KI-generiertUnsere Hauspferde stammen aus der Steppe zwischen Wolga und Don im heutigen Südrussland. Dort haben Menschen vor rund 4.200 Jahren angefangen, Pferde gezielt zu züchten, und von dort haben sich diese Pferde über ganz Europa und Asien verbreitet. Die Pferdefamilie selbst ist viel älter, sie hat sich über gut 50 Millionen Jahre in Nordamerika entwickelt. Gebaut ist das Pferd bis heute für ein Leben auf offenem Grasland: viel laufen, fast den ganzen Tag fressen, in der Gruppe leben.
Für die Fütterung ist das der Ausgangspunkt. Fast alles, was ich in der Beratung empfehle, von der Heumenge über die Fresspausen bis zur Bewegung, lässt sich auf die Frage zurückführen, wofür der Körper eines Pferdes gemacht ist. In diesem Beitrag steht, woher das Pferd kommt, was Studien an wild lebenden Pferden zeigen, und was du davon für dein Pferd im Stall mitnehmen kannst. Und auch, wo „wie in der Natur“ für ein Hauspferd die falsche Richtung ist.
Woher stammt das Pferd ursprünglich?
Die Pferdefamilie stammt aus Nordamerika. Die ältesten Vorfahren lebten vor gut 50 Millionen Jahren, waren etwa so groß wie ein Fuchs, hatten mehrere Zehen und fraßen Blätter im Wald. Mit der Ausbreitung der Graslandschaften wurden die Tiere größer und schneller, die Zähne höher und die Zehen weniger, bis nur noch einer übrig blieb, der Huf.
Die Gattung Equus, zu der unser Pferd, der Esel und das Zebra gehören, ist vor etwa vier Millionen Jahren in Nordamerika entstanden. Über die damalige Landbrücke zwischen Alaska und Sibirien sind Pferde nach Asien gewandert und haben sich von dort über Europa und Afrika verbreitet.
In Amerika sind die Pferde am Ende der letzten Eiszeit ausgestorben, vor gut 10.000 Jahren. Zurück kamen sie erst mit den Spaniern im 16. Jahrhundert. Die Mustangs in Nordamerika sind also Nachfahren von Hauspferden, die verwildert sind.
Für uns zählt vor allem, was aus diesen 50 Millionen Jahren übrig geblieben ist: ein Tier, dessen Zähne zum stundenlangen Mahlen von harten Gräsern gebaut sind, dessen Darm auf faserreiches Futter in kleinen Portionen eingestellt ist und dessen Beine zum Laufen über weite Strecken gemacht sind.
Wo und wann wurde das Pferd zum Haustier?
In der Steppe zwischen Wolga und Don. Das zeigt eine große Genstudie von 2021 mit 273 Knochenfunden. Ab etwa 2200 vor Christus haben Menschen dort Pferde gezielt verpaart, und ab etwa 2000 vor Christus haben sich diese Pferde in wenigen Jahrhunderten über Europa und Asien ausgebreitet. Sie haben fast alle anderen Pferdelinien verdrängt.
Lange galt die Botai-Kultur im heutigen Kasachstan als Ort der ersten Hauspferde, rund 3500 vor Christus. Dort gibt es Spuren von Zaumzeug, Pferche und sogar Stutenmilch in Gefäßen. Eine Genstudie von 2018 hat aber gezeigt, dass unsere heutigen Hauspferde nur zu etwa 2,7 Prozent von den Botai-Pferden abstammen.
Spannend ist, was die Menschen damals an den Pferden verändert haben. Die Forschenden fanden zwei Gene, die stark ausgewählt wurden. Das eine hängt mit der Wirbelsäule und der Belastbarkeit des Rückens zusammen, das andere mit Angst und Umgänglichkeit. Gezüchtet wurde also von Anfang an auf ein Pferd, das man reiten kann und das ruhig bleibt.
Eine Folgestudie von 2024 mit 475 Genomen zeigt außerdem, dass die Menschen damals die Generationen verkürzt haben, die Pferde wurden also jünger verpaart. Seit etwa 4.200 Jahren gibt es das Hauspferd, wie wir es kennen. Im Vergleich zu 50 Millionen Jahren ist das ein Wimpernschlag.
Sind Przewalski-Pferde die letzten echten Wildpferde?
Nach heutigem Wissen nicht ganz. Die Genstudie von 2018 hat gezeigt, dass Przewalski-Pferde von den Pferden abstammen, die bei Botai gehalten wurden. Sie sind also verwilderte Nachfahren früher Hauspferde, ähnlich wie Mustangs, nur viel früher wieder frei geworden. Echte Wildpferde, die nie vom Menschen gehalten wurden, gibt es nach dieser Arbeit keine mehr.
Für unsere Frage ist das trotzdem kein Nachteil. Przewalski-Pferde, Mustangs, die Brumbies in Australien oder die Camargue-Pferde leben seit vielen Generationen ohne menschliche Fütterung. An ihnen sieht man, wie Pferde ihren Tag einteilen, wenn niemand Heu hinlegt und das Tor zumacht.
Interessant ist eine Untersuchung an Schweifhaaren von Przewalski-Pferden in der Wüste Gobi. Früher, als sie noch gejagt wurden, haben sie im Winter viele Sträucher und Zweige gefressen und im Sommer Gras. Heute, wo sie geschützt sind, fressen sie das ganze Jahr über vor allem Gras. Was ein Pferd frisst, hängt also stark davon ab, was es erreichen kann.
Wie lange fressen Pferde in freier Natur am Tag?
Etwa 12 bis 17 Stunden. Eine Studie an Islandpferden auf großer Weide hat 2025 gemessen, dass sie im Winter rund 12,7 Stunden und im Frühjahr 17 Stunden am Tag mit Fressen verbrachten. Pausen ohne Futter dauerten unter zwei Stunden. Das passt zur Empfehlung, Hauspferden mindestens 12 Stunden Fresszeit am Tag zu ermöglichen.
Der Magen eines Pferdes ist klein, er fasst nur rund 10 bis 15 Liter, und er bildet ständig Säure, auch wenn nichts drin ist. Kauen bildet Speichel, und der puffert die Säure. Lange Fresspausen sind deshalb für den Magen eine Belastung, für den Darm ebenso, weil die Mikroben dort auf gleichmäßigen Nachschub angewiesen sind.
Im Stall sieht es oft ganz anders aus. Eine Münchner Studie hat 2020 auf zehn Betrieben 104 Pferde beobachtet. Bei Pferden auf Späneeinstreu, die nur zwei- oder dreimal am Tag Heu bekamen, dauerte die Fresspause in der Nacht bei drei Vierteln über vier Stunden, im Schnitt fast neun Stunden. Pferde, die das selbst entscheiden können, unterbrechen das Fressen nie so lange.
Was du daraus mitnehmen kannst: Die Heumenge über den Tag verteilen, abends ausreichend für die Nacht, engmaschige Heunetze oder mehrere kleine Portionen, wenn dein Pferd zum Zunehmen neigt. Wie viel Heu dein Pferd braucht, steht im Beitrag über die Rationsberechnung.
Was fressen wild lebende Pferde?
Vor allem Gräser, aber längst nicht nur. Mit Erbgut-Analysen aus dem Kot lässt sich heute nachweisen, welche Pflanzen ein Pferd gefressen hat. In einem dänischen Naturschutzgebiet fraßen verwilderte Pferde das ganze Jahr über sehr viele verschiedene Pflanzen, und im Winter einen deutlich größeren Anteil Bäume. Gräser waren dort weniger, als frühere Studien vermutet hatten.
Pferde suchen sich ihr Futter also gezielt aus, wenn sie die Wahl haben. Sie fressen Kräuter, Blätter, Rinde und Zweige, vor allem in der kargen Zeit. Auf einer Koppel mit wenigen Grassorten und einem Paddock ohne Bewuchs fehlt diese Auswahl.
Ich finde, hier kann man einiges übernehmen, ohne gleich die Ration umzustellen: Zweige von ungiftigen Bäumen und Sträuchern zum Knabbern, eine Hecke am Paddock oder ein paar getrocknete Kräuter. Welche Gehölze dein Pferd fressen darf und welche nicht, steht im Beitrag über Bäume und Sträucher für Pferde, und wie du eine Kräuterauswahl anbietest, im Beitrag über die Kräuterbar.
Wichtig zu wissen: Ein Pferd sucht sich nicht zuverlässig das aus, was ihm fehlt. Für Salz ist das belegt, für Mineralstoffe und Kräuter nicht. Was dahintersteckt, steht im Beitrag Weiß ein Pferd, was es braucht?.
Wie weit laufen Pferde in freier Natur am Tag?
Verwilderte Pferde im australischen Outback liefen im Schnitt knapp 16 km am Tag, manche bis zu 28 km. Hauspferde auf einer 16 Hektar großen Koppel kamen in derselben Forschungsgruppe auf gut 7 km. Auf kleinen Paddocks war es noch deutlich weniger, denn je kleiner die Fläche, desto weniger laufen Pferde.
Die Pferde im Outback liefen vor allem, weil sie mussten: zwischen den Futterstellen und dem Wasser lagen teils viele Kilometer, manche gingen zwölf Stunden am Stück zur Tränke. Getrunken haben sie im Schnitt nur alle zwei bis drei Tage. Ein Hauspferd läuft weniger, weil Futter und Wasser direkt vor ihm stehen.
Für Hufe, Gelenke, Darm und Stoffwechsel ist Bewegung trotzdem wichtig. Ein Pferd, das den ganzen Tag steht, verbraucht weniger Energie, nimmt leichter zu, und auch der Darm arbeitet schlechter. Mehr Platz hilft nur begrenzt, denn die Strecke steigt mit der Fläche nicht endlos an.
Was mehr Wirkung hat, ist der Grund zum Laufen: Heu an mehreren Stellen verteilt, Wasser ein Stück entfernt vom Futter, ein Weg rund um den Paddock. Und natürlich das, was du selbst mit deinem Pferd machst, also Spaziergänge, Reiten, Longieren.
Warum leben Pferde in Herden und schlafen nicht allein?
Weil ein Fluchttier in der Gruppe sicherer ist. In freier Natur leben Pferde in festen Familiengruppen mit Hengst, Stuten und Nachwuchs, junge Hengste ziehen in Junggesellengruppen. In der Gruppe wachen immer ein paar, während andere dösen oder liegen. Erst dann legt sich ein Pferd zum Tiefschlaf hin.
Für Hauspferde heißt das: Ein Pferd braucht andere Pferde, mindestens zum Sehen, Riechen und Berühren. Für ein allein gehaltenes Pferd ist das Stress, und Pferde, die sich unsicher fühlen, legen sich nachts oft nicht hin. Was das für Folgen hat, steht im Beitrag über Narkolepsie und REM-Schlafmangel.
In freier Natur leben Pferde verschiedenen Alters zusammen, und das hat einen Grund: Erwachsene Pferde bringen den jungen den Umgang miteinander bei. Wie das bei Hauspferden klappen kann, steht im Beitrag über alte und junge Pferde.
Ist es für ein Hauspferd am besten, wie ein Wildpferd zu leben?
In vielen Punkten ja, aber nicht in allen. Viel Raufutter, kurze Fresspausen, Bewegung und andere Pferde, das ist aus der Natur gut abgeleitet. Das Leben in freier Wildbahn ist aber auch hart: Pferde nehmen im Winter ab, trinken teils nur alle paar Tage und bekommen keine Tierärztin. Ein Hauspferd kann es da besser haben.
Islandpferde auf großer Winterweide verloren in der Studie von 2025 im Laufe des Winters an Gewicht, der Körperzustand sank von 5,6 auf 4,8 auf der Neun-Punkte-Skala. Für ein leichtfuttriges Pferd ist ein bisschen Abnehmen im Winter völlig normal und sogar gut. Für ein altes, dünnes Pferd ist es das nicht.
Ein anderes Beispiel ist Vitamin E. Bei verwilderten Giara-Pferden auf Sardinien lag der Vitamin-E-Wert im Blut schon in freier Natur unter dem, was für Hauspferde als ausreichend gilt. Nach vier Wochen nur mit Heu sank er um weitere 32,5 Prozent. Frisches Grün liefert viel Vitamin E, Heu nach der Lagerung wenig.
Dazu kommt, dass unsere Pferde nicht mehr die Pferde aus der Steppe sind. Ein Vollblut, ein Warmblut und ein Shetlandpony sind über Jahrhunderte auf ganz verschiedene Dinge gezüchtet worden, und sie brauchen auch beim Futter nicht dasselbe. Und die Weiden heute sind mit ertragreichen Gräsern bestellt, die oft deutlich mehr Zucker liefern als karges Steppengras.
Deshalb rechne ich in der Beratung immer für das einzelne Pferd. Die Natur gibt die Richtung vor, die Ration muss trotzdem zum Pferd, zum Heu und zur Haltung passen.
Was können wir für unsere Hauspferde mitnehmen?
Fünf Dinge. Raufutter über den ganzen Tag verteilt, ohne Pausen über vier Stunden. Abwechslung zum Knabbern, zum Beispiel Zweige. Bewegung, am besten mit einem Grund zum Laufen. Andere Pferde in Sicht- und Berührweite. Und genug Ruhe und Platz, damit sich ein Pferd nachts hinlegen kann.
Dazu, was die Natur nicht von allein liefert, ein Mineralfutter, das zum Heu passt. In freier Natur wechseln Pferde zwischen vielen Pflanzen und Böden. Ein Hauspferd bekommt dagegen oft monatelang dasselbe Heu von denselben Wiesen, und in Deutschland fehlen darin fast immer Zink und Kupfer. Wie du das ausgleichst, steht im Beitrag über Mineralfutter.
Wenn du dir unsicher bist, wo bei deinem Pferd anzufangen ist, nimm dir die Liste und hak ab, was schon passt. Meistens ist es nur ein Punkt, an dem es hakt, und der ist dann leichter zu ändern als gedacht.
Häufige Fragen
Woher kommt das Hauspferd?
Aus der Steppe zwischen Wolga und Don im heutigen Südrussland. Dort haben Menschen ab etwa 2200 vor Christus Pferde gezielt gezüchtet. Diese Pferde haben sich ab etwa 2000 vor Christus über ganz Europa und Asien verbreitet und fast alle anderen Pferdelinien verdrängt.
Wann wurde das Pferd domestiziert?
Die heutigen Hauspferde gehen auf eine Zucht zurück, die vor rund 4.200 Jahren begann. Schon früher, um 3500 vor Christus, hielten Menschen bei Botai im heutigen Kasachstan Pferde. Von diesen Pferden stammen heutige Hauspferde aber nur zu einem sehr kleinen Teil ab.
Gibt es heute noch echte Wildpferde?
Nach einer Genstudie von 2018 nicht mehr. Auch die Przewalski-Pferde stammen von Pferden ab, die vor gut 5.000 Jahren bei Botai gehalten wurden. Mustangs, Brumbies und Camargue-Pferde sind verwilderte Hauspferde.
Wie lange frisst ein Pferd am Tag?
Pferde auf großer Weide fressen etwa 12 bis 17 Stunden am Tag, je nach Jahreszeit. Für Hauspferde gelten mindestens 12 Stunden Fresszeit als Empfehlung, und keine Fresspause über vier Stunden.
Wie viele Kilometer läuft ein Pferd am Tag?
Verwilderte Pferde in Australien liefen im Schnitt knapp 16 km am Tag. Hauspferde auf einer 16 Hektar großen Koppel kamen auf gut 7 km, auf kleinen Paddocks auf noch weniger.
Was hat das Pferd früher gefressen?
Vor allem Gräser, dazu Kräuter, Blätter und Zweige. Przewalski-Pferde haben früher im Winter viele Sträucher gefressen, verwilderte Pferde in Dänemark fressen im Winter einen größeren Anteil Bäume.
Quellen
- Librado P. u. a. (2021): The origins and spread of domestic horses from the Western Eurasian steppes. Nature 598:634.
- Librado P. u. a. (2024): Widespread horse-based mobility arose around 2200 BCE in Eurasia. Nature 631:819.
- Gaunitz C. u. a. (2018): Ancient genomes revisit the ancestry of domestic and Przewalski's horses. Science 360:111.
- Kaczensky P. u. a. (2017): Stable isotopes reveal diet shift from pre-extinction to reintroduced Przewalski's horses. Sci Rep 7:5950.
- Thomassen E. E. u. a. (2023): Contrasting seasonal patterns in diet and dung-associated invertebrates of feral cattle and horses in a rewilding area. Mol Ecol 32:2071.
- Taylor D. E. F., Lancaster B. E., Ellis A. D. (2025): Time budgets in domesticated male Icelandic horses on pasture turnout in winter and spring. Animals 15:3206.
- Hampson B. A. u. a. (2010): Distances travelled by feral horses in „outback“ Australia. Equine Vet J Suppl 38:582.
- Hampson B. A. u. a. (2010): Monitoring distances travelled by horses using GPS tracking collars. Aust Vet J 88:176.
- Baumgartner M. u. a. (2020): Common feeding practices pose a risk to the welfare of horses when kept on non-edible bedding. Animals 10:411.
- Cappai M. G. u. a. (2020): Variation of hematochemical profile and vitamin E status in feral Giara horses from free grazing in the wild to hay feeding during captivity. J Equine Vet Sci 94:103220.


