
Reiskleie ist ein Energiefutter mit viel Fett und deutlich weniger Stärke als Getreide. Für Pferde, die zunehmen sollen oder viel arbeiten, kann sie sinnvoll sein. Der Haken ist der Phosphor: Reiskleie hat über zwanzigmal so viel Phosphor wie Calcium, und der größte Teil davon steckt in der Phytinsäure. Wer sie regelmäßig füttert, muss Calcium ausgleichen und die Ration einmal durchrechnen.
Reiskleie hat in vielen Ställen einen richtig guten Ruf. Sie steht in Aufbaumüslis, in Mischungen für den Muskelaufbau und als reine Kleie im Futterregal, oft mit dem Hinweis auf Gamma-Oryzanol. Interessant wird sie meistens dann, wenn ein Pferd nicht zunimmt oder die Oberlinie fehlt. Ich hab mir deshalb die Nährwerte aus den Futtermitteltabellen angeschaut, das, was es an Untersuchungen beim Pferd gibt, und was die Fachliteratur zum Mineralhaushalt sagt. Ganz ehrlich: Die Kleie kann was, aber sie passt längst nicht in jede Ration, und das Phosphorthema wird auf den Säcken so gut wie nie erwähnt.
Was ist Reiskleie?
Reiskleie sind die äußeren Schichten des Reiskorns zusammen mit dem Keim. Sie fallen an, wenn Naturreis zu weißem Reis geschliffen und poliert wird. Auf Futtersäcken steht sie oft als Reisfuttermehl. Weil im Keim viel Fett steckt, ist Reiskleie deutlich fettreicher als Weizenkleie, und sie wird ohne Behandlung innerhalb kurzer Zeit ranzig.
Beim Reis ist das so ähnlich wie beim Mehl aus Weizen: Was in der Küche als weißer Reis landet, ist nur der Mehlkörper. Die braune Hülle drumherum und der Keim werden abgeschliffen, und genau das ist die Kleie. Darin stecken die meisten Mineralstoffe, das Fett, B-Vitamine, Vitamin E und eben auch die Phytinsäure, mit der die Pflanze ihren Phosphor speichert.
Im Handel bekommst du Reiskleie in drei Formen:
- Vollfette Reiskleie: so, wie sie aus der Mühle kommt. Viel Fett, aber sehr kurz haltbar, wenn sie nicht stabilisiert wurde.
- Stabilisierte Reiskleie: direkt nach dem Schälen erhitzt, damit das fettspaltende Enzym nicht mehr arbeitet. Das ist die Form, die für Pferde verkauft wird, oft als Pellet oder Mehl.
- Entölte Reiskleie: Das Öl wurde vorher herausgepresst oder extrahiert. Sie hat wenig Fett und noch mehr Phosphor je Kilo, weil das Fett als Masse fehlt.
Wenn ein Produkt nur „Reisfuttermehl“ deklariert, siehst du an der Angabe zum Rohfett, welche Sorte drin ist. Ab etwa 15 Prozent ist es vollfett.
Welche Nährwerte hat Reiskleie für Pferde?
Vollfette Reiskleie hat in der Trockenmasse rund 17 Prozent Fett, 15 Prozent Rohprotein, knapp 29 Prozent Stärke und 8 bis 9 Prozent Rohfaser. Beim Phosphor liegt sie bei rund 17 Gramm je Kilo Trockenmasse, beim Calcium bei nur 0,7 Gramm. Mit rund 13,6 MJ umsetzbarer Energie je Kilo liegt sie deutlich über Hafer.
Hier die Werte im Vergleich, damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst. Reiskleie nach der Futtermitteldatenbank Feedipedia (vollfett, mittlerer Fasergehalt), Hafer und Weizenkleie zum Vergleich, alles je Kilo Trockenmasse:
| je kg Trockenmasse | Reiskleie | Weizenkleie | Hafer |
|---|---|---|---|
| Fett | rund 170 g | rund 45 g | rund 50 g |
| Stärke | rund 290 g | rund 200 g | rund 450 g |
| Rohprotein | rund 150 g | rund 160 g | rund 120 g |
| Phosphor | rund 17 g | rund 12 g | rund 4 g |
| Calcium | rund 0,7 g | rund 1,5 g | rund 1 g |
| Calcium zu Phosphor | etwa 1 zu 24 | etwa 1 zu 8 | etwa 1 zu 4 |
Wichtig zu wissen: Die Werte schwanken je nach Reissorte, Mühle und wie viel Bruchreis mit in die Kleie geraten ist. Kleie mit viel Bruchreis hat mehr Stärke und weniger Fett. Die stabilisierten Produkte für Pferde liegen beim Fett oft um 20 Prozent. Deshalb lohnt sich immer der Blick auf die Deklaration des Sacks, den du wirklich kaufst.
Warum ist der Phosphor in Reiskleie ein Problem?
Weil kaum Calcium dagegensteht. Für die Knochen braucht das Pferd mehr Calcium als Phosphor, empfohlen ist ein Verhältnis von 1,5 zu 1 bis 2 zu 1. Reiskleie liegt bei etwa 1 zu 24. Bekommt das Pferd über Wochen viel davon, ohne dass Calcium ausgeglichen wird, holt sich der Körper das fehlende Calcium auf Dauer aus den Knochen.
Das ist dasselbe Thema, das man von der Weizenkleie kennt, nur noch deutlicher. Ein hoher Phosphoranteil im Futter bremst die Aufnahme von Calcium aus dem Darm. Der Körper hält den Calciumspiegel im Blut trotzdem konstant, und das geht nur, indem er Calcium aus dem Knochen freisetzt. Das Pferd merkt davon lange nichts. In der Fachliteratur ist das Bild als alimentärer sekundärer Hyperparathyreoidismus beschrieben, früher auch Kleiekrankheit genannt, mit aufgetriebenen Gesichtsknochen und Lahmheiten im fortgeschrittenen Stadium. So weit kommt es heute selten, weil kaum noch jemand kiloweise Kleie füttert. Die schleichende Schieflage gibt es aber weiterhin.
Was die Rechnung bei vielen Pferden rettet, ist das Heu. Gutes Wiesenheu hat meistens mehr Calcium als Phosphor und puffert einen Teil ab. Bei Luzerne als Grundfutter ist noch mehr Calcium da. Ob das reicht, hängt davon ab, wie viel Kleie dazukommt und welches Heu im Stall liegt. Das kann man nicht schätzen, das muss man einmal durchrechnen. Wie das geht, steht im Beitrag zur Rationsberechnung beim Pferd.
Was macht die Phytinsäure in Reiskleie?
Phytinsäure ist die Speicherform, in der die Pflanze ihren Phosphor ablegt. In Reiskleie liegen je nach Untersuchung rund 75 bis 90 Prozent des Phosphors so gebunden vor. Das Pferd kann diesen Phosphor im Dünndarm nur teilweise nutzen, und die Phytinsäure bindet zusätzlich Calcium, Zink und Eisen im Darm.
Heißt für uns: Reiskleie liefert auf dem Papier viel Phosphor, aber nicht alles davon kommt im Pferd an. Das macht die Sache aber nicht besser, eher im Gegenteil. Die Phytinsäure nimmt im Darm auch andere Mineralstoffe mit, die das Pferd dringend braucht. Gerade Zink ist in vielen Rationen ohnehin knapp, weil Heu meist zu wenig davon hat. Wer dann noch eine Portion Phytinsäure dazugibt, verschiebt die Bilanz weiter nach unten.
Ein Teil der Phytinsäure wird im Dickdarm von den Bakterien abgebaut, und der Phosphor wird dabei frei. Wie viel das beim Pferd genau ausmacht, ist nicht gut untersucht. Deshalb rechne ich in der Praxis mit dem vollen Phosphorgehalt und gleiche das Calcium danach aus. Damit liegst du auf der sicheren Seite.
Wie viel Calcium muss ich bei Reiskleie ausgleichen?
Grob gerechnet bringen 500 Gramm vollfette Reiskleie rund 7,7 Gramm Phosphor und nur 0,3 Gramm Calcium mit. Um allein diesen Anteil auf 1,5 zu 1 zu bringen, fehlen rund 11 Gramm Calcium. Das entspricht etwa 29 Gramm kohlensaurem Futterkalk mit rund 38 Prozent Calcium.
Hier die Rechnung für ein paar übliche Mengen, gerechnet mit 90 Prozent Trockenmasse und den Werten aus der Tabelle oben:
| Reiskleie am Tag | Phosphor | Calcium | fehlendes Calcium für 1,5 zu 1 | Futterkalk, etwa |
|---|---|---|---|---|
| 100 g | 1,5 g | 0,06 g | 2,2 g | 6 g |
| 250 g | 3,8 g | 0,16 g | 5,6 g | 15 g |
| 500 g | 7,7 g | 0,32 g | 11,2 g | 29 g |
Das ist die Rechnung für die Kleie allein. In der echten Ration kommt es auf die Summe an: Heu, Mineralfutter, Kraftfutter und eben die Kleie zusammen. Bei vielen Pferden mit gutem Heu reicht ein Teil davon schon aus, bei calciumarmem Heu braucht es eher mehr. Viele fertige Reiskleieprodukte haben außerdem schon Calcium zugesetzt. Schau auf die Deklaration: Steht dort mehr Calcium als Phosphor, ist der Hersteller schon tätig geworden.
Auf Verdacht Futterkalk in die Schüssel kippen würde ich trotzdem nicht. Zu viel Calcium hemmt wiederum die Aufnahme von Magnesium und Zink. Einmal sauber rechnen und dann weiß man es.
Hilft Reiskleie wirklich beim Muskelaufbau?
Reiskleie liefert Energie und etwas Eiweiß, und ein Pferd, das genug Energie bekommt, kann leichter Muskeln aufbauen. Für das Gamma-Oryzanol, mit dem viele Produkte werben, gibt es beim Pferd aber keine belastbare kontrollierte Studie, die einen Muskelaufbau zeigt. Muskeln entstehen durch Training und genug Eiweiß in guter Qualität.
Gamma-Oryzanol ist ein Stoff aus dem Fettanteil der Reiskleie. In der Werbung heißt es oft, er wirke ähnlich wie ein Hormon und baue Muskeln auf. Was es dazu beim Pferd gibt, sind Laborversuche an Muskelzellen und einzelne kleine Untersuchungen, bei denen nach dem Training Werte wie die Herzfrequenz oder die Muskelenzyme im Blut gemessen wurden. Dass ein Pferd durch Gamma-Oryzanol messbar mehr Muskulatur bekommt, ist nicht gezeigt.
Was beim Muskelaufbau wirklich zählt, ist ziemlich unspektakulär: eine Ration, die genug Energie hat, damit das Eiweiß nicht verbrannt wird, genug essenzielle Aminosäuren, vor allem Lysin, und ein Training, das die Muskulatur auch fordert. Welche Aminosäuren das sind und wo sie drinstecken, steht im Beitrag über Aminosäuren für Pferde. Reiskleie ist dabei keine besonders gute Eiweißquelle, rund 15 Prozent sind eher mittelmäßig.
Was es gibt, ist eine kleine Untersuchung aus Polen, veröffentlicht 2022 in den Annals of Animal Science: Sechs gesunde Pferde über 20 Jahre bekamen vier Monate lang 500 Gramm vollfette Reiskleie am Tag. Ihr Body Condition Score stieg im Schnitt um gut einen Punkt auf der Neun-Punkte-Skala. Das zeigt, was Reiskleie gut kann: Pferde, die zu dünn sind, werden runder. Mit Muskeln hat das erstmal nichts zu tun.
Ist das Fett in Reiskleie gut für Pferde?
Fett ist für Pferde eine gute Energiequelle, wenn es langsam angefüttert wird. Das Fett der Reiskleie besteht aber vor allem aus Ölsäure, Linolsäure und Palmitinsäure. Omega-3 ist kaum drin, rund 1 bis 2 Prozent. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt damit bei etwa 15 bis 30 zu 1 und damit weit weg von dem, was Gras liefert.
Pferde können Fett verdauen, obwohl sie keine Gallenblase haben. Sie brauchen aber ein paar Wochen, bis sich die Verdauung darauf eingestellt hat. Deshalb fängst du klein an, mit 100 Gramm am Tag, und steigerst über zwei bis drei Wochen. Wer zu schnell zu viel gibt, sieht das oft am Kot, der weich und schmierig wird.
Das Fettsäuremuster ist der Punkt, über den in der Werbung niemand spricht. Frisches Gras hat deutlich mehr Omega-3 als Omega-6. Ein Pferd mit viel Heu und wenig Weide bekommt ohnehin schon wenig Omega-3, und Reiskleie verschiebt das Verhältnis weiter Richtung Omega-6. Wenn dir das Thema wichtig ist, steht im Beitrag über Omega-3 beim Pferd, woher die Fettsäuren im Alltag kommen und was Saaten können und was nicht.
Dazu kommt das Vitamin E. Mehr Fett in der Ration heißt auch, dass mehr Vitamin E gebraucht wird, um die Fettsäuren vor dem Verderben im Körper zu schützen. Reiskleie hat zwar selbst etwas Vitamin E, bei größeren Mengen und wenig Weidegang lohnt sich aber ein Blick auf die Versorgung.
Für welche Pferde eignet sich Reiskleie?
Am ehesten für Pferde, die mehr Energie brauchen, als sie über Heu decken können, und bei denen Stärke niedrig bleiben soll: Sportpferde mit viel Arbeit, schwerfuttrige Pferde und ältere Pferde, die nicht mehr gut zunehmen. Für leichtfuttrige Pferde und Pferde, die eher abnehmen sollen, ist sie die falsche Wahl.
Reiskleie ist im Grunde ein Mastfutter. Mit über 13 MJ umsetzbarer Energie je Kilo liegt sie über Hafer, und auch wenn die Stärke niedriger ist als im Getreide, stecken in der vollfetten Kleie immer noch um die 25 Prozent. Für ein Pferd, bei dem Zucker und Stärke in der Ration niedrig bleiben sollen und das sowieso schon genug auf den Rippen hat, gibt es keinen Grund, Reiskleie zu füttern. Da sorgt sie nur für zusätzliche Kilos.
Und für viele Pferde, die zunehmen sollen, gibt es Futter, das ich vorher probieren würde. Dazu gleich mehr. Wo ich Reiskleie für vertretbar halte, ist beim älteren Pferd, das schlecht kaut, eingeweichte Cobs nicht mehr gut frisst und seit Monaten nicht zunimmt. Da muss man manchmal einfach das nehmen, was das Pferd frisst und was ankommt. Dann eben mit gerechnetem Calcium und langsam steigend.
Was kann ich statt Reiskleie füttern?
Für die meisten Pferde, die zunehmen sollen, sind strukturreiche Cobs die bessere erste Wahl: Grünhafer-, Luzerne- oder Wiesencobs, eingeweicht und über den Tag verteilt. Sie bringen Energie zusammen mit Faser und Eiweiß und haben ein deutlich besseres Calcium-Phosphor-Verhältnis. Für Eiweiß eignen sich Luzerne, Erbsen oder Hanf.
Der Grund ist einfach. Das Pferd ist auf Faser eingestellt, und die Energie aus Faser kommt aus dem Dickdarm, gleichmäßig über den Tag. Luzernecobs haben deutlich mehr Calcium als Phosphor, die bringen also genau das mit, was der Reiskleie fehlt. Grünhafercobs liefern mehr Energie als Heu, ohne dass man direkt in den Kraftfutterbereich rutscht.
Wenn du selbst mischen willst, findest du im Beitrag zum Pferdemüsli selber mischen, welche Komponenten zusammenpassen und wie du das Ganze im Gleichgewicht hältst. Und wer sich fragt, ob Hafer die bessere Energiequelle wäre, findet im Beitrag über gequetschten Hafer die Mengen, mit denen man rechnen sollte.
Worauf achte ich beim Kauf von Reiskleie?
Kauf nur stabilisierte Reiskleie, am besten als Pellet, und schau auf drei Angaben: Rohfett, Calcium und Phosphor. Steht mehr Calcium als Phosphor auf dem Sack, wurde schon ausgeglichen. Riecht die Kleie ranzig, bitter oder nach altem Öl, kommt sie nicht in die Schüssel, egal wie lange sie noch haltbar sein soll.
Unbehandelte Reiskleie hat ein Enzym, das nach dem Schälen sofort anfängt, das Fett zu spalten. Die freien Fettsäuren steigen dabei schon in den ersten Stunden deutlich an. Deshalb wird die Kleie für Futterzwecke kurz erhitzt. Ranzig werden kann sie danach trotzdem, durch Luft, Licht und Wärme, nur langsamer.
Ein paar Punkte für den Alltag:
- Kleine Säcke kaufen, die du in ein paar Wochen aufbrauchst.
- Kühl, trocken und dunkel lagern, im verschlossenen Eimer. Nicht neben der Heizung in der Sattelkammer.
- Riechen, bevor du abfüllst. Frische Kleie riecht leicht nussig.
- Auf die Zusätze schauen. Manche Mischungen haben Melasse, Zucker oder Getreide dabei. Dann ist das eher ein Müsli mit etwas Reiskleie drin.
- Rohfett vergleichen. Unter 10 Prozent ist es eher entölte Kleie oder viel Füllstoff.
Ist Reiskleie dopingrelevant?
Möglicherweise, je nach Produkt und Regelwerk. Coenen und Vervuert nennen Gamma-Oryzanol aus dem Reiskleieöl als Beispiel für einen Futterinhaltsstoff, der dopingrelevant sein kann. Wer Turniere reitet, prüft vor dem Füttern die aktuelle Liste des Verbands und fragt beim Hersteller nach, ob das Produkt für den Turniersport freigegeben ist.
Bei konzentrierten Gamma-Oryzanol-Zusätzen wird teilweise eine Karenzzeit vor dem Turnier angegeben, bei anderen Produkten steht „dopingfrei“ auf dem Etikett. Die Angaben der Händler widersprechen sich hier zum Teil. Ein Satz im Onlineshop reicht da nicht, frag lieber nach einer schriftlichen Bestätigung. Für Freizeitpferde spielt das keine Rolle.
Wann sollte ich die Tierärztin fragen?
Wenn dein Pferd trotz genug Futter abnimmt, wenn es nach einer Futterumstellung Durchfall, Kotwasser oder Koliken bekommt, oder wenn du bei einem Pferd, das länger Kleie bekommen hat, Lahmheiten ohne klare Ursache oder Schwellungen am Kopf siehst. Abmagern ohne erkennbaren Grund gehört immer erst abgeklärt, bevor man mehr füttert.
Gerade beim älteren Pferd, das nicht zunimmt, stecken oft Zähne, Stoffwechsel oder ein Parasitenbefall dahinter. Da hilft mehr Energie im Trog nur bedingt, solange die Ursache nicht geklärt ist. Ein Zahncheck und ein Blutbild sind deshalb der erste Schritt, die Ration der zweite.
Und wenn ein Pferd über Monate viel Kleie bekommen hat und plötzlich klamm läuft oder die Gesichtsknochen auffällig breit wirken, sprich das bei der Tierärztin ausdrücklich an. Das Krankheitsbild ist selten geworden, und daran denkt nicht jede sofort.
Woher stammen die Angaben in diesem Beitrag?
Die Nährwerte der Reiskleie stammen aus Feedipedia (INRAE, CIRAD, AFZ und FAO), Eintrag Rice bran, vollfett mit 4 bis 11 Prozent Rohfaser. Die Angaben zur Phytinsäure aus der Futtermitteltabelle der University of Illinois und aus Fütterungsversuchen bei Schweinen, zum Fettsäuremuster aus Analysen des Reiskleieöls. Weizenkleie und Hafer sind gerundete Tabellenwerte.
Die Untersuchung an älteren Pferden ist im Jahr 2022 in den Annals of Animal Science erschienen (DOI 10.2478/aoas-2022-0051). Die Einordnung von Gamma-Oryzanol als möglicherweise dopingrelevant steht bei Coenen und Vervuert, Pferdefütterung, S. 175. Das empfohlene Calcium-Phosphor-Verhältnis von 1,5 zu 1 bis 2 zu 1 folgt den GfE-Empfehlungen. Für eine Wirkung von Gamma-Oryzanol auf den Muskelaufbau beim Pferd habe ich keine kontrollierte Studie gefunden.
Häufige Fragen zu Reiskleie für Pferde
Wie viel Reiskleie darf ein Pferd am Tag bekommen?
Eine feste Obergrenze gibt es nicht, weil es vom Rest der Ration abhängt. In der Praxis liegen die Mengen meist zwischen 100 und 500 Gramm am Tag für ein Großpferd. Mehr als 500 Gramm würde ich nur mit einer gerechneten Ration geben, und immer langsam über zwei bis drei Wochen steigern.
Ist Reiskleie gut für ältere Pferde?
Für ältere Pferde, die nicht mehr gut zunehmen und eingeweichte Cobs schlecht fressen, kann sie eine Möglichkeit sein. Vorher sollten Zähne und Blutbild geprüft sein. Und auch beim Senior muss das Calcium ausgeglichen werden.
Muss Reiskleie eingeweicht werden?
Nein, Reiskleie muss nicht eingeweicht werden, weil sie nicht stark quillt. Bei Pferden, die schlingen oder schlecht kauen, ist es trotzdem eine gute Idee, sie mit dem übrigen Futter anzufeuchten. Pellets kannst du einweichen, dann zerfallen sie zu einem Brei.
Macht Reiskleie Pferde heiß?
Eher weniger als Getreide, weil sie weniger Stärke hat und ein Teil der Energie aus dem Fett kommt. Ganz ohne Stärke ist sie aber nicht, je nach Produkt sind es um die 25 Prozent. Wie ein Pferd auf mehr Energie reagiert, hängt auch davon ab, wie viel es dafür arbeitet.
Ist Reiskleie dasselbe wie Reiskeimöl?
Nein. Reiskeimöl ist das reine Öl, das aus der Kleie gepresst wird. Es hat den Fettanteil und das Gamma-Oryzanol, aber keine Faser, kein Eiweiß und so gut wie keinen Phosphor. Reiskleie ist das ganze Material mit allem, was dazugehört, auch mit der Phytinsäure.
Kann ich Reiskleie und Weizenkleie zusammen füttern?
Kann man, es verstärkt aber genau das Problem, das beide haben. Beide Kleien haben viel Phosphor, wenig Calcium und viel Phytinsäure. Wenn beide in der Ration stehen, muss der Calciumausgleich entsprechend höher ausfallen. Ich würde mich für eine von beiden entscheiden.
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