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Grundlagen·11 Min. Lesezeit·13.10.2026

Pferd zunehmen lassen: Futter, Senioren und Ursachen

Dein Pferd ist zu dünn? Wie es gesund zunimmt, welches Futter wirklich Energie bringt, was Senioren brauchen und welche Ursachen du zuerst prüfst.

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Reihenfolge beim Zunehmen: erst die Ursache klären, dann mehr und besseres Raufutter, dann Eiweiß und Faserfutter, zuletzt Getreide in kleinen Mahlzeiten.
Reihenfolge beim Zunehmen: erst die Ursache klären, dann mehr und besseres Raufutter, dann Eiweiß und Faserfutter, zuletzt Getreide in kleinen Mahlzeiten.

Ein Pferd nimmt zu, wenn es über Wochen mehr Energie bekommt, als es verbraucht. Der erste Schritt ist aber die Ursache: Zähne, Würmer, Schmerzen, PPID, Rangordnung oder schlicht zu wenig Heu. Danach kommt mehr und besseres Raufutter, dann Eiweiß und faserreiches Energiefutter wie Luzerne oder Rübenschnitzel. Getreide gibt es zuletzt, in kleinen Mahlzeiten.

Im Herbst kommen genau diese Fragen: Das Pferd hat über den Sommer abgenommen, die Rippen sind zu sehen, und der Winter steht vor der Tür. Die meisten greifen dann zu Kraftfutter, Öl oder Mash und wundern sich, dass sich wenig tut. Ganz ehrlich, bei den meisten dünnen Pferden liegt es nicht am fehlenden Zusatzfutter. In diesem Beitrag steht, welche Ursachen du zuerst ausschließt, wie du ausrechnest, ob dein Pferd überhaupt genug Energie bekommt, welche Futtermittel wirklich beim Zunehmen helfen und was bei alten Pferden anders ist.

Woran erkenne ich, dass mein Pferd zu dünn ist?

Am Body Condition Score, einer Skala von 1 bis 9. Ein gesundes Pferd liegt bei 5: Die Rippen sind nicht zu sehen, aber gut zu fühlen. Bei 4 und darunter sind die Rippen sichtbar, die Wirbelsäule steht vor und die Kruppe wirkt eckig. Ein Pferd auf 3 oder darunter ist deutlich zu dünn und gehört zur Tierärztin.

Die Skala geht auf Henneke und Kollegen von 1983 zurück und wird bis heute überall genutzt. Du beurteilst dabei sechs Stellen: Hals, Widerrist, Rücken, Rippen, Schweifansatz und Schulter.

Score Rippen Rücken Gesamteindruck
3 gut sichtbar Wirbelsäule tritt hervor mager
4 leicht sichtbar Wirbel noch zu ahnen etwas zu dünn
5 nicht sichtbar, gut fühlbar eben ideal
6 schwer fühlbar leichte Rinne etwas zu dick

Aufpassen musst du bei Pferden mit dickem Bauch und sichtbaren Rippen. Das sieht nach „gut genährt“ aus, ist aber oft ein Pferd mit wenig Muskulatur, viel Raufutter im Darm oder Würmern. Mehr dazu im Beitrag über den Heubauch.

Miss dein Pferd zusätzlich regelmäßig mit dem Maßband. Eine Waage hat kaum jemand, aber Brustumfang und Länge zeigen dir schon nach zwei, drei Wochen, ob sich etwas tut. Im Winterfell sieht man das mit bloßem Auge kaum.

Warum nimmt mein Pferd trotz Futter ab?

Weil es das Futter nicht richtig fressen, kauen oder verwerten kann, oder weil es mehr verbraucht, als du denkst. Die häufigsten Gründe sind Zahnprobleme, Würmer, Schmerzen, PPID bei älteren Pferden, Magengeschwüre, Futterneid in der Gruppe und Kälte. Bevor du mehr fütterst, sollten diese Punkte geklärt sein.

Ursache Woran du sie erkennst Was du tust
Zähne Heuwickel, lange Fasern im Kot, langsames Fressen Zahnkontrolle durch Tierärztin oder Pferdedentistin
Würmer stumpfes Fell, Heubauch, Kotwasser Kotprobe
PPID Muskelabbau an Rücken und Kruppe, lockiges Fell, Fellwechsel spät Blutuntersuchung
Magen frisst schlecht oder wählerisch, Leistung lässt nach Gastroskopie
Schmerzen Arthrose, Hufe, Rücken, liegt wenig Lahmheitsuntersuchung
Rangordnung wird am Heu verdrängt, steht oft am Rand eigene Futterstelle, mehr Fressplätze
Kälte geschoren, ohne Decke, offenes Gelände mehr Heu, Decke, Windschutz

Gerade die Rangordnung wird oft unterschätzt. Ein rangniedriges Pferd in einer Gruppe mit zu wenigen Fressplätzen kommt nur an das Heu, wenn die anderen satt sind. Auf dem Papier bekommt es ad libitum, in Wirklichkeit frisst es viel weniger. Beobachte deine Gruppe einmal eine Stunde lang beim Füttern.

Und die Kälte: Ein Pferd verbraucht im Winter mehr Energie, um sich warm zu halten, vor allem wenn es geschoren ist, im Regen steht oder wenig Fell hat. Raufutter ist dafür das beste Futter, weil bei seiner Verdauung im Dickdarm Wärme entsteht.

Wie viel Energie braucht ein Pferd zum Zunehmen?

Ein Pferd mit 500 kg braucht im Erhaltungsbedarf rund 55 MJ umsetzbare Energie am Tag, so steht es bei der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie. Zum Zunehmen muss es über Wochen mehr bekommen. Als Richtwert kannst du mit 10 bis 20 Prozent über dem Bedarf planen und nach vier Wochen mit dem Maßband schauen, ob es reicht.

Ein Rechenbeispiel zeigt, warum viele dünne Pferde einfach zu wenig Heu bekommen. Durchschnittliches Heu liefert laut LUFA rund 6,8 MJ je Kilo Trockenmasse. Bekommt ein Pferd mit 500 kg 8,5 kg Heu am Tag, sind das rund 7,5 kg Trockenmasse und gut 51 MJ. Das liegt schon knapp unter dem Bedarf, ohne dass irgendwas fehlt außer Heu.

Was das Pferd bekommt Energie am Tag Im Vergleich zum Bedarf von 55 MJ
8,5 kg Heu rund 51 MJ knapp darunter
10 kg Heu rund 60 MJ gut 9 % darüber
10 kg Heu und 0,5 kg Hafer rund 65 MJ gut 18 % darüber

Gerechnet mit 6,8 MJ je Kilo Trockenmasse für Heu bei 88 Prozent Trockenmasse und 10,6 MJ je Kilo für Hafer. Dein Heu kann deutlich darüber oder darunter liegen, die LUFA misst Spannen von 5,6 bis 8,1 MJ. Genau deshalb lohnt sich eine Heuanalyse, bevor du anfängst, Kraftfutter zu kaufen. Wie du eine Ration selbst ausrechnest, steht im Beitrag zur Rationsberechnung.

Welches Futter hilft beim Zunehmen?

Zuerst mehr und besseres Heu, weil Raufutter die Grundlage ist und Wärme liefert. Danach eiweißreiches Faserfutter wie Luzerne, unmelassierte oder melassierte Rübenschnitzel und Grünhafer. Erst wenn das nicht reicht, kommt Getreide dazu, in kleinen Mahlzeiten. Pflanzenöl empfehle ich nicht.

Mehr und besseres Heu. Ein dünnes Pferd sollte möglichst freien Zugang zu Heu haben, ohne lange Fresspausen. Ein früherer Schnitt mit mehr Blatt hat mehr Energie und Eiweiß als ein spätes, grobes Heu. Für ein dünnes Pferd ist das genau richtig.

Luzerne. Luzerne bringt viel Eiweiß mit, und das braucht ein Pferd, um Muskulatur aufzubauen. Ein dünnes Pferd hat oft auch Muskeln verloren, nicht nur Fett. Luzerne hat allerdings auch viel Calcium, deshalb gehört sie als Anteil in die Ration und nicht als Hauptfutter.

Rübenschnitzel. Die Fasern in Rübenschnitzeln werden im Dickdarm gut vergoren und liefern damit Energie, ohne dass viel Stärke dazukommt. Für Pferde, die zunehmen sollen, gehen auch melassierte. Immer nach Herstellerangabe einweichen.

Grünhafer. Die ganze Haferpflanze kurz nach der Blüte, strukturreich und mit wenig Stärke. Als Pellets eine gute Energiequelle für Pferde, die kein oder wenig Getreide bekommen sollen.

Hafer. Hafer ist das Getreide, das Pferde am besten verdauen. Mit rund 40 Prozent Stärke gibt es aber eine Grenze je Mahlzeit: höchstens 1 g Stärke je Kilo Körpergewicht, bei empfindlichen Pferden die Hälfte. Bei 500 kg sind das gut 1,2 kg Hafer je Mahlzeit. Mehr dazu im Beitrag über gequetschten Hafer.

Luzerne und Grünhafer gibt es zum Beispiel als Pellets vom Biohof Elmengrund. Sie sind kurzfaserig gepresst und dürfen trocken gefüttert werden.

Warum kein Öl zum Zunehmen?

Weil Pflanzenöl reine Energie ohne Struktur und ohne Eiweiß ist. Ein dünnes Pferd braucht aber genau das: Raufutter, das den Darm beschäftigt und wärmt, und Eiweiß für die Muskeln. Öl belastet außerdem den Fettstoffwechsel der Leber und macht bei empfindlichen Pferden Verdauungsprobleme. Faserreiche Futter wie Luzerne, Rübenschnitzel und Grünhafer sind die bessere Wahl.

Öl wird oft empfohlen, weil es auf dem Papier so viel Energie hat. Aber ein Pferd, das auf Öl zunimmt, hat dabei kein Gramm Muskulatur aufgebaut. Und gerade bei alten Pferden, die ohnehin schon Muskeln verlieren, ist das der falsche Weg.

Dasselbe gilt für fettreiche Kleien. Reiskleie liefert über 13 MJ je Kilo und ist im Grunde ein Mastfutter, mehr dazu im Beitrag über Reiskleie.

Hilft Malzbier oder Mash beim Zunehmen?

Kaum. Malzbier bringt vor allem Zucker. Eine Flasche hat mit Glück so viel Energie wie eine Handvoll Hafer und ist für das Zunehmen bedeutungslos. Mash aus Weizenkleie hat viel Phosphor und wenig Calcium und ist für jeden Tag nicht geeignet. Ein Mash aus Heucobs, Rübenschnitzeln oder Luzerne ist eine gute warme Mahlzeit.

Malzbier ist ein Hausmittel, das sich hartnäckig hält. Ein Nutzen beim Pferd ist nicht belegt. Für ein Pferd, das wirklich zunehmen muss, sind ein bis zwei Kilo mehr Heu am Tag ein Vielfaches mehr.

Ein warmes Mash im Winter fressen viele Pferde aber sehr gern, und dagegen ist nichts zu sagen. Mach es aus eingeweichten Heucobs, Luzerne-Pellets oder Rübenschnitzeln. Heucobs brauchen dafür 15 bis 20 Minuten in warmem Wasser. Fertige Mash-Mischungen aus Weizenkleie würde ich höchstens ab und zu geben.

Was braucht ein altes Pferd, das zu dünn ist?

Vor allem Raufutter, das es noch kauen kann, und mehr hochwertiges Eiweiß. Viele Senioren verlieren Gewicht, weil die Zähne nicht mehr mitmachen, und Muskulatur, weil sie Eiweiß schlechter verwerten. Eingeweichte Heucobs als Heuersatz, dazu Luzerne und Leinsamenschleim, sind bei alten Pferden die Basis.

Bevor du ein altes Pferd auffütterst, lass zwei Dinge prüfen: die Zähne und den Verdacht auf PPID. Ein Pferd mit Cushing baut Muskulatur ab, obwohl es genug frisst, und sieht dadurch dünn aus. Wie du bei PPID fütterst, steht im Beitrag über Cushing beim Pferd.

Für Senioren mit schlechten Zähnen:

  • Heucobs als Heuersatz, rund 1,5 bis 1,7 kg je 100 kg Körpergewicht am Tag, verteilt auf vier bis fünf Mahlzeiten, jede 15 bis 20 Minuten in warmem Wasser eingeweicht.
  • Eiweiß mit Lysin, zum Beispiel über Luzerne oder ein gutes Seniorenfutter. Was beim Eiweiß zählt, steht im Beitrag über Aminosäuren.
  • Leinsamenschleim, den die meisten alten Pferde sehr gern fressen. Mein Rezept bekommst du kostenlos auf der Seite zum Leinsamenschleim.
  • Eigener Fressplatz, weil ältere Pferde in der Gruppe oft verdrängt werden und für die vielen Mahlzeiten Ruhe brauchen.
  • Decke im Winter, wenn das Pferd friert. Wärme spart Energie.

Ein Seniorenmüsli ist nicht automatisch richtig. Viele davon haben viel Stärke und Zucker, was bei einem alten Pferd mit PPID ungünstig ist. Schau auf das Etikett: Stärke und Zucker sollten zusammen möglichst niedrig sein.

Wie schnell nimmt ein Pferd zu?

Langsam. Rechne mit Wochen bis Monaten, nicht mit Tagen. Bei einem Pferd, das deutlich zu dünn ist, dauert es oft drei bis sechs Monate, bis es wieder bei einem Score von 5 liegt. Wichtig ist, dass du alle zwei bis vier Wochen misst, damit du siehst, ob die Richtung stimmt.

Ein zu schneller Futterwechsel ist dabei das größte Risiko. Mehr Kraftfutter von heute auf morgen bringt Koliken und Kotwasser, aber kein Gewicht. Jede neue Komponente wird über ein bis zwei Wochen langsam gesteigert.

Bei stark abgemagerten Pferden, etwa nach einer Krankheit oder aus schlechter Haltung, gelten eigene Regeln. Dort wird sehr vorsichtig mit kleinen Mengen angefangen, und das gehört in die Hände der Tierärztin.

Wenn du nach acht Wochen trotz mehr Futter keinen Unterschied siehst, stimmt etwas anderes nicht. Dann lohnt es sich, alles einmal sauber durchzurechnen und mit Blutbild und Heuanalyse auf die Suche zu gehen.

Wann gehört die Tierärztin dazu?

Wenn dein Pferd ohne erkennbaren Grund abnimmt, trotz mehr Futter weiter abnimmt, schlapp ist, Fieber hat, Durchfall oder Kotwasser bekommt oder nicht mehr richtig frisst. Ebenso bei einem Score von 3 oder darunter und bei jedem älteren Pferd, das Muskulatur verliert.

Abnehmen ist bei Pferden fast immer ein Zeichen. Es kann harmlos sein, etwa Kälte oder ein Platz am Rand der Gruppe. Es kann aber auch von Zähnen, Würmern, Leber, Nieren, PPID oder einem Tumor kommen. Lass einmal gründlich nachsehen, bevor du anfängst, das Futter zu ändern.

Häufige Fragen zum Zunehmen beim Pferd

Was ist das beste Futter zum Zunehmen?

Mehr und besseres Heu, ohne lange Fresspausen. Wenn das nicht reicht, Luzerne, Rübenschnitzel und Grünhafer. Getreide wie Hafer erst danach und in kleinen Mahlzeiten. Pflanzenöl ist nicht die beste Wahl, weil es keine Struktur und kein Eiweiß liefert.

Kann ein Pferd ohne Getreide zunehmen?

Ja. Viele Pferde nehmen mit mehr Heu, Luzerne, Rübenschnitzeln und Grünhafer gut zu, ganz ohne Getreide. Gerade bei Pferden mit Magenproblemen, EMS oder PPID ist das der bessere Weg. Getreide ist eine Möglichkeit und keine Voraussetzung.

Warum hat mein Pferd sichtbare Rippen und einen dicken Bauch?

Meistens, weil es wenig Muskulatur hat und viel Raufutter im Darm. Auch Würmer oder PPID können das Bild machen. Mehr Futter allein ändert daran wenig. Lass eine Kotprobe machen, prüf die Eiweißversorgung und baue Muskulatur über Bewegung auf.

Hilft Malzbier beim Zunehmen?

Nein, nicht nennenswert. Malzbier bringt vor allem Zucker und liefert pro Flasche etwa so viel Energie wie eine Handvoll Hafer. Ein Nutzen beim Pferd ist nicht belegt. Ein bis zwei Kilo mehr Heu am Tag bringen ein Vielfaches.

Wie viel Heu braucht ein Pferd, das zunehmen soll?

Möglichst so viel es frisst, mindestens 2 kg je 100 kg Körpergewicht am Tag. Ein dünnes Pferd sollte keine langen Fresspausen haben. Wenn es trotz freiem Zugang nicht zunimmt, schau, ob es wirklich frisst, oder ob Zähne oder Rangordnung im Weg sind.

Warum nimmt mein Pferd im Winter ab?

Weil es mehr Energie braucht, um sich warm zu halten, und die Weide wegfällt. Geschorene Pferde, Pferde ohne Unterstand und alte Pferde sind besonders betroffen. Mehr Heu ist hier die wichtigste Maßnahme, weil bei seiner Verdauung Wärme entsteht.

Quellen

  • Henneke DR, Potter GD, Kreider JL, Yeates BF: Relationship between condition score, physical measurements and body fat percentage in mares. Equine Vet J 15 (4), 1983, S. 371 bis 372.
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, 2014.
  • LUFA Nord-West: Heu, Inhaltsstoffe und Energiegehalte, Mittelwerte der Jahrgänge 2016 bis 2021.
  • Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020.

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