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Magen und Darm·10 Min. Lesezeit·13.08.2025

Pferd zeigt Symptome ohne Befund: so klärst du ab

Kotwasser, Husten, stumpfes Fell, kein Befund. In welcher Reihenfolge du abklärst, wer wofür zuständig ist und wann der Darm die gemeinsame Spur ist.

Die Backenzähne eines Pferdes werden kontrolliert. Die Zähne stehen in der Abklärung an erster Stelle.
Die Backenzähne eines Pferdes werden kontrolliert. Die Zähne stehen in der Abklärung an erster Stelle.

Blähbauch. Kotwasser. Schlechte Futterverwertung. Hautprobleme. Immer wieder Husten. Und beim Tierarzt heißt es: nichts Auffälliges.

Das ist die Situation, in der die meisten anfangen, Produkte durchzuprobieren. Und genau das ist der teuerste Weg, weil man dabei nie erfährt, was eigentlich los ist.

Es gibt einen besseren: der Reihe nach abklären, von billig nach teuer und von häufig nach selten.

In welcher Reihenfolge kläre ich unklare Symptome ab?

Ich gehe der Reihe nach vor, von billig nach teuer und von häufig nach selten. Zuerst kommen die Zähne und eine Kotprobe auf Würmer und Sand, dann die gewogene Ration und die Haltung. Erst danach folgen ein Blutbild mit Leberwerten und Eiweiß und zuletzt weiterführende Diagnostik in der Klinik.

Schritt Was geprüft wird Wer macht das Was es kostet
1 Zähne Pferdezahnarzt oder Tierarzt überschaubar, steht jährlich ohnehin an
2 Kotprobe auf Würmer und Sand Tierarzt wenig
3 Die Ration, gewogen und durchgerechnet du selbst oder Beratung nichts außer einer Waage
4 Haltung: Fresspausen, Wasser, Bewegung, Herde du selbst nichts
5 Blutbild mit Leberwerten und Eiweiß Tierarzt mittel
6 Weiterführende Diagnostik, etwa Magenspiegelung Klinik hoch

Die ersten vier Schritte kosten fast nichts und erklären in meiner Erfahrung den größten Teil der Fälle. Wer bei Schritt sechs anfängt, zahlt viel für eine Antwort auf eine Frage, die er sich noch gar nicht richtig gestellt hat.

Warum können so verschiedene Symptome zusammenhängen?

Kotwasser, Hautprobleme und Husten wirken erst einmal, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Es gibt aber drei Stellen, an denen sie sich treffen können: den Darm mit einem großen Teil der Immunabwehr, Leber und Nieren, die Stoffwechselprodukte abbauen, und die Versorgung mit Bausteinen, deren Fehlen sich oft zuerst an Fell und Horn zeigt.

Kotwasser, Hautprobleme und Husten haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Es gibt aber drei Stellen, an denen sie sich treffen.

Der Darm. Er beherbergt einen großen Teil der Immunabwehr. Ein verschobenes Mikrobiom kann sich, so die Vermutung, auch an Haut und Fell zeigen, nicht nur unten am Kot. Beim Pferd ist das wenig untersucht. Mehr dazu im Beitrag über gesunden Darm.

Leber und Nieren. Sie bauen Stoffwechselprodukte ab. Bei einer Lebererkrankung können Hautveränderungen auftreten, etwa an unpigmentierten Stellen. Deshalb gehört ein Blutbild mit Leberwerten dazu, wenn Hautprobleme nicht erklärbar sind.

Die Versorgung. Fehlen Bausteine, zeigt sich das oft zuerst an Fell, Horn und Regeneration. Ein stumpfes Fell ist selten ein Fellproblem.

Wo schaue ich bei welchem Symptom zuerst?

Bei Kotwasser denke ich zuerst an Heumenge, Fresspausen, Sand und Zähne, bei stumpfem Fell an Eiweiß und Spurenelemente, bei Husten ohne Infekt an Staub in Heu und Einstreu. Die Tabelle zeigt die Reihenfolge, in der ich suche. Ein Diagnoseschlüssel ist sie nicht, und die Untersuchung beim Tierarzt ersetzt sie auch nicht.

Was du siehst Woran ich zuerst denke
Kotwasser, wechselnder Kot Heumenge, Fresspausen, Sand, Zähne
Wiederkehrende Mauke oder Ekzem Haltung im Nassen, Milben bei Behang, Spurenelemente, bei weißen Beinen auch die Leber
Stumpfes Fell, langsamer Fellwechsel Eiweiß und Spurenelemente, siehe Fellwechsel
Husten ohne Infekt Staub in Heu und Einstreu, Haltung, erst dann Fütterung
Muskelabbau trotz Arbeit Eiweißversorgung, Aminosäuren, Sattel und Schmerz
Unruhe, Schreckhaftigkeit Magen, Fresspausen, Haltung in der Herde, Magnesium nur, wenn die Ration zeigt, dass es fehlt

Das ist kein Diagnoseschlüssel, sondern die Reihenfolge, in der ich suche. Jede dieser Zeilen kann auch etwas ganz anderes bedeuten, und deshalb steht die Untersuchung beim Tierarzt in der Liste oben und nicht am Ende.

Was kannst du selbst zusammentragen, bevor du jemanden rufst?

Drei Dinge machen jede Beratung und jede Untersuchung schneller: die Ration, gewogen und mit Menge und Uhrzeit, der Tagesablauf mit der längsten Fresspause, Bewegung und Herde, und ein Verlauf mit zwei Wochen Notizen. Genau das frage ich in einer Beratung als Erstes ab, und oft zeigt sich die Antwort schon beim Aufschreiben.

Je besser die Vorarbeit, desto kürzer der Weg. Drei Dinge, die jede Beratung und jede Untersuchung schneller machen:

  1. Die Ration, gewogen. Nicht geschätzt. Heu, Kraftfutter, Zusätze, alles mit Menge und Uhrzeit.
  2. Der Tagesablauf. Wann steht Futter zur Verfügung, wie lang ist die längste Pause, wie viel Bewegung, wie ist die Herde.
  3. Ein Verlauf. Seit wann, wie oft, wobei besser, wobei schlechter. Zwei Wochen Notizen sagen mehr als eine Erinnerung.

Genau diese drei Dinge frage ich in einer Beratung als Erstes ab, und in vielen Fällen zeigt sich die Antwort schon beim Aufschreiben.

Wann kommt der Tierarzt zuerst dran?

Sobald es deinem Pferd akut schlecht geht, wird zuerst untersucht und erst danach über Fütterung gesprochen. Das gilt bei Fieber, Kolikanzeichen, akuter Lahmheit, Gewichtsverlust, Atemnot oder blutigem Kot. Und auch bei Symptomen, die seit Monaten bestehen, gehört ein Blutbild dazu, bevor du weiter an der Ration drehst.

Bei Fieber, Kolikanzeichen, akuter Lahmheit, Gewichtsverlust, Atemnot oder blutigem Kot gilt die Reihenfolge oben nicht. Dann wird zuerst untersucht und danach über Fütterung gesprochen.

Auch bei Symptomen, die über Monate bestehen, gehört ein Blutbild dazu, bevor weiter an der Ration gedreht wird.

Was ist beim Pferd zur Darmflora wirklich belegt?

Weniger, als viele Produktbeschreibungen vermuten lassen. Bei Kotwasser, dem am besten untersuchten Beispiel, fanden Studien in der Darmflora keine oder nur kleine Unterschiede. Deutlichere Hinweise gab es auf den Rang in der Herde und auf die Fütterung. Die Darmflora ist beim Pferd also eine mögliche Spur, aber keine bewiesene Ursache für unklare Symptome.

Ich schaue mir das an Kotwasser an, weil es dazu überhaupt vergleichende Studien gibt. Zu Haut, Fell oder Husten in Verbindung mit der Darmflora gibt es beim Pferd kaum etwas Belastbares.

Die Darmflora selbst. Laustsen und Kollegen (2021, Animals) haben den Kot von zehn Kotwasserpferden mit dem von zehn gesunden Pferden verglichen. Ergebnis: kein signifikanter Unterschied in der Zusammensetzung der Bakterien. Danach bekamen zehn Kotwasserpferde eine Kotübertragung von Spenderpferden. Im Schnitt ging das Kotwasser zurück, allerdings sehr unterschiedlich von Pferd zu Pferd, und an der gemessenen Darmflora änderte sich dabei nichts. Eine Vergleichsgruppe ohne Übertragung gab es nicht, das schreiben die Autoren selbst. Porter und Kollegen (2025, Veterinary Sciences) haben in den USA 32 betroffene mit 51 gesunden Pferden aus denselben Ställen verglichen. Die Vielfalt der Bakterien war gleich, die Zusammensetzung unterschied sich aber, unter anderem gab es bei den Kotwasserpferden mehr Alloprevotella. Die Autoren nennen den Effekt selbst gering. Und ob eine veränderte Flora Ursache oder Folge ist, kann so eine Studie nicht zeigen.

Rang und Herde. Kienzle und Kollegen (2016, Journal of Equine Veterinary Science) haben 42 Kotwasserpferde untersucht. Bei Würmern und Bluteiweiß gab es keinen Unterschied zum gesunden Stallgefährten, und kein Fütterungsfaktor ließ sich als Auslöser festmachen. Auffällig war etwas anderes: 40 % der Kotwasserpferde standen nach Einschätzung der Besitzerinnen auf dem letzten oder vorletzten Rangplatz, in der Vergleichsgruppe waren es 4 %. 62 % verteidigten ihr Futter nicht gegen andere Pferde, gegenüber 27 %. Wallache und Schecken waren häufiger betroffen. Die Autoren vermuten, dass Stress in der Gruppe eine Rolle spielt.

Die Ration. Lindroth und Kollegen (2021, Animals) haben auf 50 Höfen in Schweden und Norwegen Pferde mit und ohne Kotwasser verglichen. Heulage bekamen beide Gruppen gleich viel. Die Kotwasserpferde bekamen aber pro 100 kg Körpergewicht doppelt so viel Kraftfutter, mehr Stärke und Zucker und weniger Stroh und Luzerne. Auch hier nennen die Autoren die Unterschiede klein.

Heißt für uns: Die Studien sind klein, und Kotwasser hat offenbar mehr als eine Ursache. Aber keine von ihnen spricht dafür, beim Darm mit einem Mittel anzufangen. Sie sprechen dafür, zuerst auf Herde, Fresspausen und Kraftfutteranteil zu schauen. Dass die Würmer in einer Studie keine Rolle spielten, heißt übrigens nicht, dass du die Kotprobe weglassen kannst. Bei deinem Pferd kann das anders aussehen.

Sagt eine Darmflora-Analyse aus dem Kot etwas über dein Pferd aus?

Nur begrenzt. Eine Kotprobe zeigt, was am Ende des Darms ankommt. Magen und Dünndarm bildet sie nicht ab, Blinddarm und vorderen Dickdarm nur teilweise. Dazu kommt, dass beim Pferd bisher niemand sicher sagen kann, welche Zusammensetzung normal ist und welche krankhaft. Ein Befund „gestörte Darmflora“ steht deshalb auf dünnem Boden.

Was der Kot zeigt und was nicht. Costa und Kollegen (2015, The Veterinary Journal) haben bei elf Pferden die Bakterien in den einzelnen Darmabschnitten verglichen. Magen, Dünndarm und Dickdarm unterschieden sich stark. Der Kot eignet sich nach ihrer Einschätzung, um Veränderungen in den hinteren Abschnitten zu erkennen. Dougal und Kollegen (2012, FEMS Microbiology Ecology) kamen zu dem Schluss, dass der Kot einen Teil des Dickdarms einigermaßen widerspiegelt, den Blinddarm aber nicht.

Was normal ist, weiß man nicht. Theelen und Kollegen (2021, Animals) haben den Kot von 79 gesunden Pferden und Ponys in den Niederlanden untersucht. Das einzelne Pferd selbst erklärte etwa die Hälfte der Unterschiede. Daneben spielten Alter, Stall, Jahreszeit und Weidegang eine Rolle. Die Autoren schreiben selbst, dass das Wissen darüber, was normale Schwankung und was wirklich krankhaft ist, bisher begrenzt ist.

Ganz ehrlich: Ein Laborbericht mit „zu wenig“ und „zu viel“ sieht eindeutig aus, ist es beim Pferd aber nicht. Zu wenig im Vergleich zu wem? Ein anderer Stall oder eine andere Jahreszeit verschiebt das Bild schon. Deshalb lasse ich so eine Analyse nicht als Einstieg machen. Das Geld steckst du besser in die Kotprobe auf Würmer und Sand und in eine Heuanalyse. Die beantworten Fragen, aus denen du direkt etwas ableiten kannst.

Häufige Fragen

Mein Pferd zeigt Symptome, aber der Tierarzt findet nichts. Was nun?

„Kein Befund" heißt fast immer: nichts, was mit dieser einen Untersuchung messbar war. Es heißt nicht, dass nichts ist. Der nächste Schritt ist deshalb nicht die nächste teurere Untersuchung, sondern die Reihenfolge von oben: Zähne, Kotprobe, Ration gewogen, Haltung. Dieser Teil kostet fast nichts und erklärt nach meiner Erfahrung den größten Teil der Fälle. Was dann noch übrig bleibt, lässt sich gezielt abklären, statt auf Verdacht.

Können Kotwasser, Hautprobleme und Husten dieselbe Ursache haben?

Sie können, müssen aber nicht. Drei Stellen verbinden sie: der Darm mit einem großen Teil der Immunabwehr, Leber und Nieren, und die Versorgung mit Bausteinen, deren Mangel sich oft zuerst an Fell und Horn zeigt. Wenn mehrere Symptome gleichzeitig neu aufgetreten sind, lohnt der Blick auf das Gemeinsame. Wenn sie seit Jahren nebeneinanderher laufen, sind es meist mehrere Ursachen.

Woran erkenne ich, ob es am Darm liegt?

An einem einzelnen Zeichen gar nicht. Verdächtig wird es, wenn wechselnde Kotkonsistenz, Blähbauch oder Kotwasser zusammen mit Haut- oder Fellthemen auftreten, wenn es nach Futterwechseln deutlich schwankt, und wenn Zähne, Würmer und Sand bereits ausgeschlossen sind. Ohne diese drei Ausschlüsse vorher ist jede Darmkur ein Schuss ins Blaue.

Kann der Stress in der Herde hinter Kotwasser stecken?

Möglich ist das. In der Studie von Kienzle und Kollegen (2016) standen 40 % der Kotwasserpferde auf den letzten beiden Rangplätzen, in der Vergleichsgruppe nur 4 %. Ob der niedrige Rang die Ursache ist, zeigt so eine Befragung nicht. Ich schaue deshalb hin, ob dein Pferd am Heu weggedrängt wird, ob es genug Fressplätze gibt und ob die längste Fresspause für dieses Pferd länger ist als für die anderen.

Wie lange sollte ich beobachten, bevor ich etwas ändere?

Zwei Wochen mit Notizen sind ein guter Rahmen, außer es geht dem Pferd schlecht. Was sich in zwei Wochen nicht als Muster zeigt, ist meist auch keins. Und ändere immer nur eine Sache auf einmal: Wer Futter, Zusatz und Haltung gleichzeitig umstellt, weiß hinterher nicht, was geholfen hat, und muss beim nächsten Mal wieder von vorn anfangen.

Was soll ich zu einer Beratung mitbringen?

Die gewogene Ration mit Mengen und Uhrzeiten, den Tagesablauf mit der längsten Fresspause, und zwei Wochen Notizen zum Verlauf. Dazu, falls vorhanden, das letzte Blutbild und die letzte Heuanalyse. Mit diesen Unterlagen ist die Hälfte der Arbeit erledigt, bevor das Gespräch anfängt.

Wo du anfangen kannst

Wenn du nicht weißt, an welchem Ende du ziehen sollst: Der Futter-Check geht die Grundlagen in fünf Fragen durch und sagt dir, wo bei euch am wahrscheinlichsten die Lücke sitzt. Er kostet nichts und dauert keine drei Minuten.

Und wenn sich abzeichnet, dass es der Darm ist, steht im 3-Phasen-Plan, in welcher Reihenfolge du vorgehst, statt alles gleichzeitig zu geben.

Zuletzt fachlich überarbeitet am 06.10.2026.

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