
Im Winter ist Heu das wichtigste Futter. Ein Pferd mit 500 kg braucht mindestens 1,5 kg Heu-Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht am Tag, also gut 8,5 kg Heu, bei Kälte und Nässe eher mehr. Kraftfutter braucht ein gesundes Pferd im Erhalt meistens keins. Was im Winter wirklich fehlt, sind Wasser, Salz, Zink, Kupfer, Selen und Vitamin E.
Wenn die Weide zugeht, ändert sich die Ration von einem Tag auf den anderen. Das Gras war bis dahin ein großer Teil des Futters und hat Vitamin E gleich mitgeliefert. Ab jetzt hängt fast alles am Heu, und das Heu 2026 ist in vielen Regionen eher mager bei den Spurenelementen. Ich hab mir die Heuanalysen angeschaut, die mir dieses Jahr geschickt wurden, und rechne dir in diesem Beitrag vor, was das für den Winter heißt. Dazu kommen die Punkte, die im Stall gern untergehen: wie viel ein Pferd im Winter trinkt, warum Salz auch ohne Schwitzen wichtig ist und worauf du bei alten und bei leichtfuttrigen Pferden achtest.
Was braucht ein Pferd im Winter anders als im Sommer?
Vor allem mehr Heu, genug Wasser und einen Ausgleich für das, was vorher die Weide geliefert hat. Bei Kälte unter der Wohlfühlgrenze braucht ein Pferd mehr Energie, und die holt es sich am besten aus Raufutter. Dazu fehlt ohne Gras fast immer Vitamin E, und die Lücken bei Zink, Kupfer und Selen bleiben.
Ein Pferd mit vollem Winterfell, das an Kälte gewöhnt ist, kommt bis etwa minus 15 Grad ohne zusätzliche Energie aus. Im Sommerfell oder bei Pferden, die nicht an Kälte gewöhnt sind, liegt die Grenze bei etwa plus 5 Grad. Regen und Wind verschieben sie deutlich nach oben. Für jedes Grad darunter rechnet man mit etwa 2,5 Prozent mehr Energie. Ab wann ein Pferd friert und wann eine Decke Sinn macht, steht ausführlich im Beitrag Pferd eindecken.
Der Grund, warum Heu so gut passt: Beim Verdauen der Fasern im Dickdarm entsteht über Stunden Wärme. Bei Kraftfutter ist das deutlich weniger. Ein Pferd, das friert, braucht deshalb zuerst mehr Heu.
Wie viel Heu braucht ein Pferd im Winter?
Mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht am Tag, das sind bei einem 500-kg-Pferd gut 8,5 kg Heu. Bei Kälte, Nässe und Wind darf es mehr sein, bei vielen Pferden ist Heu zur freien Verfügung im Winter das Einfachste. Wichtig sind kurze Fresspausen: höchstens vier Stunden ohne Raufutter, auch nachts.
Die 1,5 kg sind die Untergrenze. Darunter wird es für Magen und Darm schwierig, auch bei Pferden, die abnehmen sollen. Wie viel dein Pferd tatsächlich bekommt, weißt du nur, wenn du es einmal wiegst. Eine Gabel Heu kann je nach Ballen ein Kilo wiegen oder drei.
Was in der Praxis viel ausmacht:
- Heu wiegen, wenigstens eine Woche lang, mit einer einfachen Hängewaage
- die Nachtration im Blick haben, denn zwischen Abendfutter und Morgen liegen im Winter oft zwölf Stunden
- im Offenstall die Rangniederen beobachten, ob sie wirklich an die Raufe kommen
- Heunetze vorsichtig einsetzen: Sie können die Fresszeit strecken, aber gewöhn dein Pferd langsam daran und achte auf Frust und auf die Zähne
Bei Pferden, die frei Heu haben und trotzdem zu viel zunehmen, sieht die Rechnung anders aus. Dazu weiter unten mehr.
Braucht mein Pferd im Winter Kraftfutter?
Ein gesundes Pferd im Erhalt, das genug ordentliches Heu frisst, braucht in der Regel kein Kraftfutter, auch im Winter nicht. Energie aus Heu reicht für die meisten Freizeitpferde. Kraftfutter ist eher etwas für Pferde, die viel arbeiten, für alte Pferde mit schlechten Zähnen und für Pferde, die trotz genug Heu abnehmen.
Wenn ein Pferd mehr Energie braucht, würde ich zuerst die Heumenge erhöhen. Reicht das nicht, kommen strukturreiche Cobs dazu, etwa Luzerne-, Grünhafer- oder Wiesencobs. Die bringen Energie und Eiweiß mit, und sie bestehen trotzdem aus Faser. Getreide oder Pflanzenöl ist selten die beste Antwort.
Achte bei Fertigfutter auf Zucker und Stärke. Viele Wintermüslis enthalten Melasse, Getreideflocken oder Maisflocken. Das ist für ein Pferd, das ohnehin genug Energie hat, eher eine Last als eine Hilfe.
Was fehlt im Heu, wenn die Weide wegfällt?
Vor allem Vitamin E, Zink, Kupfer und Selen. Frisches Gras liefert rund 200 mg Vitamin E je Kilo Trockenmasse, Heu nur noch etwa 10 mg, und das baut sich beim Lagern weiter ab. Zink und Kupfer sind im Heu fast immer knapp, Selen ebenso. Das zeigen auch die Heuanalysen aus diesem Jahr, die bei mir eingegangen sind.
Ich habe die Analysen aus dem Jahrgang 2026 zusammengetragen, die mir Pferdebesitzerinnen geschickt haben. Der Median lag bei 22 mg Zink und 4 mg Kupfer je Kilo Trockenmasse. Der LUFA-Zielwert liegt bei 40 bis 100 mg Zink und 6 bis 10 mg Kupfer. Für ein Pferd mit 500 kg und 10 kg Heu heißt das:
| Nährstoff | 10 kg Heu liefern ungefähr | Bedarf 500 kg (GfE) | Deckung |
|---|---|---|---|
| Zink | 190 mg | 425 mg | 45 % |
| Kupfer | 35 mg | 105 mg | 33 % |
| Selen | 0,2 bis 0,9 mg | 1,05 mg | 20 bis 85 % |
| Vitamin E | 85 bis 90 mg | 510 mg | etwa 17 % |
Zink und Kupfer: Median der Heuanalysen 2026 aus meiner Sammlung, knapp 9 kg Trockenmasse. Selen: gemessene Mittelwerte für Heu in Deutschland. Vitamin E: Tabellenwert für frisch geerntetes Heu.
Ein Mineralfutter gehört im Winter deshalb zur Grundausstattung. Welches passt, hängt an deinem Heu. Wie viel Vitamin E und Selen dein Pferd genau braucht und warum du bei Selen vorsichtig rechnen musst, steht im Beitrag zu Selen und Vitamin E.
Wenn du eine Heuanalyse hast und wissen willst, was sie für den Winter bedeutet, schau ich mir den Prüfbericht für dich an.
Wie viel trinkt ein Pferd im Winter und muss das Wasser warm sein?
Ein Pferd mit 500 kg braucht bei reiner Heufütterung grob 20 bis 35 Liter Wasser am Tag, auch im Winter. Viele Pferde trinken bei eiskaltem Wasser aber weniger, als sie sollten. In einer Studie mit Ponys tranken die Tiere deutlich mehr, wenn das Wasser angewärmt war. Lauwarm muss es nicht sein, eisfrei auf jeden Fall.
Heu ist trockenes Futter. Für jedes Kilo Heu-Trockenmasse braucht das Pferd etwa 2 bis 4 Liter Wasser, damit der Darminhalt geschmeidig bleibt. Fällt das Wasser weg, weil die Tränke zugefroren ist oder das Pferd das kalte Wasser nicht mag, wird der Kot fester, und das Risiko für eine Verstopfung steigt.
Was ich im Winter prüfen würde:
- Funktioniert die Tränke auch bei Frost? Morgens einmal hinschauen, gerade nach der ersten kalten Nacht.
- Trinkt dein Pferd genug? Bei Eimern siehst du es, bei Selbsttränken hilft ein Blick auf den Kot. Kleine, trockene Äppel sind ein Warnzeichen.
- Gibt es eine beheizte Tränke oder einen Eimer mit Thermohülle? Schon Wasser, das nicht eiskalt ist, wird lieber getrunken.
Eingeweichte Heucobs bringen übrigens auch Wasser mit. Bei Pferden, die wenig trinken, ist das eine einfache Ergänzung. Heucobs brauchen in warmem Wasser 15 bis 20 Minuten, länger ist nicht nötig.
Braucht ein Pferd im Winter mehr Salz?
Mehr als im Sommer nicht, aber genauso viel. Natrium steuert, wie viel ein Pferd trinkt. Ohne Salz trinkt es weniger, und das ist im Winter genau die falsche Richtung. Die GfE nennt für 500 kg im Erhalt 2,9 g Natrium, im Alltag rechne ich eher mit 6 g, das ist etwa ein Esslöffel Salz.
Heu enthält meistens viel weniger Natrium, als das Pferd braucht. Ein Leckstein allein reicht vielen Pferden nicht, weil sie daran nicht genug abschlecken. Ich würde eine abgemessene Menge Salz ins Futter geben und zusätzlich loses Salz oder einen Leckstein anbieten. Mehr dazu, wie viel Salz dein Pferd braucht und welches Salz sich eignet, steht im Beitrag Salz fürs Pferd.
Wie füttere ich ein altes oder dünnes Pferd durch den Winter?
Mit mehr Raufutter, das es auch wirklich kauen kann. Viele alte Pferde nehmen im Winter ab, weil die Zähne das Heu nicht mehr schaffen. Dann helfen eingeweichte Heucobs als Heuersatz, über den Tag verteilt in mehreren Portionen. Vor dem Winter gehört eine Zahnkontrolle dazu.
Woran du merkst, dass ein Pferd das Heu nicht mehr richtig nutzt: Es lässt gekaute Heuwickel fallen, sogenannte Priemchen, es frisst sehr langsam, oder im Kot sind lange, unverdaute Fasern zu sehen. Dann bringt mehr Heu wenig, weil es nicht verwertet wird.
So würde ich vorgehen:
- Zähne kontrollieren lassen, am besten im Herbst, bevor die Weide zugeht
- Heucobs einweichen, 15 bis 20 Minuten in warmem Wasser, und einen Teil des Heus damit ersetzen
- für mehr Energie Luzerne- oder Grünhafercobs dazunehmen
- regelmäßig messen, mit dem Maßband um den Bauch und mit der Hand an den Rippen, weil das Winterfell viel versteckt
Ein dünnes Pferd friert außerdem eher. Dann kann eine Decke sinnvoll sein, aber erst, wenn genug Futter da ist. Wie du ein Pferd gezielt aufbaust, steht im Beitrag Pferd zunehmen lassen.
Was ist mit leichtfuttrigen Pferden im Winter?
Für leichtfuttrige Pferde ist der Winter eine gute Zeit zum Abnehmen. Die Weide fällt weg, und das Pferd darf einen Teil der Energie fürs Warmhalten selbst aufbringen. Voraussetzung ist, dass es nicht ständig eingedeckt steht und das Heu nicht zu viel Zucker hat.
Bei Heu zur freien Verfügung nehmen viele leichtfuttrige Pferde im Winter sogar zu. Dann lohnt es sich, das Heu zu wiegen und die Menge zu begrenzen, aber nie unter 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht. Bis zu einem Drittel davon kann sauberes Futterstroh sein, langsam eingeschlichen.
Beim Zucker hilft nur eine Analyse. Im Heu 2026 lagen Zucker und Fruktan in meiner Sammlung im Median bei 17,1 Prozent der Trockenmasse. Sehen kann man das dem Heu nicht. Was das für Pferde mit Stoffwechselthemen heißt, steht im Beitrag zu EMS beim Pferd.
Wie stelle ich im Herbst von Weide auf Heu um?
Langsam, über etwa zwei Wochen. Die Mikroben im Dickdarm haben sich an Gras gewöhnt und brauchen Zeit für die Umstellung auf trockenes Heu. Am einfachsten geht es, wenn die Weidezeit Schritt für Schritt kürzer wird und Heu schon dazugefüttert wird, während das Pferd noch Gras bekommt.
Das gilt genauso, wenn ein neuer Heuballen von einer anderen Wiese kommt. Ein Ballen ist nicht wie der andere, und ein abrupter Wechsel kann weichen Kot machen. Wenn du die Wahl hast, misch beim Ballenwechsel ein paar Tage alt und neu.
Auch die Herbstweide selbst hat ihre Tücken, gerade bei Frost und knapper Narbe. Was da passiert, steht im Beitrag zur Herbstweide.
Wann gehört die Tierärztin dazu?
Bei jedem Kolikverdacht sofort. Im Winter sind Verstopfungskoliken häufiger, weil Pferde weniger trinken und sich weniger bewegen. Auch ein Pferd, das trotz genug Heu abnimmt, gehört untersucht. Dahinter können Zähne, Würmer, Schmerzen oder eine Stoffwechselerkrankung stecken.
Achte im Winter besonders auf diese Zeichen:
- wenig oder gar kein Kotabsatz, kleine, harte, trockene Äppel
- Scharren, Umschauen zum Bauch, häufiges Hinlegen
- das Pferd frisst sein Heu nicht oder lässt viel liegen
- Abmagern trotz ausreichend Futter
- Durchfall oder Kotwasser, das neu auftritt
Häufige Fragen zur Winterfütterung
Wie viel Heu braucht ein Pferd im Winter am Tag?
Mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht, bei 500 kg also gut 8,5 kg Heu. Bei Kälte, Nässe, für alte und dünne Pferde gern mehr. Lange Fresspausen über vier Stunden solltest du vermeiden, auch nachts.
Braucht ein Pferd im Winter mehr Mineralfutter?
Die Menge Mineralfutter bleibt in der Regel gleich. Aber ohne Weide fällt das Vitamin E aus dem Gras weg, und Zink, Kupfer und Selen hängen ganz am Heu. Deshalb ist ein passendes Mineralfutter im Winter noch wichtiger als im Sommer.
Muss das Wasser im Winter warm sein?
Nein, aber eisfrei. Angewärmtes Wasser wird von vielen Pferden lieber getrunken, das hat eine Studie mit Ponys gezeigt. Eine beheizte Tränke oder ein isolierter Eimer reichen meistens.
Braucht mein Pferd im Winter Kraftfutter?
Ein gesundes Freizeitpferd im Erhalt mit genug Heu meistens nicht. Braucht es mehr Energie, erhöhe ich zuerst das Heu und nehme dann strukturreiche Cobs dazu.
Wann sollte ich im Herbst mit dem Heu anfangen?
Bevor die Weide zugeht. Am besten fütterst du schon Heu, während das Pferd noch Gras bekommt, und verlängerst die Heuzeit über etwa zwei Wochen.
Wie merke ich unter dem Winterfell, ob mein Pferd abnimmt?
Mit der Hand. Fühl regelmäßig an den Rippen, am Widerrist und an der Kruppe, und miss einmal im Monat mit dem Maßband den Bauchumfang an derselben Stelle. Das Fell versteckt mehrere Kilo.
Quellen
- Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, 2014. Tabellen nach der Zusammenstellung der LUFA NRW, 2024.
- LfL Bayern: Gruber Tabelle zur Fütterung der Pferde. 9. Auflage, 2024.
- LUFA Nord-West: Heu, Mineralstoff- und Spurenelementgehalte, Mittelwerte 2016 bis 2021.
- Eigene Sammlung von Heuanalysen, Ernte 2026, 25 bis 28 Proben, ausgewertet im September 2026.
- Kristula MA, McDonnell SM: Drinking water temperature affects consumption of water during cold weather in ponies. Applied Animal Behaviour Science 41, 1994, S. 155 bis 160.
- Morgan K: Thermoneutral zone and critical temperatures of horses. Journal of Thermal Biology 23 (1), 1998, S. 59 bis 61.
- Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020.


