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Heu und Grundfutter·18 Min. Lesezeit·06.10.2026

Heuknappheit 2026: Was beim Pferd Heu ersetzen kann

Heu ist 2026 knapp und teuer. Welche Heu-Alternativen fürs Pferd tragen, wie viel davon in die Ration darf und wovon du die Finger lässt, mit Mengen.

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Drei letzte Rundballen Heu in einer sonst leeren Holzscheune, Sonnenlicht fällt durch die offene Tür.KI-generiert
Drei letzte Rundballen Heu in einer sonst leeren Holzscheune, Sonnenlicht fällt durch die offene Tür.

Wenn Heu knapp ist, ersetzt du es nie ganz, sondern nur zum Teil. Was trägt: Futterstroh bis zu einem Drittel der Raufutterration, Heucobs oder Grascobs bis zu 40 bis 50 Prozent, dazu Heulage, Grünhafer und unmelassierte Rübenschnitzel in kleinen Mengen. Was nicht trägt: Grassilage, mehr Kraftfutter, längere Fresspausen und Rasenschnitt. Die Untergrenze bleiben rund 1,5 kg Trockenmasse Raufutter je 100 kg Körpergewicht am Tag.

2026 ist so ein Jahr. Nach der Dürre im Sommer sind in Süddeutschland ganze Schnitte ausgefallen, und im September lag der Heupreis im Bundesmittel so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Viele Ställe merken jetzt im Oktober, dass das Heu nicht bis zum Frühjahr reicht. Ganz ehrlich, genau dann kommen die schlechten Ideen: einfach weniger füttern, Silage vom Nachbarn, irgendwas Grünes vom Wegrand. In diesem Beitrag steht, welche Alternativen fachlich tragen, mit welchen Mengen, und wovon du lieber die Finger lässt. Die Zahlen stammen aus dem Leipziger Positionspapier zur Raufutterversorgung in Zeiten knapper Heuvorräte und aus dem Lehrbuch von Coenen und Vervuert.

Wie knapp ist Heu im Herbst 2026 wirklich?

Regional sehr unterschiedlich. Am stärksten trifft es Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, wo die Trockenheit dritte und vierte Schnitte gekostet hat. Im September 2026 zahlten Landwirte im Bundesmittel 143 Euro je Tonne Großballenheu, in Hessen 194 Euro, in Niedersachsen-West dagegen nur 120 Euro. Der Norden ist deutlich entspannter.

Die Preise stammen aus den Meldungen der Landwirtschaftskammern, die im September 2026 veröffentlicht wurden. Es sind Preise für Großballen ab Hof, also das, was Landwirte untereinander zahlen. Im Pensionsstall oder für Kleinballen liegt der Preis für dich als Pferdehalterin meist darüber.

Region Heu je Tonne, September 2026 Veränderung zum August
Hessen 194 € plus 44 €
Bayern 191 € plus 31 €
Rheinland-Pfalz 170 € plus 10 €
Nordrhein 153 € gleich
Westfalen 140 € gleich
Sachsen 131 € plus 28 €
Niedersachsen-West 120 € gesunken
Brandenburg 111 € plus 13 €
Bundesmittel 143 € plus 9 €

In Bayern hat das Landwirtschaftsministerium die Lage im August offiziell als Katastrophenfall eingestuft. Heißt für uns: Wer im Süden steht und jetzt schon merkt, dass es eng wird, sollte nicht bis Januar warten. Je früher du planst, desto mehr Auswahl hast du, sowohl beim Heu aus anderen Regionen als auch bei den Alternativen.

Wie viel Raufutter braucht ein Pferd mindestens?

Rund 1,5 kg Trockenmasse Raufutter je 100 kg Körpergewicht am Tag. Bei Heu sind das etwa 1,7 kg je 100 kg, bei der feuchteren Heulage rund 2 kg. Für ein Pferd mit 600 kg heißt das gut 10 kg Heu am Tag. Diese Untergrenze gilt auch dann, wenn Heu knapp ist.

Die Werte stehen so im Positionspapier von Ingrid Vervuert und Franziska Bockisch vom Institut für Tierernährung in Leipzig. Es ist nach dem Dürrejahr 2018 entstanden, also genau für die Lage, in der wir jetzt wieder stecken. Die Mindestmenge hat drei Gründe: Das Pferd soll lange genug kauen und damit genug Speichel bilden, die Darmbakterien brauchen Faser, und das Raufutter liefert einen großen Teil der Energie und Nährstoffe.

Wichtig ist, was in diese Menge hineinzählt. Die 1,5 kg Trockenmasse sind die gesamte Raufutterration, also Heu, Heulage, Stroh und Cobs zusammen. Wenn das Heu knapp wird, sinkt also nicht die Menge, sondern nur der Heuanteil daran. Der Rest kommt aus anderen faserreichen Futtermitteln.

Und dazu gehören die Fresspausen. Mehr als vier Stunden ohne Raufutter sind auch bei knapper Ration keine Option, weil der Pferdemagen ständig Säure bildet, auch wenn nichts drin ist. Lieber kleinere Portionen öfter als zwei große.

Wie spare ich Heu, ohne dass mein Pferd hungert?

Indem du zuerst die Verluste stoppst und das Heu genau zuteilst. Heu, das in der Einstreu landet, nass wird oder ungewogen nach Gefühl verteilt wird, ist oft der größte Posten. Wer wiegt, sauber lagert und leichtfuttrigen Pferden keinen freien Zugang mehr gibt, spart schon spürbar, bevor eine einzige Alternative nötig ist.

Das Leipziger Papier nennt genau diese Punkte als ersten Schritt:

  • Wiegen statt schätzen. Eine Kofferwaage kostet wenig und zeigt, wie viel tatsächlich in Netz oder Raufe landet. Die meisten liegen beim ersten Wiegen deutlich daneben.
  • Trocken lagern. Nasse Ballenränder und Schimmelstellen sind verlorenes Futter. Auf Paletten, unter Dach, nicht direkt an der Wand.
  • Kein Heu in der Einstreu. Was zertreten und mit dem Mist rausgefahren wird, ist weg. Heu gehört in Raufe oder Netz, nicht auf den Boden.
  • Leichtfuttrige Pferde nicht ad libitum. Freier Zugang führt bei leichtfuttrigen Pferden zu Luxuskonsum. Zugeteilte Portionen, über den Tag verteilt, reichen ihnen.
  • Einstreu umstellen. Wer bisher auf Stroh einstreut, kann auf Späne, Miscanthus oder Rapsstroh wechseln. Das Getreidestroh bleibt dann als Futter übrig.

Bei Heunetzen bin ich vorsichtig. Engmaschige Netze können die Fresszeit strecken und damit die knappe Menge über den Tag verteilen. Aber nur mit langsamer Gewöhnung, und du schaust dabei auf Frust, Stress und die Zähne. Zeitgesteuerte Raufen sind eine Alternative, wenn der Stall das hergibt.

Kann Stroh Heu ersetzen?

Teilweise, und es ist die wichtigste Alternative. Futterstroh kann 30 bis 40 Prozent der Raufutterration abdecken, im Alltag sind 0,5 kg je 100 kg Körpergewicht eine gute Obergrenze, bei 600 kg also 3 kg am Tag. Stroh als einziges Raufutter geht nicht, auch nicht kurz.

Stroh hat zwei große Vorteile: Pferde kauen lange daran, je Kilo 40 bis 60 Minuten, also eher länger als an Heu, und es hat wenig Energie. Für leichtfuttrige Pferde ist das ideal. Das Leipziger Papier schlägt für sie zum Beispiel 1 kg Heu und 0,5 kg Stroh je 100 kg Körpergewicht vor.

Die Kehrseite: Stroh ist stärker verholzt. Die Darmbakterien können weniger damit anfangen, und zu viel davon kann zu einer Verstopfungskolik führen. Deshalb gilt:

  • Langsam gewöhnen, über ein bis zwei Wochen steigern.
  • Mit Heu mischen, nicht als eigene Mahlzeit allein anbieten.
  • Wasser und Bewegung müssen stimmen. Ein Pferd, das wenig trinkt und den ganzen Tag steht, ist kein guter Kandidat für viel Stroh.
  • Gerstenstroh meiden. Prof. Ellen Kienzle nennt es im Wochenblatt ausdrücklich besonders gefährlich. Hafer- und Weizenstroh sind die üblichen Futterstroharten.
  • Eiweiß im Blick behalten. Stroh bringt deutlich weniger Eiweiß als Heu. Bei größeren Strohanteilen fehlen schnell Aminosäuren, mehr dazu im Beitrag über Aminosäuren.

Ähnlich wie Stroh ist Heu aus dem Grassamenanbau. Das Gras wird dort für die Samen angebaut, nach dem Dreschen haben die Halme ein Nährstoffprofil wie Getreidestroh. Es zählt in der Ration also wie Stroh, nicht wie Heu, auch wenn es so heißt.

Grünhaferstroh ist die schmackhaftere Variante mit mehr Blattanteil. Wie sich Haferstroh und Grünhaferstroh unterscheiden und wie du umstellst, steht ausführlich im Beitrag über Haferstroh und Grünhaferstroh.

Können Heucobs Heu ersetzen?

Zum Teil. Bei sehr knappen Vorräten ist ein Ersatz von 40 bis 50 Prozent der Heumenge vertretbar, gern zusammen mit Stroh. Ein Kilo Heucobs ersetzt dabei etwa ein Kilo Heu. Ganz ersetzen sollten Cobs das Heu nur bei Pferden, die wegen ihrer Zähne kein Langheu mehr fressen können.

Cobs aus Heu, Gras, Luzerne oder Esparsette sind für die Darmbakterien ein gutes Futter. Was ihnen fehlt, ist die Struktur: Ein Pferd frisst ein Kilo Cobs deutlich schneller als ein Kilo Langheu und kaut dabei weniger. Prof. Kienzle rät deshalb, mit Cobs eher eine einzelne Heumahlzeit zu ersetzen, zum Beispiel die Mittagsration, statt die ganze Ration zu verdünnen.

Ein paar Dinge entscheiden, ob es klappt:

  • Einweichen, je nach Produkt. Trockene Cobs schnell runtergeschlungen sind das Risiko für eine Schlundverstopfung.
  • Zuckerarm wählen, wenn Zucker und Stärke in der Ration niedrig bleiben sollen. Teff-Cobs sind dafür eine Möglichkeit, siehe den Beitrag über Teff-Cobs.
  • Luzernecobs nur als Anteil. Luzerne ist trockenheitsfester als Gras und deshalb in Dürrejahren oft besser zu bekommen. Sie bringt aber viel Eiweiß und Calcium mit, als Hauptfutter wird es schnell zu viel.
  • Langsam umstellen, zwei bis drei Wochen.

Woran du gute Heucobs erkennst, steht im Beitrag über Heucobs. Häcksel sind übrigens keine bessere Lösung als Cobs, die Fresszeit je Kilo liegt ähnlich, mehr dazu bei Häcksel.

Ist Heulage eine Alternative, wenn Heu knapp ist?

Ja, wenn die Qualität stimmt. Heulage mit 55 bis 75 Prozent Trockenmasse ist bei guter Hygiene dem Heu ebenbürtig. Weil sie feuchter ist, brauchst du mehr davon, rund 2 kg je 100 kg Körpergewicht statt 1,7 kg Heu. Ein geöffneter Ballen muss zügig leer werden.

Heulage hat in schwierigen Jahren einen Vorteil: Sie kann früher und mit weniger Trockenzeit auf dem Feld geerntet werden. Deshalb ist sie manchmal noch zu bekommen, wenn Heu schon ausverkauft ist. Auch bei Heulage hat die Dürre die Mengen aber gedrückt.

Worauf du achtest:

  • Trockenmasse erfragen. Heulage liegt bei 55 bis 75 Prozent, darunter ist es Silage. Das ist ein echter Unterschied, nicht nur ein anderes Wort.
  • Geöffnete Ballen schnell verfüttern. Nach Coenen und Vervuert im Winter innerhalb von drei bis fünf Tagen, im Sommer innerhalb von zwei. Wird der Ballen warm, gärt er nach.
  • Ballen prüfen. Folie unbeschädigt, Geruch angenehm säuerlich bis aromatisch, kein Schimmel, keine Erde, keine Tierkadaver.
  • Langsam umstellen, wie bei jedem Raufutterwechsel.

Die Bedenken, die gegen Heulage kursieren, halten den Studien übrigens nicht stand. Bei Pferden, deren Dickdarm direkt gemessen wurde, blieb der pH-Wert nach dem Wechsel auf Heulage unverändert (Muhonen und Kollegen, 2009).

Was ist mit Rübenschnitzeln, Möhren und Rüben?

Sie können knappes Heu ergänzen, aber nicht ersetzen. Unmelassierte Rübenschnitzel gehen in Mengen von 0,2 bis 1 kg am Tag, trocken abgewogen, und passen gut zu einer Ration aus Heu und Stroh. Möhren und Rote Bete gehen bei gesunden, normalgewichtigen Pferden in größeren Mengen, bringen aber Zucker mit.

Rübenschnitzel bleiben nach der Zuckergewinnung übrig und sind reich an Pektin, einer Faser, die im Dickdarm gut vergoren wird. Bei der Wahl zählt das Wort auf dem Sack:

  • Unmelassiert für leichtfuttrige Pferde. Ein gängiges Produkt hat 16 Prozent Rohfaser und 5,5 Prozent Zucker.
  • Melassiert nur für Pferde, die zunehmen sollen oder viel Energie brauchen. Die Melasse ist Zucker.
  • Immer nach Herstellerangabe einweichen. Die Quellzeiten sind sehr unterschiedlich, und trocken gefressene Schnitzel quellen im Schlund.

Für Möhren, Rote Bete und Futterrüben nennt das Leipziger Papier bei einem gesunden Pferd mit 600 kg bis zu 10 kg am Tag, für Zuckerrüben bis zu 5 kg. Gründlich waschen, Möhren ganz geben, Rüben nur halbieren. Klein geschnittene Würfel erhöhen das Risiko einer Schlundverstopfung. Für leichtfuttrige Pferde sind solche Mengen nichts, dafür ist zu viel Zucker drin.

Taugen Laubheu und Schilfheu als Heuersatz?

Beide nur am Rand. Laubheu ist eine gute Beschäftigung und Abwechslung, ersetzt aber kein Raufutter, und bei falscher Baumart wird es gefährlich. Schilfheu ist sehr faserreich und schwer verdaulich, ähnlich wie grobes Stroh, und kommt von nassen Flächen mit eigenen Risiken. Belastbare Studien gibt es zu beiden beim Pferd nicht.

Laubheu sind belaubte Zweige, im Sommer geschnitten und getrocknet. Hasel, Weide, Birke, Linde, Hainbuche und Obstbäume wie Apfel sind üblich. Giftig sind unter anderem Eibe, Robinie, Buchsbaum, Thuja und jeder Ahorn, den du nicht sicher bestimmen kannst. Bei Steinobst wird aus welkem Laub Blausäure frei. Für die Menge gibt es nur Faustzahlen: Fang mit ein bis zwei Bündeln am Tag an und beobachte den Kot. Prof. Kienzle rät bei Zweigen zur Vorsicht, weil man schnell etwas Giftiges erwischt. Welche Gehölze passen, steht im Beitrag über Sträucher und Bäume für Pferde.

Schilfheu kommt meist von Ried- und Streuwiesen und wird spät gemäht. Es hat sehr wenig Zucker, wenig Eiweiß und sehr viel verholzte Faser. Damit ist es eher Stroh als Heu und gehört höchstens als kleiner Anteil in die Ration. Auf nassen Flächen wächst außerdem Sumpfschachtelhalm, der für Pferde als giftig gilt. Kauf Schilfheu nur, wenn du die Fläche kennst, und lass im Zweifel eine Probe untersuchen.

Was trägt als Heuersatz und was nicht?

Tragfähig sind Futterstroh, Cobs, Heulage, Grünhafer und Rübenschnitzel, jeweils als Anteil neben Heu. Gar nicht tragfähig sind Grassilage, mehr Kraftfutter, Müsli, Rasenschnitt und längere Fresspausen. Die Übersicht zeigt die Mengen für ein Pferd mit 600 kg, die Werte stammen aus dem Leipziger Papier und dem Lehrbuch von Coenen und Vervuert.

Alternative Trägt? Richtwert, 600-kg-Pferd Worauf achten
Futterstroh (Hafer, Weizen) ja, als Anteil bis 3 kg, höchstens 30 bis 40 % langsam gewöhnen, mit Heu mischen, Wasser
Heu aus Grassamenanbau ja, wie Stroh wie Stroh zählt als Stroh, nicht als Heu
Heucobs, Grascobs ja, als Anteil bis 40 bis 50 % der Heumenge einweichen, kürzere Kauzeit
Luzernecobs ja, kleiner Anteil als Teil der Cobs viel Eiweiß und Calcium
Heulage ja rund 12 kg statt 10 kg Heu Trockenmasse 55 bis 75 %, Hygiene
Grünhafer ja, als Anteil etwa 1,2 kg eher für Pferde, die schwer halten
Rübenschnitzel, unmelassiert ergänzend 0,2 bis 1 kg trocken einweichen nach Herstellerangabe
Möhren, Rote Bete ergänzend bis 10 kg Zucker, nichts für leichtfuttrige Pferde
Laubheu nur Beschäftigung ein bis zwei Bündel Baumart sicher bestimmen
Schilfheu kaum kleiner Anteil stark verholzt, Fläche kennen
Grassilage nein Gärung, Hygienerisiko
Mehr Kraftfutter, Müsli nein keine Faser, viel Stärke
Rasenschnitt nein gärt sofort, Kolikgefahr
Weniger Raufutter, längere Pausen nein Magen, Darm, Verhalten

Zum Grünhafer: Er bringt mehr Energie mit als Stroh und passt deshalb eher zu Pferden, die ihr Gewicht schwer halten. Für leichtfuttrige Pferde ist Haferstroh die bessere Wahl.

Warum trägt Silage nicht als Heuersatz?

Weil Silage für mich kein Pferdefutter ist. Grassilage liegt unter 55 Prozent Trockenmasse und ist sauer vergoren, das ist etwas anderes als Heulage. Je feuchter und je schlechter verdichtet, desto größer ist das Risiko für Fehlgärung, Hefen und im schlimmsten Fall Botulismus über Erde oder Kadaver im Ballen.

Wo Pferde und Rinder auf demselben Hof stehen, liegt die Silage oft direkt nebenan, und die Versuchung ist groß. Hier gehen die Fachmeinungen auseinander, und das gehört dazugesagt: Das Leipziger Papier hält frische Maissilage bei schwerfuttrigen Pferden für möglich, bis rund 1 kg je 100 kg Körpergewicht und nur frisch vom Silo. Schon nach 12 bis 24 Stunden außerhalb des Silos können sich Hefen so stark vermehren, dass Gaskoliken drohen. Dazu kommt viel Stärke bei wenig Eiweiß.

Heißt für uns: Mit Maissilage holst du dir genau die Probleme in die Ration, die du mit Heu nicht hättest, nur um ein paar Kilo Heu zu sparen. Mit Stroh, Cobs und guter Heulage gibt es bessere Wege, und die würde ich zuerst ausschöpfen.

Warum ist mehr Kraftfutter keine Lösung?

Weil Kraftfutter Energie liefert, aber keine Faser. Ein Kilo Hafer frisst ein Pferd in rund zehn Minuten, an einem Kilo Heu kaut es etwa 40 Minuten und bildet dabei gut 3,5 Liter Speichel, beim Hafer nur einen. Mit mehr Kraftfutter wird das Pferd satt an Energie, aber Magen und Darm fehlt das, was sie eigentlich brauchen.

Die Zahlen hat Prof. Kienzle im August 2026 im Wochenblatt genannt. Dazu kommt die Stärke: Große Kraftfuttermengen pro Mahlzeit verschieben die Gärung im Dickdarm, und genau das will man bei einem Pferd, das ohnehin schon weniger Raufutter bekommt, am wenigsten.

Dasselbe gilt für Müsli und die meisten fertigen Mischfutter. Sie sind gemacht, um eine Raufutterration zu ergänzen, nicht um sie zu ersetzen. Wenn dein Pferd durch weniger Heu abnimmt, ist die richtige Antwort meistens mehr faserreiches Futter wie Rübenschnitzel, Cobs oder Grünhafer, und nicht mehr Getreide. Rasenschnitt fällt übrigens aus demselben Grund raus: Er gärt schon im Eimer, bevor er im Pferd ankommt.

Wie sieht eine Ration aus, wenn Heu knapp ist?

Heu bleibt die Basis, mindestens rund 1 kg je 100 kg Körpergewicht. Darum herum kommen Stroh, Cobs oder Grünhafer, bis die Raufuttermenge wieder stimmt. Wie die Kombination aussieht, hängt davon ab, ob dein Pferd leichtfuttrig ist oder nicht. Zwei Beispiele aus dem Leipziger Papier, umgerechnet auf 600 kg.

Leichtfuttriges Pferd, 600 kg

Futter je 100 kg am Tag
Heu 1,0 kg 6 kg
Futterstroh 0,5 kg 3 kg
unmelassierte Rübenschnitzel, trocken 0,2 bis 0,5 kg

Pferd, das eher schwer hält, 600 kg

Futter je 100 kg am Tag
Heu oder Heulage 1,0 bis 1,2 kg 6 bis 7,2 kg
Futterstroh 0,3 kg 1,8 kg
Grünhafer 0,2 kg 1,2 kg
oder Heucobs statt eines Teils vom Heu bis 3 kg

Was viele dabei übersehen: Mit jedem Kilo Heu, das du durch Stroh ersetzt, fehlen auch Eiweiß, Energie und Mineralstoffe. Und beim Heu 2026 schwanken die Werte stärker als sonst. Wer nicht auf Verdacht füttern will, rechnet die neue Ration einmal sauber durch. Wie das geht, steht Schritt für Schritt im Beitrag zur Rationsberechnung.

Zur Größenordnung, was du damit sparst: Ein Pferd mit 600 kg frisst über einen Winter von 180 Tagen bei 10 kg am Tag rund 1,8 Tonnen Heu. Ersetzt du davon 40 Prozent, brauchst du gut 700 kg Heu weniger.

Wo bekomme ich jetzt noch Raufutter?

Am ehesten aus Regionen, die weniger von der Dürre getroffen wurden, also aus dem Norden und Osten. Dort lagen die Heupreise im September deutlich niedriger. Futterstroh, Cobs und Grünhafer bekommst du auch im Handel und bei Höfen, die direkt versenden. Kauf in jedem Fall nur Ware, deren Herkunft du kennst.

Ein paar Punkte, bevor du Heu von weiter weg bestellst:

  • Frachtkosten einrechnen. Der günstige Tonnenpreis im Norden nützt wenig, wenn die Fracht ihn auffrisst. Sammelbestellungen mit anderen Einstellerinnen lohnen sich.
  • Eine Probe anfordern, bevor du eine ganze Ladung nimmst. Geruch, Farbe, Staub und Fremdpflanzen siehst du schon an einem Ballen.
  • Heuanalyse machen, wenn du größere Mengen kaufst. Heu aus einer anderen Region kann ganz andere Werte haben als dein bisheriges.
  • Finger weg von Heu unklarer Herkunft, etwa von Straßenrändern oder Brachflächen. Dort sind Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut häufiger.

Futterstroh und Cobs gibt es zum Beispiel beim Biohof Elmengrund. Der Hof baut selbst an und verschickt auch Probeballen, so kannst du erst testen, ob dein Pferd das Stroh überhaupt frisst.

Wann gehört die Tierärztin dazu?

Sobald dein Pferd nach einer Umstellung Kolikanzeichen zeigt, deutlich weniger Kot absetzt oder der Kot sehr trocken und fest wird. Ebenso, wenn es trotz Ersatzfutter Gewicht verliert, schlecht kaut oder schon in Behandlung ist. Dann entscheidet die Tierärztin über das Futter, nicht dieser Text.

Die typischen Warnzeichen für eine Verstopfungskolik sind Unruhe, Scharren, häufiges Hinlegen, Umschauen zum Bauch und ausbleibender Kot. Damit wartest du nicht ab, sondern rufst an.

Pferde mit Zahnproblemen, alte Pferde und Pferde mit Vorerkrankungen gehören bei einer größeren Umstellung immer mit der Tierärztin besprochen. Für sie kann zum Beispiel viel Stroh ungeeignet sein, während ein vollständiger Ersatz durch eingeweichte Cobs genau richtig ist. Das Leipziger Institut weist selbst darauf hin, dass kranke Pferde eine gezielte Fütterungsempfehlung brauchen und nicht eine allgemeine.

Häufige Fragen zur Heuknappheit

Kann ich Heu komplett durch Heucobs ersetzen?

Bei gesunden Pferden mit gutem Gebiss nicht. Bis 40 bis 50 Prozent der Heumenge sind bei knappen Vorräten vertretbar. Ganz ersetzen sollten Cobs das Heu nur bei Pferden, die wegen ihrer Zähne kein Langheu mehr fressen können, und dann verteilt auf vier bis fünf Mahlzeiten.

Wie viel Stroh darf ein Pferd statt Heu fressen?

Bis zu 30 bis 40 Prozent der Raufutterration, im Alltag höchstens 0,5 kg je 100 kg Körpergewicht. Bei 600 kg sind das 3 kg am Tag. Stroh wird langsam angefüttert, mit Heu gemischt, und das Pferd braucht ausreichend Wasser und Bewegung.

Darf ich weniger Heu geben, wenn mein Pferd sowieso zu dick ist?

Weniger Heu ja, weniger Raufutter nein. Die Untergrenze von rund 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht bleibt. Den Unterschied füllst du mit Futterstroh auf. Das spart Heu und Energie zugleich, und das Pferd hat trotzdem genug zu kauen.

Ist Heu aus Norddeutschland eine gute Idee?

Oft ja, weil der Norden 2026 weniger getroffen ist und die Preise niedriger liegen. Rechne aber die Fracht ein, fordere vorher eine Probe an und lass bei größeren Mengen eine Heuanalyse machen, weil sich die Werte von deinem bisherigen Heu unterscheiden können.

Was kostet Heu 2026?

Im September 2026 lag Großballenheu im Bundesmittel bei 143 Euro je Tonne, in Hessen bei 194 Euro und in Bayern bei 191 Euro. Das ist der höchste Stand seit 2019. Für Kleinballen und im Pensionsstall zahlst du als Pferdehalterin meist mehr.

Kann ich Silage füttern, wenn kein Heu mehr da ist?

Ich rate davon ab. Grassilage ist feuchter und saurer vergoren als Heulage und bringt Hygienerisiken mit. Heulage mit 55 bis 75 Prozent Trockenmasse ist bei guter Qualität dagegen eine echte Alternative. Erst Stroh, Cobs und Heulage ausschöpfen.

Quellen

  • Vervuert I, Bockisch F: Raufutterversorgung bei Pferden in Zeiten knapper Heu- bzw. Heulagevorräte. Positionspapier, Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik, Veterinärmedizinische Fakultät Leipzig, 2018.
  • Coenen M, Vervuert I (Hrsg.): Pferdefütterung. 6. Auflage, Thieme 2020, S. 160 bis 162 (Heulage).
  • Muhonen S, Julliand V, Lindberg JE, Bertilsson J, Jansson A: Effects on the equine colon ecosystem of grass silage and haylage diets after an abrupt change from hay. J Anim Sci 87 (7), 2009, S. 2291 bis 2298.
  • Tölle A: Heu ist knapp: So füttern Sie Pferde jetzt gesund und sicher. Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, 17.08.2026, mit Prof. Dr. Ellen Kienzle.
  • Heupreise steigen im September auf 7-Jahreshoch. Land und Forst, 19.09.2026, Preise der Landwirtschaftskammern.
  • Heu kostet 166 Euro: Bayerns Bauern fehlt Futter für den Winter. Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, August 2026.

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