
Ein Pferd richtig zu füttern heißt in dieser Reihenfolge: genug Raufutter ohne lange Fresspausen, also mindestens 1,5 kg Heu-Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht und höchstens vier Stunden ohne Futter. Dazu sauberes Wasser, Salz zur freien Verfügung plus eine abgemessene Menge, und ein Mineralfutter, das zu deinem Heu passt. Alles andere kommt erst danach und nur, wenn es einen Grund dafür gibt.
Zur Pferdefütterung findet man im Netz sehr viel, und vieles davon widerspricht sich. Heulage ist mal Gift, mal ideal, Getreide mal böse, mal nötig, und beim Mineralfutter soll man angeblich nach ausgelaugten Böden gehen. Ich rechne jede Woche Rationen und werte Heuanalysen aus, und am Ende landet man fast immer bei denselben paar Punkten. Die habe ich hier mit Zahlen aufgeschrieben, damit du selbst prüfen kannst, wo dein Pferd steht. Wichtig zu wissen vorweg: Mit einem durchschnittlichen Heu sind Energie, Eiweiß, Calcium und Magnesium bei einem Freizeitpferd meistens gedeckt. Die Lücken liegen fast immer bei Zink, Kupfer, Selen und Vitamin E.
Was braucht ein Pferd jeden Tag?
Raufutter, Wasser, Salz und die Spurenelemente, die im Heu fehlen. Das ist die Grundration, und sie reicht für die meisten Freizeitpferde im Erhalt und bei leichter Arbeit. Kraftfutter, Kräuter und Zusätze kommen nur dazu, wenn die Rechnung oder das Pferd zeigt, dass etwas fehlt.
Ich gehe beim Aufstellen einer Ration immer gleich vor:
- Raufutter: Wie viel Heu bekommt das Pferd wirklich, gewogen, und wie lang sind die Pausen?
- Wasser: Kommt das Pferd jederzeit an sauberes Wasser, auch nachts und im Winter?
- Salz: Steht loses Salz bereit, und bekommt das Pferd zusätzlich eine feste Menge ins Futter?
- Mineralstoffe: Was liefert das Heu, und was fehlt? Danach wird das Mineralfutter ausgesucht.
- Energie und Eiweiß: Hält das Pferd sein Gewicht, und reicht das Heu für die Arbeit?
Erst wenn diese fünf Punkte sitzen, lohnt es sich, über Kräuter, Öle, Pulver oder Spezialfutter nachzudenken. In der Beratung sehe ich oft den umgekehrten Weg: fünf Zusätze im Eimer, aber niemand weiß, wie viel Heu das Pferd eigentlich frisst. Mehr zur Herkunft dieser Grundregeln steht im Beitrag Woher stammt das Pferd?.
Wie viel Heu braucht ein Pferd am Tag?
Mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht. Heu hat rund 85 Prozent Trockenmasse, das sind also etwa 1,7 kg Heu je 100 kg. Ein Pferd mit 500 kg braucht damit mindestens 8,5 bis 9 kg Heu am Tag, gewogen. Das gilt als Untergrenze, auch für Pferde, die abnehmen sollen.
Diese Zahl ist die Mindestmenge, die Magen und Darm brauchen. Pferde, die gut im Futter stehen, bekommen meistens mehr, gerade im Winter. Bei vielen ist Heu zur freien Verfügung das Einfachste, solange das Gewicht passt.
Bei leichtfuttrigen Pferden wird gern mit 1,2 kg je 100 kg gerechnet. Das würde ich nicht machen. Wer weniger Energie in die Ration bringen will, nimmt ein Heu mit weniger Zucker oder ersetzt einen Teil durch Futterstroh, die Menge im Trog bleibt aber gleich. Wie das beim Abnehmen genau aussieht, steht im Beitrag zu EMS und Fütterung.
Und ganz ehrlich: Die meisten wissen gar nicht, wie viel ihr Pferd bekommt. Eine Gabel Heu kann je nach Ballen ein Kilo wiegen oder drei. Mit einer einfachen Hängewaage eine Woche lang wiegen bringt mehr als jede Tabelle.
| Körpergewicht | Mindestmenge Heu am Tag | Fresszeit dafür, grob |
|---|---|---|
| 300 kg | 5,3 kg | 3,5 bis 4,5 Stunden |
| 400 kg | 7,1 kg | 4,5 bis 6 Stunden |
| 500 kg | 8,8 kg | 6 bis 7,5 Stunden |
| 600 kg | 10,6 kg | 7 bis 9 Stunden |
Gerechnet mit 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg und 85 Prozent Trockenmasse im Heu. Fresszeit mit 40 bis 50 Minuten je kg Heu, das schwankt je nach Pferd und Heu deutlich.
Wie lange darf ein Pferd ohne Futter sein?
Höchstens vier Stunden, auch nachts. Der Pferdemagen bildet die ganze Zeit Säure, auch wenn nichts drin ist. Abgepuffert wird sie vom Speichel, und Speichel fließt beim Pferd nur, wenn es kaut. Lange Pausen heißen also: Säure im leeren Magen.
Der Unterschied zwischen Heu und Kraftfutter ist dabei riesig. Für ein Kilo Heu kaut ein Pferd rund 3.000 bis 3.500 Mal und braucht 40 bis 50 Minuten. Für ein Kilo Hafer sind es etwa 800 bis 1.200 Kauschläge und rund zehn Minuten. Entsprechend weniger Speichel kommt im Magen an.
In der Praxis sind die langen Pausen fast immer dieselben: die Nacht im Stall zwischen Abendheu und Morgenheu, und im Offenstall das rangniedrige Pferd, das an der Raufe nicht zum Zug kommt. „Heu zur freien Verfügung“ steht dann zwar im Stallvertrag, kommt aber nicht bei jedem Pferd an.
Was helfen kann:
- Spätfütterung oder eine zweite Abendportion, wenn der Stall das anbietet
- mehrere Heustellen im Offenstall, mit mehr Fressplätzen als Pferden
- Heunetze mit Vorsicht: Sie können die Fresszeit strecken. Das Pferd braucht aber Zeit zum Gewöhnen, und Frust und Zähne gehören im Blick.
Woran erkenne ich gutes Heu?
Gutes Heu riecht aromatisch, ist grün bis graugrün, staubt beim Aufschütteln kaum und hat keine warmen, klumpigen oder grauweißen Stellen. Was du so nicht sehen kannst, sind Zucker, Eiweiß und Spurenelemente. Die zeigt nur eine Heuanalyse aus dem Labor.
Für die Sinnesprüfung reicht eine Probe aus der Mitte des Ballens:
- Geruch: frisch und würzig. Muffig, modrig oder süßlich-scharf heißt Finger weg.
- Farbe: grün bis graugrün. Braun spricht für Regen oder Erhitzung, grau oder weiß für Schimmel.
- Staub: Eine Handvoll gegen das Licht schütteln. Wenn es staubt wie eine Mehltüte, ist das nichts für die Atemwege.
- Griff: eher weich als holzig, ohne nasse oder warme Nester.
Wie man Schimmel sicher erkennt, steht im Beitrag Schimmel im Heu.
Der spätere Schnitt nach der Blüte hat mehr Faser und weniger Energie, das passt für viele Freizeitpferde gut. Wie viel Zucker im Heu steckt, hängt vom Schnittzeitpunkt ab, dazu von Wetter, Tageszeit und Trocknung. In der Auswertung der LUFA Nord-West lag der Gesamtzucker im Mittel bei 9,0 Prozent der Trockenmasse, die Spanne reichte von 2,8 bis 16,8 Prozent. Zwei Ballen, die gleich aussehen, können also ganz verschieden sein.
Deshalb ist die Heuanalyse für mich der eigentliche Anfang jeder Ration. Was in so einem Prüfbericht steht und wie du ihn liest, erkläre ich im Beitrag Heuanalyse lesen.
Sind Heulage und Stroh schlechtes Pferdefutter?
Nein, beides kann gutes Raufutter sein. Heulage mit 55 bis 75 Prozent Trockenmasse ist bei guter Hygiene dem Heu ebenbürtig und staubt deutlich weniger. Futterstroh ist faserreich und energiearm und kann bei leichtfuttrigen Pferden bis zu einem Drittel der Heumenge ersetzen. Silage dagegen ist zu nass für Pferde.
Heulage: Gemessen wurde vor allem, ob Heulage den Darm sauer macht. Bei Pferden mit Kolonfistel, also direkt im Dickdarm gemessen, blieb der pH-Wert nach dem Wechsel von Heu auf Heulage gleich. Bei Rennpferden mit Heulage war die Staubbelastung in der Atemluft niedriger als mit trockenem Heu, und in der Lungenspülung fanden sich weniger Entzündungszellen. Wichtig ist die Hygiene: Ein geöffneter Ballen hält im Sommer etwa zwei Tage, im Winter drei bis fünf. Wird er warm, gärt er nach. Mehr dazu im Beitrag Heulage füttern.
Silage hat unter 55 Prozent Trockenmasse. Wenn sie sehr nass ist und der pH-Wert nicht tief genug fällt, können sich Clostridien vermehren, und das Risiko für Botulismus steigt. Silage gehört für mich deshalb nicht in den Pferdetrog.
Stroh: Sauberes Futterstroh von Hafer, Gerste oder Weizen streckt die Ration, ohne viel Energie mitzubringen. Ich rechne mit höchstens 0,5 kg Stroh je 100 kg Sollgewicht am Tag, langsam eingeschlichen und immer mit genug Wasser. Welches Stroh sich eignet, steht im Beitrag zu Haferstroh und Grünhaferstroh.
Wie viel Wasser braucht ein Pferd am Tag?
Ein Pferd mit 500 kg trinkt bei reiner Heufütterung grob 20 bis 35 Liter am Tag, bei Hitze und Arbeit deutlich mehr. Je Kilo Heu-Trockenmasse rechnet man mit etwa 2 bis 4 Litern. Wasser muss jederzeit erreichbar sein, sauber und im Winter eisfrei.
Wasser ist der Punkt, der in Rationen am häufigsten fehlt, einfach weil man ihn für selbstverständlich hält. Ein paar Dinge schaue ich mir bei jeder Beratung an:
- Durchfluss der Tränke: Viele Pferde trinken an Selbsttränken mit wenig Durchfluss weniger, als sie sollten. Ein Eimer daneben zeigt schnell, ob das Pferd mehr will.
- Sauberkeit: Algen, Kot oder Futterreste in der Tränke halten manche Pferde vom Trinken ab.
- Temperatur im Winter: In einer Studie mit Ponys tranken die Tiere bei Kälte deutlich mehr, wenn das Wasser angewärmt war. Lauwarm muss es nicht sein, eisfrei auf jeden Fall.
- Rangordnung: Im Offenstall kommt das rangniedrige Pferd nicht immer in Ruhe an die Tränke.
Trinkt ein Pferd zu wenig, wird der Kot fester, und das Risiko für eine Verstopfungskolik steigt. Gerade im Winter, wenn die Tränke zufriert, ist das ein echter Punkt. Mehr dazu im Beitrag Winterfütterung.
Wie viel Salz braucht ein Pferd?
Ein Pferd mit 500 kg braucht im Erhalt laut GfE 2,9 g Natrium am Tag, das sind gut 7 g Salz. Die amerikanische Empfehlung liegt mit rund 25 g Salz deutlich höher. Mit jedem Liter Schweiß gehen zusätzlich etwa 8 g Salz verloren. Ein Esslöffel Salz im Futter ist ein guter Anfang.
Salz ist der einzige Mineralstoff, nach dem ein Pferd gezielt sucht. Für Natrium hat es einen echten Appetit, für Zink, Kupfer oder Selen nicht. Trotzdem reicht der Leckstein bei vielen Pferden nicht. In einer Untersuchung nahmen erwachsene Pferde mit freiem Zugang zwischen 19 und 143 g Salz am Tag auf, und in einer neueren Studie lag über die Hälfte der Pferde unter ihrem Bedarf. Am Stein muss das Pferd sich jedes Gramm mit der Zunge abschlecken, und das schaffen manche nicht.
Ich mache es deshalb so:
- loses Salz zur freien Verfügung, in einer eigenen Schale
- eine feste Menge ins Futter, bei einem 500-kg-Pferd etwa ein Esslöffel (rund 20 g), langsam gesteigert
- bei Arbeit und Hitze mehr, je nachdem, wie viel das Pferd schwitzt
Im Durchschnittsheu reicht das Natrium zwar für den Erhalt, die Spanne ist aber riesig. Ein schwaches Heu liefert bei 10 kg nur 1,7 g Natrium, also nicht einmal den Grundbedarf. Wie du die Menge für dein Pferd rechnest, steht im Beitrag Salz fürs Pferd.
Braucht jedes Pferd Mineralfutter?
In den meisten Fällen ja. Mit 10 kg Durchschnittsheu kommt ein 500-kg-Pferd beim Zink auf 54 Prozent des Bedarfs, beim Kupfer auf 38 Prozent, beim Vitamin E auf 17 Prozent und beim Selen je nach Heu auf 16 bis 81 Prozent. Calcium, Phosphor und Magnesium sind dagegen meist mehr als gedeckt.
Genau das zeigt die Grafik oben. Ich habe dafür die Mittelwerte der LUFA Nord-West aus über tausend Heuproben genommen und gegen den Bedarf nach GfE gerechnet. Das Ergebnis passt zu dem, was ich in echten Heuanalysen sehe: Die Lücken liegen fast immer bei denselben vier Nährstoffen.
Was daraus folgt:
- Ein Mineralfutter suchst du nach dem Heu aus. Eins mit viel Calcium und Magnesium bringt wenig, wenn das Heu davon schon das Doppelte liefert, und fehlt beim Zink und Kupfer.
- Zink und Kupfer gehören zusammen betrachtet. Das Verhältnis sollte in der Gesamtration bei etwa 4 zu 1 liegen.
- Ein Mineralleckstein ist keine Mineralversorgung. Aus demselben Grund wie beim Salz: Das Pferd holt sich am Stein nicht gezielt, was fehlt.
- Spirulina, Seealgen oder Grünlippmuschel ersetzen kein Mineralfutter. In den üblichen paar Gramm am Tag stecken nur wenige Milligramm Zink oder Kupfer. Seealgen bringen dazu oft sehr viel Jod, und gerade bei Jod liegen Bedarf und Zuviel nah beieinander.
Dass Mineralfutter nötig ist, weil „die Böden ausgelaugt“ sind, höre ich oft. Das trifft es nicht ganz. Zink und Kupfer waren im Grünland schon immer knapp, und wie viel im Heu landet, schwankt von Fläche zu Fläche um ein Vielfaches. Beim Zink liegt zwischen schwachem und starkem Heu der Faktor zwölf. Wie die Rechnung im Einzelnen geht, zeige ich im Beitrag zur Rationsberechnung.
Braucht ein Pferd Kraftfutter oder Getreide?
Die meisten Freizeitpferde nicht. Mit 10 kg Durchschnittsheu ist ein 500-kg-Pferd im Erhalt bei der Energie schon zu 105 Prozent versorgt. Ein Mineralfutter braucht aber einen Träger, dafür reicht eine Handvoll eingeweichte Heucobs. Kraftfutter brauchst du erst, wenn das Pferd mit gutem Heu nicht sein Gewicht hält oder viel arbeitet.
Getreide ist für Pferde nicht grundsätzlich schlecht. Es bringt viel Energie auf wenig Volumen, und genau das brauchen Sportpferde, alte Pferde mit Zahnproblemen oder Pferde, die zunehmen sollen, manchmal. Entscheidend ist die Menge pro Mahlzeit: höchstens 1 g Stärke je kg Körpergewicht. Bei einem 500-kg-Pferd sind das 500 g Stärke, bei 37 bis 40 Prozent Stärke im Hafer also gut 1,2 kg Hafer pro Mahlzeit. Mehr kommt im Dünndarm nicht vollständig an und wird dann im Dickdarm vergoren.
Hafer ist dabei das Getreide, dessen Stärke das Pferd am besten im Dünndarm verdaut, auch ungequetscht. Gerste und Mais sollten aufgeschlossen sein, also gepoppt, flockiert oder gekocht. Welche Haferform du nimmst, steht im Beitrag Gequetschter Hafer, Walzhafer oder Haferflocken.
Wenn Zucker und Stärke in der Ration niedrig bleiben sollen, lässt du Getreide und Müsli weg und nimmst für die Energie faserreiche Cobs aus Grünhafer, Luzerne oder Grünhirse. Pflanzenöl als Energiequelle empfehle ich nicht. Wie man beim mageren Pferd vorgeht, steht im Beitrag Pferd zunehmen lassen.
Brauchen Pferde Kräuter und Zusätze?
Ein gesundes Pferd mit passender Grundration braucht keine Kräuter und keine Zusätze. Kräuter sind Futter und können Abwechslung und Beschäftigung bringen. Belastbare Studien zur Wirkung gibt es beim Pferd für die allermeisten Kräuter nicht. Zusätze gibst du gezielt, wenn die Ration eine Lücke zeigt, und nicht auf Verdacht.
Kräuterkuren zum Entgiften, Entschlacken oder für das Immunsystem sind beliebt. Belegt ist davon beim Pferd wenig. Die Leber eines gesunden Pferdes macht ihre Arbeit von allein, und was sie belastet, sind eher schimmeliges Heu, giftige Pflanzen oder Medikamente. Was es mit dem Entgiften auf sich hat, steht im Beitrag Leber entgiften beim Pferd.
Wenn du Kräuter füttern magst, ist das völlig in Ordnung. Ich habe selbst eine Kräuterbar in der Box stehen, die ich im Wechsel bestücke. Für mich ist das Abwechslung und Beschäftigung, behandeln will ich damit nichts. Welche Kräuter sich dafür eignen, steht im Beitrag Kräuterbar fürs Pferd.
Bei Zusätzen gilt dasselbe wie beim Mineralfutter: erst rechnen, dann ergänzen. Magnesium zum Beispiel ist im Heu meistens mehr als genug drin. Wer trotzdem welches füttert, weil das Pferd schreckhaft ist, gibt oft etwas dazu, das gar nicht fehlt. Mehr dazu im Beitrag Magnesium fürs Pferd.
Wie sieht eine einfache Ration für 500 kg aus?
Für ein 500-kg-Freizeitpferd im Erhalt reichen in der Regel 9 bis 10 kg gewogenes Heu, Wasser zur freien Verfügung, loses Salz plus ein Esslöffel im Futter und ein Mineralfutter, das Zink, Kupfer, Selen und Vitamin E nach dem Heu ergänzt, mit einer Handvoll Heucobs als Träger.
| Was | Wie viel am Tag | Wofür |
|---|---|---|
| Heu, gewogen | 9 bis 10 kg | Energie, Eiweiß, Faser, Calcium, Magnesium |
| Wasser | 20 bis 35 Liter, frei | Verdauung, Kot |
| Salz lose | frei | Natrium nach Bedarf |
| Salz im Futter | rund 20 g (1 Esslöffel) | feste Grundmenge |
| Mineralfutter | nach Heu und Hersteller | Zink, Kupfer, Selen, Vitamin E |
| Heucobs als Träger | 200 bis 300 g trocken, 15 bis 20 Minuten eingeweicht | damit das Mineralfutter gefressen wird |
Das ist ein Gerüst, keine fertige Ration. Ein Pferd mit 600 kg, eins, das viel schwitzt, oder eins mit Stoffwechselproblemen braucht andere Mengen. Und welches Mineralfutter passt, hängt wirklich vom Heu ab. Mit einem Heu, das viel Zink hat, rechnest du anders als mit einem, das kaum welches hat.
Was ich in so einer Grundration nicht brauche: Müsli, Mash als tägliches Futter, Öl, Brot, Leckerlis in Mengen und mehrere Zusätze gleichzeitig. Mash kann für ein Pferd mit schlechten Zähnen oder nach einer Kolik sinnvoll sein, als Alltagsfutter bringt es wenig. Was ein Pferd an Leckerlis verträgt, steht in den Beiträgen zu Obst und Gemüse und Brot für Pferde.
Woran merke ich, dass die Fütterung nicht passt?
Am Gewicht, am Kot, am Fell und an den Hufen. Ein Pferd, das ohne Grund zu- oder abnimmt, Kotwasser hat, ein stumpfes Fell trägt oder schlechte Hufe bekommt, zeigt oft eine Lücke in der Ration. Akute Anzeichen wie Kolik, Fressunlust oder Lahmheit gehören sofort zur Tierärztin.
Auf diese Punkte schaue ich regelmäßig, am besten alle vier Wochen:
- Gewicht und Figur: mit Maßband oder Waage, und einmal im Monat ein Foto von der Seite. So siehst du Veränderungen, bevor sie groß werden.
- Kot: gleichmäßige, geformte Äppel ohne Wasser davor oder danach. Woran Kotwasser liegen kann, steht im Beitrag Kotwasser beim Pferd.
- Fell: glänzend, Fellwechsel ohne lange Hänger.
- Hufe: Risse, Bröckeln oder ein schlechter Tragrand haben oft mit der Fütterung zu tun.
- Verhalten: Holz-, Kot- oder Erdefressen. Hier denke ich zuerst an zu wenig Raufutter mit zu langen Pausen und an Salz.
Ein Blutbild einmal im Jahr ist eine gute Orientierung. Es hat aber Grenzen: Zink und Kupfer hält der Körper im Blut lange stabil, eine Unterversorgung zeigt sich dort oft erst spät. Die Rationsberechnung zeigt sie früher.
Sofort zur Tierärztin gehört ein Pferd bei Koliksymptomen wie Scharren, Wälzen oder Flankenschauen, bei Fressunlust über einen halben Tag, bei Verdacht auf Schlundverstopfung, bei klammem Gang mit warmen Hufen oder Pulsation und bei Fieber.
Häufige Fragen
Wie oft am Tag sollte ich mein Pferd füttern?
Raufutter so oft, dass keine Pause länger als vier Stunden wird, im Idealfall ständig. Kraftfutter und Mineralfutter auf mindestens zwei Mahlzeiten verteilt, wenn es mehr als eine Handvoll ist. Zweimal am Tag Heu und dazwischen nichts reicht für den Magen nicht.
Darf ein Pferd Heu zur freien Verfügung haben?
Ja, wenn das Gewicht passt. Für viele Pferde ist das die einfachste Lösung gegen lange Fresspausen. Bei Pferden, die zu viel zunehmen, bleibt die Menge bei 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg, verteilt auf viele Portionen, mit zuckerarmem Heu oder einem Teil Futterstroh.
Wie lange dauert eine Futterumstellung?
Ein neues Heu oder ein neues Futter schleichst du über ein bis zwei Wochen ein, indem du altes und neues mischst und den Anteil Stück für Stück änderst. Bei Kraftfutter steigerst du in kleinen Schritten über mehrere Tage. Beim Stallwechsel gibt es noch ein paar Punkte mehr, die stehen im Beitrag Stallwechsel beim Pferd.
Braucht ein Pferd im Fellwechsel mehr Futter?
Eine belastbare Zahl dafür, wie viel mehr Energie ein Pferd im Fellwechsel braucht, gibt es nicht. Wichtiger sind genug Eiweißbausteine, vor allem Lysin, Methionin und Cystein, und die Spurenelemente Zink und Kupfer. Wie du das prüfst, steht im Beitrag zum Fellwechsel.
Ist Weidegras gutes Pferdefutter?
Ja, Gras ist das ursprüngliche Pferdefutter. Weidegras kann aber deutlich mehr Zucker und Fruktan enthalten als Heu, vor allem im Frühjahr, im Herbst und nach kalten, sonnigen Nächten. Pferde, bei denen Zucker niedrig bleiben soll, brauchen dann begrenzte Weidezeiten. Mehr dazu im Beitrag zur Herbstweide.
Welche Pflanzen dürfen Pferde auf keinen Fall fressen?
Zu den gefährlichsten gehören Eibe, Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, Bergahorn mit seinen Samen und Keimlingen, Robinie und Thuja. Eine ausführliche Liste mit 44 Gehölzen findest du im Beitrag Welche Bäume sind giftig für Pferde?. Bei Verdacht auf eine Vergiftung rufst du sofort die Tierärztin.
Quellen
- Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, 2014.
- Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020.
- LUFA Nord-West, Institut für Futtermittel: Heu, Inhaltsstoffe, Mineralstoff- und Spurenelementgehalte, Mittelwerte 2016 bis 2021, Auswertung bis 04.02.2022.
- LfL Bayern: Gruber Tabelle zur Fütterung der Pferde. 9. Auflage, 2024.
- Schryver HF und Kollegen: Salt consumption and the effect of salt on
mineral metabolism in horses. Cornell Veterinarian 77, 1987, S. 122 bis
- Murphy B, Catalano DN: The effect of form on equine salt intake. Journal of Equine Veterinary Science 163, 2026, 105923.
- Muhonen S, Julliand V, Lindberg JE, Bertilsson J, Jansson A: Effects on the equine colon ecosystem of grass silage and haylage diets after an abrupt change from hay. J Anim Sci 87 (7), 2009, S. 2291 bis 2298.
- Olave CJ, Ivester KM, Couetil LL, Burgess J, Park JH, Mukhopadhyay A: Effects of low-dust forages on dust exposure, airway cytology, and plasma omega-3 concentrations in Thoroughbred racehorses: A randomized clinical trial. J Vet Intern Med 37 (1), 2023, S. 338 bis 348.
- Kristula MA, McDonnell SM: Drinking water temperature affects consumption of water during cold weather in ponies. Applied Animal Behaviour Science 41, 1994, S. 155 bis 160.


