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Durchs Jahr·13 Min. Lesezeit·29.10.2026

Geschwollene Beine beim Pferd: Wetterwechsel oder mehr?

Morgens dicke Beine, nach dem Spaziergang wieder schlank? Was beim Einlaufen passiert, was das Wetter damit zu tun hat und wann es mehr ist.

Grafik mit zwei Spalten: Angelaufene Beine sind beidseitig, kühl, weich und nach Bewegung wieder schlank. Ein einzelnes warmes, pralles Bein mit Lahmheit oder Fieber über 38,5 °C ist etwas anderes.
Grafik mit zwei Spalten: Angelaufene Beine sind beidseitig, kühl, weich und nach Bewegung wieder schlank. Ein einzelnes warmes, pralles Bein mit Lahmheit oder Fieber über 38,5 °C ist etwas anderes.

Geschwollene Beine beim Pferd sind meistens angelaufene Beine. Das Pferd hat lange gestanden, die Gewebeflüssigkeit sammelt sich unten im Bein, und nach 20 bis 30 Minuten Bewegung ist sie wieder weg. Typisch sind beide Beine, meist hinten, kühl, weich und ohne Lahmheit. Ein einzelnes Bein, das warm und prall ist und wehtut, ist etwas anderes und gehört angeschaut.

Gerade jetzt im Herbst kommt die Frage ständig. Erst wochenlang nass und kalt, dann auf einmal ein paar Tage T-Shirt-Wetter, und morgens stehen die Pferde mit dicken Beinen im Offenstall. Bei meinem jungen Wallach war es diese Woche genauso. In diesem Beitrag steht, was beim Einlaufen im Bein passiert, was das Wetter damit zu tun hat und was nicht, woran du ein harmloses angelaufenes Bein von einer Phlegmone unterscheidest und was die Fütterung dazu beitragen kann. Vorweg die wichtigste Erkenntnis aus den Studien: Bewegung macht die Beine messbar schlanker, und das Futtereiweiß, das so oft beschuldigt wird, ist als Ursache nicht belegt.

Warum laufen die Beine beim Pferd an?

Weil unterhalb von Karpus und Sprunggelenk keine Muskeln sitzen, die Blut und Lymphe nach oben pumpen. Diese Arbeit übernimmt beim Pferd vor allem die Bewegung: Bei jedem Auffußen wird der Huf belastet und Flüssigkeit nach oben gedrückt. Steht das Pferd lange still, fehlt diese Pumpe, und die Flüssigkeit sammelt sich unten im Bein.

Das ist gut untersucht. In einer Studie aus Hannover haben Forschende an 40 Pferden das Beinvolumen mit einem optischen Messgerät bestimmt, nach zwölf Stunden Stehen in der Box. Direkt nach der Arbeit war das Volumen um 5,7 Prozent kleiner. Eine Stunde später nahm es schon wieder deutlich zu. Spannend fand ich einen Nebenbefund: Bei Hengsten und Wallachen schwankte das Volumen stärker als bei Stuten.

Dass der Huf beim Rückstrom mitarbeitet, passt zur Anatomie. Die meisten Venen in der Hufwand haben keine Klappen, und der Druck in der Zehenvene steigt bei jedem Auffußen steil an. Die Lymphgefäße am Hinterbein haben zwar eigene glatte Muskelzellen, die etwas mitpumpen, aber ohne Bewegung reicht das nicht. Wie das Lymphsystem insgesamt aufgebaut ist und wo du die Lymphknoten tastest, steht im Beitrag zum Lymphsystem beim Pferd.

Woran erkenne ich angelaufene Beine?

Angelaufene Beine sind beidseitig dick, meist an den Hinterbeinen, und reichen vom Huf bis etwa zum Fesselkopf oder Röhrbein. Sie fühlen sich kühl und teigig an, ein Fingerdruck hinterlässt eine Delle. Das Pferd geht klar und lässt sich anfassen. Nach 20 bis 30 Minuten Schritt sind sie wieder schlank.

So gehe ich vor, wenn ich morgens dicke Beine sehe:

  • Beide Beine vergleichen. Sind beide gleich dick, ist das ein gutes Zeichen. Ist eines deutlich dicker, schau genauer hin.
  • Mit der flachen Hand fühlen, von oben nach unten, rechts gegen links. Ein angelaufenes Bein ist kühl. Ein entzündetes Bein ist warm.
  • Drücken. Bleibt eine Delle, ist es Wasser im Gewebe. Zuckt das Pferd weg, tut etwas weh.
  • Im Schritt führen und danach noch einmal fühlen. Angelaufene Beine werden schlanker. Ein Bein, das gleich dick bleibt, hat einen anderen Grund.

Wichtig ist auch, wie dein Pferd sonst wirkt. Frisst es, trinkt es, sind die Äppel normal und die Temperatur unter 38 °C, spricht das für ein harmloses Einlaufen.

Hat der Wetterwechsel etwas mit dicken Beinen zu tun?

Wahrscheinlich ja, aber vor allem über die Bewegung. Bei Nässe, Matsch und Kälte stehen viele Pferde lieber unter dem Dach, auch im Offenstall. Bei plötzlicher Wärme dösen sie mehr. Ein direkter Einfluss der Temperatur ist beim Pferd nur angedeutet: In der Hannoveraner Studie schwankte das Volumen bei Wärme etwas stärker, aber nicht signifikant.

Ehrlich gesagt gibt es zum Wetter beim Pferd keine eigene Studie. Der einzige Hinweis ist dieser Nebenbefund: Bei 1 bis 12 °C veränderte sich das Beinvolumen weniger als bei 23 bis 31 °C. Der Unterschied war aber zu klein, um ihn sicher von Zufall zu trennen.

Beim Menschen ist es etwas besser untersucht. Beim ruhigen Stehen schwoll die Wade bei 20, 28 und 36 °C ähnlich an. Bei Bewegung dagegen schwoll sie bei 20 °C ab, bei 36 °C kaum noch. Wärme macht es also schwerer, die Flüssigkeit wegzubewegen. Der Luftdruck hatte in einer anderen Studie keinen Einfluss.

Für den Herbst heißt das für mich: Ein Pferd mit dickem Winterfell, das bei ungewöhnlicher Wärme herumsteht, läuft leichter an. Das ist plausibel, aber beim Pferd nicht gemessen.

Was mache ich, wenn mein Pferd angelaufene Beine hat?

Bewegen. Schon 20 bis 30 Minuten Schritt an der Hand oder unter dem Sattel reichen meistens, damit die Beine wieder schlank werden. Danach hilft es, die Beine kalt abzuspritzen. Auf Dauer bringt mehr Bewegung über den Tag verteilt am meisten, also Auslauf, Weg zum Heu und Wasser, ein Paddock-Trail.

Im Offenstall bewegen sich die Pferde mehr als in der Box, aber nicht automatisch genug. Stehen Heu, Wasser und Unterstand nah beieinander, laufen sie bei schlechtem Wetter kaum. Heu an zwei, drei Stellen verteilt bringt Schritte. Wenn dein Pferd zusätzlich bewegt wird, ist der Abend oft die bessere Zeit als der Morgen, damit es nicht direkt danach die ganze Nacht steht.

Bandagen werden oft gegen das Einlaufen genommen. Eine Studie, die genau das misst, habe ich nicht gefunden. Es gibt aber eine Arbeit, in der äußerer Druck den Lymphfluss im Pferdebein messbar beschleunigt hat. Wenn du bandagierst, dann mit Polster drunter, nicht zu fest und nicht länger als über Nacht. Unter der Bandage wird es warm: In einer Messung lag die Haut dort nach der Arbeit bei 24,8 °C statt bei rund 14 °C ohne Bandage.

Wann ist ein dickes Bein mehr als angelaufen?

Wenn nur ein Bein dick ist, wenn es warm, prall und schmerzhaft ist, wenn das Pferd lahmt, Fieber hat oder die Schwellung nach Bewegung bleibt. Dann kann eine Phlegmone dahinterstecken, eine Entzündung des Unterhautgewebes, die sich schnell ausbreitet. Auch Verletzungen, Prellungen und Hufgeschwüre machen ein einzelnes Bein dick.

Zur Phlegmone gibt es zwei größere Fallserien. In einer amerikanischen Klinik war bei der primären Phlegmone in 18 von 24 Fällen ein Hinterbein betroffen. Pferde, die bei der Aufnahme Fieber hatten, überlebten seltener. In einer kanadischen Auswertung mit 63 Pferden waren ebenfalls die Hinterbeine häufiger betroffen, und in 43 Prozent der Fälle fand man keine Ursache, also auch keine sichtbare Wunde. 89 Prozent der Pferde konnten nach Hause.

Was mich an dieser Studie am meisten beschäftigt: Der häufigste Grund, warum Pferde eingeschläfert werden mussten, war nicht das kranke Bein, sondern Hufrehe am gesunden Gegenbein, weil es die ganze Last trägt. Deshalb wartet man bei einem heißen, dicken Bein mit Lahmheit nicht ein paar Tage ab.

Wie unterscheide ich angelaufene Beine, Phlegmone und Mauke?

Angelaufene Beine sind kühl, beidseitig und verschwinden mit Bewegung. Eine Phlegmone ist meist ein Bein, heiß, sehr schmerzhaft, oft mit Fieber und deutlicher Lahmheit. Mauke zeigt sich vor allem an der Haut in der Fesselbeuge, mit Krusten, Schuppen oder nässenden Stellen. Bei Kaltblütern kommt noch das chronisch fortschreitende Lymphödem dazu.

Angelaufen Phlegmone Mauke
Wie viele Beine meist beide hinten meist eines eines oder mehrere
Wärme kühl heiß an der Haut gerötet
Schmerz, Lahmheit nein deutlich eher wenig
Fieber nein häufig selten
Nach Bewegung schlanker bleibt dick keine Änderung
Haut unauffällig prall gespannt Krusten in der Fesselbeuge

Mauke und dicke Beine können zusammenkommen. Aus kleinen Rissen in der Fesselbeuge kann eine Entzündung ins Bein aufsteigen. Wie du Mauke erkennst und pflegst, steht im Beitrag über Mauke beim Pferd.

Das chronisch fortschreitende Lymphödem betrifft vor allem schwere Kaltblüter mit viel Behang, etwa Shire, Clydesdale und Belgier. Bei ihnen schwellen die Beine über Jahre immer mehr an, die Haut verdickt sich und bildet Falten und Knoten. In einer belgischen Erhebung waren über 85 Prozent der Belgischen Kaltblüter über drei Jahre betroffen. Das ist eine eigene Erkrankung und gehört in tierärztliche Begleitung.

Kommen dicke Beine von zu viel Eiweiß im Futter?

Dafür gibt es keinen Beleg. Ich habe gezielt nach Studien gesucht, in denen Pferde wegen eiweißreichen Futters dicke Beine bekamen, und keine gefunden. Belegt ist eher das Gegenteil: Wassereinlagerungen an Beinen und Unterbauch entstehen, wenn im Blut zu wenig Eiweiß ist, zum Beispiel bei Darmerkrankungen mit Eiweißverlust.

Die Stallweisheit hält sich trotzdem hartnäckig, gerade bei Luzerne. Ein gesundes Pferd baut überschüssiges Eiweiß ab und scheidet den Stickstoff über die Nieren aus. Das kostet etwas Wasser, und der Urin riecht stärker nach Ammoniak, aber dicke Beine kommen davon nicht.

Wassereinlagerungen durch Eiweißmangel sind etwas anderes als angelaufene Beine. Sie entstehen, wenn der Albuminwert im Blut stark fällt, laut tierärztlicher Fachliteratur meist unter 15 g/l. Dann sind oft nicht nur die Beine dick, sondern auch der Unterbauch oder der Kopf. Bei Fohlen mit einer bestimmten Darminfektion hatten in einer Auswertung 81 Prozent ein Ödem am Unterbauch.

Ob die Ration deines Pferdes beim Eiweiß passt, siehst du nur in einer Rechnung. Wie viel ein Pferd braucht und was die einzelnen Aminosäuren tun, steht im Beitrag über Aminosäuren beim Pferd.

Welche Kräuter werden bei angelaufenen Beinen gefüttert?

Klassisch sind Brennnessel, Löwenzahn, Birkenblätter und Steinklee. Sie werden traditionell als Kur über zwei bis drei Wochen eingesetzt, wenn die Beine zum Anlaufen neigen. Belastbare Studien dazu gibt es beim Pferd nicht. Beim Menschen hat Löwenzahn in einer kleinen Studie die Harnmenge an einem Tag leicht erhöht.

Die Studie zum Löwenzahn ist wirklich klein: 17 Menschen, ein einziger Tag. Nach der ersten Gabe mussten sie häufiger zur Toilette, nach der zweiten war die Harnmenge im Verhältnis zur Trinkmenge höher, nach der dritten tat sich nichts mehr. Zur Brennnessel gibt es beim Pferd nur eine Studie zur Schmackhaftigkeit, und die zeigt immerhin, dass Brennnessel im Futter die Futteraufnahme nicht stört.

Beim Steinklee bin ich vorsichtig. Er enthält Cumarin, und wenn er schimmelt, entsteht daraus Dicumarol, das die Blutgerinnung hemmt. Ein Fall aus Kanada beschreibt eine Stute mit Nasenbluten nach verschimmeltem Steinklee. Wer ihn füttert, nimmt nur einwandfrei getrocknete Ware und lässt ihn vor Operationen und bei Pferden mit Blutungsneigung weg.

Und ganz wichtig: Kräuter ersetzen keine Bewegung. Ein Pferd, das den ganzen Tag steht, läuft auch mit der besten Kräutermischung an.

Was ändere ich an der Fütterung, wenn die Beine anlaufen?

Meist gar nicht viel. Heu bleibt die Grundlage, das Mineralfutter läuft weiter, Wasser und Salz stehen frei. Wenn dein Pferd wegen schlechten Wetters weniger arbeitet, darf die Energie aus Kraftfutter etwas runter. Eine Rationsberechnung zeigt, ob Eiweiß, Zink, Kupfer und Vitamin E passen.

Zwei Dinge schaue ich mir bei Pferden mit dicken Beinen trotzdem an. Erstens das Salz. Viele Heus haben wenig Natrium, manche aber sehr viel. Bei einem Heu mit hohem Natriumgehalt braucht ein Pferd ohne viel Schweiß kaum zusätzliches Salz. Die Heuanalyse zeigt das, wie du sie liest, steht im Beitrag Heuanalyse lesen.

Zweitens Vitamin E. Im Herbst und Winter fällt das frische Gras weg, und im gelagerten Heu ist wenig davon drin. Ein Mangel hat zwar nichts mit dem Einlaufen zu tun, aber Pferde, die gerade weniger Gras fressen, sind oft knapp versorgt.

Was ich nicht mache: bei dicken Beinen auf Verdacht das Eiweiß halbieren oder die Luzerne streichen. Damit nimmst du einem Pferd, das vielleicht gerade Muskeln aufbaut, die Bausteine, ohne dass sich an den Beinen etwas ändert.

Häufige Fragen

Sind angelaufene Beine beim Pferd gefährlich?

In der Regel nicht. Wenn die Beine kühl sind, beide gleich aussehen und nach Bewegung schlank werden, ist das ein Zeichen dafür, dass dein Pferd zu lange gestanden hat. Ein einzelnes heißes, schmerzhaftes Bein, Lahmheit oder Fieber sind dagegen ein Grund, die Tierärztin zu rufen.

Warum sind meistens die Hinterbeine dick?

Die Flüssigkeit muss an den Hinterbeinen weiter nach oben, das ist die übliche Erklärung, gemessen hat das beim Pferd niemand. Auch die Phlegmone betrifft in den Fallserien häufiger die Hinterbeine, in einer Klinik waren es 18 von 24 Fällen. Warum das so ist, weiß man nicht sicher.

Soll ich ein Pferd mit dicken Beinen longieren?

Bei angelaufenen Beinen ist ruhige Bewegung gut, Schritt an der Hand oder im Gelände ist ideal. Auf dem Zirkel trägt das innere Hinterbein viel Last. Lahmt dein Pferd oder ist ein Bein warm, longierst du nicht, sondern klärst erst, was los ist.

Hilft Kühlen bei angelaufenen Beinen?

Kaltes Wasser nach der Bewegung fühlt sich gut an und zieht die Gefäße zusammen. Das Wichtigste ist aber die Bewegung selbst. Bei einem warmen, entzündeten Bein ist Kühlen sinnvoll, ersetzt aber nicht den Blick der Tierärztin.

Sind dicke Beine im Winter normal?

Normal sind sie nicht, aber häufig. Im Winter bewegen sich viele Pferde weniger, gerade bei Matsch und Kälte. Ein Pferd, das regelmäßig anläuft, braucht mehr Bewegung über den Tag verteilt. Wie du den Offenstall dafür einrichtest, hängt vom Stall ab.

Kann ein Stallwechsel dicke Beine machen?

Ja, indirekt. In einem neuen Stall bewegen sich viele Pferde in den ersten Tagen anders, stehen unsicher am Rand oder werden von der Herde weggeschickt. Was in den ersten zwei Wochen nach dem Umzug wichtig ist, steht im Beitrag über den Stallwechsel.

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