
Ein gesundes erwachsenes Pferd hat in Ruhe einen Puls von 28 bis 44 Schlägen je Minute, atmet 8 bis 16 Mal je Minute und hat eine Temperatur von 37,2 bis 38,0 Grad. Die Schleimhäute im Maul sind rosa und feucht. Es ist aufmerksam, frisst, trinkt und setzt Äppel und Urin ab.
Das klingt nach wenig, aber die meisten wissen die Werte ihres eigenen Pferdes nicht. Und genau die brauchst du, wenn es mal nicht gut aussieht und du am Telefon mit der Tierärztin stehst. Ob 46 Schläge viel sind, hängt nämlich davon ab, ob dein Pferd sonst bei 30 oder bei 42 liegt.
In diesem Beitrag steht, welche Werte normal sind, wie du sie selbst misst, was Schleimhäute, Kot und Futterzustand verraten und was übers Jahr zur Vorsorge gehört. Die Normalwerte stammen aus einem Merkblatt des Schweizer Instituts für Pferdemedizin in Avenches und der Universität Bern von 2025. Ganz am Ende findest du die Warnzeichen, bei denen du nicht abwartest.
Woran erkenne ich, ob mein Pferd gesund ist?
Am Gesamtbild. Ein gesundes Pferd ist neugierig, aufmerksam und sozial, es frisst mit Appetit, trinkt und setzt regelmäßig Äppel und Urin ab. Dazu kommen Puls, Atmung und Temperatur im normalen Bereich, rosa feuchte Schleimhäute und klare Augen und Nüstern ohne Ausfluss. Ein einzelner Wert allein sagt wenig.
Wenn du in den Stall kommst, reicht in der Regel ein kurzer Blick in fester Reihenfolge. Wie steht das Pferd da, ruhig und interessiert oder abseits, teilnahmslos oder unruhig? Ist das Heu gefressen, ist Wasser weg, liegen frische Äppel da? Danach Augen, Nüstern und Maul, einmal mit der Hand über den Körper, die Beine runter und an die Hufe. In Bewegung siehst du, ob das Pferd lahmt.
Wichtig zu wissen: Ein Pferd ist ein Fluchttier und zeigt Schmerzen oft erst spät. Wenn du dein Pferd jeden Tag gleich anschaust, fällt dir eine kleine Veränderung viel früher auf als bei einem Check alle paar Wochen. Das ist ehrlich gesagt der wichtigste Teil der ganzen Pferdegesundheit, und er kostet nichts.
Welche Normalwerte hat ein gesundes Pferd in Ruhe?
Puls 28 bis 44 Schläge je Minute, Atmung 8 bis 16 Atemzüge je Minute, Temperatur 37,2 bis 38,0 Grad, im After gemessen. Die Schleimhäute sind rosa und feucht, und nach einem Daumendruck auf das Zahnfleisch ist die Stelle in unter zwei Sekunden wieder rosa. Das gilt für erwachsene Pferde, die ruhig stehen.
| Wert | Normal in Ruhe | Auffällig |
|---|---|---|
| Puls | 28 bis 44 je Minute | deutlich darüber, ohne dass das Pferd gearbeitet hat oder aufgeregt ist |
| Atmung | 8 bis 16 je Minute | schnell und flach, Nüstern gebläht, Pumpen in der Flanke |
| Temperatur | 37,2 bis 38,0 Grad | über 38,0 Grad, ab etwa 38,5 Grad spricht man von Fieber |
| Schleimhäute | rosa und feucht | blass, rot, gelblich oder trocken |
| Kapilläre Füllungszeit | unter 2 Sekunden | über 2 Sekunden |
| Lymphknoten im Kehlgang | nicht vergrößert, verschiebbar | groß, hart, warm, schmerzhaft |
Fohlen, sehr junge und alte Pferde, Ponys und Vollblüter liegen teils anders. Auch Wärme, Aufregung, Arbeit und Schmerzen treiben Puls und Atmung hoch. Ein Pferd, das gerade vom Paddock geholt wurde und den Nachbarn wiehern hört, hat eben keinen Ruhepuls. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Werte zu kennen.
Wie messe ich Puls, Atmung und Temperatur beim Pferd?
Den Puls fühlst du am unteren Rand des Unterkiefers, wo die Gesichtsarterie über den Knochen läuft. Die Atmung zählst du an der Flanke, jedes Heben ist ein Atemzug. Die Temperatur misst du mit einem digitalen Thermometer im After. Am besten an drei ruhigen Tagen zur gleichen Uhrzeit, dann hast du die Werte deines Pferdes.
Puls: Fahr mit zwei Fingern am unteren Rand des Unterkiefers entlang, von der Ganasche Richtung Maul. Etwa auf halber Strecke hat der Knochen eine kleine Kerbe, dort rollt ein Gefäß unter den Fingern, und mit leichtem Druck spürst du den Schlag. Zähl 15 Sekunden und nimm das mal vier. Wer sich schwertut, nimmt ein Stethoskop links hinter dem Ellenbogen.
Atmung: Stell dich schräg hinter das Pferd und schau auf die Flanke oder die Rippen. Ein Heben und Senken zählt als ein Atemzug. Hier lieber eine ganze Minute zählen, weil die Atmung in Ruhe sehr langsam sein kann. Im Winter siehst du die Atemwolke an den Nüstern, das geht noch einfacher.
Temperatur: Ein digitales Fieberthermometer mit etwas Vaseline, seitlich neben das Pferd stellen, Schweif zur Seite und das Thermometer leicht schräg an die Darmwand legen. Ein Bändchen mit Klemme am Ende verhindert, dass es verschwindet. Schreib dir die Werte auf, mit Datum und Uhrzeit.
Was sagen Schleimhäute und Lymphknoten?
Rosa, feuchte Schleimhäute und Lymphknoten im Kehlgang, die klein, weich und verschiebbar sind, sprechen für ein gesundes Pferd. Blasse, rote, gelbliche oder trockene Schleimhäute und eine Füllungszeit über zwei Sekunden sind Warnzeichen. Gleiches gilt für Lymphknoten, die groß, hart, warm und schmerzhaft sind.
Die Schleimhäute schaust du dir im Maul an. Schieb die Oberlippe hoch und schau auf das Zahnfleisch oberhalb der Schneidezähne. Für die kapilläre Füllungszeit drückst du mit dem Daumen kurz auf das Zahnfleisch, bis die Stelle hell wird, und zählst, wie lange es dauert, bis sie wieder rosa ist. Unter zwei Sekunden ist normal.
Die Lymphknoten im Kehlgang liegen zwischen den beiden Unterkieferästen. Beim gesunden Pferd tastest du dort kleine, weiche Knoten, die sich unter den Fingern verschieben lassen, manchmal spürst du gar nichts. Warum eine Beule hinter dem Kiefer nach dem Grasen oft gar kein Lymphknoten ist, steht im Beitrag über das Lymphsystem beim Pferd.
Woran erkenne ich Schmerzen im Gesicht des Pferdes?
An angespannten Gesichtszügen. Die Ohren stehen steif nach hinten und reagieren kaum auf Geräusche, der Blick ist angespannt, die Nüstern sind erweitert und die Maulpartie wirkt eckig mit zusammengepressten Lippen. Die Kaumuskeln sind deutlich zu sehen. Ein entspanntes Pferd hat bewegliche Ohren und eine weiche, runde Maulpartie.
Diese Zeichen stammen aus einer Studie aus Dänemark, in der Pferde vor und nach einem kurzen, kontrollierten Schmerzreiz gefilmt wurden. Daraus ist das sogenannte Schmerzgesicht entstanden. Für dich im Stall heißt das: Schau deinem Pferd auch ins Gesicht, wenn du Beine und Bauch kontrollierst.
Das ist vor allem bei Pferden hilfreich, die viel aushalten. Ein Pferd mit Magenschmerzen, Zahnproblemen oder einer beginnenden Hufrehe frisst oft noch und steht scheinbar ruhig da, aber das Gesicht ist angespannt. Wenn dir das öfter auffällt, sprich es bei der nächsten Untersuchung an. Wie das bei Hufrehe aussieht, steht im Beitrag über Hufrehe beim Pferd.
Was verraten Kot, Urin und Wasser?
Kot, Urin und Trinkmenge zeigen dir früh, wenn etwas nicht stimmt. Gut geformte Äppel, die beim Aufprall leicht zerfallen, regelmäßiger Kotabsatz über den Tag und heller bis gelblicher, oft trüber Urin sind beim Pferd normal. Ein Pferd mit 500 kg trinkt bei reiner Heufütterung grob 20 bis 35 Liter am Tag, bei Hitze und Arbeit mehr. Plötzliche Änderungen sind wichtiger als ein einzelner Tag.
Schau dir die Äppel ruhig jeden Tag an, das ist kein Witz. Sehr harte, kleine und trockene Äppel können heißen, dass dein Pferd zu wenig trinkt. Durchfall oder Kotwasser, also Flüssigkeit, die getrennt vom Kot abgeht, zeigen dir, dass im Dickdarm etwas nicht rund läuft. Lange Fasern und ganze Körner im Kot sind oft ein Hinweis auf die Zähne.
Beim Wasser hilft eine einfache Sache: Wenn du es kannst, miss die Menge. Aus einem Eimer siehst du sofort, wenn dein Pferd im Winter weniger trinkt, an der Selbsttränke geht das nicht. Wie der Weg des Futters vom Maul bis zum Äppel aussieht, steht im Beitrag über die Verdauung beim Pferd, und mehr zum flüssigen Teil im Beitrag über Kotwasser.
Wie beurteile ich Gewicht und Futterzustand?
Mit dem Body Condition Score, einer Skala von 1 bis 9. Ein Pferd im guten Futterzustand liegt bei 5: Die Rippen sind nicht zu sehen, aber gut zu fühlen. Bei 4 und darunter werden Rippen, Wirbelsäule und Hüfte sichtbar, ab 7 sind die Rippen kaum noch zu fühlen und am Mähnenkamm und Schweifansatz sitzt Fett.
Du tastest dafür sechs Stellen ab: Mähnenkamm, Widerrist, hinter der Schulter, Rippen, Lende und Schweifansatz. Schreib dir einmal im Monat die Zahl auf und miss mit einem Maßband den Bauchumfang an derselben Stelle. Die Waage im Kopf täuscht, gerade im Winterfell. Wenn ein Pferd langsam zunimmt, fällt es dir im Alltag kaum auf, auf dem Zettel aber schon.
Zu viel Gewicht ist heute häufiger als zu wenig, und es hängt eng mit EMS und Hufrehe zusammen. Ein harter Mähnenkamm ist dabei ein eigenes Zeichen, das du im Beitrag über den Mähnenkamm beim Pferd nachlesen kannst. Wird ein Pferd dagegen immer dünner, steht im Beitrag Pferd zunehmen lassen, wo du zuerst schaust.
Was gehört übers Jahr zur Gesundheitsvorsorge?
Zähne, Hufe, Impfungen, Wurmkontrolle und die Fütterung. Die Zähne kontrolliert die Tierärztin oder Pferdedentistin in der Regel einmal im Jahr, die Hufe werden je nach Wachstum alle 6 bis 8 Wochen bearbeitet. Gegen Tetanus, Influenza und Herpes sollte laut Impfleitlinie jedes Pferd geschützt sein. Entwurmt wird nach Kotprobe.
Impfungen: Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin stuft Tetanus, Influenza und die Herpesviren 1 und 4 als Impfungen ein, die jedes Pferd zu jeder Zeit haben sollte. Wie oft aufgefrischt wird, hängt vom Impfstoff ab, das klärst du am besten mit deiner Tierärztin. Für Turnierpferde gelten bei der Influenza zusätzlich die Regeln der Reiterlichen Vereinigung.
Wurmkontrolle: Entwurmt wird heute nach Kotprobe. Du lässt den Kot regelmäßig untersuchen und entwurmst gezielt, wie oft, legst du mit deiner Tierärztin fest. Wie das geht und was Kräuter dabei leisten können und was nicht, steht im Beitrag über die Entwurmung beim Pferd.
Blutbild: Ein Blutbild ohne Anlass musst du nicht jedes Jahr machen. Bei älteren Pferden, bei Verdacht auf EMS oder Cushing oder wenn dein Pferd abbaut, ist es aber sinnvoll. Dann gleich mit Insulin, wenn die Tierärztin das für passend hält.
Was hat die Fütterung mit der Gesundheit zu tun?
Die Fütterung hängt mit fast allem zusammen. Ein großer Teil der Probleme, die ich in der Beratung sehe, hängt an der Ration: zu wenig Heu, zu lange Fresspausen, zu viel Zucker und Stärke, ein Mineralfutter, das nicht zum Heu passt, oder fünf Zusätze, die sich gegenseitig überschneiden. Die Grundlage ist immer genug gutes Heu, Wasser, Salz und ein passendes Mineralfutter.
Ich würd hier erst mal sauber schauen, was dein Pferd über Heu, Kraftfutter und Mineralfutter wirklich bekommt, bevor du das nächste Produkt kaufst. Dafür brauchst du eine Rationsberechnung. Wie die aussieht, siehst du an einem Beispiel im Beitrag Rationsberechnung Pferd, und die Grundlagen mit allen Zahlen stehen im Beitrag Pferd richtig füttern.
Wichtig zu wissen: Futter ist keine Arznei. Eine gute Fütterung ersetzt keine Tierärztin, wenn ein Pferd krank ist. Sie sorgt aber dafür, dass dein Pferd alles bekommt, was es braucht, und nichts im Übermaß, und das ist für die Gesundheit auf Dauer eine ganze Menge.
Wann muss die Tierärztin sofort kommen?
Bei Kolikzeichen wie Wälzen, Scharren oder Flankenschauen, bei Fieber über 38,5 Grad, bei einem Pferd, das nicht frisst oder teilnahmslos in der Ecke steht, bei blassen, roten oder trockenen Schleimhäuten, bei starker Lahmheit, Atemnot, tiefen Wunden und Wunden an Gelenken. Im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen.
Bis die Tierärztin da ist, misst du Puls, Atmung und Temperatur und schreibst sie mit Uhrzeit auf. Gib nichts auf Verdacht ein, auch keine Schmerzmittel aus der Stallapotheke, weil sie die Zeichen verdecken, die die Tierärztin für die Diagnose braucht. Bei Kolik nimmst du das Futter weg und lässt Wasser stehen.
Im Herbst und Frühjahr gibt es ein Zeichen, das du kennen solltest: Muskelzittern, Schwäche und dunkelbrauner Urin bei einem Pferd auf der Weide können auf eine atypische Weidemyopathie durch Ahornsamen hindeuten. Da zählt jede Stunde. Welche Ahornarten gefährlich sind, steht im Beitrag Welche Bäume sind giftig für Pferde?
Häufige Fragen zur Pferdegesundheit
Wie hoch ist die normale Temperatur beim Pferd?
Bei einem erwachsenen Pferd in Ruhe liegt sie zwischen 37,2 und 38,0 Grad, gemessen im After. Fohlen liegen etwas höher. Nach Arbeit, bei Hitze und Aufregung steigt die Temperatur kurz an. Miss deshalb in Ruhe und am besten zur gleichen Uhrzeit, ab etwa 38,5 Grad spricht man von Fieber.
Wie hoch ist der normale Puls beim Pferd?
28 bis 44 Schläge je Minute bei einem erwachsenen Pferd, das ruhig steht. Viele Pferde liegen eher im unteren Bereich. Ein Puls, der in Ruhe deutlich darüber liegt und sich nach zehn Minuten nicht beruhigt, ist ein Grund, genauer hinzuschauen, vor allem zusammen mit Unruhe oder Schwitzen.
Wie oft sollte ich mein Pferd durchchecken?
Den kurzen Blick jeden Tag, beim Füttern oder Holen. Puls, Atmung und Temperatur misst du am Anfang an drei ruhigen Tagen, damit du die Werte deines Pferdes kennst, und danach immer dann, wenn dir etwas komisch vorkommt. Gewicht und Body Condition Score einmal im Monat.
Ist ein dickes Pferd ein gesundes Pferd?
Nein. Ein Pferd mit einem Body Condition Score von 7 und mehr trägt deutlich zu viel Fett, und das erhöht das Risiko für EMS und Hufrehe. Ein glänzendes Fell und ein runder Bauch sehen gesund aus, sagen aber wenig darüber, wie der Stoffwechsel arbeitet. Mehr dazu steht im Beitrag über EMS beim Pferd.
Braucht ein gesundes Pferd Zusatzfutter?
In der Regel braucht es genug Heu, Wasser, Salz und ein Mineralfutter, das zum Heu passt. Viele Zusätze sind bei einem gesunden Pferd nicht nötig und überschneiden sich mit dem, was schon im Mineralfutter steckt. Ob deinem Pferd etwas fehlt, zeigt eine Rationsberechnung, nicht das Bauchgefühl.
Quellen
- Institut suisse de médecine équine, Avenches und Universität Bern 2025: Gesund oder krank? Normalwerte in Ruhe und Warnzeichen beim Pferd
- Gleerup und andere 2015, Veterinary Anaesthesia and Analgesia 42, 103 bis 114: An equine pain face
- Henneke und andere 1983, Equine Veterinary Journal 15, 371 bis 372: Body Condition Score bei Stuten
- Ständige Impfkommission Veterinärmedizin, Leitlinie zur Impfung von Pferden, 5. Auflage 2023


