Speichel, trifft die Säure auf die empfindliche drüsenlose Schleimhaut oben im Magen. Deshalb sind lange Fresspausen für den Magen so ungünstig. Von sich aus unterbrechen Pferde das Fressen nicht länger als etwa vier Stunden. Eine Münchner Arbeitsgruppe (Baumgartner und Kollegen, 2020) hat gezeigt, wie oft das im Alltag nicht klappt: Drei Viertel der Pferde auf Späneeinstreu hatten nachts eine Fresspause von über vier Stunden, im Schnitt fast neun.

Auch Stress spielt hier rein. Über das Nervensystem kann Stress Bewegung und Saftbildung im Magen und Darm bremsen. Wer direkt nach dem Fressen hart arbeiten muss, verdaut schlechter.

Warum kann ein Pferd nicht erbrechen?

Weil die Speiseröhre schräg in den Magen mündet und ein kräftiger Schließmuskel sie bei vollem Magen dicht hält. Erbrechen ist dadurch nahezu unmöglich. Was einmal im Magen ist, muss nach hinten raus. Deshalb ist eine Magenüberladung beim Pferd gefährlich und kann im schlimmsten Fall bis zum Magenriss gehen.

Laut Coenen und Vervuert wird es schmerzhaft, wenn der Magen mit 35 bis 40 g je kg Körpergewicht gefüllt ist, bei einem Pferd mit 500 kg also mit 17 bis 20 kg Inhalt. Ab 45 bis 50 g je kg droht ein Riss der Magenwand. Mit Heu kommt man da praktisch nicht hin, weil das Pferd langsam frisst und der Magen laufend weitergibt.

Gefährlich sind Futter, die schnell gefressen werden oder im Magen aufquellen:

  • große Mengen Kraftfutter auf einmal, zum Beispiel wenn ein Pferd an die Futtertonne kommt
  • trockene Rübenschnitzel, die erst im Magen Wasser ziehen
  • stark kleisternde Futter wie Weizen- oder Roggenschrot
  • sehr viel Wasser während einer Kraftfuttermahlzeit, das den Magen in den Dünndarm spült

Einweichen, kleine Portionen und das Kraftfutter nach dem Heu sind hier die einfachsten Schutzmaßnahmen.

Was passiert im Dünndarm des Pferdes?

Im Dünndarm werden Zucker, Stärke, Eiweiß und Fett mit körpereigenen Enzymen zerlegt und ins Blut aufgenommen. Er ist rund 20 Meter lang, und das Futter läuft mit etwa 20 Zentimetern pro Minute durch, also in rund anderthalb Stunden. Das ist der schnellste Abschnitt der ganzen Verdauung.

Ein paar Besonderheiten beim Pferd:

  • Keine Gallenblase. Die Galle fließt ständig in den Darm, ohne Vorrat. Fett kann das Pferd trotzdem gut verdauen, die Fettverdauung ist laut Coenen und Vervuert auch bei größeren Mengen nicht der Engpass.
  • Wenig Amylase. Das Enzym, das Stärke spaltet, kommt beim Pferd nur in geringer Menge vor, im Dünndarmbrei etwa 10 bis 40 Einheiten je Gramm. Beim Schwein sind es 400 bis 600.
  • Eiweiß aus dem Heu wird zum großen Teil schon hier aufgenommen. Was das Pferd beim Kauen aus frischem Gras herausquetscht, kann es hier direkt nutzen.
  • Fruktane aus dem Gras kann das Pferd mit eigenen Enzymen nicht spalten. Bakterien fangen schon im Dünndarm an, sie zu vergären, der Rest geht in den Dickdarm.

Am Ende des Dünndarms sammelt sich der Brei und wird drei- bis sechsmal pro Stunde in Schüben von 200 bis 1.500 ml in den Blinddarm gedrückt. Genau dieser Übergang ist eine der Stellen, an denen sich schlecht zerkautes Futter festsetzen kann.

Wie viel Stärke verträgt ein Pferd auf einmal?

Höchstens 1 g Stärke je kg Körpergewicht und Mahlzeit, so die Empfehlung von Coenen und Vervuert. Bei einem Pferd mit 500 kg sind das 500 g Stärke. Hafer hat um die 40 Prozent Stärke, das entspricht also gut 1,2 kg Hafer. Bis zu dieser Menge wird die Stärke zum größten Teil im Dünndarm verdaut, und in den Blinddarm fließt nur wenig weiter.

Wie gut das klappt, hängt stark am Getreide. Haferstärke wird im Dünndarm zu über 80 Prozent verdaut, auch ganz oder gequetscht. Bei ganzem Mais sind es in den Versuchen nur rund 30 Prozent, bei Gerste je nach Bearbeitung 20 bis 75 Prozent. Erst Hitze, also Flocken, Poppen oder Mikronisieren, macht Mais und Gerste ähnlich gut verdaulich wie Hafer. Mehr zu den Haferformen steht im Beitrag über gequetschten Hafer.

Was im Dünndarm nicht verdaut wird, landet im Blinddarm. Dort freuen sich die Milchsäurebildner, der pH-Wert sinkt, und die Faserverdauer haben es schwerer. Laut Coenen und Vervuert gelangen bei mehr als 1,5 g Stärke je kg und Mahlzeit wahrscheinlich über 0,6 g je kg in den Dickdarm, bei höchstens 1 g sind es unter 0,3 g.

Und die Reihenfolge zählt. In einer dänischen Studie mit vier Pferden (Jensen und Kollegen, 2025) leerte sich der Magen langsamer, wenn erst Heu und dann Hafer kam. Im Blinddarm fiel der pH-Wert dann deutlich später ab, nach rund 280 statt 170 Minuten. Die Studie ist klein, passt aber genau zur alten Stallregel: erst Heu, dann Kraftfutter.

Was passiert im Blinddarm und Dickdarm?

Hier vergären Bakterien die Fasern aus Heu und Gras, also Zellulose, Hemizellulosen und Pektine. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Essig-, Propion- und Buttersäure, die über die Darmwand ins Blut gehen und das Pferd mit Energie versorgen. Der Blinddarm fasst bei 500 kg rund 17 kg Inhalt, der Grimmdarm rund 60 kg.

Die Keimdichte im Dickdarm ist ähnlich hoch wie im Pansen der Kuh. Die Bakterien bilden außerdem B-Vitamine und Eiweiß. Wie viel davon das Pferd selbst nutzen kann, ist laut Coenen und Vervuert nicht bekannt. Die Erfahrung zeigt aber, dass ein Pferd mit ungestörter Dickdarmverdauung in der Regel keinen B-Vitamin-Mangel bekommt.

Der Blinddarm liegt mit seinem Kopf in der rechten Flanke, der Körper zieht bis nach vorne zum Brustbein. Danach kommt der große Grimmdarm, der zweimal durch den Bauch läuft und am Becken eine enge Kurve macht, die Beckenflexur. Im kleinen Grimmdarm wird dem Brei Wasser entzogen, und die Aussackungen dort formen die typischen Äppel.

Wichtig zu wissen: Die Bakterien im Dickdarm sind auf einen gleichmäßigen Nachschub eingestellt. Ändert sich das Futter plötzlich, ändert sich auch, wer dort gut wächst. Deshalb braucht jeder Futterwechsel Zeit, vor allem beim Heu und beim Anweiden. Wie du die Darmflora über das Futter unterstützt, steht ausführlich im Beitrag über Darmprobleme beim Pferd.

Wo bleibt das Futter im Darm am ehesten stecken?

An den Engstellen: am Ende des Dünndarms, am Übergang vom Blinddarm in den Grimmdarm und an der Beckenflexur. Dort setzen sich vor allem schlecht zerkautes Raufutter, sehr kurz gehäckseltes Futter unter 2 cm und sehr feinfaseriges, junges Material fest. Auch Sand bremst die Bewegung des Darms.

Die Bewegungen des Blinddarms reichen nicht aus, um ein echtes Hindernis zu überwinden. Deshalb sind diese Stellen für Verstopfungskoliken so typisch. Was du im Alltag dagegen tun kannst:

  • Zähne kontrollieren lassen, damit das Futter fein genug zerkaut wird.
  • Häcksel nicht zu kurz, unter 2 cm wird es oft nur schlecht gekaut und am Stück geschluckt.
  • Stroh nicht als einziges Raufutter und nie plötzlich in großen Mengen. Stroh bindet wenig Wasser und trennt sich im Blinddarm leicht vom Rest.
  • Genug Wasser, gerade im Winter, wenn das Wasser kalt ist und weniger getrunken wird.
  • Kein Sand im Futter, also nicht vom Boden füttern auf sandigen Paddocks. Wie du Sand im Darm erkennst, steht im Beitrag über Sand im Darm.

Welche Rolle spielt Wasser bei der Verdauung?

Eine riesige. Pferde geben jeden Tag rund 30 kg Verdauungssäfte je 100 kg Körpergewicht in den Darm ab, bei 500 kg also um die 150 Liter. Speichel, Magensaft, Saft der Bauchspeicheldrüse, Galle und Darmsaft. Der Großteil davon wird im Dickdarm wieder aufgenommen. Läuft das nicht rund, wird der Kot schnell zu weich.

Wie viel Wasser im Darm steckt, hängt stark am Futter. Junges Gras und früh geschnittenes Heu binden viel Wasser im Darminhalt, daher kommt der typische „Grasbauch“. Beim „Strohbauch“ füllen dagegen viele unverdauliche Fasern aus überständigem Heu oder Stroh den Darm. Was hinter einem dauerhaft runden Bauch steckt, habe ich im Beitrag über den Heubauch auseinandergenommen.

Heißt für uns: Wasser muss immer frei verfügbar sein. Wer bei Kotwasser oder weichem Kot sucht, schaut neben Heu und Kraftfutter auch auf Stress, Rangordnung und Futterwechsel. Mehr dazu im Beitrag über Kotwasser.

Was heißt das für die Fütterung meines Pferdes?

Viel Raufutter, kurze Fresspausen, wenig Stärke pro Mahlzeit, Heu vor dem Kraftfutter und jeden Futterwechsel langsam. Coenen und Vervuert nennen als Untergrenze 1,5 kg Trockenmasse Raufutter je 100 kg Körpergewicht und Tag. Bei einem Pferd im Erhaltungsbedarf soll die Energie sogar ganz aus Raufutter kommen.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Raufutter als Basis: mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg, das sind bei 500 kg rund 8,5 kg Heu.
  • Kurze Fresspausen, vor allem nachts. Heunetze, mehrere Raufen oder Zeitraufen helfen, das Heu über den Tag zu verteilen.
  • Erst Heu, dann Kraftfutter.
  • Höchstens 1 g Stärke je kg Körpergewicht und Mahlzeit, besser weniger. Lieber mehrere kleine Mahlzeiten als eine große.
  • Futterwechsel über zwei bis drei Wochen, beim Heu genauso wie beim Kraftfutter. Wie das beim Umzug klappt, steht im Beitrag über den Stallwechsel.
  • Keine harte Arbeit direkt nach dem Fressen.
  • Wasser immer frei.

Und zwei Dinge, die ich in diesem Zusammenhang oft lese, möchte ich einordnen. Dass gute Heulage den Darm übersäuert, ist nicht belegt. In einer Studie mit Pferden, bei denen direkt im Dickdarm gemessen wurde (Muhonen und Kollegen, 2009), blieb der pH-Wert dort nach dem Wechsel auf Heulage unverändert. Mehr dazu im Beitrag über Heulage. Und Eicheln oder Eichenrinde wegen der Gerbstoffe für den Darm würde ich nie geben. Eicheln sind für Pferde giftig, gerade wegen dieser Gerbstoffe. In einer französischen Klinik haben von 25 Pferden mit Eichelvergiftung nur 11 überlebt (Hermange und Kollegen, 2024).

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Verdauung beim Pferd?

Insgesamt 30 bis 50 Stunden, für typische Rationen setzen Coenen und Vervuert rund 30 Stunden an. Davon entfallen etwa 85 Prozent auf den Dickdarm. Durch den Dünndarm läuft das Futter in rund anderthalb Stunden, im Blinddarm bleibt es 15 bis 20 Stunden, im Grimmdarm 18 bis 24 Stunden. Heu geht insgesamt schneller durch als eine Ration mit viel Kraftfutter.

Wie groß ist der Magen eines Pferdes?

Bei einem mittelgroßen Pferd fasst der Magen 15 bis 20 Liter. Das ist im Verhältnis zum ganzen Tier klein, beim Rind fassen allein die Vormägen ein Vielfaches. Der Pferdemagen ist auf ständiges Fressen in kleinen Mengen ausgelegt und kein Speicher. Große Kraftfutterportionen auf einmal überfordern ihn schnell.

Wie lang ist der Darm eines Pferdes?

Der Dünndarm ist 16 bis 24 Meter lang, im Mittel rund 20 Meter. Dazu kommen der Blinddarm mit etwa einem Meter, der Grimmdarm mit 6 bis 8 Metern und der Mastdarm mit 20 bis 30 Zentimetern. Zusammen sind das im Mittel knapp 30 Meter. Der Dickdarm ist zwar kürzer als der Dünndarm, fasst aber ein Vielfaches an Inhalt.

Warum soll ich erst Heu und dann Kraftfutter geben?

Weil Heu viel Speichel in den Magen bringt und der Magen sich danach langsamer leert. Das Kraftfutter kommt dann gleichmäßiger im Dünndarm an, und weniger Stärke rutscht in den Blinddarm. In einer kleinen Studie mit vier Pferden fiel der pH-Wert im Blinddarm bei Heu zuerst deutlich später ab als bei Hafer zuerst.

Können Pferde Fett verdauen, obwohl sie keine Gallenblase haben?

Ja. Die Galle fließt beim Pferd ständig in den Darm, und die Bauchspeicheldrüse bildet reichlich Lipase, das Enzym, das Fett spaltet. Laut Coenen und Vervuert ist die Fettverdauung auch bei größeren Mengen nicht der Engpass. Ob und wie viel Fett sinnvoll ist, ist eine andere Frage und hängt an der ganzen Ration.

Was ist der Unterschied zwischen der Verdauung von Pferd und Kuh?

Beide verdauen Fasern mit Hilfe von Bakterien. Bei der Kuh sitzt die Gärkammer vorne, im Pansen, danach kommt der Dünndarm. Beim Pferd ist es umgekehrt: erst Magen und Dünndarm, dann die Gärkammer im Dickdarm. Deshalb muss beim Pferd möglichst viel Stärke schon im Dünndarm verdaut werden, sonst landet sie bei den Bakterien im Dickdarm.

Quellen

  • Coenen M, Vervuert I (Hrsg.) (2020): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme, Stuttgart. Kapitel 3.1 und 3.2, Tabellen 3.1, 3.3 bis 3.6 und 3.10.
  • Jensen RB, Walslag IH, Marcussen C, Thorringer NW, Junghans P, Nyquist NF (2025): The effect of feeding order of forage and oats on metabolic and digestive responses related to gastric emptying in horses. Journal of Animal Science 103, skae368.
  • Muhonen S, Julliand V, Lindberg JE, Bertilsson J, Jansson A (2009): Effects on the equine colon ecosystem of grass silage and haylage diets after an abrupt change from hay. Journal of Animal Science 87, 2291 bis 2298.
  • Hermange T, Ruault B, Couroucé A (2024): Retrospective study of 25 cases of acorn intoxication colitis in horses between 2011 and 2018 and factors associated with non-survival. Animals 14, 599.
  • Baumgartner M u. a. (2020): Common feeding practices pose a risk to the welfare of horses when kept on non-edible bedding. Animals 10, 411.
  • Zeyner A et al. (2011), Brøkner C et al. (2012), Kienzle E et al. (1997), zitiert nach Coenen und Vervuert.

Weiterlesen