
Nein, Herbstgras ist für die meisten Pferde nicht gefährlich. Es ist anders zusammengesetzt als Sommergras und will deshalb anders eingeschätzt werden. Nach sonnigen Tagen mit kalten Nächten steigt der Zuckergehalt, vor allem im unteren Teil der Halme. Für Pferde mit Hufrehe in der Vorgeschichte oder gestörtem Insulinstoffwechsel ist das ein echtes Thema. Für ein gesundes, normalgewichtiges Pferd ist im Herbst eine abgefressene, knappe Weide meist das größere Problem als der Zucker.
Jeden Oktober geht es wieder los: Fruktanampeln, Frostwarnungen, Posts mit „Weide sofort zu“. Ganz ehrlich, ich verstehe die Sorge, und bei manchen Pferden ist sie berechtigt. Aber wenn man alle Pferde über einen Kamm schert, werden ausgerechnet die übersehen, denen der Herbst tatsächlich zusetzt. In diesem Beitrag steht, was im Gras passiert, welche Zahlen dahinterstecken, wie du dein Pferd einordnest und was du konkret machen kannst. Spoiler: Das Wichtigste ist kein Zusatzfutter, sondern ein Blick auf die Weide und eine Hand auf den Rippen.
Was passiert im Herbst eigentlich im Gras?
Gras bildet tagsüber mit Sonnenlicht Zucker. Was es nicht sofort zum Wachsen braucht, speichert es, bei unseren Weidegräsern vor allem als Fruktan. Im Herbst scheint die Sonne oft noch kräftig, die Nächte sind aber kalt. Unter etwa 5 Grad wächst Gras kaum noch, bildet bei Sonne aber weiter Zucker. Der Vorrat wächst, und zwar unten im Halm.
Genau das ist der ganze Mechanismus. Die Pflanze legt einen Wintervorrat an, und sie legt ihn dort ab, wo sie ihn schützen kann: in den unteren Halmteilen und Blattscheiden, knapp über dem Boden. Ein Pferd auf einer langen, gut gewachsenen Weide frisst vor allem Blatt. Ein Pferd auf einer Weide, die schon auf drei, vier Zentimeter heruntergefressen ist, frisst genau diese Speicherzone.
Daraus folgen zwei Dinge, die du dir merken kannst. Erstens: Sonne plus Kälte treibt den Zucker hoch, nicht der Kalender. Ein milder, bedeckter Oktober ist harmloser als ein klarer mit Frostnächten. Zweitens: Kurz gefressen heißt zuckerreicher gefressen. Die Höhe der Grasnarbe ist also nicht nur eine Frage der Weidepflege, sondern auch der Fütterung.
Und noch etwas: Auch Trockenstress bremst das Wachstum, während die Zuckerbildung weiterläuft. Nach einem trockenen Sommer ist der Herbstaufwuchs deshalb oft spärlich, aber pro Bissen nicht automatisch zuckerärmer. Wenig Gras heißt weniger Menge, nicht weniger Zucker im einzelnen Halm.
Ist Fruktan dasselbe wie Zucker?
Nein. In Futteranalysen steht oft „WSC“, die wasserlöslichen Kohlenhydrate. Darin stecken Einfach- und Zweifachzucker und zusätzlich Fruktan. Die einfachen Zucker gehen im Dünndarm ins Blut und treiben Blutzucker und Insulin hoch. Fruktan kann das Pferd selbst kaum spalten, es landet größtenteils im Dickdarm und wird dort von den Mikroben vergoren.
Warum das wichtig ist: Die beiden Gruppen machen im Pferd unterschiedliche Sachen. Bei einem Pferd mit gestörtem Insulinstoffwechsel ist vor allem der Teil interessant, der schnell ins Blut geht. Beim Fruktan geht es dagegen um den Dickdarm: Kommt sehr viel davon in kurzer Zeit dort an, sinkt der pH-Wert, und das Gleichgewicht der Darmflora kann kippen. Ganz sauber getrennt ist das übrigens nicht, ein Teil des Fruktans wird schon im Magen durch Säure und Mikroben abgebaut.
Zwei Fragen solltest du deshalb bei jeder Zahl stellen, die dir im Netz begegnet. Worauf bezieht sie sich? Auf WSC, auf Fruktan, auf Zucker, und dann pro Kilo Frischgras oder pro Kilo Trockenmasse? Das macht schnell den Faktor vier bis fünf aus. Und wie viel kommt in welcher Zeit an? Ein Pferd, das über viele Stunden gleichmäßig zupft, ist in einer völlig anderen Lage als eines, das nach Stallruhe in einer halben Stunde so viel wie möglich hineinschlingt.
Kleiner Praxishinweis: Bei vielen Standardanalysen für Heu steht nur ein Wert für „Zucker“. Fruktan wird nicht überall getrennt ausgewiesen. Wenn du es genau wissen willst, frag beim Labor gezielt danach. Welche Fruktanwerte im Heu üblich sind, zeigt die LUFA-Tabelle im Beitrag zur Rationsberechnung.
Wie viel Fruktan nimmt ein Pferd auf der Weide wirklich auf?
Weniger auf einmal, als die Aufregung vermuten lässt. Im Forschungsmodell, mit dem Hufrehe gezielt ausgelöst wird, bekommt ein Pferd rund 10 Gramm Oligofruktose, also kurzkettiges Fruktan, je Kilo Körpergewicht auf einen Schlag per Nasenschlundsonde, bei 500 Kilo also 5 Kilo. Über den Tag verteilt auf der Weide sind es meist ein Zehntel bis ein Drittel davon.
Das Modell stammt aus der Arbeitsgruppe um van Eps und Pollitt in Australien und wird seit 2006 in der Hufreheforschung genutzt. Ich habe das einmal durchgerechnet, damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst. Annahme: ein 500-kg-Pferd, das auf der Weide 2 Prozent seines Körpergewichts als Trockenmasse frisst, also 10 Kilo Trockenmasse am Tag.
| Fruktangehalt im Gras (Trockenmasse) | Fruktan am Tag | Anteil an 5 kg aus dem Modell |
|---|---|---|
| 5 % | 0,5 kg | 10 % |
| 10 % | 1,0 kg | 20 % |
| 15 % | 1,5 kg | 30 % |
Das ist ein Rechenbeispiel, keine Messung an deinem Pferd. Zwei Dinge verschieben das Bild deutlich. Ponys und sehr gute Futterverwerter können auf der Weide weit mehr als 2 Prozent ihres Körpergewichts fressen, in englischen Untersuchungen bis knapp 5 Prozent am Tag. Und ein ausgehungertes Pferd, das nach Stunden ohne Futter auf die Weide kommt, frisst einen großen Teil davon in der ersten Stunde.
Heißt für uns: Ein gesundes Pferd, das an die Weide gewöhnt ist und gleichmäßig frisst, kommt mit Herbstgras in aller Regel klar. Kritisch wird es bei großen Mengen in kurzer Zeit, bei abrupten Wechseln und bei Pferden, deren Stoffwechsel ohnehin nicht mitspielt.
Welche Pferde müssen im Herbst wirklich aufpassen?
Pferde mit Hufrehe in der Vorgeschichte, mit gestörtem Insulinstoffwechsel (EMS) oder mit Cushing (PPID), dazu deutlich übergewichtige Pferde und viele Ponys. Bei ihnen liegt die Schwelle für Vorsicht niedrig, weil ein Schub schwere und lange Folgen hat. Für sie ist der Herbst keine Entwarnung: Die Grasmenge sinkt, der Zuckergehalt nicht unbedingt.
Eine große finnische Untersuchung (Karikoski und Kollegen, 2011) fand bei rund 89 Prozent der untersuchten Hufrehefälle eine hormonelle Ursache dahinter, meist einen gestörten Insulinstoffwechsel. Das heißt umgekehrt: Das Gras allein macht keine Hufrehe. Es ist bei vorbelasteten Pferden der Auslöser, der das Fass zum Überlaufen bringt. Warum das so ist und was dann aus dem Trog muss, steht ausführlich im Beitrag zur Hufrehe beim Pferd.
Für diese Pferde würde ich drei Dinge klar regeln:
- Weide, wenn überhaupt, am frühen Morgen. Der Zuckergehalt ist nach der Nacht am niedrigsten und steigt über den Tag, am Nachmittag ist er am höchsten. Stundenweiser Weidegang am Nachmittag ist für diese Gruppe die ungünstigste Variante.
- Nach klaren Frostnächten Pause. Dann war es nachts zu kalt, um den Vorrat zu verbrauchen, und der Zucker ist auch morgens hoch.
- Eine kleine, abgesteckte Fläche mit Heu daneben statt der großen Weide. So kommt nicht alles aus dem Gras, und das Pferd stürzt sich nicht hungrig auf die Narbe.
Und dann die ehrliche Frage, die vor allem bei stark übergewichtigen Pferden mit Vorgeschichte gestellt werden muss: Passt Weide gerade überhaupt in den Plan? Manchmal ist die Antwort ein klares Nein, und das ist dann keine Übervorsicht, sondern Fürsorge.
Warum ist eine knappe Herbstweide oft das größere Problem?
Weil im Oktober das Wachstum fast stoppt, die Pferde aber weiterfressen. Die Fläche sieht grün aus, liefert aber pro Stunde immer weniger. Weil das Auge „da ist doch Gras“ sagt, wird oft zu spät zugefüttert. Dann kommen lange Fresspausen, wenig Struktur und kurz gefressene, zuckerreiche Halmbasen zusammen.
Das ist das Szenario, über das kaum jemand redet, und es betrifft alle Pferde, nicht nur die empfindlichen. Ein hungriges Pferd auf einer kahlen Narbe sucht jeden Halm, frisst bis auf den Boden, und zwar genau den Teil der Pflanze, in dem der Herbstzucker sitzt. Dazu kommen Phasen, in denen schlicht nichts im Magen ist. Für den Magen ist das ungünstig, weil Magensäure ununterbrochen gebildet wird, auch wenn nichts kommt, was sie abpuffert.
Dazu kommt die Zusammensetzung: Herbstaufwuchs ist überwiegend junges Blatt, weil die Gräser keine Halme und Samenstände mehr schieben. Das ist eher rohfaserarm und eiweißreich. Die Struktur, die der Dickdarm braucht, kommt im Herbst also zunehmend aus dem Heu und nicht von der Fläche.
Deshalb würde ich Heu zufüttern, sobald der Aufwuchs nicht mehr nachkommt, und nicht erst, wenn nichts mehr da ist. Woran du das erkennst: Die Pferde laufen mehr, als sie fressen, die Narbe wird stoppelig, und um die Geilstellen herum ist alles kurz. Das Heu kommt dann auf die Fläche oder in den Unterstand, Stroh kann bei leichtfuttrigen Pferden einen Teil der Kaumenge übernehmen, mehr dazu im Beitrag über Grünhaferstroh und Haferstroh.

Der fließende Übergang hat noch einen zweiten Vorteil. Jede Woche, in der ein Teil der Ration noch von der Weide und ein Teil schon aus dem Heu kommt, ist ein sanfter Wechsel ins Winterfutter. Für die Mikroben im Dickdarm ist ein abrupter Futterwechsel eine größere Umstellung als das Herbstgras selbst. Wer die Weide Mitte Oktober von heute auf morgen schließt und auf reines Heu umstellt, macht genau diesen Sprung.
Wenn du wissen willst, ob die Heumenge im Winter dann auch wirklich reicht und was an Mineralien dazugehört, lohnt es sich, die Ration einmal sauber durchzurechnen, statt nach Gefühl zu füttern.
Warum sind schlanke und alte Pferde im Herbst gefährdet?
Weil alles über die dicken Pferde geschrieben wird und die dünnen dabei untergehen. Alte Pferde, Pferde mit schlechten Zähnen, rangniedrige Tiere und Pferde nach einer Krankheit haben im Sommer einen guten Teil ihres Bedarfs von der Weide gedeckt. Im Herbst liefert dieselbe Fläche nur noch einen Bruchteil, und gleichzeitig steigt der Energiebedarf.
Sobald es nass und windig wird, kostet das Warmhalten Energie. Ein trockenes, dichtes Winterfell isoliert gut, ein durchnässtes deutlich schlechter. Das Tückische ist die Verzögerung: Ein Pferd, das im Oktober anfängt abzunehmen, fällt oft erst im November auf. Dann steckt das Winterfell drüber, und was man jetzt mit etwas mehr Heu hätte halten können, muss im Winter mühsam wieder aufgebaut werden. Und Aufbauen im Winter ist deutlich schwerer als Halten im Herbst.
Deshalb gilt für diese Pferde: mit der Hand prüfen, nicht nur mit dem Auge. Unter langem Fell verschwinden ein paar Kilo, ohne dass es auffällt. Taste regelmäßig, zum Beispiel alle ein bis zwei Wochen, an denselben Stellen:
- Rippen: Fühlbar mit leichtem Druck ist gut. Spürst du jede Rippe sofort und scharfkantig, ist es zu wenig.
- Widerrist und Rücken: Steht die Wirbelsäule als Kante heraus, fehlt Substanz.
- Kruppe und Hüfthöcker: Werden die Hüfthöcker eckiger, ist das oft das erste Zeichen.
Wer es genauer festhalten will, nimmt die Einteilung nach Henneke von 1 bis 9 oder misst mit dem Maßband den Bauchumfang an immer derselben Stelle. Bei Pferden mit Zahnproblemen gehört im Herbst außerdem die Frage dazu, ob das Heu überhaupt noch gut gekaut werden kann. Was beim Fellwechsel zusätzlich zu beachten ist, steht im Beitrag zum Fellwechsel beim Pferd.
Was ist mit Rostpilz und anderen Pilzen auf der Weide?
Rost erkennst du an orange bis braunen Pusteln auf den Blättern, die sich abwischen lassen und Farbe an Hand oder Schuh hinterlassen. Er tritt vor allem an Weidelgras auf, bei warmem, feuchtem Wetter, und häufiger auf Flächen mit Nährstoffmangel oder Trockenstress. Wie er sich auf Pferde auswirkt, ist kaum untersucht.
Was man sicher sagen kann: Befallene Pflanzen verlieren Blattmasse, und viele Pferde meiden stark befallene Stellen von sich aus. Auf einer ohnehin knappen Weide schrumpft die nutzbare Fläche damit weiter. Berichtet werden bei starkem Befall Reizungen der Atemwege und vermehrter Speichelfluss, belastbare Studien beim Pferd gibt es dazu aber nicht. Einzelne Flecken auf ein paar Halmen sind kein Grund, die Weide zu schließen. Ist die Fläche großflächig befallen, wird gemulcht oder gemäht und erst wieder genutzt, wenn sie frisch nachgewachsen ist. Und weil Rost oft auf Stickstoffmangel hinweist, lohnt danach ein Blick auf die Weidepflege.
Endophyten sind Pilze, die in manchen Sorten von Weidelgras und Schwingel leben und Giftstoffe bilden können. Gut dokumentierte Vergiftungen bei Pferden kommen vor allem aus den USA, Neuseeland und Australien. Bei uns sind sie selten beschrieben, ausgeschlossen sind sie aber nicht.
Häufiger ist im feuchten Herbst Schimmel auf altem, abgestorbenem Gras, etwa auf überständigen Flächen oder an liegengebliebenem Mähgut. Solche Stellen würde ich mähen, abräumen oder auszäunen. Heu im Stall zu bedampfen nützt wenig, wenn die eigentliche Belastung draußen auf der Fläche liegt.
Wann gehört die Tierärztin dazu?
Bei jedem Verdacht auf Hufrehe, sofort und nicht erst morgen. Dazu gehören ein klammer, vorsichtiger Gang, Gewichtsverlagerung auf die Hinterhand, warme Hufe und eine deutlich pochende Zehenarterie. Auch Kolik, anhaltender Durchfall oder ein Pferd, das trotz guter Fütterung weiter abbaut, gehören tierärztlich abgeklärt.
Einige Zeichen solltest du im Herbst besonders ernst nehmen:
- Wechselndes Belasten der Vorderbeine, Liegen mehr als sonst, Unwillen beim Wenden auf hartem Boden
- Plötzliche Fettpolster am Mähnenkamm oder über den Augen, ein harter, dicker Kamm
- Gewichtsverlust bei alten Pferden, besonders mit Futterresten, Wickeln von Heu oder einseitigem Kauen, dann gehört auch der Zahnarzt dazu
- Husten oder Nasenausfluss, wenn die Pferde auf stark verpilzten Flächen standen
Wenn ein Pferd schon einmal Hufrehe hatte oder ein gestörter Insulinstoffwechsel bekannt ist, lohnt es sich, den Weideplan für den Herbst mit der Tierärztin abzustimmen, bevor es kalt wird, und nicht erst, wenn das Pferd lahmt.
Was kannst du im Herbst konkret tun?
Die Liste ist kurz, und sie kostet weniger Zeit als das Lesen von Warnmeldungen. Sie ersetzt keine Beratung für ein Pferd mit Vorgeschichte, aber sie nimmt bei gesunden Pferden den meisten Druck raus.
- Pferde einordnen. Gehört dein Pferd zur empfindlichen Gruppe (Vorgeschichte, Übergewicht, Pony, Stoffwechselthema), zur gefährdeten schlanken Gruppe oder ist es ein gesundes, normalgewichtiges Pferd? Danach richtet sich alles andere.
- Weidezeit nach vorne legen. Morgens statt nachmittags, nach klaren Frostnächten bei empfindlichen Pferden lieber Pause.
- Nicht hungrig auf die Weide. Vorher Heu, dann raus. So frisst das Pferd ruhiger und gleichmäßiger.
- Narbe nicht bis auf den Boden abfressen lassen. Wird es kurz, wird umgesteckt oder zugefüttert, nicht erst, wenn alles kahl ist.
- Heu nach Aufwuchs, nicht nach Kalender. Sobald nicht mehr genug nachwächst, kommt Heu dazu.
- Einmal über die Fläche gehen, bevor die Pferde raufkommen: Rost, Schimmel, Giftpflanzen, Eicheln.
- Schlanke Pferde abtasten, regelmäßig und immer an denselben Stellen.
Ein bewährtes System musst du für den Herbst nicht über den Haufen werfen. Wenn die Pferde gesund sind, das Gewicht passt und die Weide ordentlich gepflegt ist, reicht es meistens, genauer hinzuschauen. Weide pauschal zu schließen ist bequem, weil man danach nichts mehr beobachten muss, aber genau dieses Beobachten ist im Herbst die Arbeit, die etwas bringt.
Häufige Fragen zur Herbstweide
Ist Herbstgras für Pferde gefährlich?
Für gesunde, normalgewichtige Pferde in der Regel nicht. Herbstgras kann nach sonnigen Tagen mit kalten Nächten viel Zucker enthalten, vor allem im unteren Halm. Vorsicht brauchen Pferde mit Hufrehe in der Vorgeschichte, gestörtem Insulinstoffwechsel, Cushing, deutlichem Übergewicht sowie viele Ponys.
Zu welcher Tageszeit ist am wenigsten Zucker im Gras?
Am frühen Morgen. Über Nacht verbraucht die Pflanze einen Teil ihres Vorrats, tagsüber baut sie mit Sonnenlicht neuen auf, am Nachmittag ist der Gehalt am höchsten. Ausnahme sind klare Frostnächte: Dann bleibt der Vorrat über Nacht erhalten, und auch morgens ist viel Zucker im Gras.
Ab welcher Temperatur steigt der Fruktangehalt?
Kritisch wird es, wenn die Nächte unter etwa 5 Grad fallen und die Tage sonnig sind. Dann wächst das Gras kaum noch, bildet aber weiter Zucker und speichert ihn als Fruktan. Bedeckte, milde Herbsttage sind deutlich unkritischer als klare Tage nach kalten Nächten.
Darf mein Pferd nach Nachtfrost auf die Weide?
Ein gesundes, an die Weide gewöhntes Pferd in der Regel ja, am besten erst, wenn der Raureif abgetaut ist und nicht hungrig. Pferde mit Hufrehe in der Vorgeschichte oder gestörtem Insulinstoffwechsel bleiben nach klaren Frostnächten besser auf dem Paddock mit Heu, weil der Zucker im Gras dann auch morgens hoch ist.
Ist Rostpilz auf der Weide gefährlich für Pferde?
Einzelne Rostflecken sind kein Grund, die Weide zu sperren. Bei starkem Befall meiden viele Pferde die Stellen, die Pflanze verliert Blattmasse, und es werden Atemwegsreizungen und vermehrter Speichelfluss berichtet. Belastbare Studien beim Pferd gibt es nicht. Großflächig befallene Weiden werden gemulcht und erst nach frischem Nachwuchs wieder genutzt.
Wann sollte ich im Herbst Heu zufüttern?
Sobald der Aufwuchs nicht mehr nachkommt, nicht erst, wenn nichts mehr da ist. Zeichen dafür sind eine stoppelige, kurze Narbe, Pferde, die mehr laufen als fressen, und lange Fresspausen. Heu auf der Fläche sorgt für Struktur, gleichmäßiges Fressen und einen sanften Übergang ins Winterfutter.
Muss ich die Weide im Herbst ganz schließen?
Nicht pauschal. Bei Pferden mit Hufrehe in der Vorgeschichte oder schwerem Übergewicht kann es die richtige Entscheidung sein. Für gesunde Pferde ist eine gepflegte Weide mit begrenzter Zeit am Vormittag und Heu dazu meist die bessere Lösung, weil der Übergang ins Winterfutter dann fließend bleibt.